Beaujolais

Chablis, Auxerre und Umgebung, Côte de Nuits, Côte de Beaune, Châlonnais, Maconnais, Beaujolais und Lyonnais
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octopussy
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Re: Beaujolais

Beitrag von octopussy »

Michl hat geschrieben:Also jetzt muss ich mich 'mal an die Beaujolais-Experten hier im Forum wenden. So etwas habe ich bisher in dieser Form noch nie erlebt. Habe gestern den unten angegebenen Wein geöffnet, war sehr angetan, und heute ist der Wein im Verhältnis nur enttäuschen. Was ist da los? Zu jung? Geringe Schwefelung? Kann sich das jemand erklären?
Hallo Michl,

aus meiner Sicht ist es nicht ungewöhnlich, dass ein durchaus risikoreich vinifizierter Wein wie ein Jean-Paul Brun Beaujolais sich am zweiten Tag deutlich anders präsentiert als am ersten. Rotweine über mehrere Tage trinken ist bei mir meist Glückssache. Manchmal macht ein Wein schön auf über Nacht, manchmal bricht er ein. Nur bei eher alkoholstarken, jungen Weinen wie Süd-Rhône-, Midi- oder Priorat-Weinen ist aus meiner Sicht eher selten zu beobachten, dass die Weine über Nacht einbrechen. Die stehen oft wie eine Eins über mehrere Tage.
Beste Grüße, Stephan
Michl
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Re: Beaujolais

Beitrag von Michl »

Lieber Stephan,

dann lag das wahrscheinlich wirklich am Ausbau. Ich habe wenig Erfahrung mit Beaujolais und geringer Schwefelung. Und bei einem reifen Wein hätte mich das auch nicht gewundert, aber bei einem 11er? Aber dein Tipp zu Bruns 11er Fleurie ist Gold wert, ich teile deine Begeisterung, hoffe nur, dass der dann, mit seinem Ausbau, auch in meinem Keller ein paar Jahre mitmacht. Ich habe immer zw. 17 und 20 Grad, was ja zumindest für nicht geschwefelte Weine nicht zu empfehlen ist. Hast du oder jemand anderes Erfahrung, ob gering geschwefelte Weine wie die von Brun das mitmachen?

Viele Grüße

Michl
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Michl
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octopussy
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Re: Beaujolais

Beitrag von octopussy »

Michl hat geschrieben:hoffe nur, dass der dann, mit seinem Ausbau, auch in meinem Keller ein paar Jahre mitmacht. Ich habe immer zw. 17 und 20 Grad, was ja zumindest für nicht geschwefelte Weine nicht zu empfehlen ist. Hast du oder jemand anderes Erfahrung, ob gering geschwefelte Weine wie die von Brun das mitmachen?
Hallo Michl,

mit der Lagerung und den gering oder nicht geschwefelten Weinen ist das nach meiner Erfahrung Glückssache. Mein Weinzimmer, in dem eigentlich die bald zu trinkenden Weine liegen, geht im Sommer über 20 Grad und bislang hatte ich trotz längerer Lagerung noch keine gekippten Flaschen. Klopf, Klopf. Einigermaßen sicher sein, dass diese Niedrigschwefelweine über längere Zeit stabil sind, kann man m.E. nur, wenn man sie direkt beim Winzer kauft, kühl (am besten im Winter) nach Hause transportiert und dann bei 14 Grad oder drunter lagert. Aber wer kann das schon gewährleisten? Ich nehme einfach das Risiko, wie gesagt, bislang ist es noch immer gut gegangen.
Beste Grüße, Stephan
Ole
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Re: Beaujolais

Beitrag von Ole »

Hi,
mir geht es wie Stephan! Hatte mit beim Winzer gekauften Weinen nie Schwierigkeiten. Auch auf Nachfrage sagte man mir, so etwa bei Marcel Lapierre, daß ein eintägiger Transport auch bei wärmeren Temperaturen kein Problem sei, man solle das Auto nur nicht längere Zeit in der Sonne stehen lassen. Einzig Madame Foillard verweigerte die Herausgabe reservierter Flaschen mit dem Hinweis, es sei 30°und da würden die Weine den Transport nicht durchstehen. Ein anderes Mal hatte ich Glück: Madame war nicht da und die Sekretärin nicht pingelig. Sie rückte alles raus, ich transportierte bei etwa 26°– und alles war gut, so gut, daß der Foillardsche Fleurie bei einer Probe mit vielen Hochkarätern aus der Ecke eindeutiger Sieger wurde. Eine ganz andere Sache ist es meiner Erfahrung nach mit dem Stehenlassen geöffneter Flaschen: In der Regel haben die nach 24 Stunden abgebaut, zwei bis vier Stunden Luft tun ihnen allerdings mitunter gut!
Ole
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innauen
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Re: Beaujolais

Beitrag von innauen »

Hallo,

bei der Lösung der für mich noch offenen Frage, was man eigentlich zu Beaujolais trinken kann, bin ich gestern einen Schritt weiter gekommen. Zu Burgauds Morgon gab es russischen Bortsch. Die herbe süße der roten Beete passte sehr schön zum trockenen süß-sauer Spiel des Beaujolais.

Grüße,

wolf
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UlliB
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Re: Beaujolais

Beitrag von UlliB »

innauen hat geschrieben:[...]der für mich noch offenen Frage, was man eigentlich zu Beaujolais trinken kann, [...]
Der ist gut. Ich frage mich das gleiche immer bei Chateauneuf - das ist bekanntlich kein Getränk, sondern eine dicke alkoholische Suspension, zu der man irgend etwas trinken muss. Wasser hat sich ganz gut bewährt, ist aber vielleicht nicht der Weisheit letzter Schluss?

Duckundwech
Ulli
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innauen
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Re: Beaujolais

Beitrag von innauen »

Off-Topic: Usseglio Chateauneauf du Pape 2008 war am Wochende wunderbar zu auf niedriger Temperatur gebratenem Roastbeef. Dennoch hast Du nicht unrecht. Das Gericht zu dem man den 2009er trinken kann, muss wohl noch erfunden werden.

Grüße,

wolf
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Ollie
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Re: Beaujolais

Beitrag von Ollie »

re: Was wozu? Kanonisch sieht das so aus:

Die Chateauneuf-du-Pape-Doppeldickschiffe werden eigentlich nicht zum Trinken gemacht, sondern fuer Amerikaner. Sobald die Amis in ihren Mietwagen weg sind und man aufgehoert hat zu lachen, greift man vor Ort zu einem civet de sanglier (mit Blut und viel Knoblauch). Oder zu gegrillten Wildschweinkoteletts. Oder zu einem Wildschweinbraten. Oder, wenn wirklich gar nichts anderes im Haus ist, zu Wildschwein. Im alleralleraeussersten Notfall geht auch Lamm.

Auch beim Beaujolais lohnt ein Blick in die regionalen (d.h. hier: Lyoner) Speisekarten. Kalt: Wurst und gekochter Schinken oder (noch besser) Pasteten (Freunden des Suess-Sauer-Spiels reicht man eingelegte Gurken und Perlzwiebeln dazu). Warm: Bratwuerste (klassischerweise andouillette; weniger hardcore ist die saucisse de Toulouse). Bei strukturierteren Weinen gehen auch Braten von hellem Fleisch (Kalb, Schwein; letzteres gefuellt mit Salbei und Fruechten z.B.) ohne zu schwere Saucen. Oder gleich ein gutes Huhn aus dem Backofen. D.h. alles, wozu man prinzipiell auch leichte Pinots trinken wuerde.

Cheers,
Ollie
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Ostbelgier
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Re: Beaujolais

Beitrag von Ostbelgier »

Hallo zusammen,

wenn man zum guten Huhn aus dem Ofen etwas mit Port eingekochten Morchelrahm reicht, schmeckt der Beaujolais nochmal besser, finde ich :D .
Heute im Glas ein Mitbringsel der Messe in Lille. Domaine Bergeron: Saint-Amour Clos du Chapitre 2012. Das ist schon Kindermord, aber ein Leckerer ;) . Dunkles, transparentes rot, wundervoll reintönige Kirschnase von einiger Tiefe. Am Gaumen präsentes Tannin und noch etwas ruppige Säure, aber eine ausfüllende Frucht, die niemals kitschig wirkt. Für mich ein ernstzunehmender Beaujolais Cru, der vor Ort 8,60 Euro kostet. Kennt jemand diese Domaine ??

Viele Grüße

Markus
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octopussy
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Re: Beaujolais

Beitrag von octopussy »

Hallo zusammen,

diese Woche haben Ole, George und ich zusammen die 2011er Moulin-à-Vents von Richard Rottiers probiert. Die Domaine ist neu im Programm bei Pinard-de-Picard. Richard Rottiers ist noch verhältnismäßig jung (Mitte 30) und ist einer der vielen Neueinsteiger im Beaujolais. Vorher durchlief er mehrere Stationen im Chablis, in Gaillac, im Luberon, in Südafrika und in Neuseeland. Etwas über 3 ha bewirtschaftet er, unter anderem eine 0,8 ha Parzelle in der bekannten Lage "Champ de Cour", in der auch Louis Jadot (Château des Jacques) und das Château du Moulin-à-Vent Parzellen besitzen. Die Reben sind 40 bis 80 Jahre alt und die Weinberge sollen nächstes Jahr auf zertifizierten Bio-Anbau umgestellt werden (d.h. sind schon weitgehend auf AB umgestellt, sollen aber nächstes Jahr zertifiziert werden). Der Keller befindet sich im Nuits St. Georges des Beaujolais, in Romanèche-Thorins.

Neben einem Rosé-Wein gibt es drei Moulin-à-Vents, einen Villages, einen Einzellagen-Wein namens "Dernier Souffle" und den "Champ de Cour" als "Grand-Cru" Wein. Der Villages bietet viel Wein fürs Geld, aber wenig Finesse. Mit mehr Luft entwickelte er sich passabel, aber es scheint trotzdem, als hätte Rottiers es hier etwas mit der Extraktion übertrieben. Der Wein ist sehr dicht für einen Beaujolais, aber er hat ziemliche Bitternoten und wirkt einfach etwas grob. Auch am zweiten Abend war er nicht wirklich toll. Ganz anders die beiden Lagenweine. Aktuell war vielleicht sogar der "Dernier Souffle" mein Favorit, ein sehr schön transparenter, rotbeeriger, feiner Beaujolais. Der "Champ de Cour" ist dagegen wieder etwas üppiger, dabei aber ganz wesentlich feiner als der Villages. Und mit viel Potenzial ausgestattet. Ich wage mal die Prognose, dass er ausgezeichnet reift und in 8-10 Jahren den Champs de Cour von Jadot und Château du Moulin-à-Vent die Stirn bieten kann. Ich werde entsprechend einkellern, um das überprüfen zu können ;).

Alles in allem hat Pinard aus meiner Sicht mit der Domaine einen Treffer gelandet. Man wird nochmal zwei oder drei Jahrgänge abwarten müssen, aber jedenfalls die beiden Einzellagen-2011er sind extraklasse und unbedingt einen Versuch und eine Einkellerung wert.

Schließlich hatten wir dann noch einen Moulin-à-Vent von Karim Vionnet, der sonst eigentlich Generiques und - so meine ich - noch etwas Morgon erzeugt. George hatte den mitgebracht. Wie auch Rottiers ist Vionnet ein Neuzugang im Beaujolais, der ebenfalls erst um 2007 herum sein Weingut gegründet hat. Wie man dem www entnehmen kann, will er Beaujolais in der Tradition der "Gang of Four" erzeugen. Und das gelingt ihm jedenfalls bei diesem Moulin-à-Vent sehr gut. Für mich ist das prototypischer Moulin-à-Vent im nicht-burgundischen Stil, sehr steinig-mineralisch mit diesem unverkennbaren Granit-Ton, den man sonst auch an der nördlichen Rhône findet, etwas dichter als die Nachbarn aus Fleurie, etwas ausladender als die Weine aus Morgon. Ein toller Wein und eine weitere Domaine, die es sich lohnt, auf dem Schirm zu haben. Nur sind die Weine von Karim Vionnet in Deutschland nur schwer zu bekommen, so scheint es.

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Zuletzt geändert von octopussy am Sa 7. Dez 2013, 18:28, insgesamt 2-mal geändert.
Beste Grüße, Stephan
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