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Re: Bordeaux 2016
Verfasst: Mi 17. Mai 2017, 15:20
von amateur des vins
Erstaunlich, daß Du Léo B trotz der 97 nicht nennst - Stilfrage?
edit: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil...
Meine verbleibenden vier, fünf Favoriten sind alle in Deiner Liste enthalten.

Re: Bordeaux 2016
Verfasst: Mi 17. Mai 2017, 17:05
von ledexter
Montrose ist scheinbar fast überall vergriffen, oder nicht mehr zum Release-Preis zu haben.
Re: Bordeaux 2016
Verfasst: Do 18. Mai 2017, 08:46
von Matthias Hilse
Guten Morgen zusammen,
am Beispiel Montrose wird deutlich, dass die historische Rolle der Negociants, quasi großzügig "ein- und auszuatmen", in einer Definitionskrise steckt - und die dürfte ihre tieferen Wurzeln in den gravierenden Veränderungen im Banksektor haben.
Montrose ist dem Beispiel von Cos gefolgt und hat die Preise (zunächst) gleichgelassen. Das ist auf den ersten Blick erstaunlich. Auch wenn nicht jeder Verkoster meiner Meinung ist, dass Montrose der Wein des Jahrgangs ist, so liegt der Konsens doch im komfortablen Bereich, wo die Träume anfangen.
Die Negociants haben im letzten Jahr, der allgemeinen Einschätzung eingedenk (die ich übrigens nicht im Ansatz teile), dass St. Estpehe minderwertig sei, nur die Cos und die Montroses gekauft, die sie ihrerseits verkauft hatten. Das dürfte im letzten Jahr (hier gab es ja schon verschiedentlich den Hinweis auf cellartracker) nicht so arg viel gewesen sein.
Nun haben die Montrose Eigner die Zuteilungen bei den Negociants um 10 bis 35% gekürzt (hier geht es immer um die unterjährigen Aktivitäten bei den "livrables"), mit dem Ergebnis, dass es vom 2016er bisher nur sehr wenig Angebot gibt.
Dadurch ergeben sich zwei Alternativen: es gibt keine zweite Tranche - dann steigt der Preis sehr schnell bis an die nächste Hundertergrenze, oder es gibt eine zweite Tranche, dann pendelt sich der Preis zunächst dort ein, wo Cos jetzt liegt.
Ich als Chateaubesitzer würde mich jetzt natürlich schon fragen, warum ich einen beträchtlichen Teil an der Gesamtmarge Marktteilnehmern überlasse, die durch ihren Attentismus ihre Funktion per se in Frage stellen.
Herzliche Grüße,
Matthias Hilse
Das gleiche Spiel dürfte es bei Weinen wie Haut-Bailly, Canon, Carmes Haut Brion, Pontet Canet etc. auch geben.
Re: Bordeaux 2016
Verfasst: Do 18. Mai 2017, 09:36
von Sauternes
Das gesamte Subcriptionssystem und deren Veränderungen zu durchschauen oder nur versuchen zu verstehen, ist schon etwas sehr spezielles

, das gelingt mir als einfach nur Weintrinker nicht wirklich.
Das Montrose jetzt an einen tag überwiegend Sold Out ist oder teuer geworden, kann mir egal sein,bei Weinen die mehr als zweistellig kosten, hält sich mein Kaufreiz in Grenzen, dafür gibt es im Bereich 20-50€ zu viele gute Weine.
Ich kann mir nicht vorstellen das es bei Weinen die 150 oder 200€ kosten, von denen die noch darüber liegen ganz zu schweigen, eine so deutliche Genusssteigerung diese Preise rechtfertigen.
Letzlich muss ich aber zugeben das diese Diskussion um die jährliche Subcription so manche interessante Fakten auf den Tisch legt, welche ich bisher nicht in Betracht zog oder überhaupt keiner Bedeutung bei wog.
Re: Bordeaux 2016
Verfasst: Do 18. Mai 2017, 09:39
von amateur des vins
Danke für die Einblicke, Herr Hilse.
Matthias Hilse hat geschrieben:Nun haben die Montrose Eigner die Zuteilungen bei den Negociants um 10 bis 35% gekürzt (hier geht es immer um die unterjährigen Aktivitäten bei den "livrables"), mit dem Ergebnis, dass es vom 2016er bisher nur sehr wenig Angebot gibt.
Die geklammerte Anmerkung zu "den lieferbaren" verstehe ich nicht: 2015 ist es doch noch garnicht?
Re: Bordeaux 2016
Verfasst: Do 18. Mai 2017, 10:09
von octopussy
Matthias Hilse hat geschrieben:Guten Morgen zusammen,
am Beispiel Montrose wird deutlich, dass die historische Rolle der Negociants, quasi großzügig "ein- und auszuatmen", in einer Definitionskrise steckt - und die dürfte ihre tieferen Wurzeln in den gravierenden Veränderungen im Banksektor haben.
Montrose ist dem Beispiel von Cos gefolgt und hat die Preise (zunächst) gleichgelassen. Das ist auf den ersten Blick erstaunlich. Auch wenn nicht jeder Verkoster meiner Meinung ist, dass Montrose der Wein des Jahrgangs ist, so liegt der Konsens doch im komfortablen Bereich, wo die Träume anfangen.
Die Negociants haben im letzten Jahr, der allgemeinen Einschätzung eingedenk (die ich übrigens nicht im Ansatz teile), dass St. Estpehe minderwertig sei, nur die Cos und die Montroses gekauft, die sie ihrerseits verkauft hatten. Das dürfte im letzten Jahr (hier gab es ja schon verschiedentlich den Hinweis auf cellartracker) nicht so arg viel gewesen sein.
Nun haben die Montrose Eigner die Zuteilungen bei den Negociants um 10 bis 35% gekürzt (hier geht es immer um die unterjährigen Aktivitäten bei den "livrables"), mit dem Ergebnis, dass es vom 2016er bisher nur sehr wenig Angebot gibt.
Dadurch ergeben sich zwei Alternativen: es gibt keine zweite Tranche - dann steigt der Preis sehr schnell bis an die nächste Hundertergrenze, oder es gibt eine zweite Tranche, dann pendelt sich der Preis zunächst dort ein, wo Cos jetzt liegt.
Ich als Chateaubesitzer würde mich jetzt natürlich schon fragen, warum ich einen beträchtlichen Teil an der Gesamtmarge Marktteilnehmern überlasse, die durch ihren Attentismus ihre Funktion per se in Frage stellen.
Herzliche Grüße,
Matthias Hilse
Das gleiche Spiel dürfte es bei Weinen wie Haut-Bailly, Canon, Carmes Haut Brion, Pontet Canet etc. auch geben.
Danke für die Einschätzung. Es ist ja immer wieder spannend, zu sehen, wie der Markt funktioniert. Es scheint, als ob im seinerzeit durchaus von Vertrauen geprägten Verhältnis zwischen Châteaux und Négociants und dahintergelagerten Händlern einiges im Argen ist. Ich würde es an Stelle der Châteaux im Zweifel ebenso machen. Vertrauen in guten Zeiten erfordert auch Vertrauen in schwierigeren Zeiten. Und zwar von beiden Seiten.
Die zwischenzeitlich wilde Spekulation mit Bordeaux auf den Sekundär- und Tertiärmärkten hat im Zweifel eine Menge kaputt gemacht. Wenn ich wüsste, dass Leute, mit denen ich nichts zu tun habe und die ganz klares Cherry-Picking machen (z.B. Weinfonds), leicht zu erzielende Wertsteigerungen abgreifen, würde ich wohl auch versuchen, diese potenziellen Wertsteigerungen selber zu vereinnahmen. Wenn ich wüsste, dass Négociants oder Händler in einem weniger gefragten Jahrgang nur das kaufen, was sie auch verkaufen, würde ich diesen Négociants und Händlern im Zweifel auch die Allkokationen in den nachgefragteren Jahrgängen kürzen.
Als jemand, der Wein einfach nur zum Trinken kauft (Stichwort: Ende der Nahrungskette), muss man sich damit wohl abfinden. Ich persönlich habe nur wenig Lust, mir innerhalb kürzester Zeit zu überlegen, ob ich Montrose oder Haut Bailly oder andere nachgefragte Weine subskribieren soll. Später dann mehr zu bezahlen, ist aber auch kein Problem, wenn der Wein richtig gut ist. Ein neulich getrunkener Branaire Ducru 2006 war z.B. fantastisch und ist immer noch für einen super fairen Preis verfügbar. Am Ende gibt es m.E. für viele (aber definitiv nicht alle) Bordeaux ordentliche Alternativen. Die Auswahl an Weinen und Jahrgängen ist zum Glück groß genug.
Re: Bordeaux 2016
Verfasst: Do 18. Mai 2017, 10:19
von Matthias Hilse
amateur des vins hat geschrieben:Danke für die Einblicke, Herr Hilse.
Matthias Hilse hat geschrieben:Nun haben die Montrose Eigner die Zuteilungen bei den Negociants um 10 bis 35% gekürzt (hier geht es immer um die unterjährigen Aktivitäten bei den "livrables"), mit dem Ergebnis, dass es vom 2016er bisher nur sehr wenig Angebot gibt.
Die geklammerte Anmerkung zu "den lieferbaren" verstehe ich nicht: 2015 ist es doch noch garnicht?
Die Negociants müssen sich quasi durch unterjährige Ankäufe lieferbarer Jahrgänge bei den Weingütern dafür legitimieren, überhaupt en primeur einkaufen zu können. Ist schon ein ziemlich perfides System, weil es Kausalketten leicht in ein Labyrinth umwandelt...
Herzliche Grüße,
Matthias HIlse
Re: Bordeaux 2016
Verfasst: Do 18. Mai 2017, 11:26
von amateur des vins
Matthias Hilse hat geschrieben:Die Negociants müssen sich quasi durch unterjährige Ankäufe lieferbarer Jahrgänge bei den Weingütern dafür legitimieren, überhaupt en primeur einkaufen zu können. Ist schon ein ziemlich perfides System, weil es Kausalketten leicht in ein Labyrinth umwandelt...
Das bedeutet doch aber, daß die Effekte bei den 2015ern die Knappheit der 2016er nicht erklären können, denn erstere sind ja noch nicht lieferbar - oder? Wenn es dieser Mechanismus wäre, müßte das "unterjährige" (aktuelle?) Verhalten der Négociants bei den Jahrgängen 2014 und älter verantwortlich gemacht werden. Das würde für mich auch Sinn ergeben: klassisches Koppelgeschäft der Erzeuger, um die schwächeren Jahrgänge loszuwerden.
Re: Bordeaux 2016
Verfasst: Do 18. Mai 2017, 11:43
von Matthias Hilse
amateur des vins hat geschrieben:Matthias Hilse hat geschrieben:Die Negociants müssen sich quasi durch unterjährige Ankäufe lieferbarer Jahrgänge bei den Weingütern dafür legitimieren, überhaupt en primeur einkaufen zu können. Ist schon ein ziemlich perfides System, weil es Kausalketten leicht in ein Labyrinth umwandelt...
Das bedeutet doch aber, daß die Effekte bei den 2015ern die Knappheit der 2016er nicht erklären können, denn erstere sind ja noch nicht lieferbar - oder? Wenn es dieser Mechanismus wäre, müßte das "unterjährige" (aktuelle?) Verhalten der Négociants bei den Jahrgängen 2014 und älter verantwortlich gemacht werden. Das würde für mich auch Sinn ergeben: klassisches Koppelgeschäft der Erzeuger, um die schwächeren Jahrgänge loszuwerden.
Die Knappheit des Jahrgangs 2016 ist hier bestimmt durch die Einkäufe der Negociants 2015. Es ist so, wie wenn Sie dieses Jahr auf dem Wochenmarkt Spargel kaufen wollten und die Verkäuferin Sie darauf hinweist, dass dies nur im Rahmen Ihrer letztjährigen Einkäufe möglich ist.
Was die älteren Jahrgänge betrifft, geht es immer darum, dass man als Negociant (übrigens auch als Händler) fleißig lieferbare Jahrgänge kaufen sollte, das ist das eigentliche Öl im Getriebe des Allokationsmechanismus.
Herzliche Grüße,
Matthias HIlse
Re: Bordeaux 2016
Verfasst: Do 18. Mai 2017, 12:59
von Segla
Und das gleiche Spiel wie letztes Jahr mit Canon.... Montrose ist eben bei Millesima wieder "aufgetaucht"...
Nur der Preis ist gut 20,- teurer als gestern...
