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Re: Weingesetz in Österreich in der Kritik
Verfasst: Di 19. Mai 2026, 17:21
von Gerald
Aber zurück zur Ausgangsfrage: bei aller (vielleicht berechtigten?) Kritik am Bundesamt muss man doch bedenken, dass dort blind verkostet wird, bei Pigott/Falstaff & Co aber nicht. Ich glaube, jeder hier weiß aus eigener Erfahrung, dass sich hier dramatische Unterschiede ergeben können ...
Grüße
Gerald
Re: Weingesetz in Österreich in der Kritik
Verfasst: Di 19. Mai 2026, 17:23
von UlliB
Natürlich kann auch in p.a.-Ware Spuren von etwas enthalten sein, das für den Geruchseindruck verantwortlich ist. 100%ig ist die ja auch nicht, und bei Milchsäure gehe ich davon aus, dass auch die Laborware durch Fermentation erzeugt wird, was solche Nebenprodukte dann schon eher wahrscheinlich macht.
Bleibt aber noch die Frage, was konkret der "taste of BSA" gewesen sein soll, der neben den oxidativen Noten zur Ablehnung geführt hat. Warten wir mal ab, was Bernhard dazu schreibt.
Gruß
Ulli
Re: Weingesetz in Österreich in der Kritik
Verfasst: Di 19. Mai 2026, 17:53
von Blaufränkisch
Ich denke BSA steht im Statement von Rudolf Dorner tatsächlich für den biologischen Säureabbau bzw. dessen aromatische Auswirkungen. Ablehnungen diesbezüglich sind wohl etwas schwammig. Wenn die "typische" Joghurtnote sehr deutlich ist, kann das schon reichen (eher bei älteren Weine als bei ganz jungen, wo das eher zu verstehen ist wenn sie wenige Monate nach dem BSA zur Prüfnummer kommen), Diacetyl kann - eher bei Weißweinen - auch ein Thema sein.
Meist geht es aber wohl eher um die mikrobiologischen "Nebengeräusche", die mit spontan durchgeführten BSA einhergehen können (aber natürlich nicht müssen, ich mache meinen BSA auch spontan und hatte diesbezüglich noch nie Probleme). Fragt mich nicht nach den biochemischen bzw. mikrobiellen Ursachen, aber Weine können nach dem BSA schon auch richtig richtig stinken. Meist lüftet sich das mit der (Fass-)lagerung aus, aber es kann halt auch soviel davon übrig bleiben, dass man in die gleiche Diskussion läuft wie beim Böckser (Bug or Feature,...). Auch Ansätze von Mäuseln (eher am Gaumen, daher hier wohl nicht gemeint) oder Brett können Teil des mit einem nicht sauberen BSA verbundenen Geruchskomplexes sein.
Ob solche mutmaßlich mikrobiologisch verursachten Aromen während des BSA entstanden sind oder später (oder möglicherweise auch schon davor, z.B. bei der spontanen Maischegärung) kann man als Verkoster im Nachhinein natürlich nicht beurteilen. Das Urteil bzw. das Zurückführen der Aromen ist dementsprechend natürlich unscharf und der Begriff bei der Prüfnummer manchmal auch eher ein Sammelbegriff für mikrobiologische Unsauberkeiten, die ein Maß übersteigen, dass man als amtlicher Verkoster noch als Bereicherung oder zumindest als tolerierbar einordnen kann.
Re: Weingesetz in Österreich in der Kritik
Verfasst: Di 19. Mai 2026, 17:59
von UlliB
Hallo Bernhard,
nochmals vielen Dank!
Gruß
Ulli
Re: Weingesetz in Österreich in der Kritik
Verfasst: Di 19. Mai 2026, 18:00
von Blaufränkisch
Gerald hat geschrieben: ↑Di 19. Mai 2026, 17:21
Aber zurück zur Ausgangsfrage: bei aller (vielleicht berechtigten?) Kritik am Bundesamt muss man doch bedenken, dass dort blind verkostet wird, bei Pigott/Falstaff & Co aber nicht. Ich glaube, jeder hier weiß aus eigener Erfahrung, dass sich hier dramatische Unterschiede ergeben können ...
Ohne jemandem etwas unterstellen zu wollen, aber natürlich spielt der Kontakt zwischen renommierten Produzenten und den Meinungsmachern (und sei es nur über einen Blick aufs Etikett) eine große Rolle bei der Prägung. Wenn Hobbywinzer XY vom Ende der Welt als erster einen Wein mit viel Holz, mit Brett-Anklängen, mit erhöhter flüchtiger Säure, mit oranger Farbe, you name it, den Herren auf den Tisch stellt, qualifizieren die ihn sicher schnell als qualitativ mangelhaft ab. Wenn das aber ein anerkannter Winzer tut, den man kennt und schätzt und wenn das in Folge weitere tun, fällt es dem Kritiker sicherlich schwerer, sich nicht zumidest damit auseinanderzusetzen. Von da ist es kein so großer Schritt mehr zur Anerkennung und zur Einordnung in jene Gruppe, die den jeweils neuen geilen --- gutheißt, um das mal sehr übertrieben zu formulieren

Re: Weingesetz in Österreich in der Kritik
Verfasst: Di 19. Mai 2026, 18:01
von Blaufränkisch
UlliB hat geschrieben: ↑Di 19. Mai 2026, 17:59
Hallo Bernhard,
nochmals vielen Dank!
Gruß
Ulli
Gerne, gilt für alle die ähnliches geschrieben haben.
Re: Weingesetz in Österreich in der Kritik
Verfasst: Mi 20. Mai 2026, 06:51
von Gerald
Ebenfalls noch einmal besten Dank für die Infos aus erster Hand.
Jetzt gibt es einen offenen Brief der Weingüter Bründlmayer, Moric und Tement für "mehr stilistische Offenheit":
https://www.falstaff.com/de/news/tement ... r-vielfalt
Grundsätzlich ja nachvollziehbar - besonders aus Sicht von weit über die Grenzen bekannten Weingütern (ob das auch für den kleinen, unbekannten Winzer gilt, der auf ein einheitliches, für den Konsumenten auch geschmacklich nachvollziehbares Auftreten der "Weinmarke Österreich" angewiesen ist, sei dahingestellt).
Nur nach den letzten Informationen ja eine glatte "Themenverfehlung", denn es ist ja beim Moric-Wein nicht um die Typizität gegangen, sondern um einen (vermeintlichen oder tatsächlichen) Weinfehler. Und ich nehme einmal an, dass es auch im Interesse der genannten Spitzenwinzer liegt, dass fehlerhafte Weine nicht so ohne weiteres auf den Markt kommen. Wobei man natürlich - wie ja schon ausführlich von Bernhard erklärt - die Grenzen zwischen Individualität und Weinfehler nicht so klar ziehen kann.
Grüße
Gerald