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Re: CO2-Bilanz von Wein
Verfasst: Mi 24. Jul 2013, 14:36
von Markus Vahlefeld
Hier ist eine passende Emmisionstabelle (für Ollie)
http://www.co2-emissionen-vergleichen.d ... ittel.html
Und hier ist ein sehr interessanter Artikel vom TÜV zu einem Weingut in Chile, das seinen Carbon Footprint hat vermessen lassen und wie man wo welche Vorteile herauskitzeln kann:
http://www.tuev-sued.de/uploads/images/ ... iowein.pdf
Hier eine Eigendarstellung von Torres/Chile:
http://www.torreschile.com/wps/portal/t ... ioambiente
Und hier (
http://commons.wikimedia.org/wiki/File: ... t_Wein.png) kann man sehen, wie ein "normales" Weingut seine eigene Bilanz aufbaut (Beispiel Traisental, Ö). Demnach sind Verpackung und Weinherstellung mit je 45% die CO2-intensivsten Bereiche. Am Ende kommt es also darauf an, wie diese beiden Bereiche konzipert sind.
Daher nochmals: das Vorurteil, Produkte aus Deutschland wären wegen der Nähe zum Konsumenten PER SE klimafreundlicher, ist eine Mär. God is in the details!
Re: CO2-Bilanz von Wein
Verfasst: Mi 24. Jul 2013, 17:03
von MichaelWagner
Hello,
die Zahlen sind aus Markus Link:
http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=& ... 1647,d.Yms
Seite 5. Die eingesetzten Kilometerzahlen sind geschätzt.
Dort steht unter anderem auch zum Thema Chile, dass allein der Transport als Fassware nach Rotterdam schon 445g ausmacht. Da liege ich mit meinen 800g gesamt für Transport bis Endverbraucher (erst über die Starsse nach bernkastel und dann zum Kunden zurück) garnicht mal so falsch.
@Ollie: Du hast vergessen dass der chilenische Wein nicht nur an die Mosel muss, sondern auch wieder zurück zum Kunden (in Deinem Beispiel nach Hamburg).
Wenn der Österreicher wie in Markus Statistik gezeigt - jetzt insgesamt 1,9 kg pro Flasche bis zum Kunden produziert und 45% auf die Verpackung entfallen (gehe mal davon aus, dass die chilenische Verpackung nicht umweltfreundlicher ist, als die österreichische) dann bleiben noch ca 1kg für den Rest.
Abzgl. Transport haben die Chilenen also noch 200g CO2 "Luft" für Weinberg und Kellerarbeit. Da müssten die in den Bereichen mit 20% der in Österreich aufgewendeten Energie zurecht kommen um überhaupt mal nur gleich zu ziehen.
Irgendwie beschleicht mich das Gefühl dass, wenn ich jetzt noch früher abstoppe, die Chilenen ziemlich schlecht abschneiden....
Re: CO2-Bilanz von Wein
Verfasst: Mi 24. Jul 2013, 17:26
von Markus Vahlefeld
MichaelWagner hat geschrieben:
Irgendwie beschleicht mich das Gefühl dass, wenn ich jetzt noch früher abstoppe, die Chilenen ziemlich schlecht abschneiden....
Nun ist es bei Fassware aber auch so, dass die Zahlen sich ein wenig korrigieren, wenn man bedenkt, dass der Liter Wein eben auch das Kilo ist, während bei Flaschen die 1,2kg, die sie mit Inhalt wiegen, eben nur 0,75L ausmachen. Man sollte also die Fassware von Chile kommend mit dem Quotienten 0,6 berechnen und dann bleiben statt der 750g CO2 nur noch 450g übrig.
Legt man jetzt zugrunde, dass von den ca. 2 kg ca. 50% des CO2-Verbrauchs in die Erzeugung des Weins gehen und ein Öko-Betrieb im Vergleich mit einem konventionellen Betrieb nur die Hälfte des CO2 verbraucht - also statt 1 kg nur 500g - wird es für den konventionell wirtschaftenen Winzer an der Mosel schon eng.
Oder habe ich mich verrechnet?
Re: CO2-Bilanz von Wein
Verfasst: Mi 24. Jul 2013, 17:31
von Ollie
Michael,
weil du Flaschenweine verschickst, musst du deine auch mit chilenischen Flaschenweinen vergleichen. D.h. in Hamburg werden auch volle Flaschen angelandet, die dann nicht mehr nach Bernkastel muessen. (Ich habe in beiden Faellen Direktvermarktung ab Lager angesetzt.)
Kreuzpost: Markus, wieso erzeugt ein Oeko-WG weniger CO2?
Uebrigens: Solange ich den Chilenen zu einem saftigen Steak aufmache, ist der Wein wirklich das allerkleinste Klimaproblem. Leute, esst mehr Steaks! (Aber die Bohnen weglassen.)
Cheers,
Ollie
PS an Bernhard:

Re: CO2-Bilanz von Wein
Verfasst: Mi 24. Jul 2013, 17:40
von MichaelWagner
@Markus: ne, den Faktor Fassware/Flasche ist in dem Artikel schon angepasst (steht da wenigstens....)
Der Punkt ist wenn 50% in die Weinerzeugung gingen und die Chilenen dafür nur 200g zur Verfügung haben, dann müssten sie mit 400 g gesamt hier in D beim Kunden ankommen.
Sie brauchen aber schon 800 g für den Transport....
Ich verstehe schon dass der Seeweg enorm CO2 sparend ist und dass Wein der in der Gegend um Santiago wächst zB über See - fast ohne Strassentransport -nach New York gebracht wird und dort direkt verteilt wird, einen riesigen Vorteil gegenüber der Landfracht von kalifornischem Wein quer durch die USA hat.
das ist nur leider nicht mit dem Weg nach Deutschland überhaupt nicht vergleichbar..
@Ollie: wir rden über chilenische Fassware die in D gefüllt wird (siehe Anfang der Diskussion). Bei Flaschenweinimporten kannste ganz aufhören, denn da ist die Seefracht lt Markus 'Statistik doppelt so schädlich (die fassware kommt in 24000Lier Flexibags, die einen Containerstellplatz benötigen. Bei Flaschenware sind das umgerechnet ca 30000 Flaschen, das Gewicht ist etwa das doppelte (GLas!) und du brauchst 2 Containerstellplätze für die selbe Menge). Bei der Vermarktung sind wir davon ausgegangen das sowohl mein Wein, als auch der in Bernkastel gefüllte Chilene in einem vollen LKW mit 33 Paletten nach Berlin gesammelt geliefert wird. das entspricht der Praxis)
ja, wieso brauchen Ökobetriebe weniger CO2?
Re: CO2-Bilanz von Wein
Verfasst: Mi 24. Jul 2013, 18:08
von Markus Vahlefeld
Ollie hat geschrieben:Leute, esst mehr Steaks! (Aber die Bohnen weglassen.)
Ich dachte, es wären die pupsenden Rinder, die so klimaschädlich sind (und nicht die Bohnen!)
Spätestens bei den Rinderpupsen (Methan, 25x so schädlich wie CO2) sind wir bei Klimaschutz als schlechtem Scherz. Vor allem: wie bewertet man die Pferde bei den bio-dyns?
Das mit dem konventionellen und ökologischen Weinbau im CO2-Vergleich steht hier:
http://www.utopia.de/gruppen/vinutopia- ... che-116638
Der Biorotwein schnitt nämlich hinsichtlich der Messlatte „ökologischer Fußabdruck als Flächenverbrauchsgröße“ doppelt so gut ab wie der konventionelle.
Es ist dort aber nicht haltbar bewiesen, sondern eher behauptet. Vor allem muss man dann untersuchen, nicht nur, wie der CF pro Hektar, sondern eben auch pro Ertragsgröße ist (Ökos haben oft geringere Erträge). Und ich darf gar nicht an den VDP denken, der Hektar-Höchstgrenzen vorschreibt und damit den CO2-Verbrauch maßlos in die Höhe treibt
Trotzdem bleibt festzuhalten: je individueller sowohl in der Produktion (geringer Ertrag, kleine Mengen, halbe Flaschen) wie auch in der Logistik (Versand mit DHL, Abholung vor Ort etc.) der Wein gemanagt wird, desto höher dürfte der CF sein. Am besten dürfte ökologische Massenware aus trockenen Regionen mit pilzresistenten Sorten sein. Diese Anschauung müsste dazu führen, dass nach Klimagesichtspunkten der hochqualitative Weinbau in den schwierig zu bewirtschaftenden Anbaugebieten Deutschlands bald zu verbieten ist.
Und nochmals: ich teile diese Hysterie NICHT! Ich trinke lieber große Weine von der Mosel und warte darauf, bis die CO2-Hysterie das gleiche Ende findet wie das Waldsterben.
Re: CO2-Bilanz von Wein
Verfasst: Mi 24. Jul 2013, 18:10
von Markus Vahlefeld
MichaelWagner hat geschrieben:@Markus: ne, den Faktor Fassware/Flasche ist in dem Artikel schon angepasst (steht da wenigstens....)
Aber in Deiner Rechnung nicht.
Re: CO2-Bilanz von Wein
Verfasst: Mi 24. Jul 2013, 18:17
von MichaelWagner
@Markus: doch, isser, da ich den angepassten faktor aus der Tabelle genommen habe
Im Übrigen teile ich die Hysterie auch nicht, trinke hin und wieder mal chilenisch - man kommt so schlecht an guten ran hier an der Mosel
Nur den Mythos kenne ich schon aus "Bernkasteler-Zeiten", da haben wir diese Kalkulationen auch schon bis zum hastenichgesehen gemacht und rausgefunden, dass wir diese TÜV-Zertifizierung in D nicht durchbekommen und daher die Chilenen (oder Südafrikaner oderoderoder) ran müssen. Da geht alles mit ein paar harten Euros

Es geht dabei nur darum die Eurofüllungen zu pushen und Zölle zu drücken. Und Umweltargumente sind da gern genommen...man muss sich halt nur welche bauen lassen....
Und an dem Tag an dem unsere Brüsseler Helden den Riesling aus CO2 Gründen verbieten und PiWis vorschreiben wandere ich nach CHile aus

Re: CO2-Bilanz von Wein
Verfasst: Mi 24. Jul 2013, 21:31
von Oberpfälzer
Hallo zusammen,
finde die Diskussion durchaus interessant. Habe mich noch viel zu wenig mit diesem Thema beschäftigt. Bin allerdings vor einiger Zeit auf das Thema "2000W-Gesellschaft" aufmerksam geworden, welches in der Schweiz als Ziel ausgegeben ist. Dies ist zwar nicht unmitelbar mit dem CO2-Thema verbunden aber zumindest mittelbar.
Die ETH Zürich hat m.E. einen Energierechner entwickelt, den ich unten als Link einstelle. In diesem Kalkulator ist auch die graue Energie mit betrachtet, d.h. die Energie, die für die Erzeugung, Distribution und Entsorgung z.B. eines Autos notwendig ist. Meine ersten Ergebnisse daraus sind, dass die eigene Mobilität und die regionale Versorgung mit Abstand den grössten Einfluss auf den persönlichen Energieverbrauch haben. Urlaubsflüge sind demnach ein NoGo. Ein Zweitwagen ebenfalls. Ob ich 25000 km im Jahr fahre oder nur 15000 km ist wichtiger als chilenischer Wein oder Wein von der Mosel. Batteriebetriebene Autos sind kontraproduktiv (wohl wegen der grauen Energie und der elektrischen Energieerzeugung). Auch die Art des Wohngebäudes (EFH vs. MFH) ist nicht zu unterschätzen.
Mir ist klar, dass dies nur am Rande mit dem thread zu tun hat. Dennoch nimmt die regionale Versorgung mit Lebensmittel auch eine wesentliche Rolle ein. Das Thema Wein dürfte in der Breite m.E. einen sehr überschaubaren Einfluss haben. Fangen wir lieber bei den wesentlichen Themen an. Will damit die Diskussion nicht fehlleiten sondern nur aufmerksam machen, dass wir noch viel mehr unternehmen können, wenn wir unserer Natur und damit uns Gutes tun wollen. Will nur weitere Ansätze dazu nennen.
Spielt mal mit dem Kalkulator. Dauert nicht lange und man kann die Eingaben jederzeit ändern und sieht sofort das Ergebnis im persönlichen Energieverbrauchsbalken.
http://eco22.ecospeed.ch/privat/index.html?us=1&ln=0
Hoffe, dass ich jetzt nicht dafür gesteinigt werde. Denkt daran, ein Steinwurf bis nach Zug kostet viel Energie

Re: CO2-Bilanz von Wein
Verfasst: Do 25. Jul 2013, 18:19
von Markus Vahlefeld
Vielleicht um das abzuschließen, Michael. So habe ich gerechnet:
http://www.co2-emissionen-vergleichen.d ... ittel.html
Kalkulation Fasswein LITER=kg aus Chile mit Füllung in Europa:
Chile zum Hafen: Road: 0,20g x 150km = 30g
Seeroute Chile Rotterdam: 13.000km x 0,035g = 450g
Rotterdam Deutschland (Distributeur): 400km x 0,20 = 80g
Gesamt: knapp 560g CO2 pro LITER für Transport, umgerechnet 420g pro 0,75L. Dann Füllung in Bernkastel und weitere Distribution wie beim "Moselweingut" (also gleich).
Wenn jetzt die Herstellung von Wein in Mitteleuropa (ohne Verpackung etc.) mit 1kg CO2 pro Flasche zu Buche schlägt, sind bei chilenischem Wein nach Abzug des Transports (420g) für die Herstellung noch 600g übrig. Und da kann ich mir durchaus vorstellen, dass 1. das möglich ist und 2. die Klimabilanz ausgeglichen ist.
Ich schreibe da aber jetzt nicht, um Recht zu haben (sind eh alles Milchmädchenrechnungen, weil es immer um den konkreten Fall geht), sondern nur, um Dir meine Rechnung zu erläutern.