Bernd Schulz hat geschrieben:Da die 10er Hühnerberg-Spätlese erstens viel zu jung und zweitens nicht ganz billig ist, fiel es mir nicht leicht, eine von meinen drei vorhandenen Flaschen zu öffnen, aber was tut man nicht alles im Dienste der Wissenschaft

!
Das ist ein paradoxer Wein, ein Extraktmonster, welches auf Zehenspitzen tanzt. Und jahrgangstypisch bereitet er einem Säurefreak

wie mir auch im Embryonalstadium schon eine Menge Freude, wobei er vermutlich frühestens in 10 Jahren seine endgültige Größe zeigen wird.
Hallo Bernd,
ich nehme an, gemeint ist die 1-Sterne-Spätlese (eine "sternlose" 10er kenne ich nicht)?
Gerade im Glas: zunächst einmal - die Nase ist blitzsauber, da ist nichts stinkiges oder schwefliges zu bemerken. Zu traubig-blütigen Noten gesellt sich mit etwas Luft ein deutlich würziger, gar ein wenig scharfer, schiefriger Ton; noch embryonal, aber schon jetzt sehr spannend. Im Gaumen krachend-klirrende Säure, an der sich die Geister scheiden dürften; anders beim Schloss-Lieser-Kabinett neulich passt aber hier für mich alles zusammen; Säure, Süße und Körper bilden schon jetzt eine Einheit, da wirkt nichts aufgesetzt. Filigranes Spiel, schöner Abgang auf Blüten- und Traubennoten. Wird sehr, sehr lange leben.
Wer wenig säuretolerant ist: Finger weg, unbedingt (einem Pinot-grigio-Liebhaber dürfte der Wein förmlich die Schuhe ausziehen

). Für den, der meint, dass restsüße Mosel freundlich-süßliche und ansonsten belanglose Weinchen sind: eine möglicherweise schmerzhafte Lehrstunde. Für Liebhaber klassischer Mittelmosel-Spätlesen: ein absolut kompromisslos gearbeiter Traumwein. 92++ UP.
Gruß
Ulli