Re: Grosse Gewächse 2010 - live dabei
Verfasst: Fr 26. Aug 2011, 12:53
Seit die ersten Ergebnisse der GGs veröffentlicht wurden, treibt mich ein Gedanke um.
Ein früher mal bekannter Weinjournalist hat, nachdem die ersten Bewertungen und Beschreibungen im Netz veröffentlicht waren, darüber gelästert, dass
1. die Weine alle zu früh probiert werden
2. viele Fragen, die durch die Verkostung aufgeworfen wurden, zu allererst mit den betreffenden Weingütern besprochen werden müssten
3. die früh abgegebenen Bewertungen im Netz natürlich dazu dienten, eine Deutungshoheit zu erlangen, während der Printbereich, der später erscheint, das nicht nötig hätte
Das mal als Zusammenfassung.
Mit Punkt 1. hat er natürlich Recht. Die Weine werden in der Tat zu früh probiert. Nur unterstellt das zum einen, dass die Verkoster vom momentanen Zustand nicht auf die Zukunft abstrahieren könnten. Und zum anderen stellt sich da natürlich die Frage, wann welcher Wein je zu einem perfekten Zustand probiert wird? Damit meine ich: Probierzeitpunkt und Trinkreife differieren fast immer, aber scheinbar soll das, was für Bordeauxweine gilt, nicht für Rieslinge gelten. Auf jeden Fall ein merkwürdiges Statement.
zu 2.
Natürlich wirft eine derartige Verkostung viele Fragen auf, aber der Umstand, bevor man Bewertungen veröffentlicht, erstmal bei den Weingütern nachzufragen, woran das u.U. gelegen haben könnte, halte ich für zwar redlich, öffnet aber nicht nur der Einflussnahme Tür und Tor, sondern ist auch ein Zeichen dafür, dass bestimmte Weingüter "privilegiert" behandelt werden. Denn warum stellt sich bei diesen die Frage und wiederum bei anderen nicht?
Dass Punkt 3. ganz sicher dem Eindruck eines Printjournalisten geschuldet ist, der durch das Internet seine Felle davonschwimmen sieht, ist die eine Sache. Die andere ist, ob nicht das Selbstverständnis dieser Journalisten durch eben das Internet obsolet geworden ist? Wird da nicht immer noch der Überzeugung nachgehangen, dass die Konsumenten auf die Journalisten wie auf Gurus zu hören hätten, statt sich aus der Vielfalt der Meinungen ihre eigene zu exzerpieren?
Damit meine ich: die Vielfalt der Internet-Community ist doch, gerade wenn es um Kauftipps geht, eines der entscheidenden Kriterien. Seien es Hotels oder Restaurants, Weine oder elektronische Geräte: bevor viele Kunden den Kauf tätigen, informieren sie sich im Netz und lesen die verschiedenen Meinungen. Aus der Vielfalt ergibt sich dann meist ein konsistentes Bild, das zu dem passt, was gesucht wird - oder eben nicht.
An anderer Stelle ist ja bereits darüber diskutiert worden, ob die Großmacht der Weinkritiker nicht langsam zurückgeht. Bei Wein aus Deutschland, der noch nie von einer einzelnen Kritikermacht heimgesucht wurde, ist dieser Vorgang vielleicht noch deutlicher ablesbar.
Wie seht Ihr das?
Ein früher mal bekannter Weinjournalist hat, nachdem die ersten Bewertungen und Beschreibungen im Netz veröffentlicht waren, darüber gelästert, dass
1. die Weine alle zu früh probiert werden
2. viele Fragen, die durch die Verkostung aufgeworfen wurden, zu allererst mit den betreffenden Weingütern besprochen werden müssten
3. die früh abgegebenen Bewertungen im Netz natürlich dazu dienten, eine Deutungshoheit zu erlangen, während der Printbereich, der später erscheint, das nicht nötig hätte
Das mal als Zusammenfassung.
Mit Punkt 1. hat er natürlich Recht. Die Weine werden in der Tat zu früh probiert. Nur unterstellt das zum einen, dass die Verkoster vom momentanen Zustand nicht auf die Zukunft abstrahieren könnten. Und zum anderen stellt sich da natürlich die Frage, wann welcher Wein je zu einem perfekten Zustand probiert wird? Damit meine ich: Probierzeitpunkt und Trinkreife differieren fast immer, aber scheinbar soll das, was für Bordeauxweine gilt, nicht für Rieslinge gelten. Auf jeden Fall ein merkwürdiges Statement.
zu 2.
Natürlich wirft eine derartige Verkostung viele Fragen auf, aber der Umstand, bevor man Bewertungen veröffentlicht, erstmal bei den Weingütern nachzufragen, woran das u.U. gelegen haben könnte, halte ich für zwar redlich, öffnet aber nicht nur der Einflussnahme Tür und Tor, sondern ist auch ein Zeichen dafür, dass bestimmte Weingüter "privilegiert" behandelt werden. Denn warum stellt sich bei diesen die Frage und wiederum bei anderen nicht?
Dass Punkt 3. ganz sicher dem Eindruck eines Printjournalisten geschuldet ist, der durch das Internet seine Felle davonschwimmen sieht, ist die eine Sache. Die andere ist, ob nicht das Selbstverständnis dieser Journalisten durch eben das Internet obsolet geworden ist? Wird da nicht immer noch der Überzeugung nachgehangen, dass die Konsumenten auf die Journalisten wie auf Gurus zu hören hätten, statt sich aus der Vielfalt der Meinungen ihre eigene zu exzerpieren?
Damit meine ich: die Vielfalt der Internet-Community ist doch, gerade wenn es um Kauftipps geht, eines der entscheidenden Kriterien. Seien es Hotels oder Restaurants, Weine oder elektronische Geräte: bevor viele Kunden den Kauf tätigen, informieren sie sich im Netz und lesen die verschiedenen Meinungen. Aus der Vielfalt ergibt sich dann meist ein konsistentes Bild, das zu dem passt, was gesucht wird - oder eben nicht.
An anderer Stelle ist ja bereits darüber diskutiert worden, ob die Großmacht der Weinkritiker nicht langsam zurückgeht. Bei Wein aus Deutschland, der noch nie von einer einzelnen Kritikermacht heimgesucht wurde, ist dieser Vorgang vielleicht noch deutlicher ablesbar.
Wie seht Ihr das?