Hallo zusammen,
diese Woche haben Ole, George und ich zusammen die 2011er Moulin-à-Vents von Richard Rottiers probiert. Die Domaine ist neu im Programm bei Pinard-de-Picard. Richard Rottiers ist noch verhältnismäßig jung (Mitte 30) und ist einer der vielen Neueinsteiger im Beaujolais. Vorher durchlief er mehrere Stationen im Chablis, in Gaillac, im Luberon, in Südafrika und in Neuseeland. Etwas über 3 ha bewirtschaftet er, unter anderem eine 0,8 ha Parzelle in der bekannten Lage "Champ de Cour", in der auch Louis Jadot (Château des Jacques) und das Château du Moulin-à-Vent Parzellen besitzen. Die Reben sind 40 bis 80 Jahre alt und die Weinberge sollen nächstes Jahr auf zertifizierten Bio-Anbau umgestellt werden (d.h. sind schon weitgehend auf AB umgestellt, sollen aber nächstes Jahr zertifiziert werden). Der Keller befindet sich im Nuits St. Georges des Beaujolais, in Romanèche-Thorins.
Neben einem Rosé-Wein gibt es drei Moulin-à-Vents, einen Villages, einen Einzellagen-Wein namens "Dernier Souffle" und den "Champ de Cour" als "Grand-Cru" Wein. Der Villages bietet viel Wein fürs Geld, aber wenig Finesse. Mit mehr Luft entwickelte er sich passabel, aber es scheint trotzdem, als hätte Rottiers es hier etwas mit der Extraktion übertrieben. Der Wein ist sehr dicht für einen Beaujolais, aber er hat ziemliche Bitternoten und wirkt einfach etwas grob. Auch am zweiten Abend war er nicht wirklich toll. Ganz anders die beiden Lagenweine. Aktuell war vielleicht sogar der "Dernier Souffle" mein Favorit, ein sehr schön transparenter, rotbeeriger, feiner Beaujolais. Der "Champ de Cour" ist dagegen wieder etwas üppiger, dabei aber ganz wesentlich feiner als der Villages. Und mit viel Potenzial ausgestattet. Ich wage mal die Prognose, dass er ausgezeichnet reift und in 8-10 Jahren den Champs de Cour von Jadot und Château du Moulin-à-Vent die Stirn bieten kann. Ich werde entsprechend einkellern, um das überprüfen zu können

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Alles in allem hat Pinard aus meiner Sicht mit der Domaine einen Treffer gelandet. Man wird nochmal zwei oder drei Jahrgänge abwarten müssen, aber jedenfalls die beiden Einzellagen-2011er sind extraklasse und unbedingt einen Versuch und eine Einkellerung wert.
Schließlich hatten wir dann noch einen Moulin-à-Vent von Karim Vionnet, der sonst eigentlich Generiques und - so meine ich - noch etwas Morgon erzeugt. George hatte den mitgebracht. Wie auch Rottiers ist Vionnet ein Neuzugang im Beaujolais, der ebenfalls erst um 2007 herum sein Weingut gegründet hat. Wie man dem www entnehmen kann, will er Beaujolais in der Tradition der "Gang of Four" erzeugen. Und das gelingt ihm jedenfalls bei diesem Moulin-à-Vent sehr gut. Für mich ist das prototypischer Moulin-à-Vent im nicht-burgundischen Stil, sehr steinig-mineralisch mit diesem unverkennbaren Granit-Ton, den man sonst auch an der nördlichen Rhône findet, etwas dichter als die Nachbarn aus Fleurie, etwas ausladender als die Weine aus Morgon. Ein toller Wein und eine weitere Domaine, die es sich lohnt, auf dem Schirm zu haben. Nur sind die Weine von Karim Vionnet in Deutschland nur schwer zu bekommen, so scheint es.
