Ja, Stephan, das ist ein informativer und detaillierter Bericht, da macht das Lesen Spaß!
Hier nur einige wenige Bemerkungen: In der Tat, der Moulin-à-Vent ist weitgehend im Griff kapitalkräftiger Player wie Château des Jacques, Labruyères, Thibault, Ch. de MàV, aber es gibt auch herausragende traditionell arbeitende Einzelkämpfer, die den Großen durchaus paroli bieten können. Von denen hast Du Diochon ja schon gewürdigt. Unbedingt dazu rechnen würde ich noch Eric Janin, der zwar nicht in den Spitzenlagen beheimatet ist, der aber erstklassige langlebige Weine produziert von teilweise über hundert Jahre alten Reben ("les Greneriers") in biologischem Anbau! Weiter sollten auch die Domaine Vissoux mit den "Trois Roches", von denen früher mal wie bei Ch. des Jacques die Parzellen einzeln abgefüllt wurden, sowie Hubert Lapierre und Dominique Piron – diese beiden mit ihrem VVs – zu diesem Elitekreis gezählt werden.
Zum 'Atelier du Cusinier' – ja, das bietet einige Dutzend offene Beaujolais, davon zahlreiche aus der Spitzenklasse. Eigentlich könnte man da in Ruhe probieren und bei den Winzern dann gezielt zuschlagen – aber: Villié-Morgon ist nicht Paris, da fluten die Touristen nicht so unbedingt rein, und die Einheimischen haben ihren favorisierten Wein eh zu Hause, also kommt es vor, daß einige Flaschen halb geleert sehr lange Zeit rumstehen, so daß die Weine ein Schatten ihrer selbst bzw. in einem gänzlich indiskutablen Zustand sind. Die beanstandeten Weine werden dann nicht berechnet, aber eine entsprechende Flasche wird auch nicht gleich neu geöffnet. Zudem: Der Koch wechselt da ziemlich oft, so daß das Speiseangebot von inkonstanter Qualität ist. Das nächstgelegene richtig gute Essen gibt es – wie ich finde – in Morgon im 'Le Morgon', ca. 1,5 km von 'Atelier' entfernt – ein Restaurant mit unprätentiösem Ambiente, aber hervorragender Küche zu vernünftigen Preisen. Man fragt sich, wie das in so einem Kuhkaff möglich ist.
Ole
Beaujolais
- octopussy
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Re: Beaujolais
Hallo Ole,Ole hat geschrieben:Zum 'Atelier du Cusinier' – ja, das bietet einige Dutzend offene Beaujolais, davon zahlreiche aus der Spitzenklasse. Eigentlich könnte man da in Ruhe probieren und bei den Winzern dann gezielt zuschlagen – aber: Villié-Morgon ist nicht Paris, da fluten die Touristen nicht so unbedingt rein, und die Einheimischen haben ihren favorisierten Wein eh zu Hause, also kommt es vor, daß einige Flaschen halb geleert sehr lange Zeit rumstehen, so daß die Weine ein Schatten ihrer selbst bzw. in einem gänzlich indiskutablen Zustand sind. Die beanstandeten Weine werden dann nicht berechnet, aber eine entsprechende Flasche wird auch nicht gleich neu geöffnet. Zudem: Der Koch wechselt da ziemlich oft, so daß das Speiseangebot von inkonstanter Qualität ist. Das nächstgelegene richtig gute Essen gibt es – wie ich finde – in Morgon im 'Le Morgon', ca. 1,5 km von 'Atelier' entfernt – ein Restaurant mit unprätentiösem Ambiente, aber hervorragender Küche zu vernünftigen Preisen. Man fragt sich, wie das in so einem Kuhkaff möglich ist.
Ole
gut zu wissen. Das lindert meine Betrübnis darüber, dass das Lokal zu hatte, ein wenig. Gut zum Essen fand ich auch die Auberge de Corcelles in Corcelles-en-Beaujolais (ca. 5 km von Villié-Morgon), wo ein Japaner französische Küche kochte. Die Weinkarte fand ich auch ganz gut. Warst du da mal?
Beste Grüße, Stephan
Re: Beaujolais
Danke, Stephan, für die Berichte. Das ist schöne Samstags-Lektüre, die Lust auf Beaujolais macht.
Viele Grüße
Michl
Michl
- octopussy
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Re: Beaujolais
Hallo Michl,Michl hat geschrieben:Das ist schöne Samstags-Lektüre, die Lust auf Beaujolais macht.
freut mich. Lust auf Beaujolais ist immer gut
Wir hatten Donnerstagabend mal wieder unsere kleine, unregelmäßige Bojo-Runde, dieses Mal mit den 2012ern von Julien Sunier, die es neu bei Vinisud gibt. Sunier ist ein junger Winzer, dessen Domaine erst seit zwei oder drei Jahren existiert. Sunier hat alle Weinberge auf AB-Anbau umgestellt bzw. ist noch dabei. Seine Parzellen in Regnié, Morgon und Fleurie sind alle etwas höher gelegen. Bis auf den Morgon wendet er ausschließlich Maceration Carbonique an. Beim Morgon folgt auf die Maceration Carbonique noch eine kurze Maceration Semi-Carbonique. Die Weine werden bewusst nur sehr sanft extrahiert, um die Frucht zu bewahren und die Weine eher auf der filigran-leichten Seite zu belassen.
Wir haben folgende Weine probiert: 2012 Regnié, 2012 Fleurie, 2012 Morgon und zum Vergleich noch den 2012 Fleurie Poncié der Domaine du Vissoux. Ich denke, dass im insgesamt eher kühlen Jahrgang 2012 (die Lese war sehr spät) die Weine von Sunier eher leichter als in anderen Jahrgängen ausgefallen sind, aber jedenfalls der Fleurie war mir zu leicht. Auch den Regnié fand ich in der Nase ein wenig zu einfach. Der Morgon hingegen war klasse. Der Stil ist recht nah an dem von Marcel/Mathieu Lapierre, fand ich jedenfalls.
Der 2012 Fleurie Poncié war zunächst großartig. Toll ist ja an den Vissoux Weinen, dass sie so verlässlich sind und der Hausstil gut erkennbar ist. Leider fiel der Wein im Laufe des Abends auseinander, warum auch immer. Anyway, bei den Weinen von Sunier bin ich erstmal abwartend, ganz billig sind sie im regionalen Vergleich nämlich auch nicht. Beim nächsten besseren Jahrgang (hoffentlich 2014) schlage ich vielleicht mal zu, aber die 2012er muss ich mir letztlich zu den Preisen nicht in den Keller legen.




Beste Grüße, Stephan
Re: Beaujolais
Hallo Stephan,
ja du hast Recht, interessiere mich gerade verstärkt für Beaujolais. Ich gehöre ja zu denjenigen, die Beaujolais aufgrund von Vorurteilen völlig ignoriert haben. Und eigentlich habe ich die Region - v.a. durch eure Berichte hier - erst vor kurzem für mich entdeckt. Tatsächlich bin ich mehr als begeistert, da ich mich immer mehr weg von den schweren, konzentrierten Weinen entwickle und eigentlich dachte, dass ich mit Pinot Noir aus dem Burgund meine vinophile Erfüllung im Bereich der Roten gefunden habe. Jetzt gibt's da aber noch die Beaujolais, die mich gerade deshalb so begeistern, da sie häufig ganz klar konturiert und auf wenige Aromen konzentriert sind (eben wie große Küche auch), dabei aber diesen leichten Charakter haben, der mir so ungemein gefällt. Für mich könne die Weine gar nicht fragil genug sein, sofern sie dennoch Substanz haben. Vielleicht drücke ich mich missverständlich aus, aber gerade das fasziniert mich so, dass es Weine gibt, die kühl-zerbrechlich erscheinen und dennoch so strahlend-substanzvoll, ja sogar ganz und gar mit einem "wahren Kern" ausgestattet wirken. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, ob ich die Weine schon angemessen beurteilen kann. Ich habe eine VKN zu Bruns Cote de Brouilly sogar wieder gelöscht, weil der Wein mich an einem Abend völlig begeistert hatte (91P), am nächsten aber nur noch flach wirkte, und ich mir unsicher war, ob ich den Wein überhaupt angemessen einschätzen kann. Vielleicht gingen mir auch nur die Emotionen durch, aber diese euphorisierende Wirkung kenne ich eigentlich so nur von Beaujolais (bei den Roten). Wenn Pinot Noir oder ein Barolo bei mir eher Kontemplation, Innerlichkeit, Sehnsucht, vielleicht auch Ehrfurcht auslösen können, führt ein Beaujolais mir vor, "wie leicht die Dinge doch sein können". Was fasziniert euch an dieser Region? (sofern euch diese grundsätzlichen Überlegungen nicht zu exaltiert sind
) I
ja du hast Recht, interessiere mich gerade verstärkt für Beaujolais. Ich gehöre ja zu denjenigen, die Beaujolais aufgrund von Vorurteilen völlig ignoriert haben. Und eigentlich habe ich die Region - v.a. durch eure Berichte hier - erst vor kurzem für mich entdeckt. Tatsächlich bin ich mehr als begeistert, da ich mich immer mehr weg von den schweren, konzentrierten Weinen entwickle und eigentlich dachte, dass ich mit Pinot Noir aus dem Burgund meine vinophile Erfüllung im Bereich der Roten gefunden habe. Jetzt gibt's da aber noch die Beaujolais, die mich gerade deshalb so begeistern, da sie häufig ganz klar konturiert und auf wenige Aromen konzentriert sind (eben wie große Küche auch), dabei aber diesen leichten Charakter haben, der mir so ungemein gefällt. Für mich könne die Weine gar nicht fragil genug sein, sofern sie dennoch Substanz haben. Vielleicht drücke ich mich missverständlich aus, aber gerade das fasziniert mich so, dass es Weine gibt, die kühl-zerbrechlich erscheinen und dennoch so strahlend-substanzvoll, ja sogar ganz und gar mit einem "wahren Kern" ausgestattet wirken. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, ob ich die Weine schon angemessen beurteilen kann. Ich habe eine VKN zu Bruns Cote de Brouilly sogar wieder gelöscht, weil der Wein mich an einem Abend völlig begeistert hatte (91P), am nächsten aber nur noch flach wirkte, und ich mir unsicher war, ob ich den Wein überhaupt angemessen einschätzen kann. Vielleicht gingen mir auch nur die Emotionen durch, aber diese euphorisierende Wirkung kenne ich eigentlich so nur von Beaujolais (bei den Roten). Wenn Pinot Noir oder ein Barolo bei mir eher Kontemplation, Innerlichkeit, Sehnsucht, vielleicht auch Ehrfurcht auslösen können, führt ein Beaujolais mir vor, "wie leicht die Dinge doch sein können". Was fasziniert euch an dieser Region? (sofern euch diese grundsätzlichen Überlegungen nicht zu exaltiert sind
Viele Grüße
Michl
Michl
Re: Beaujolais
Viele Grüße
Michl
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- Alas
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Re: Beaujolais
Hallo!
Zwei mal in die Moulin-à-Vent-Kiste gegriffen und diese beiden hervorgeholt:


Demnächst greife ich gern in die unmittelbar daneben stehenden Kisten.
Gruß
Alas
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wat den een sien uhl is den annern sien nachtigall
- octopussy
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Re: Beaujolais
Hallo Michl,Michl hat geschrieben:Kennt jemand diesen Wein? Bin mir unsicher, ob die Flasche gut war...
nein, von Potel-Aviron habe ich bislang nichts getrunken. Nicolas Potel ist ja ein recht bekannter Négociant im Burgund (seine Négociant-Firma heißt jetzt Roche de Bellene). Einige 2010er sind derzeit schwierig zu trinken, hohe Säure und etwas höheres Tannin prägen viele Weine des Jahrgangs. Ich denke, du wirst nach deiner zweiten Flasche "schlauer" sein, ob es die Flasche war oder der Wein ist (zum derzeitigen Zeitpunkt).
Zur "Faszination Beaujolais": Für mich machen mehrere Aspekte die Faszination aus:
1. ich mag die Unmittelbarkeit und Vielseitigkeit des Gamay: in der Mac Carb Variante bietet er eine unglaublich direkte Verbindung zur Weintraube, und das bei gleichzeitiger Komplexität, wenn gut gemacht, wie z.B. bei Lapierre. In der burgundischen Vinifikation sind die Weine häufig erstaunlich dicht und gleichzeitig luftig.
2. Da es mehrere Arten der Vinifikation gibt (Mac Carb, Mac Semi-Carb, Burgundisch) mit vielen Graustufen dazwischen, gibt es einfach viel zu entdecken.
3. Ich liebe generell Weine von Granitböden, die Beaujolais von Granitböden (z.B. Fleurie, Moulin-à-Vent) genauso wie Syrahs von der nördlichen Rhône oder Elsässer Rieslinge vom Granit. Die strahlen für mich ganz generell so eine tolle steinige Kühle aus.
4. Je mehr ich mich mit Beaujolais beschäftige, desto besser werden die verschiedenen Terroirs erkennbar, und zwar trotz der unterschiedlichen Vinifikationen.
5. Es tut sich eine Menge, neue Winzer, neue Lagenabfüllungen, mehr Erfahrung mit dem Ausbau in unterschiedlichen Terroirs.
6. Es gibt einen Riesenfundus an alten Rebbeständen. Das führt aus meiner Sicht häufig zu wirklich tiefgründigen Weinen.
7. Man kann die Weine jung trinken und sie lagern. Eine langwierige Verschlussphase wie bei Burgundern oder Bordeaux oder Rhône-Syrahs ist eher selten (kommt aber vor, wenn auch kürzer).
8. Die Weine sind nicht teuer. Die teuersten Weine (Mêtras Fleurie Ultime, Lapierre Cuvée Marcel Lapierre, Labruyère Le Clos, Thibault Vignes Centenaires, Coudert Griffe du Marquis, usw.) überspringen gerade so eben die 30 Euro Marke, für 7-15 Euro bekommt man wirklich tolle Weine.
Beste Grüße, Stephan
Re: Beaujolais
9. der Beaujolais ist ein Wein, der nicht nachgeahmt werden kann, der seinerseits auch nicht den Ehrgeiz hat, sich in fremde Kostüme zu zwängen, (der ewige Burgundervergleich ["wie ein La Tache"] ist Weinhändlergeschwätz), der sich deutlich vom weltweiten Einheitsbrei abhebt, der halt wirklich individuell ist, ein ganz eigenes Gesicht hat!
Ole
Ole
Re: Beaujolais
Stimmt alles, Beaujolais macht mir auch Spaß, ABER!
10) Beaujolais ist nicht everybodys Darling.
Die Flasche Morgon von Bouland 2010 (VKN unten), die ich heute an einen Tisch von vier Personen gestellt habe, darf ich allein bewerten. Die Mehrheit nippt davon, schweigt höflich und beginnt den Raum nach anderen möglichen Flaschen abzusuchen. Liegt es an der fehlenden Erfahrung? Suchen meine Mittrinker bekannte Aromen von Holz, Vanille, dunklen Früchten? Dann werden sie bei Beaujolais sicher nicht spontan fündig. Aber abschließend kann ich diese Frage noch nicht beantworten.
11) Kein einfaches Kombinieren mit Speisen.
Frischer Ziegenkäse auf Brot passt, habe ich heute zufällig festgestellt. Nur. Frischer Ziegenkäse passt irgendwie auch zu jeder Art von jungfruchtigen Wein. Das ist kein besonders aufregender Deal. Beaujolais passt wie gesagt wegen der ausgeprägten Säure sehr gut zu Gerichten, die Rote Beete enthalten. Das hatte ich zufälligerweise einmal festgestellt. Ich bin mir auch sicher, dass ihr vielleicht schon mehr Erfahrungswerte gesammelt habt, die noch nicht zu mir gedrungen sind. Allein: Die Erfahrungen mit Weinen, die südlich von Macon angebaut werden, sind jedenfalls bei mir noch ausbaufähig.
Grüße,
Wolf
P.S.

10) Beaujolais ist nicht everybodys Darling.
Die Flasche Morgon von Bouland 2010 (VKN unten), die ich heute an einen Tisch von vier Personen gestellt habe, darf ich allein bewerten. Die Mehrheit nippt davon, schweigt höflich und beginnt den Raum nach anderen möglichen Flaschen abzusuchen. Liegt es an der fehlenden Erfahrung? Suchen meine Mittrinker bekannte Aromen von Holz, Vanille, dunklen Früchten? Dann werden sie bei Beaujolais sicher nicht spontan fündig. Aber abschließend kann ich diese Frage noch nicht beantworten.
11) Kein einfaches Kombinieren mit Speisen.
Frischer Ziegenkäse auf Brot passt, habe ich heute zufällig festgestellt. Nur. Frischer Ziegenkäse passt irgendwie auch zu jeder Art von jungfruchtigen Wein. Das ist kein besonders aufregender Deal. Beaujolais passt wie gesagt wegen der ausgeprägten Säure sehr gut zu Gerichten, die Rote Beete enthalten. Das hatte ich zufälligerweise einmal festgestellt. Ich bin mir auch sicher, dass ihr vielleicht schon mehr Erfahrungswerte gesammelt habt, die noch nicht zu mir gedrungen sind. Allein: Die Erfahrungen mit Weinen, die südlich von Macon angebaut werden, sind jedenfalls bei mir noch ausbaufähig.
Grüße,
Wolf
P.S.

„Es war viel mehr.“
Johnny Depp dementiert, 30.000 Dollar im Monat für Alkohol ausgegeben zu haben. (Quelle: „B.Z.“)
Johnny Depp dementiert, 30.000 Dollar im Monat für Alkohol ausgegeben zu haben. (Quelle: „B.Z.“)
