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Re: Weingut Rainer Schnaitmann
Verfasst: So 18. Mai 2025, 10:20
von UlliB
Hallo Bernd,
zum Lemberger "Steinwiege" hatte ich weiter oben etwas geschrieben, allerdings zum Jahrgang 2020:
UlliB hat geschrieben: ↑So 27. Aug 2023, 11:23
Lemberger "Steinwiege" 2020 (Schnaitmann) 12,5%Vol. Sehr dunkles Kirschrot, leicht trübe (unfiltriert). Hübsche, unaufdringliche Kirschfrucht, am Gaumen dazu noch etwas Blaubeere; feine Säure, etwas aufrauhendes Tannin. Recht schlank, frisch, wirkt noch sehr jung (Schraubverschluss). Ohne großen Anspruch, aber sehr stimmig. Gut.
Das passt doch recht gut zu deiner Notiz, offensichtlich ist hier der Stil jahrgangsübergreifend recht konstant. Mein "gut" kannst du mit 86 oder 87 Punkten übersetzen, passt soweit auch.
Was Suckling betrifft, ist der ein Ultra-Hochpunkter, wahrscheinlich sogar
der Hochpunkter überhaupt. Unter 90 Punkten heißt bei dem "untrinkbar"
Wobei Suckling eigentlich nur noch ein Markenname wie Parker ist - manche Händler führen die Benotungen im WA auch heute noch als "Parker-Punkte" auf, obwohl der selber seit über einem Jahrzehnt gar nicht mehr dabei ist. Für Suckling schreibt in Deutschland regelmäßig Stuart Pigott, und ich nehme an, dass die Notiz von dem stammt.
Gruß
Ulli
Re: Weingut Rainer Schnaitmann
Verfasst: So 18. Mai 2025, 11:47
von Taunus Südhang
Noch höher punktet wohl Maroni.
Hatte es hier schon mal geschrieben, dass bei ihm Fairy Ultra noch 90 Punkte bekommt.
Re: Weingut Rainer Schnaitmann
Verfasst: So 18. Mai 2025, 12:07
von EThC
Taunus Südhang hat geschrieben: ↑So 18. Mai 2025, 11:47
Noch höher punktet wohl Maroni.
...kann man so nicht sagen, er vergibt seine max. 99 Punkte nur nach völlig anderen Kriterien (je max. 33 für Ausgewogenheit, Konsistenz, Integrität, was auch immer das in seiner Nase sein mag...). Je Frucht, desto Punkt, alles was mit Reife und Mineralik zu tun, führt bei ihm zur Abwertung. So ganz grob...
Re: Weingut Rainer Schnaitmann
Verfasst: So 18. Mai 2025, 20:27
von Bernd Schulz
UlliB hat geschrieben: ↑So 18. Mai 2025, 10:20
...Das passt doch recht gut zu deiner Notiz, offensichtlich ist hier der Stil jahrgangsübergreifend recht konstant. Mein "gut" kannst du mit 86 oder 87 Punkten übersetzen, passt soweit auch.
Ich gehe jetzt auch erst einmal davon aus, dass sich der 20er nicht massiv vom 21er unterscheidet.
UlliB hat geschrieben: ↑So 18. Mai 2025, 10:20
Für Suckling schreibt in Deutschland regelmäßig Stuart Pigott, und ich nehme an, dass die Notiz von dem stammt.
Hmm, von Pigott kann man alles mögliche halten (ich halte mehr vom frühen als vom späten Pigott

), aber mit großen Exzessen bei seinen Bewertungen ist er mir eigentlich bislang nicht aufgefallen.
Ich habe den Wein jetzt nochmals im Glas (natürlich

ist gestern ein gehöriger Rest in der Flasche geblieben); er wirkt heute minimal zugänglicher, aber er bleibt eine ziemlich rustikale Angelegenheit, prima zur Vesper oder zu einem derberen Fleischgericht, ohne auch nur ansatzweise an die 90-Punkte-Marke tippen zu können. Und wenn ich dann sehe, dass ich einen 21er "Salvatore" von Pairits zu 10 Euro bekommen kann, muss ich den "Steinwiege" zu 13,50 nicht wirklich kaufen....
Herzliche Grüße
Bernd
Re: Weingut Rainer Schnaitmann
Verfasst: Fr 1. Aug 2025, 19:40
von Jochen R.
Simonroth Spätburgunder 2019:
Himbeeren, Kirschen, kräftig Minze, Pfeffer. Mit Luft Mocca, dezent Leder, später auch Tabak. Feinduftend, nicht Laut.
Setzt sich am Gaumen im Wesentlichen so fort. Eher schlank bis mittelgewichtig, trinkanimierende Frucht und Säure, Trinkfluss mit sehr angenehmen 12,5 %-Vol., mittellang.
Die letzte Flasche habe ich als ziemlich vernagelt in Erinnerung, das hier geht in eine schöne Richtung. Aktuell so um die 90+ P.
Viele Grüße,
Jochen
Re: Weingut Rainer Schnaitmann
Verfasst: Do 11. Sep 2025, 19:06
von Jochen R.
Réserve Riesling 2015:
Ein immer noch recht jungendliches Gelb mit Grünstich. Die Nase Tiefe anzeigend, Tabak, Kräuter und Gewürze - ständig wechselnde Eindrücke. Mit viel Luft gesellt sich auch Pfirsich und Minze dazu. Da könnte ich ständig die Nase ins Glas halten ...
Mittelgewichtig, am Gaumen zunächst erst mal extrem kräutrig/würzig (wie ich den Wein bei Arrivage meine in Erinnerung zu haben): Frucht sucht man zunächst vergeblich. Mit Luftzufuhr gesellt sich dann aber etwas Pfirsich dazu, es wird zitrusfruchtig. Mittellanger würziger Abgang, der mit der Zeit immer länger wird.
Ich meine, die "Réserve" wurde erstmals 2015 aufgelegt und hat schon ihren eigenen Stil. Diese Flasche kommt noch extrem jugendlich daher. Großer Wein ganz am Anfang, 94+ P.
Viele Grüße,
Jochen
Re: Weingut Rainer Schnaitmann
Verfasst: So 18. Jan 2026, 11:50
von UlliB
Spätburgunder "Simonroth" 2020 (Schnaitmann) 12,5%Vol. Schwäbischer Landwein. Ziemlich dunkles Ziegelrot. Unmittelbar anspringende, intensive, unverwechselbare deutsche Spätburgunder-Nase, viel Rotfrucht - Kirsche, Himbeere, auch Erdbeere, dazu Speck und braune Butter. Auch im Gaumen intensiv, für 12,5% ziemlich konzentriert, noch einiges Tannin, die selben Aromen wie in der Nase, Holz gut eingebunden, sauber und lang.
Der dürfte polarisieren. Wer mit der typisch deutschen Spätburgunder-Aromatik fremdelt, wird mit dem nicht viel anfangen können. Ich habe da nicht so sehr viel Probleme, und mir hat der sehr gut gefallen. Für etwa 30 Euro im Handel, nicht ganz billig, aber (noch) ok.
Gruß
Ulli
Re: Weingut Rainer Schnaitmann
Verfasst: Sa 31. Jan 2026, 20:29
von Nora
Vor ein paar Tagen hatte ich die Möglichkeit, mit Rainer Schnaitmann Weine von ihm zu verkosten.
Besonders angetan war ich vom
Simonroth Cabernet Franc 2022:
Betörende, recht volle Nase, die leicht rauchig daherkommt mit dunklen Beeren und Sauerkirschen, dann ganz deutlich grüne Paprika und grüner Pfeffer, dabei auch leicht animalisch. Was für eine tolle Nase! Rainer Schnaitmann merkte dazu an, dass er die Pyrazine im Cabernet Franc suche und haben wolle. Auch die animalischen Noten seien im gewissen Maße erwünscht, würden von Flasche zu Flasche in ihrer Intensität leicht variieren, er habe Flaschen gehabt, bei denen sie viel weniger deutlich gewesen seien, als bei der Flasche an diesem Abend. Bei der Nachverkostung des Weins an den nächsten beiden Tagen ist mir aufgefallen, dass die animalischen Noten etwas zurückgetreten sind.
Am Gaumen ist der Wein unheimlich strukturiert; zunächst saftig, fruchtig und dann wird er straffer durch die tollen feinsandigen und dabei präsenten Gerbstoffe und die feine, reife Säure, die den Gaumen trotz der 14 % Alkohol kühl und frisch wirken lässt.
Der Wein ist äußerst lebendig, hat einen großen Trinkfluss und zeigt im recht lang anhaltenden Abgang noch einen Hauch Espresso.
Ein wunderbarer Wein, der mir ganz viel Spaß gemacht hat! Wäre mein Keller nicht so voll, würde ich sofort nachkaufen.
VG Nora
Re: Weingut Rainer Schnaitmann
Verfasst: Sa 31. Jan 2026, 22:02
von Kle
Nora hat geschrieben: ↑Sa 31. Jan 2026, 20:29
Auch die animalischen Noten seien im gewissen Maße erwünscht, würden von Flasche zu Flasche in ihrer Intensität leicht variieren, er habe Flaschen gehabt, bei denen sie viel weniger deutlich gewesen seien, als bei der Flasche an diesem Abend.
als normal empfundene oder erwünschte deutliche und nicht durch Reifung oder Lagerung bedingte Flaschenvarianzen des gleichen Weines? Das hab ich so noch nicht beschrieben gefunden, entspricht aber sehr meinen Erfahrungen. Freut mich.
Gruß, Kle
Re: Weingut Rainer Schnaitmann
Verfasst: Sa 31. Jan 2026, 22:21
von Nora
Kle, so ist es. Es kam mir immer so vor, dass es von einem Wein Flaschen mit deutlichen animalischen Noten und andere mit weniger deutlichen gibt. Lediglich am Rand erwähnte Rainer Schnaitmann, dass es am Korken liegen könnte und daran, dass der Wein nicht filtriert worden sei. Leider habe ich nicht vertiefend nachgefragt.
VG Nora