VDP-Klassifikation - Sinn und Unsinn

Bernd Schulz
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Re: VDP-Klassifikation - Sinn und Unsinn

Beitrag von Bernd Schulz »

Hier kommen doch noch ein paar Zeilen von mir aus der Mittagspause:

Bei Erich möchte ich mich für seine ausführlichen Darlegungen bedanken. Vieles von dem, was er geschrieben hat, entspricht meiner eigenen Sichtweise.

Im Schäffer-Thread hatte TroisLacs geschrieben;
Ich bin ja grosser Riesling-Liebhaber und als Schweizer schaust du dir mal die "Eigenheiten" des deutschen Weingesetzes an und da siehst du erstmal nur Fragezeichen :D
Ist der Kabinett nun trocken oder restsüss ausgebaut ... was ist der Unterschied zwischen Erste Lage und Grosses Gewächs ... etc. Und auf den ersten Blick hilft mir da die Bezeichnung des VDPs doch etwas in der Orientierung.
Es ist interessant (und bezeichnend), dass Begriffe wie "Erste Lage" und "Großes Gewächs" im Ausland mit dem deutschen Weingesetz in Verbindung gebracht werden. In Wirklichkeit entspringen sie nicht dem Weingesetz, sondern sie wurden vom VDP eingeführt. Das "Große Gewächs" findet sich in der mir zur Verfügung stehenden Literatur (Gault Millau 2001, den 2000er GM besitze ich leider nicht) erstmals 1999 und da dann meistens noch in Verbindung mit der Bezeichnung "Spätlese trocken" (so z.b. bei Christmanns Idig). Und die Einführung geschah nicht nur vor dem Hintergrund eines wie auch immer gearteten Terroirgedankens, sondern mit dem erklärten Ziel, deutlich höhere Preise für trockene Spitzenweine durchzusetzen. Angepeilt wurden längerfristig Kurse von 50 DM für Große Gewächse (der 1999er Idig kostete ab Hof 35 DM), und dieses Ziel hat der VDP dann auch relativ schnell erreicht (ob man diese Entwicklung positiv oder negativ sehen soll, ist eine Frage für sich).

Die "Erste Lage" kam später (irgendwann nach der Jahrtausendwende) als neue Bezeichnung dazu. Und wenn sich der Weinfreund aus dem Ausland zunächst mal fragt, was denn der Unterschied zwischen "Erster Lage" und "Großem Gewächs" ("Erstes Gewächs" gab es im Rheingau ja auch noch) sein mag, zeigt das recht deutlich, dass der VDP mit der Einführung der "Ersten Lage" nicht unbedingt mehr Klarheit geschaffen hat.

Herzliche Grüße

Bernd
amateur des vins
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Re: VDP-Klassifikation - Sinn und Unsinn

Beitrag von amateur des vins »

Bernd Schulz hat geschrieben: Do 11. Dez 2025, 12:09 Es ist interessant (und bezeichnend), dass Begriffe wie "Erste Lage" und "Großes Gewächs" im Ausland mit dem deutschen Weingesetz in Verbindung gebracht werden.
Spannend. Darf ich fragen, woher Du das hast - Artikel, Gespräche, ...?

Vermutlich wäre man beim VDP über diese Wahrnehmung nicht traurig...
Besten Gruß, Karsten
Bernd Schulz
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Re: VDP-Klassifikation - Sinn und Unsinn

Beitrag von Bernd Schulz »

amateur des vins hat geschrieben: Do 11. Dez 2025, 12:17
Bernd Schulz hat geschrieben: Do 11. Dez 2025, 12:09 Es ist interessant (und bezeichnend), dass Begriffe wie "Erste Lage" und "Großes Gewächs" im Ausland mit dem deutschen Weingesetz in Verbindung gebracht werden.
Spannend. Darf ich fragen, woher Du das hast - Artikel, Gespräche, ...?

Vermutlich wäre man beim VDP über diese Wahrnehmung nicht traurig...
Das habe ich von TroisLacs. Der schreibt nämlich:
Ich bin ja grosser Riesling-Liebhaber und als Schweizer schaust du dir mal die "Eigenheiten" des deutschen Weingesetzes an und da siehst du erstmal nur Fragezeichen :D
Ist der Kabinett nun trocken oder restsüss ausgebaut ... was ist der Unterschied zwischen Erste Lage und Grosses Gewächs
Viele Grüße

Bernd
amateur des vins
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Re: VDP-Klassifikation - Sinn und Unsinn

Beitrag von amateur des vins »

Achso, ok. Danke.

Hatte Dich so verstanden, als sei das in der Breite so.
Besten Gruß, Karsten
TroisLacs
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Re: VDP-Klassifikation - Sinn und Unsinn

Beitrag von TroisLacs »

amateur des vins hat geschrieben: Do 11. Dez 2025, 12:17
Bernd Schulz hat geschrieben: Do 11. Dez 2025, 12:09 Es ist interessant (und bezeichnend), dass Begriffe wie "Erste Lage" und "Großes Gewächs" im Ausland mit dem deutschen Weingesetz in Verbindung gebracht werden.
Spannend. Darf ich fragen, woher Du das hast - Artikel, Gespräche, ...?

Vermutlich wäre man beim VDP über diese Wahrnehmung nicht traurig...
Genau, das kommt von mir.
Im Detail ist mir ja schon klar, dass der VDP nicht das Weingesetz Deutschlands darstellt.
Aber erstens wage ich mal zu behaupten, dass ich deutsche Weine besser kenne als der durchschnittliche Schweizer Weintrinker und zweitens als Weinnerd interessiert bin und doch etwas weiss.
Aber trotzdem "passieren" hier Vermischungen von VDP und Weingesetz. GG werden auch hier als "der beste deutsche Wein" verkauft, höchste Qualitätsstufe etc. Das wird marketingmässig schon auch so ausgelegt, dass der Verbraucher hier an was "Offizielles" denkt.
Und zur Orientierung suche ich fast automatisch nach den Bezeichnungen Gutswein, Ortswein, 1G und GG. Marketingtechnisch sicher clever vom VDP. Die Begriffe werden ja auch von Nicht-VDP-Winzern benutzt.
Gruss, Sascha

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Re: VDP-Klassifikation - Sinn und Unsinn

Beitrag von EThC »

Udo2009 hat geschrieben: Do 11. Dez 2025, 11:35 Habe hier drei Cuvées im Keller von VDP Weingütern, die als VDP Gutswein "firmieren"...
...eben, eine Cuvée bleibt beim VDP spätestens in der Ortsweinebene stecken, Cuvées aus Erster oder gar Großer Lage gibt's meines Wissens nach nicht, nur reinsortige Weine. Einzige mir bekannte Ausnahme: ein gemischter Satz (bzw. Altfränkischer Satz) von Rainer Sauer...
Viele Grüße
Erich

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Re: VDP-Klassifikation - Sinn und Unsinn

Beitrag von Udo2009 »

amateur des vins hat geschrieben: Do 11. Dez 2025, 11:51
Udo2009 hat geschrieben: Do 11. Dez 2025, 11:38 Und ich sehe mich durchaus in der "Zielgruppe" ...
Du wärest vermutlich auch ohne Adler nicht "verloren", oder?
Du kennst Lagen, Winzer, weißt, was Dir schmeckt, ...
Absolut richtig!
amateur des vins
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Re: VDP-Klassifikation - Sinn und Unsinn

Beitrag von amateur des vins »

Udo2009 hat geschrieben: Do 11. Dez 2025, 14:44
amateur des vins hat geschrieben: Do 11. Dez 2025, 11:51
Udo2009 hat geschrieben: Do 11. Dez 2025, 11:38 Und ich sehe mich durchaus in der "Zielgruppe" ...
Du wärest vermutlich auch ohne Adler nicht "verloren", oder?
Du kennst Lagen, Winzer, weißt, was Dir schmeckt, ...
Absolut richtig!
So meinte ich das mit "nicht Zielgruppe": Du brauchst (wie vermutlich die meisten hier) nicht die Orientierungshilfe, die die VDP-Klassifikation bietet. Das heißt ja nicht, daß Du nicht auch VDP trinken würdest.
Besten Gruß, Karsten
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Udo2009
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Re: VDP-Klassifikation - Sinn und Unsinn

Beitrag von Udo2009 »

Bernd Schulz hat geschrieben: Do 11. Dez 2025, 12:09 ...Und die Einführung geschah nicht nur vor dem Hintergrund eines wie auch immer gearteten Terroirgedankens, sondern mit dem erklärten Ziel, deutlich höhere Preise für trockene Spitzenweine durchzusetzen. Angepeilt wurden längerfristig Kurse von 50 DM für Große Gewächse (der 1999er Idig kostete ab Hof 35 DM), und dieses Ziel hat der VDP dann auch relativ schnell erreicht ...
Weingut Lämmlin-Schindler
2022 FRAUENBERG Chardonnay GG
VDP. GROSSE LAGE® 28,00

2018 FRAUENBERG Riesling GG
VDP. GROSSE LAGE® 28,00

2019 FRAUENBERG Spätburgunder GG
VDP. GROSSE LAGE® 35,00

Weingut Graf von Bentzel-Sturmfeder

2020 GG Spätburgunder trocken VDP.Große Lage 28,30 €
2018 GG Lemberger trocken VDP.Große Lage 28,30 €
2022 GG Riesling VDP.Große Lage 28,30 €

Weingut Wirsching

2022 Iphöfer Kammer Silvaner trocken GG 28,00
2021 Iphöfer Kammer Silvaner trocken GG 29,00
2020 Iphöfer Kammer Silvaner trocken GG 30,00
2021 Iphöfer Kammer Riesling trocken GG 29,00
2020 Iphöfer Kammer Riesling trocken GG 30,00

Nur um mal ein paar Beispiele zu nennen...
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Rieslingfan
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Re: VDP-Klassifikation - Sinn und Unsinn

Beitrag von Rieslingfan »

Um sich einen Überblick zu verschaffen, empfehle ich die VDP-Klassifikation

Über Detaillierte Angaben erhält man u. a. Infos über die je nach Klassifikation zugelassenen Rebsorten, die max. Erntemenge, dass bei GG und 1G ausschließlich die selektive Handlese erlaubt ist usw.
Gruß Markus
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