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Re: Beaujolais
Verfasst: Sa 7. Dez 2013, 16:36
von UlliB
Hallo Stephan,
danke für die interessanten und anschaulichen VKNs. Zwei Fragen:
octopussy hat geschrieben: Der Keller befindet sich im im Nuits St. Georges des Beaujolais, in Romenèche-Thorins.
Wenn ich mich an meinen letzten, mittlerweile über 20 Jahre zurückliegenden Aufenthalt im Beaujolais richtig erinnere, heißt der Ort korrekt Rom
anèche-Thorins. Aber davon abgesehen - wieso ist das das Nuits St. Georges des Beaujolais? In meiner Erinnerung ist Romanèche-Thorins ein echtes Kaff, ein Dorf bestehend aus zwei Handvoll zerstreut liegenden Häusern, während Nuits schon eine Art Kleinstadt mit im Kern geschlossen Ortsbild ist. Woher kommt der Vergleich?
Zum "Dernière Souffle" - der Begriff
dernière souffle bedeutet übersetzt "letzter Atemzug" oder "letzter Schnaufer"; für einen Wein schon etwas ungewöhnlich. Weißt Du, was hinter der Namensgebung steckt?
Beste Grüße
Ulli
Re: Beaujolais
Verfasst: Sa 7. Dez 2013, 17:06
von Ollie
Die Lage
Dernier Souffle (m.) ist direkt neben dem Friedhof des Dorfs. So weit, sie
Dernière Gorgée zu nennen, ging die Ironie dann doch nicht.
Cheers,
Ollie
Re: Beaujolais
Verfasst: Sa 7. Dez 2013, 17:26
von UlliB
Ollie,
danke für die Erklärung. Und stimmt, souffle ist maskulin. Der Wein von Rottiers heißt auch tatsächlich "Dernier Souffle", die Schreibweise in Stephans VKN ist falsch.
Bleibt noch die Frage nach dem "Nuits St. Georges des Beaujolais".
Gruß
Ulli
Re: Beaujolais
Verfasst: Sa 7. Dez 2013, 18:27
von octopussy
Hallo Ulli,
danke. Romanèche war ein Schreibfehler, dernier souffle ein Grammatikfehler

.
Bei meinen zwei Besuchen vor Ort kam mir der Ort immer ein wenig vor, wie das kommerzielle und industrielle Zentrum des Beaujolais-Gebiets, vielleicht liegt das daran, dass Georges Duboeuf sein "Hameau du Vin" dort stehen hat. Vor diesem Hintergrund habe ich den Vergleich zu Nuits St. Georges gezogen. Denn der Ort wirkte für mich - anders als Beaune und auch anders als die anderen Weindörfer - ebenfalls meist eher industriell bzw. kommerziell geprägt.
Re: Beaujolais
Verfasst: So 8. Dez 2013, 11:34
von octopussy
P.S. Gestern haben wir zur winterlichen Hausmannskost (Rahmwirsing, Kartoffeln, Bratwurst) noch den Karim Vionnet und den Rottiers Moulin-à-Vent Villages aufgetrunken, Freitagabend den "Dernier Souffle". Frau octo schmeckte der Rottiers Villages besser als der "Dernier Souffle", sie sagte, der Villages schmecke etwas voller, der Dernier Souffle sei sehr säurebetont. Man sieht also: alles Geschmackssache. Jedenfalls haben der Rottiers Villages und der Karim Vionnet drei Tage offen ausgezeichnet überstanden und ihren ursprünglichen Charakter ganz gut beibehalten.
Re: Beaujolais
Verfasst: So 8. Dez 2013, 17:12
von Ole
Sag mal, Stephan, gibt’s den "Champs de Cours" wirklich beim Château des Jacques? Ich kenne von denen nur die folgenden MàVs: 'La Rochelle', 'La Roche' und die Kracher 'Rochegrès' und 'Grand Carquelin'! Meines Erachtens haben die nix im 'Champs de Cours' – oder weißt Du was Näheres?
Ole
Re: Beaujolais
Verfasst: So 8. Dez 2013, 17:17
von octopussy
Ole hat geschrieben:Sag mal, Stephan, gibt’s den "Champs de Cours" wirklich beim Château des Jacques? Ich kenne von denen nur die folgenden MàVs: 'La Rochelle', 'La Roche' und die Kracher 'Rochegrès' und 'Grand Carquelin'! Meines Erachtens haben die nix im 'Champs de Cours' – oder weißt Du was Näheres?
Ole
Hallo Ole,
laut Website von Louis Jadot/Château des Jacques gibt es einen Champ de Cour:
http://www.chateau-des-jacques.fr/en/wi ... 009-11.php. Wenn der 2011er rauskommt, werde ich versuchen, ein paar Flaschen einzulagern, damit wir in 5-6 Jahren 2011 Champ de Cour von Jadot/Ch. Moulin-à-Vent und Rottiers nebeneinander probieren können.
Re: Beaujolais
Verfasst: So 8. Dez 2013, 18:33
von UlliB
octopussy hat geschrieben:
Bei meinen zwei Besuchen vor Ort kam mir der Ort immer ein wenig vor, wie das kommerzielle und industrielle Zentrum des Beaujolais-Gebiets, vielleicht liegt das daran, dass Georges Duboeuf sein "Hameau du Vin" dort stehen hat. Vor diesem Hintergrund habe ich den Vergleich zu Nuits St. Georges gezogen. Denn der Ort wirkte für mich - anders als Beaune und auch anders als die anderen Weindörfer - ebenfalls meist eher industriell bzw. kommerziell geprägt.
Hallo Stephan,
wie gesagt, es ist über zwanzig Jahre her, dass ich da war. Aber wenn das mittlerweile das "kommerzielle und industrielle Zentrum des Beaujolais-Gebiets" geworden ist, muss sich da schon sehr viel getan haben. Damals war das nur ein Dorf (richtig, mit der Weinfabrik von Georges Duboeuf

) und nicht viel mehr. Als kommerzielles und industrielles Oberzentrum hätte ich eher Macon angesehen, aber das gehört natürlich nicht mehr zum Beaujolais.
Apropos Georges Duboeuf: lebt der eigentlich noch? Damals wurde der in der Gegend als eine Art Heilsbringer angesehen, weil er nach dem Krieg das Geschäft mit Beaujolais und insbesondere mit
Beaujolais primeur quasi im Alleingang hochgezogen hatte. Noch bis weit in die 90er lief das Primeur-Geschäft irre gut, es gab jedes Jahr einen echten Hype darum, und es hat sehr viel schnelles Geld in die Gegend gespült. Mittlerweile scheint es damit aber total vorbei zu sein, dieses Jahr musste man in den Supermärkten hier in der Gegend nach ein paar Flaschen Primeur suchen und wurde meist nicht fündig.
Wahrscheinlich sieht man heute vor Ort das Primeur-Geschäft und damit auch Duboeuf deutlich kritischer; die zum Teil absolut lausige Qualität der im Eiltempo zusammengekloppten Weine hat den Ruf des Gebietes gründlich beschädigt. Man muss allerdings zugeben, dass die unter dem Etikett von Georges Duboeuf verkauften Weine meistens ganz ok waren, und zumindest immer technisch einwandfrei.
Gruß
Ulli
Re: Beaujolais
Verfasst: So 8. Dez 2013, 21:23
von Burzuko
Ole, Stephan
da ihr gerade über Chateau des Jacques spracht... glaubt ihr dass ein 2002er !!! (
http://tinyurl.com/ofy2q79) Moulin à Vent Clos du Grand Carquelin noch "lebendig" ist? Hatte kürzlich mal einen Brouilly 2010 von denen, der mir gut gefiel aber eigentlich noch keinen richtigen Spaß bereitete. Ok, die 2010er scheinen jetzt durch die Bank nicht viel herzugeben. Wenn selbst so ein "einfacher" Beaujo aus jenem Hause so viel Potenzial aufweist, wie steht es dann wohl um die Lagenweine?!
Übrigens, der Champ de Cour von R. Rottiers gefiel mir am nächsten Tag beim Nachverkosten

deutlich besser! Wie soll ich sagen, die Beaujo-Typizität die mir etwas fehlte als wir ihn zusammen bei Stephan tranken, kam deutlicher durch und das Holz verschwand ein wenig bzw. war etwas besser eingebunden. Diese "Erdigkeit" macht diesen Moulin a Vent einfach verführerisch wie Stephan treffend schreibt! Einfach klasse dieses Gesamtpaket von Frucht, Holz, Finesse und Komplexität.
Meiner Meinung nach sollte man sich mit dem Wein ausreichend eindecken...
Gruß
George
Re: Beaujolais
Verfasst: So 8. Dez 2013, 22:53
von octopussy
UlliB hat geschrieben:Aber wenn das mittlerweile das "kommerzielle und industrielle Zentrum des Beaujolais-Gebiets" geworden ist, muss sich da schon sehr viel getan haben. Damals war das nur ein Dorf (richtig, mit der Weinfabrik von Georges Duboeuf

) und nicht viel mehr. Als kommerzielles und industrielles Oberzentrum hätte ich eher Macon angesehen, aber das gehört natürlich nicht mehr zum Beaujolais.
Hallo Ulli,
nun ja. Seit deinem Besuch hat sich nicht wahnsinnig viel getan. Romanèche-Thorins ist immernoch ein kleines, zersplittertes, eher hässliches Durchgangsdorf. Ich glaube, bei dem Vergleich mit Nuits St. Georges habe ich mich vielleicht etwas sehr von der Dubeouf-Fabrik leiten lassen. So richtig passt der Vergleich nicht

.
UlliB hat geschrieben:Apropos Georges Duboeuf: lebt der eigentlich noch? Damals wurde der in der Gegend als eine Art Heilsbringer angesehen, weil er nach dem Krieg das Geschäft mit Beaujolais und insbesondere mit Beaujolais primeur quasi im Alleingang hochgezogen hatte. Noch bis weit in die 90er lief das Primeur-Geschäft irre gut, es gab jedes Jahr einen echten Hype darum, und es hat sehr viel schnelles Geld in die Gegend gespült. Mittlerweile scheint es damit aber total vorbei zu sein, dieses Jahr musste man in den Supermärkten hier in der Gegend nach ein paar Flaschen Primeur suchen und wurde meist nicht fündig.
Wahrscheinlich sieht man heute vor Ort das Primeur-Geschäft und damit auch Duboeuf deutlich kritischer; die zum Teil absolut lausige Qualität der im Eiltempo zusammengekloppten Weine hat den Ruf des Gebietes gründlich beschädigt. Man muss allerdings zugeben, dass die unter dem Etikett von Georges Duboeuf verkauften Weine meistens ganz ok waren, und zumindest immer technisch einwandfrei.
Der lebt laut Wikipedia noch (und ist dieses Jahr 80 geworden). Jedenfalls in Deutschland ist Beaujolais Primeur nach meinem Eindruck kein großes Ding mehr, in den USA schon eher. Dubeouf ist aber offenbar noch gut im Geschäft. Es gibt zahlreiche verschiedene Marken, unter denen seine Beaujolais verkauft werden. Laut Wikipedia verkauft seine Firma jährlich 15 Mio. Flaschen Wein

. Einige witzige Weine gibt es auch. So habe ich diesen Sommer auf dem Flughafen in Lyon einen Dubeouf "Olympique Lyon" Beaujolais Villages gesehen.
Es gibt über Georges Dubeouf übrigens auch ein Buch von Rudolph Chelminski (Titel: "I'll Drink to That: Beaujolais and the French Peasant Who Made It the World's Most Popular Wine"). Das habe ich schon vor Monaten bei Amazon bestellt, aber es will und will nicht kommen. Chelminski ist aus meiner Sicht ein sehr guter Autor, sein Buch "The Perfectionist" über Bernard Loiseau (R.I.P.) ist wirklich empfehlenswert, gut recherchiert und ergreifend geschrieben.