Re: Argentinien
Verfasst: Mo 5. Aug 2024, 17:20
Also, konzentriert ist da nix, der Wein ist sogar überraschend "fein" und etwas ereignislos, was auch an den fast abwesenden Tanninen liegt. Sehr fruchtig, am Tisch wurde Restsüße vermutet, denn die Frucht wirkt arg süß (ob die 1.5 g wirken?) Auch recht deutlich Zuchterdbeere, aber nicht stallig, sondern sehr sauber und frisch. Das Holz mit etwas Vanille, klar, deutlich auch Lorbeer, Salbei, Rosmarin (inkl. Bitterkeit) und Eisen (Blut), mit Luft auch erdig, aber nicht wie etwa Médoc - den Cabernet-Anteil hätte ich im Leben nicht erkannt, und auch die Malbec-verratende, reife (Back)Pflaume kommt erst nach einer Stunde. Die aromatische Intensität und der Abgang sind ordentlich, aber alles bleibt "irgendwie hmmm". 90-92 Punkte.Lobenberg hat geschrieben:Tiefes, leuchtendes Rubinrot mit Violett. Die Nase ist erdig, dicht und zugleich ultra samtig. Tiefdunkle Frucht von saftiger Schwarzkirsche hin zu einem Sammelsurium an dunklen, wilden Waldbeeren. Rote Beete, Lakritz, Muskatnuss, würziger Wacholder, Süßholz, blonder Tabak und Zedernholz. Die Würze liegt im ersten Moment sogar erhaben über der süßen Frucht. Nach ein paar Minuten im Glas kommen Aromen von rostigem Eisen, Blut und getrocknetem Schinken hinzu, dann auch etwas Potpourri. Druckvoll schiebend und ultra elegant, voller Finesse wird der Wein von Minute zu Minute mineralischer. (...) Im Mund liefert dieser Cheval dann komprimierte Intensität. Bang! Cassis, perfekt ausgereifte Pflaumen, Brombeeren und Schwarzkirschen, die in beinahe feurige Würze von Zigarrenkiste, Lorbeerblatt und einem Hauch Vanille übergehen. Leicht bittere, mediterrane Kräuter – Salbei und Rosmarin – klingen nach. Die Tannine sind samtig und schick, sogar beinahe cremig. Dieser Cheval des Andes ist ein schlummernder Riese mit Potenzial. Er darf schon wach gekitzelt werden und nimmt den Genießer dann mit auf eine rasante Reise durch die Welt der Aromen, aber falls er im Keller vergessen wird, hat der 2021er das Fett dazu locker mindestens 15-20 Jahre zu reifen.
Danke für diese doch aufschlussreiche Notiz
Ich würde mal sagen jeder sieht es anders.
Ich will die Bewertungskompetenz von @Ollie ebenfalls in keinster Weise in Frage stellen, jedoch stellte sich mir genau die gleiche Frage - zumal die Bewertungen der internationalen Weinkritiker gerade der Grund waren, weshalb ich diesen Wein besorgt hatte. (Konkret getriggert hatte mich Colin Hays Notiz, dem ich seit einiger Zeit "hinterherverkoste", um einen besseren Eindruck zu bekommen, ob das passt.) Entsprechend habe ich mir auch mehr erwartet.
Das ist so, absolute Zustimmung.austria_traveller hat geschrieben: ↑So 7. Dez 2025, 13:10 Ich würde mal sagen jeder sieht es anders.
Jede Einschätzung von einem Wein ist ja kein Naturgesetz sondern eine subjektive Meinung
Bei Terre des Vins gibt's übrigens Bewertungen einer kleinen Vertikale. Nicht nur istdort schön die Entwicklung weg vom Malbec zu verfolgen, sondern man sieht auch, daß der 21er gerade mal ein Pünktchen mehr als der 17er bekommt (fwiw). Wenn dir also schon 58 Euro zu teuer waren, sind meine Leute mit "keinesfalls Ü30" wohl nicht so weit weg.