Re: Bordeaux 2025
Verfasst: Di 19. Mai 2026, 11:57
Ich war anfang des Jahres auf einer Gruaud Probe, der 82er und 86er haben leider etwas geschwächelt, dafür war der 90er grandios. Übrigens der letzte Jahrgang auf der Probe mir "Kuhstall". Ich bin da ganz bei dir, das machte die Weine von Gruaud aus und hat mich damals beim Erstkontakt faziniert. Für mich war an dem Abend der 90er knapp vorm 1982er der WON, ganz dicht gefolgt von 2000 und 2010. Bei 60€ könnte ich wohl noch schwach werden.UlliB hat geschrieben: ↑Di 19. Mai 2026, 11:13Da ich einer von denen bin, die die Weine von Gruaud aus den 80ern kennen, und zwar sowohl als Jungwein als auch gereift, ein Kommentar dazu: ich bin absolut sicher, dass der 25er mit diesen Weinen nicht viel zu tun haben wird.Matthias Hilse hat geschrieben: ↑Di 19. Mai 2026, 09:42 Man muss nicht die großen Jahrgänge aus den 80ern kennen - wenn man es aber tut, dann hat man einen Hinweis auf die phantastische Qualität dieses Weins.
Gruaud Larose war in den 80er wirklich phantastisch und zählte damals zweifellos zu den besten Betrieben auf dem linken Ufer. Den 82er, wohl ein Dutzend mal im Glas gehabt, zähle ich konstant zu den größten Bordeaux-Erlebnissen meines Lebens. Aber, und das ist ein sehr großes ABER: die Weine hatten damals etwas, was man heute als groben Weinfehler ansehen würde und nicht mehr toleriert: die hatten alle einen ganz monumentalen Kuhstallstinker, verursacht vermutlich durch Brettanomyces oder ähnliches. Nur passte dieser Stinker aus irgendwelchen Gründen dermaßen gut zum Rest des Weines, das das Gesamtergebnis absolut faszinierend war.
Solche Weine gibt es heute nicht mehr. Mikrobiologisch verursachte Fehler werden bei den Spitzengütern nicht mehr akzeptiert. Und jüngere Gruaud, die ich im Glas hatte, waren alle blitzsauber. Und das wird der 25er Gruaud auch sein.
Was ja nichts über die Qualität sagt, die wird wohl top sein, da sind sich die Kritiker ja einig. Nur stören mich als jemanden, der bei Bordeaux auf einen beträchtlichen Zeitraum zurückblicken kann, historische Vergleiche, die nicht passen. Egal ob Gruaud Larose, Montrose, Calon Ségur und wie sie alle heißen mögen: der Name ist derselbe wie früher, die Flächen, auf denen die Reben stehen meistens auch, aber der ganze Rest nicht mehr: andere Besitzer, andere Teams, andere Vinifikationsmethoden, mitunter auch ein anderer Rebsatz, und vor allem andere Vorstellungen, was am Ende herauskommen soll. Da wird jeder Vergleich mit Weinen vor 30 oder 40 Jahren zwangsläufig schief.
Gruß
Ulli