VDP-Klassifikation - Sinn und Unsinn

Bernd Schulz
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Re: VDP-Klassifikation - Sinn und Unsinn

Beitrag von Bernd Schulz »

TroisLacs hat geschrieben: Do 11. Dez 2025, 13:01 Und zur Orientierung suche ich fast automatisch nach den Bezeichnungen Gutswein, Ortswein, 1G und GG. Marketingtechnisch sicher clever vom VDP. Die Begriffe werden ja auch von Nicht-VDP-Winzern benutzt.
Diese Begriffe werden von ziemlich vielen Nicht-VDP-Winzern benutzt, aber es gibt auch eine Gegenbewegung. Bei Martin Müllen oder Florian Weingart z.b. suchst du vergebens nach solchen Begriffen, beide verwenden (auf eine konsequente Art) das gute alte Prädikatssystem auch bei ihren trockenen Weinen, und beide sind sehr intelligente Menschen, die dir durchaus erklären können, warum sie das tun.

Die User dieses Forums haben sehr unterschiedliche Voraussetzungen und daher auch sehr unterschiedliche Bedürfnisse. Ich bin aufgrund meines eher ungewöhnlichen Berufswegs in der Situation, dass mir meine Arbeit sehr viel Freude macht, aber leider sehr wenig Geld einbringt. Wenn das Bruttoeinkommen in vielen Monaten nicht einmal vierstellig ist, ist man als Weinliebhaber regelrecht gezwungen, nach Winzern zu suchen, die schöne Weine besonders preisgünstig verkaufen, und wenn man sich mit der Suche entsprechend Mühe gibt, wird man hinreichend fündig, allerdings eher wenig unter den im VDP organisierten Erzeugern (unter denen man am ehesten in Franken Treffer landen kann). Oder anders gesagt: Nach meinen weitreichenden Erfahrungen bekommt man beim ambitionierten Non-VDPler für 10, 15 oder 20 Euro in der Regel einen Wein mit einem weit besseren PGV als beim VDPler. Ich nenne mal ein Beispiel: Neulich habe ich zusammen mit Ralf den 22er Chardonny Ihringer Winklerberg von Konstanzer (der sich mit seiner gutsinternen Klassifikation und seinen Bezeichnungen an den VDP anlehnt) getrunken und für sehr gut befunden, weshalb ich ihn mit einer Bewertung knapp jenseits der 90 bedacht habe. Dieser Wein kostet ab Werk 17 Euro; beim Nachbarn Dr. Heger kostet der 22er Chardonnay "Erste Lage" Ihringer Winklerberg satte 7 Euro (also ca. 40 Prozent) mehr, und ich kann mir nicht vorstellen, dass er noch einmal deutlich besser ist als das exzellente Produkt von Konstanzer.

Noch ein Beispiel: Bei Lisa Bunn gibt es immer wieder (seit Jahren in nicht allen, aber in vielen Monaten) ein Angebotspaket mit 6 Flaschen zu 29,90. Es handelt sich natürlich nicht um die Spitzenprodukte des Weinguts, aber um mehr als solide Alltagsweine, die mit den Basiserzeugnissen vieler VDP-Betriebe gut mithalten können. Was bekommt man beim VDP-Winzer für 5 Euro? Vielleicht einen feuchtwarmen Händedruck, aber eine Flasche Wein ganz sicher nicht.

Ich könnte noch genug weitere Beispiele bringen wie z.b. die hochkarätigen Spätburgunder von Michael Fiebrich, die in etwa halb so teuer sind wie vergleichbare Sachen der besseren VDP-Betriebe an der Ahr.

Und deshalb lohnt es sich, auch mal abseits des VDPs nach guten deutschen Weinen Ausschau zu halten. Vermutlich auch für Ausländer, wobei es für die schwierig sein könnte, an die entsprechenden Produkte heranzukommen, weil sie in der Regel nicht über den Fachhandel im eigenen Land zu beziehen sind.

Herzliche Grüße

Bernd
Zuletzt geändert von Bernd Schulz am Do 11. Dez 2025, 21:30, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: VDP-Klassifikation - Sinn und Unsinn

Beitrag von EThC »

Rieslingfan hat geschrieben: Do 11. Dez 2025, 16:17 Um sich einen Überblick zu verschaffen, empfehle ich die VDP-Klassifikation
...na ja, das hilft auch nicht bei allen Fragen weiter. Schon wenn man wissen will, was es mit dem "Aus Ersten Lagen" auf sich hat, steht man da hinsichtlich Aufklärung auf dem Schlauch...
Viele Grüße
Erich

Nicht was lebendig, kraftvoll, sich verkündigt, ist das gefährlich Furchtbare. Das ganz Gemeine ist's
DAS EWIG GESTRIGE
was immer war und immer wiederkehrt und morgen gilt, weil's heute hat gegolten.

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Bernd Schulz
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Re: VDP-Klassifikation - Sinn und Unsinn

Beitrag von Bernd Schulz »

Weingut Lämmlin-Schindler
2022 FRAUENBERG Chardonnay GG
VDP. GROSSE LAGE® 28,00

2018 FRAUENBERG Riesling GG
VDP. GROSSE LAGE® 28,00

2019 FRAUENBERG Spätburgunder GG
VDP. GROSSE LAGE® 35,00

Weingut Graf von Bentzel-Sturmfeder

2020 GG Spätburgunder trocken VDP.Große Lage 28,30 €
2018 GG Lemberger trocken VDP.Große Lage 28,30 €
2022 GG Riesling VDP.Große Lage 28,30 €

Weingut Wirsching

2022 Iphöfer Kammer Silvaner trocken GG 28,00
2021 Iphöfer Kammer Silvaner trocken GG 29,00
2020 Iphöfer Kammer Silvaner trocken GG 30,00
2021 Iphöfer Kammer Riesling trocken GG 29,00
2020 Iphöfer Kammer Riesling trocken GG 30,00

Nur um mal ein paar Beispiele zu nennen...
Was mit dieser Auflistung gesagt werden soll, verstehe ich nicht. :? Die genannten GGs liegen doch alle bei mindestens 50 DM.

Viele Grüße

Bernd
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Rieslingfan
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Re: VDP-Klassifikation - Sinn und Unsinn

Beitrag von Rieslingfan »

EThC hat geschrieben: Do 11. Dez 2025, 17:52
Rieslingfan hat geschrieben: Do 11. Dez 2025, 16:17 Um sich einen Überblick zu verschaffen, empfehle ich die VDP-Klassifikation
...na ja, das hilft auch nicht bei allen Fragen weiter. Schon wenn man wissen will, was es mit dem "Aus Ersten Lagen" auf sich hat, steht man da hinsichtlich Aufklärung auf dem Schlauch...
Ich finde der Unterschied zwischen 1G und Ortswein geht aus der Deklaration durchaus hervor.
Gruß Markus
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Re: VDP-Klassifikation - Sinn und Unsinn

Beitrag von EThC »

...wo findest Du da die Erläuterung des Unterschieds zwischen "VDP.Erste Lage" und "VDP.Aus Ersten Lagen"? bzw. findest Du letzteren Begriff da überhaupt irgendwo :?: :?
Viele Grüße
Erich

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Re: VDP-Klassifikation - Sinn und Unsinn

Beitrag von Rieslingfan »

Ich gehe davon aus, dass VDP.Aus Ersten Lagen lediglich ein Synonym von VDP.Erste Lage ist.
Gruß Markus
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Re: VDP-Klassifikation - Sinn und Unsinn

Beitrag von EThC »

...neee! Erkennst Du den Dschungel? :lol:

Im Ernst, ist tatsächlich ein eigenes Süppchen des rheinhessischen Regionalverbandes des VDP. Selbst Dein Lieblingswinzer hat beide Spielarten der rheinhessischen EL im Sortiment... ;)
Zuletzt geändert von EThC am Do 11. Dez 2025, 21:12, insgesamt 1-mal geändert.
Viele Grüße
Erich

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Re: VDP-Klassifikation - Sinn und Unsinn

Beitrag von amateur des vins »

Rieslingfan hat geschrieben: Do 11. Dez 2025, 19:48 Ich gehe davon aus, dass VDP.Aus Ersten Lagen lediglich ein Synonym von VDP.Erste Lage ist.
Na, dann frag' doch mal bei Deinem Lieblingswinzer nach.

(Kleiner Tip: Der Plural wird nicht zufällig verwendet)
Besten Gruß, Karsten
jxs
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Re: VDP-Klassifikation - Sinn und Unsinn

Beitrag von jxs »

Naja, das mit „VDP.Aus Ersten Lagen“ vs. „ VDP.Ersten Lage“ erschließt sich mir ja noch. Man orientiert sich ja am Burgund. Auch dort gibt es Premier Crus aus einer Einzellage und welche aus mehreren Einzellagen einer Gemeinde. Man könnte natürlich beides „VDP.Erste Lage“ nennen und bei zweiterem einfach nur den Ort angeben.
TroisLacs
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Re: VDP-Klassifikation - Sinn und Unsinn

Beitrag von TroisLacs »

Bernd Schulz hat geschrieben: Do 11. Dez 2025, 17:50
Und deshalb lohnt es sich, auch mal abseits des VDPs nach guten deutschen Weinen Ausschau zu halten. Vermutlich auch für Ausländer, wobei es für die schwierig sein könnte, an die entsprechenden Produkte heranzukommen, weil sie in der Regel nicht über den Fachhandel im eigenen Land zu beziehen sind.
Danke dir, Bernd.
Die VDP-Winzer sind sicher im Fachhandel hier gut vertreten, oder die grösseren Betriebe wie Molitor,

Aber … und da bin ich noch so gerne ganz bei dir: Deutschland ist keine Weltreise 😉
Ich war in den letzten Jahren mehrmals an der Mosel, in Baden-Württemberg und in der Pfalz. Und da bin ich dann - nach Recherche oder dank Tipps wie die von dir - gerne bei den „unbekannteren“ Winzern unterwegs.
Highlights waren
- Nico Rosch in Leiwen
- Katrin Wind in Arzheim in der südlichen Pfalz
- St. Annaberg in der Pfalz

Tolle Weine und sympathische Winzerinnen 😃
Gruss, Sascha

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