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Re: BORDEAUX 2010 - erste Berichte von "Front"

Verfasst: Mi 1. Jun 2011, 16:58
von Desmirail
Frankie Wilberforce hat geschrieben: Aha, wozu denn noch subsen? Zu diesen Preisen werden die gleichen Weine bei der Arrivage in Europa in 1,5 oder 2 Jahren auch noch erhältlich sein.

Grüsse
Armin
Eben, es lohnt sich einfach nicht. Das ist für diese Chateaus, aus meiner Sicht, nur Geldgier, weil diese ohnehin Probleme bis zum abwinken bekommen werden wenn der Asiat mal keinen Bock mehr auf BDX hat. Das dürfte vermutlich so schnell nicht passieren, aber es kann ... nur wird das geflissentlich ausgeblendet. Auch von Händlern, denn die Margen sind bei höheren Preisen ebenfalls besser, da mehr Umsatz gemacht wird. :roll: :D

Re: BORDEAUX 2010 - erste Berichte von "Front"

Verfasst: Mi 1. Jun 2011, 17:01
von Desmirail
weinfex hat geschrieben:
octopussy hat geschrieben:Ich empfehle Euch mal auf die Homepage von bbr.com zu gehen Ch. Batailley 2010
anzuklicken, da kannst Du zugucken, wie die Kisten minütlich weggehen... ;)
Komm komm, lass die Kirche mal im Dorf, die Bude hat gerade ihr Coming-out, da ist das normal.
;)

Re: BORDEAUX 2010 - erste Berichte von "Front"

Verfasst: Mi 1. Jun 2011, 17:02
von innauen
Bitte jetzt keine Händlerschelte. Ich bin wirklich froh, dass Andreas seine intimen Eindrücke hier postet (wer, wenn nicht ein Händler kann aus erster Hand darüber berichten wie die Preisbildung verläuft?) und still war er auch nur bei den kleinen Weinen, weil dort die Kampagne nicht gut läuft. Das die grossen Sachen 5-20% teurer werden würden, hat er immer gesagt.

Grüsse,

Wolf

2010 La Petite Eglise @ 24.75 Euro
2010 Chateau Bellegrave @ 18.00 Euro
2010 Chateau Bellisle Mondotte @ 13.60 Euro

Re: BORDEAUX 2010 - erste Berichte von "Front"

Verfasst: Mi 1. Jun 2011, 17:09
von Desmirail
innauen hat geschrieben:Bitte jetzt keine Händlerschelte. Ich bin wirklich froh, dass Andreas seine intimen Eindrücke hier postet (wer, wenn nicht ein Händler kann aus erster Hand darüber berichten wie die Preisbildung verläuft?) und still war er auch nur bei den kleinen Weinen, weil dort die Kampagne nicht gut läuft. Das die grossen Sachen 5-20% teurer werden würden, hat er immer gesagt.

Grüsse,

Wolf

2010 La Petite Eglise @ 24.75 Euro
2010 Chateau Bellegrave @ 18.00 Euro
2010 Chateau Bellisle Mondotte @ 13.60 Euro

Deswegen sag ich ja "Nichts für ungut".

Ich schätze seine Kommentare auch, nur wenn in meiner Wahrnehmung, naja, sagen wir, angepriesen wird, finde ich persönlich es nicht mehr so toll.

Re: BORDEAUX 2010 - erste Berichte von "Front"

Verfasst: Mi 1. Jun 2011, 17:15
von harti
UlliB hat geschrieben:
harti hat geschrieben: Spätestens dann können die Bordelaiser Weingüter den europäischen Markt mehr oder weniger ganz vergessen.
Hallo Hertmut,

ich denke, die haben den europäischen Markt gedanklich bereits abgeschrieben, und das durchaus aus guten Gründen.

Während vor hundert Jahren noch rund 25% der Weltbevölkerung in Europa lebte und über die Hälfte der Weltwirtschaftsleistung hier erbracht wurde, stellt sich die Situation aktuell und für die bereits absehbare Zukunft so da:

2000: 11% europäischer Anteil an der Weltbevölkerung
2050: 7%
2100: 4%

Kaufkraftmäßig betrachtet mag die Situation vielleicht auch im Jahr 2050 und 2100 noch etwas besser aussehen als die numerischen Bevölkerungsanteile signalisieren, aber auch hier gilt: Europa wird global betrachtet als Markt völlig marginalisiert werden. Die Musik wird anderswo spielen.

Jede leistungsfähige Industrie, die sich um ihre langfristige Zukunft Gedanken macht, sieht ihre zukünftigen Absatzmärkte überall, aber nicht in Europa. Warum sollte es bei der Weinindustrie anders sein?

Beste Grüße
Ulli
Hallo Ulli,

meine Ausführungen bezogen zwar explizit nur Europa ein, aber sicherlich müssten auch die anderen traditionellen Märkte für Bordeaux - Japan und USA - hier mit genannt werden. Insbesondere in den USA ist der Prozess des Nachfragerückgangs schon weiter fortgeschritten (wegen der üngünstigen Wechselkursentwicklung).

Die Wirtschaftsräume EU, USA und Japan erwirtschaften derzeit mehr als 60 % des weltweiten BIP (http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_ ... ndsprodukt), da kann ich mir schwer vorstellen, dass die Bdx-Weingüter diese Märkte heute oder künftig als marginal betrachten können.

Grüße

Hartmut

Re: BORDEAUX 2010 - erste Berichte von "Front"

Verfasst: Mi 1. Jun 2011, 17:21
von harti
kristof hat geschrieben:@ Hartmut,

dann firmiert Ihr bald in den "Göttinger Norditalienkreis" um?

:D
Hallo Christoph,

schneidiger Vorschlag, muss ich drüber nachdenken :lol: .

Grüße

Hartmut

Re: BORDEAUX 2010 - erste Berichte von "Front"

Verfasst: Mi 1. Jun 2011, 17:27
von Bottlebinder
In Frankreich haben alle offenbar mehr Gottvertrauen, obwohl dort ein rigider Laizismus durchgezogen wird. Das sieht man ja auch an der hohen Akzeptanz für die Atomkraft ...

Re: BORDEAUX 2010 - erste Berichte von "Front"

Verfasst: Mi 1. Jun 2011, 17:35
von Chris
harti hat geschrieben: Die Wirtschaftsräume EU, USA und Japan erwirtschaften derzeit mehr als 60 % des weltweiten BIP (http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_ ... ndsprodukt), da kann ich mir schwer vorstellen, dass die Bdx-Weingüter diese Märkte heute oder künftig als marginal betrachten können.
Nicht nur das. Die Asiaten (ex japan) würde ich nicht unbedingt als treue Kundschaft einstufen. Das es kurzfristig zu einem Crash kommt glaube ich aber dennoch nicht. Es gibt genug Marktteilnehmer, die aktuell nicht stark investiert scheinen und bei sinkenden Preisen ihre jetzige Kaufzurückhaltung aufgeben würden. So etwas wirkt in der Regel unterstützend für den Preis.

Re: BORDEAUX 2010 - erste Berichte von "Front"

Verfasst: Mi 1. Jun 2011, 17:40
von weinfex
Hallo Manuel,

es ist immer ein schmaler Grat, sich auf der einen Seite
beruflich mit der Materie zu beschäftigen, und
auf der anderen Seite "neutral" darüber zu berichten bzw. wahrgenommen zu werden,
ich denke aber, dass ist Dir auch klar...

Wenn ich hier etwas schreibe, oder eine These aufstelle,
so ist es meine Meinung, welche ich mir aufgrund von Informationen
gebildet habe. Wenn ich behaupte, dass die
Preise steigen kann das stimmen, muss aber logischerweise
nicht. Das ich das persönlich ebensowenig gut finde, wie
jeder andere hier, ist nur logisch, nur ändern tut das an der
Sache nichts, und mit den "Wölfen heulen" nicht meine Sache...
Ruhig bin ich übrigens immer dann, wenn ich nichts zu sagen habe,
oder bis über beide Ohren in Arbeit stecke... ;)
Übrigens behaupte ich auch, dass sich der Bordeauxmarkt kolossal verändert,
und wir eher am Anfang, wie in der Mitte dieser Entwicklung stehen, klar
ist aber auch, Preise können und werden nicht ewig steigen, dass widerspricht
jeglicher Logik...

Re: BORDEAUX 2010 - erste Berichte von "Front"

Verfasst: Mi 1. Jun 2011, 18:18
von UlliB
harti hat geschrieben:
Die Wirtschaftsräume EU, USA und Japan erwirtschaften derzeit mehr als 60 % des weltweiten BIP (http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_ ... ndsprodukt), da kann ich mir schwer vorstellen, dass die Bdx-Weingüter diese Märkte heute oder künftig als marginal betrachten können.
Hallo Hartmut,

ohne hier in eine vertiefte ökonomische Diskusssion einsteigen zu wollen: das BIP ist ein nicht ganz unkritischer Parameter zur Bewertung der Wirtschaftsleistung einer Nation oder Gruppe von Nationen, da hier z.B. auch ein rein kreditbasierter Konsum in vollem Umfang einfließt. Irland hat vor 2008 mehrere Jahre hintereinander ein deutliches höheres pro-Kopf-BIP gehabt als Deutschland - alles heiße Luft, die mit dem Finanzcrash schlagartig abgelassen wurde. Würde man z.B. die Güterproduktion als Maß für wirtschaftliche Leistung ansehen, sähe die Situation bereits jetzt völlig anders aus.

Aber einerlei: inwieweit die Bordeaux-Güter den europäischen Markt heute bereits als marginal ansehen, vermag ich nicht zu sagen. Allzu viel Sorgen darum müssen sie sich aber vielleicht auch gar nicht machen: nach Aussage von zwei bedeutenden deutschen Händlern ist die letztjährige Kampagne die umfangreichste je gelaufene gewesen - und zwar sowohl im Hinblick auf den Umsatz als auch auf die verkaufte Flaschenzahl. Möglicherweise spielen wesentlich mehr Leute auch in "good old Europe" das Spiel trotz der hohen Preise mit, als mancher hier wahrhaben möchte.

Was aber die langfristige Perspektive betrifft, ist die Strategie klar: hier wird die Musik nicht mehr in Europa gespielt. Und einen Markt erschließt man sich als erster, und nicht dann, wenn schon alle anderen da sind. Insofern ist klar, worauf sich Erzeuger und Handel fokussieren.

Gruß
Ulli