Diese Begriffe werden von ziemlich vielen Nicht-VDP-Winzern benutzt, aber es gibt auch eine Gegenbewegung. Bei Martin Müllen oder Florian Weingart z.b. suchst du vergebens nach solchen Begriffen, beide verwenden (auf eine konsequente Art) das gute alte Prädikatssystem auch bei ihren trockenen Weinen, und beide sind sehr intelligente Menschen, die dir durchaus erklären können, warum sie das tun.
Die User dieses Forums haben sehr unterschiedliche Voraussetzungen und daher auch sehr unterschiedliche Bedürfnisse. Ich bin aufgrund meines eher ungewöhnlichen Berufswegs in der Situation, dass mir meine Arbeit sehr viel Freude macht, aber leider sehr wenig Geld einbringt. Wenn das Bruttoeinkommen in vielen Monaten nicht einmal vierstellig ist, ist man als Weinliebhaber regelrecht gezwungen, nach Winzern zu suchen, die schöne Weine besonders preisgünstig verkaufen, und wenn man sich mit der Suche entsprechend Mühe gibt, wird man hinreichend fündig, allerdings eher wenig unter den im VDP organisierten Erzeugern (unter denen man am ehesten in Franken Treffer landen kann). Oder anders gesagt: Nach meinen weitreichenden Erfahrungen bekommt man beim ambitionierten Non-VDPler für 10, 15 oder 20 Euro in der Regel einen Wein mit einem weit besseren PGV als beim VDPler. Ich nenne mal ein Beispiel: Neulich habe ich zusammen mit Ralf den 22er Chardonny Ihringer Winklerberg von Konstanzer (der sich mit seiner gutsinternen Klassifikation und seinen Bezeichnungen an den VDP anlehnt) getrunken und für sehr gut befunden, weshalb ich ihn mit einer Bewertung knapp jenseits der 90 bedacht habe. Dieser Wein kostet ab Werk 17 Euro; beim Nachbarn Dr. Heger kostet der 22er Chardonnay "Erste Lage" Ihringer Winklerberg satte 7 Euro (also ca. 40 Prozent) mehr, und ich kann mir nicht vorstellen, dass er noch einmal deutlich besser ist als das exzellente Produkt von Konstanzer.
Noch ein Beispiel: Bei Lisa Bunn gibt es immer wieder (seit Jahren in nicht allen, aber in vielen Monaten) ein Angebotspaket mit 6 Flaschen zu 29,90. Es handelt sich natürlich nicht um die Spitzenprodukte des Weinguts, aber um mehr als solide Alltagsweine, die mit den Basiserzeugnissen vieler VDP-Betriebe gut mithalten können. Was bekommt man beim VDP-Winzer für 5 Euro? Vielleicht einen feuchtwarmen Händedruck, aber eine Flasche Wein ganz sicher nicht.
Ich könnte noch genug weitere Beispiele bringen wie z.b. die hochkarätigen Spätburgunder von Michael Fiebrich, die in etwa halb so teuer sind wie vergleichbare Sachen der besseren VDP-Betriebe an der Ahr.
Und deshalb lohnt es sich, auch mal abseits des VDPs nach guten deutschen Weinen Ausschau zu halten. Vermutlich auch für Ausländer, wobei es für die schwierig sein könnte, an die entsprechenden Produkte heranzukommen, weil sie in der Regel nicht über den Fachhandel im eigenen Land zu beziehen sind.
Herzliche Grüße
Bernd