Re: Grosse Gewächse 2010 - live dabei
Verfasst: Mi 24. Aug 2011, 07:03
MEINE GANZ PERSÖNLICHE ZUSAMMENFASSUNG
Zum Abschluss der gesamten Probe, habe ich mir meine 5 Lieblingsweine herausgesucht und noch 3 "Problemweine", die mich nach dem Aufdecken überrascht hatten, um sie in blinder Reihenfolge durchzuprobieren. Da die Reihen sich schon deutlich gelichtet hatten, war eine der Servicedamen (Wirklich! Nochmals einen ganz herzlichen Dank an ALLE, die bei der Organisation und Durchführung beteiligt waren, es war grossartig und kompetent und immer, immer ausgesucht freundlich und höflich!)... war also eine der Servicedamen bereit, mir die Weine in einer mir unbekannten Reihenfolge einzuschenken. Dabei hatte sie die Nummern auf einen Zettel geschrieben, dessen Geheimnis ich erst zum Schluss lüftete. Peter (pivu) leistete mir Hilfe beim Verkosten.
Da wir uns Zeit liessen, wurden die kleinen Probeschlücke im Glas recht warm. Das ist zwar fies und für den Verkoster nicht ganz angenehm, aber es ist die brutalsmögliche Form, Schwächen eines Weins aufzudecken. Und es kam Erstaunliches zu Tage.
Der Felsenberg von Schäfer-Fröhlich: durch die Wärme ging der etwas gemacht wirkende Sponti-Stinker leicht zurück und der Wein präsentierte sich etwas sehr zitronig im Mund. Der Verdacht drängte sich auf, dass durch diese heftige Nase ein wenig Überreife überdeckt wird. der Wein fiel ab.
Aufdrehen konnte dagegen das Kirchenstück von Bürklin-Wolf, der zu meinen "Problemweinen" zählte. Ich hatte schon geahnt, dass man diesem Wein in einem schnellen Flight nur schwer gerecht werden kann. Und so war es auch. Der Wein präsentierte sich sehr fest und schaffte es, seine Spannung auch mit höherer Temperatur zu halten.
Der Rothenberg von Kühling-Gillot blieb der schüchterne Weine vom Roten Schiefer. Er hat zwar alles, was einen grossen Wein ausmacht - und das reichlich -, aber er ziert sich noch, es zu zeigen. Mit Temperatur drehte er aber auf.
Da mir von allen von Winning Weinen der Pechstein am besten gefallen hatte, habe ich ihn auch in die Blindprobe stellen lassen. Die Nase und diese rauchige Holzart blieben faszinierend, traten aber mit steigender Temperatur in den Hintergrund und liessen einen doch sehr hart wirkenden Körper aufscheinen, der vielleicht nicht die ganz grosse Reife aufweist. Auch hier mit Wärme eine deutlicher Zitronenton. Da dieser Wein durch den Holzeinsatz sehr schwer bestimmbar ist, lasse ich es hierbei bewenden und harre der Dinge, die da in der Zukunft und mit Reife kommen werden.
Einer der ganz grossen Weine der Probe zeigte dann auch im Blindflight, das er absolut zu Recht ganz oben auf dem Treppchen steht: das Dellchen von Dönnhoff. Es ist weniger ein rassiger "Naturwein" als ein ungeheuer kunstvoll und perfekt angelegter "Kellerwein". Aber diese Filigranität und Eleganz ist schon sehr faszinierend. Grosse Kunst, aber weniger Beuys als vielmehr Gerhard Richter.
Nun beschäftige ich mich ja recht oft mit den Weinen von BattenfeldSpanier und Kühling-Gillot und jedes Jahr bin ich über die Erkenntnisse aus derartigen Blindproben überrascht. So hatte in einem Jahr wie 2009 Kühling-Gillot die Nase vor BattenfeldSpanier, wobei ich da eigentlich immer das Pettenthal mit dem Frauenberg vergleiche. In einem kühleren Jahr (das war schon 2008 so), ist wiederum BattenfeldSpanier vorne. Und so gab es dann noch das Pettenthal und den Frauenberg. Während ich das Pettenthal als Genusswein in den Blindflight gestellt hatte, merkte pivu an, dass er den Wein nicht wieder erkannt hätte. Beim ersten Probieren war ihm das Pettenthal anders als die Vorjahre vorgekommen, was sich aber in diesem Blindflight als Trugschluss herausstellte. Auch dieser Wein hat einen typischen "Schiefer-Stinker", der jedoch mit höherer Temperatur einen wirklich vollreifen und herrlich spannungsgeladenen Körper offenbart.
Kommen wir zu den beiden Siegern der Blindprobe! Nein, kommen wir zu dem Zweitplatzierten! Der Frauenberg von BattenfeldSpanier ist grossartig, aber er muss sich dann doch dem noch grossartigeren Morstein von Wittmann geschlagen geben. Beides sind Weine, die so eigenständig und cool und souverän wirken, dass ich momentan gar nicht weiss, wie ich sie beschreiben kann, ohne in irgendwelche abgelatschten Superlative zu verfallen. Sie haben beide das, was ich als Steinwein definiere: Würze, Vibration, Spannung, Kraft, Finesse, Eleganz, Tiefe, Kontur. Was den Morstein die Nase leicht vorne haben lässt, ist seine absolut brillante "Schwebigkeit" - der Wein hat etwas himmlisch-Leichtfüssiges trotz aller Kraft, die er ebenfalls besitzt.
Kurzum: auch 2010 war es möglich, grosse trockene Rieslinge zu erzeugen, die zwar die Typizität des Jahrgangs repräsentieren, aber in ihrer Grösse auch wiederum für sich selbst stehen und Monumente sind. Sehr beruhigend!
Hier meine Top 20 Rieslinge, wobei ich anmerke, den Rheingau nicht probiert zu haben
Wittman Morstein 98-100
BattenfeldSpanier Schwarzer Herrgott 97-98
Wittmann Brunnenhäuschen 96-97
Dönnhoff Dellchen 96
BattenfeldSpanier Frauenberg 96
von Winning Pechstein 94
Schäfer-Fröhlich Felsenberg 94
Kühling-Gillot Pettenthal 93-94
von Winning Kirchenstück 92-93
Bürklin-Wolf Kirchenstück 92
Kühling-Gillot Rothenberg 92
Schäfer-Fröhlich Felseneck 91-92
Christmann Idig 91
BattenfeldSpanier Kirchenstück 91
Wittmann Aulerde 90-91
Emrich-Schönleber Halenberg 90
Gunderloch Pettenthal 90
Wittmann Kirchspiel 90
von Winning Kalkofen 90
Schäfer-Fröhlich Halenberg 90
Und hier meine 10 Favoriten vom Spätburgunder
Fürst Hunsrück 95-97
Stodden Rosenthal 95-96
Fürst Schlossberg 95
Stodden Sonnenberg 94-95
Becker Sankt Paul 94
Stodden Herrenberg 93-94
Gutzler Brunnenhäuschen 93
Huber Schlossberg 93
Salwey Kirchberg Rappen 92
Adenauer Gärkammer 91
Zum Abschluss der gesamten Probe, habe ich mir meine 5 Lieblingsweine herausgesucht und noch 3 "Problemweine", die mich nach dem Aufdecken überrascht hatten, um sie in blinder Reihenfolge durchzuprobieren. Da die Reihen sich schon deutlich gelichtet hatten, war eine der Servicedamen (Wirklich! Nochmals einen ganz herzlichen Dank an ALLE, die bei der Organisation und Durchführung beteiligt waren, es war grossartig und kompetent und immer, immer ausgesucht freundlich und höflich!)... war also eine der Servicedamen bereit, mir die Weine in einer mir unbekannten Reihenfolge einzuschenken. Dabei hatte sie die Nummern auf einen Zettel geschrieben, dessen Geheimnis ich erst zum Schluss lüftete. Peter (pivu) leistete mir Hilfe beim Verkosten.
Da wir uns Zeit liessen, wurden die kleinen Probeschlücke im Glas recht warm. Das ist zwar fies und für den Verkoster nicht ganz angenehm, aber es ist die brutalsmögliche Form, Schwächen eines Weins aufzudecken. Und es kam Erstaunliches zu Tage.
Der Felsenberg von Schäfer-Fröhlich: durch die Wärme ging der etwas gemacht wirkende Sponti-Stinker leicht zurück und der Wein präsentierte sich etwas sehr zitronig im Mund. Der Verdacht drängte sich auf, dass durch diese heftige Nase ein wenig Überreife überdeckt wird. der Wein fiel ab.
Aufdrehen konnte dagegen das Kirchenstück von Bürklin-Wolf, der zu meinen "Problemweinen" zählte. Ich hatte schon geahnt, dass man diesem Wein in einem schnellen Flight nur schwer gerecht werden kann. Und so war es auch. Der Wein präsentierte sich sehr fest und schaffte es, seine Spannung auch mit höherer Temperatur zu halten.
Der Rothenberg von Kühling-Gillot blieb der schüchterne Weine vom Roten Schiefer. Er hat zwar alles, was einen grossen Wein ausmacht - und das reichlich -, aber er ziert sich noch, es zu zeigen. Mit Temperatur drehte er aber auf.
Da mir von allen von Winning Weinen der Pechstein am besten gefallen hatte, habe ich ihn auch in die Blindprobe stellen lassen. Die Nase und diese rauchige Holzart blieben faszinierend, traten aber mit steigender Temperatur in den Hintergrund und liessen einen doch sehr hart wirkenden Körper aufscheinen, der vielleicht nicht die ganz grosse Reife aufweist. Auch hier mit Wärme eine deutlicher Zitronenton. Da dieser Wein durch den Holzeinsatz sehr schwer bestimmbar ist, lasse ich es hierbei bewenden und harre der Dinge, die da in der Zukunft und mit Reife kommen werden.
Einer der ganz grossen Weine der Probe zeigte dann auch im Blindflight, das er absolut zu Recht ganz oben auf dem Treppchen steht: das Dellchen von Dönnhoff. Es ist weniger ein rassiger "Naturwein" als ein ungeheuer kunstvoll und perfekt angelegter "Kellerwein". Aber diese Filigranität und Eleganz ist schon sehr faszinierend. Grosse Kunst, aber weniger Beuys als vielmehr Gerhard Richter.
Nun beschäftige ich mich ja recht oft mit den Weinen von BattenfeldSpanier und Kühling-Gillot und jedes Jahr bin ich über die Erkenntnisse aus derartigen Blindproben überrascht. So hatte in einem Jahr wie 2009 Kühling-Gillot die Nase vor BattenfeldSpanier, wobei ich da eigentlich immer das Pettenthal mit dem Frauenberg vergleiche. In einem kühleren Jahr (das war schon 2008 so), ist wiederum BattenfeldSpanier vorne. Und so gab es dann noch das Pettenthal und den Frauenberg. Während ich das Pettenthal als Genusswein in den Blindflight gestellt hatte, merkte pivu an, dass er den Wein nicht wieder erkannt hätte. Beim ersten Probieren war ihm das Pettenthal anders als die Vorjahre vorgekommen, was sich aber in diesem Blindflight als Trugschluss herausstellte. Auch dieser Wein hat einen typischen "Schiefer-Stinker", der jedoch mit höherer Temperatur einen wirklich vollreifen und herrlich spannungsgeladenen Körper offenbart.
Kommen wir zu den beiden Siegern der Blindprobe! Nein, kommen wir zu dem Zweitplatzierten! Der Frauenberg von BattenfeldSpanier ist grossartig, aber er muss sich dann doch dem noch grossartigeren Morstein von Wittmann geschlagen geben. Beides sind Weine, die so eigenständig und cool und souverän wirken, dass ich momentan gar nicht weiss, wie ich sie beschreiben kann, ohne in irgendwelche abgelatschten Superlative zu verfallen. Sie haben beide das, was ich als Steinwein definiere: Würze, Vibration, Spannung, Kraft, Finesse, Eleganz, Tiefe, Kontur. Was den Morstein die Nase leicht vorne haben lässt, ist seine absolut brillante "Schwebigkeit" - der Wein hat etwas himmlisch-Leichtfüssiges trotz aller Kraft, die er ebenfalls besitzt.
Kurzum: auch 2010 war es möglich, grosse trockene Rieslinge zu erzeugen, die zwar die Typizität des Jahrgangs repräsentieren, aber in ihrer Grösse auch wiederum für sich selbst stehen und Monumente sind. Sehr beruhigend!
Hier meine Top 20 Rieslinge, wobei ich anmerke, den Rheingau nicht probiert zu haben
Wittman Morstein 98-100
BattenfeldSpanier Schwarzer Herrgott 97-98
Wittmann Brunnenhäuschen 96-97
Dönnhoff Dellchen 96
BattenfeldSpanier Frauenberg 96
von Winning Pechstein 94
Schäfer-Fröhlich Felsenberg 94
Kühling-Gillot Pettenthal 93-94
von Winning Kirchenstück 92-93
Bürklin-Wolf Kirchenstück 92
Kühling-Gillot Rothenberg 92
Schäfer-Fröhlich Felseneck 91-92
Christmann Idig 91
BattenfeldSpanier Kirchenstück 91
Wittmann Aulerde 90-91
Emrich-Schönleber Halenberg 90
Gunderloch Pettenthal 90
Wittmann Kirchspiel 90
von Winning Kalkofen 90
Schäfer-Fröhlich Halenberg 90
Und hier meine 10 Favoriten vom Spätburgunder
Fürst Hunsrück 95-97
Stodden Rosenthal 95-96
Fürst Schlossberg 95
Stodden Sonnenberg 94-95
Becker Sankt Paul 94
Stodden Herrenberg 93-94
Gutzler Brunnenhäuschen 93
Huber Schlossberg 93
Salwey Kirchberg Rappen 92
Adenauer Gärkammer 91