thiloV hat geschrieben:.... Ich hab halt vor einiger Zeit entdeckt, dass ich gerne leichte Weine trinke. Und die Weine aus den nördlicheren französischen Regionen, die mir nicht zu sauer sind, schmecken mir auch ausgesprochen gut. Daher würde ich nur ungerne auf diese Regionen verzichten. Wenn ich mich auf südlichere Regionen konzentriere und dort gezielt leichtere (auf den Alkohol bezogen) Weine suche, würden die dann tendenziell auch wieder mehr Säure haben?
...
@Olifant: Manchmal habe ich auch das Gefühl, die Säure ist gut eingebunden, trotzdem stört sie mich noch. Naja, ich hab aber auch noch nicht so viel Erfahrung.
....
Hallo Thilo,
nochmal mein 'Senf' ...
... zum ersten Absatz:
Tendenziell leichtere Weine in Rot, sag's doch gleich . Evtl. wäre Vernatsch / St. Magdalener / Kalterersee / Meraner (die besseren Qualitäten) was für dich. In den entsprechenden Südtirol-Threads solltest du durchaus entsprechend fündig werden können.
Ob die Gleichung für südl. Weine nach dem Motto - wenn Extraktreich und Alkoholstark, dann mehr Säure möglich - so aufgeht, wage ich zu bezweifeln.
Jedoch könntest du bspw. mit Vigna Pedale (aus Nero di Troia - Trauben) von Torrevento (Apulien), oder mit Duca San Felice Reserva (aus Gaglioppo - Trauben) von Librandi (Kalabrien) antesten. Ebenso könnten Sizilianische Frappato / Cerasulo di Vittoria evtl. dein Gefallen finden. Musst du aber schlicht selbst ausprobieren.
... zum zweiten Absatz:
Das hat nichts mit Erfahrung, sondern einfach mit deinem Geschmack zu tun. Dass sich der eigene Geschmack über die Zeit ändert steht auf einem anderen Blatt.
das sind erstmal viele Möglichkeiten. Momentan bin ich noch auf Frankreich und die Pfalz beschränkt, da hier die Verfügbarkeit sehr gut ist, das heißt von Deinen Vorschlägen habe ich noch gar nichts probiert.
Ob die Gleichung für südl. Weine nach dem Motto - wenn Extraktreich und Alkoholstark, dann mehr Säure möglich - so aufgeht, wage ich zu bezweifeln.
Das meinte ich eigentlich genau andersrum, meine These war: Wenn alkoholstark, dann meist nicht so viel Säure
Philst hat geschrieben:Noch kurz zu deiner Frage mit den Jahrgängen. Ich habe zB in 2013 fast gar keinen Wein gekauft. Auch wenn es sicher gute Weine aus dem Jahrgang gibt, hab ich drauf verzichtet, auch im Hinblick auf die hohen Säurewerte.
Gilt das für Deutschland oder auch für andere Regionen? Gibt es irgendwo eine gute Übersicht, welcher Jahrgang wie ausfällt? Ich hab den kleinen Johnson von 2014, da steht 2013 noch nicht drin Ist der Johnson eine gute Wahl für solche Informationen? Von meinen zuletzt für zu sauer befundenen Weinen waren tatsächlich einige 2013er dabei.
Off-Topic:...ich bin leider aktuell wegen Neubau zeitlich extrem abgeschnitten gewesen von der Welt i.A. und im Besonderen auch hier bzw von der Weinwelt an sich.
Aber dazu ggf. mal in einem anderen Thread mehr.
Säure im (Rot-)Wein. Ja, ich bin da wohl empfindlicher als die meisten hier und würde einfach mal den Tipp geben, Weine von der Rhone, vor allem Grenache-lastige Weine zu probieren. Es ist nicht so, dass die keine Säure haben, denn wir schon geschrieben ist Säure unabdingbar im Wein. Nur eben milder oder anders eingebunden als z.B. bei einem Spätburgunder (mag I net) oder Chianti (mag ich nur zum Essen und da auch lieber den Vino Nobile).
Ein Rasteau oder C9dP meiner Wahl (vorneweg Tardieu, Pegau und Clos Du Caillou) wäre dann mal eine Option zum Ausprobieren. Der Rasteau von Tardieu liegt auch noch im mMn recht gut bezahlbaren Bereich.
Was auch geht, aber schon mehr Säure hat, wäre ein Sizilianer a la Don Antonio. Oder aber der Tipp, direkt Torsten nach einem netten Priorato fragen, da eben auch die Grenachelastigen. Denn dort wird Cab. Sauv. gern auch mitbenutzt, und dett is mir wieder ein Tick zu viel Säure.
Soviel in aller Kürze...bald auch wieder gern ausführlicher.
"wine is sunlight held together by water" (Galileo Galilei)
Auch eine Enttäuschung, wenn sie nur gründlich und endgültig ist, bedeutet einen Schritt vorwärts. (Max Planck)
auch Dir vielen Dank für die Tipps. Da ich mich grad durch Frankreich probiere, sind die Südrhoneweine interessant für mich. Ich hatte auch schon ein paar probiert und in der Tat hatte ich da nie das Säureproblem. Ich bin aber von den südlicheren Weinen abgekommen, da mir die Weine von der nördlichen Rhone, die mir nicht zu sauer waren so gut geschmeckt haben, da sie viel leichter sind. Hättest Du von der Nordrhone noch Tipps?
Ansonsten hat der Weindealer meiner Wahl einen Pegau C9dP da, den 2008er Cuvee Reservee (edit: und eine 3 Literflasche Da Capo für knapp 1400 €, die ignoriere ich mal), vielleicht springe ich ja mal über meinen Schatten, der liegt nämlich außerhalb meines eigentlichen Budgets. Sagt Dir die Domaine des Coteaux de Travers was? Von denen gibts dort einen Rasteau. Auch hier habe ich etwas Sorge, dass mir der Alkoholgehalt zu hoch sein könnte, aber den kann ich auf alle Fälle mal probieren.
Domaine des Coteaux de Travers sagt mir nix. Was ich noch empfehlen kann von der nördlichen Rhone bzw. aus dem Gigondas ist La Bouissiere oder Santa Duc. Da ist auch wiederum Grenache die Haupttraube.
Syrah von der nördlichen Rhone sind natürlich auch lecker, aber die sind preislich dann auch bald über dem C9dP ...und ich habe da auch wenig von "im Keller".
Pegau ist auf jeden Fall ein Tipp, der JG 2011 ist sehr bezahlbar und sehr lecker. 2008 war allerdings ein eher schlechtes Jahr, wobei Pegau wahrscheinlich noch etwas gutes draus gemacht hat. Aber den 2008er Pegau kenne ich nicht. da würde ich mal net mehr als 35 Euro für hinlegen...dann lieber ein 2011er
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Auch eine Enttäuschung, wenn sie nur gründlich und endgültig ist, bedeutet einen Schritt vorwärts. (Max Planck)
interessant was Du schreibst. Mir erscheint C9dP deutlich teurer, als die Regionen von der Nordrhone, die ich bis jetzt probiert habe. Ich hab aber noch keinen Cote Rotie und noch keinen Hermitage probiert, mit denen könntest Du recht haben. Wahrscheinlich sollte ich auch erst mit guten nicht-C9dP von der Südrhone anfangen, z.B. mit einem Rastaeu.
Außerdem: In der ersten Weinbeschreibung des 2011er Pegau, die ich gelesen hab stand: "mit lebendiger Säure". Dir scheint also, wie Du es ja auch schon geschrieben hast, nicht jede Säure zu viel zu sein. Ich hoffe mal, dass das bei mir auch so ist
interessante Diskussion. Je länger ich drüber nachdenke, desto einfacher wird es aber nicht.
Da hast du z.B. Syrah mit als Sorte auf dem Plan, die dir als zu Säurereich aufgefallen ist. Nordrhône aber ist Syrah...
Ich selber kenne solche und solche, mit Grausen erinnere ich mich an die 1997er von Aigueliére aus dem Languedoc, die bis zum Schluß zu kraß in der Säure waren, andere Jahrgänge brachten mich regelmäßig zum Tanzen.
Auch die tendenziell im Süden kühleren Jahrgänge wie z.B. 2002 brachten mir mitunter Weine hervor, die ich als zu karg im Sinne von Säure / Frucht - Verhältnis empfand. Andererseits gibt es auch in jedem "schlechten" Jahr Winzer, die Gutes machen. In Jahren, wo die Trauben perfekt waren = reif aber nicht überreif, hast du als Gegengewicht eine schöne Fruchtsüße, die den - im Grunde genommen genau so sauren (analytisch gesehen) - Wein bekömmlicher machen. Ich spreche in meinen VKN´s dann oft von balanciert, rund, harmonisch... Das kann trotzdem Charakter haben und rocken und muss nicht zwangsläufig ins Schlagerhafte oder Banale abgleiten (kann es aber durchaus mal).
Ergo, bei Syrah und auch Gamay würde ich eher nach Jahrgängen suchen, in denen die Trauben eine schöne Reife haben, hier mache ich es mal jahrgangsabhängig. Cabernet Franc kann auch sehr gut sein, aber die solltest du besser nie jung trinken, besser Jahre oder gar Jahrzehnte vergessen. (wobei da auch oft neben der Säure noch das mitunter harsche Tannin in der Jugend dazu kommt).
Alkohol: Für mich inzwischen ein ganz schweres Thema. Ich habe schon bei so manchem Bordeaux notiert, dass er mir zu alkoholisch wäre. Oft wird man aber nach dem jahrzehntelang reifen lassen im Keller, damit er denn richtig Spaß macht, auch genötigt, die Flasche dann relativ schnell auszutrinken. Einfach aus der Angst heraus, dass der Wein am nächsten Tag nichts mehr ist - und diese ist in all den Jahren immer wieder unterfüttert worden. Es ist also da nicht der auf dem Etikett angegebene Alkohol entscheidend, sondern die Trinkmenge und die Zeit, in der das Trinken passiert. Aber auch Südfranzosen sollten halt mitunter nicht mehr zu lange aufgehoben werden, wenn sie einmal offen sind (generelle Ausnahme ganz junge Weine natürlich). Und da gilt eben 15,5° in derselben schnellen Zeit getrunken schlagen anders zu als 12,5°.
Seit ich mich auf das Priorat spezialiiert habe, schmecken mir viele früher von mir hochgeliebte Franzosen weit weniger, eben weil sie nicht so rund sind (= Fehlen von Säure als Auslöser?). Dagegen finde ich immer wieder viele Weine im Priorat (lange nicht alle - aber ihr müßt ja nicht alle selber testen, wenn ich das tue, weil ich es mir zur Aufgabe gemacht habe), wo ich frohen Mutes von balanciert sprechen kann. Die Besten unter ihnen sind komplette Erlebnisweine. Natürlich trinkt man sie langsamer, oft mag man allein schon das Riechen am Glase auskosten, dann sind diese Weine voll in der Aromatik und üppig in der Wahrnehmung, aber eben nicht fett oder schwer (die früheren Prioratlehrjahre mal abgesehen) und sie bleiben lange am Gaumen haften. Man wird quasi fast genötigt, langsamer zu trinken, will man sie denn "auskosten". Und das ist richtig so. Man sollte Wein generell nicht zum Durstlöschen trinken, dazu hat Gott das Wasser erfunden. wenn man dann dennoch nach einem nächsten Schluck oder Glase verlangt, geschieht das oft aus der Faszination heraus, aus den aromatischen Sensationen, die sich beim langen und intensiven Schlürfen ergeben. Das Gute aber: Du bestimmst, wann du ins Bett gehst. Der Wein ist fast immer auch am Folgetag und länger noch da. Oft wird er sogar besser. Luft mildert vielleicht nicht die Säure (wissenschaftlich gesehen), aber das Gesamtpaket harmonisiert sich. Der hohe Alkoholgehalt auf den Etiketten darf beim Priorat nicht abschrecken - zum Einen schmeckt er - im Gegensatz zu manchem Südfranzosen - nicht wirklich vor (auch das ist für mich für das Prädikat harmonisch wichtig), zum anderen wirst du bei den Guten nicht gezwungen, die Flasche in Rekordzeit leer zu trinken.
Solltest du also Frankreich irgendwann durch haben und über die Pyrenäen gucken wollen, dann kannst du auch gern in meinem Prioratführer schmöckern.
thiloV hat geschrieben:
Ich hab aber noch keinen Cote Rotie und noch keinen Hermitage probiert...
Eben ... da bist Du ganz schnell bei Preisen >= C9dP.
thiloV hat geschrieben:
Außerdem: In der ersten Weinbeschreibung des 2011er Pegau, die ich gelesen hab stand: "mit lebendiger Säure". Dir scheint also, wie Du es ja auch schon geschrieben hast, nicht jede Säure zu viel zu sein. Ich hoffe mal, dass das bei mir auch so ist
Und das muss man eben ausprobieren. Dett kann einem keiner so genau sagen. Sicherlich kann man bei mir viele Weine als Tipp oder Nicht-Tipp geben. Aber eben auch nicht alles.
Es gab hier auch eine herrliche Diskussion zum Thema Säureempfinden zum Syrah-Wein von Ogier, glaub ich, La Rosine. Wenn Du danach suchst, dann findest Du den Thread auch. La Rosine war für mich absolut unakzeptabel in dem von mir verkosteten JG! Mehr kann ich nicht schreiben, da ich die anderen JG dann net mehr probiert habe.
Noch zum C9dP vs. Priorat: Hier lohnt es sich auf jeden Fall zu vergleichen. Lustigerweise sehe ich die Dinge gerade umgedreht zu der Wahrnehmung von Torsten ...mir und meiner Frau schmecken die C9dP harmonischer, runder als die Prioratos, die wir noch so haben bzw. schon kennen. Aber genau dass ist dann sehr individuell. Welchen Geschmack "sucht" oder liebt man so sehr im Wein.
Nur eins: Fast alle C9dP lassen sich auch über ca. 7 Tage trinken ohne (großen) Verlust. Einfach Flasche verschließen (mit Gummikorken) und irgendwo einigermassen kühl/wohltemperiert + dunkel lagern.
"wine is sunlight held together by water" (Galileo Galilei)
Auch eine Enttäuschung, wenn sie nur gründlich und endgültig ist, bedeutet einen Schritt vorwärts. (Max Planck)
danke für die interessanten Posts. Ich muss mal sehen, dass ich mir das alles merke
Zum Jahrgang: Hier vermute ich nach einigem Lesen auch, dass ich einfach einige weglassen sollte. Daher nochmal meine Frage: Wo bekommt man einen guten Überblick über die verschiedenen Jahrgänge? Ich hab grad mal beispielhaft in den 14er Johnson zum Thema Nordrhone geschaut: Alles was er über Säure schreibt, ist dass die 2006er Weißweine eine schöne Säure hatten. Sonst kein Wort seit 2006. Gibt es eine gute Quelle für solche Infos?
Zum Thema Alkohol bin ich jetzt auch etwas entspannter. Zum einen schreibt Ihr deutlich, dass man ihn oft nicht schmeckt, zum anderen habe ich in der Zwischenzeit mindestens einen Wein getrunken, in dem ich die 14.5 % nicht rausgeschmeckt habe, und nur darum gehts
Und Spanien kommt spätestens nach Frankreich wahrscheinlich fange ich aber schon bald an. Und dann, versprochen, gehts auch ins Priorat...
Den Thread mit der Ogier-Säurediskussion kannte ich schon und der spricht auch dafür, dass es sich lohnen könnte, einzelne Jahrgänge auszulassen.
also eine Art Jahrgangsführer der sich insbesondere auch mit Säure auseinandersetzte kenne ich nicht. Einen ganz groben Überblick über die Jahrgangs"qualität" und Trinkreife gibt Captain Cork. Ähnlich Vinum, die bringen regelmäßig so einen Trinkreifekalender raus in der - wenn meine Erinnerung mich nicht täuscht - auch die Qualität bewertet wird.
Teilweise findest du auf den Internetseite von Consorzio Brunello oder auch für die Riojaregion (https://ch.riojawine.com/de_ch/10-jahrg ... rtung.html) Berichte über die Jahrgänge. Vielleicht hilft dir das ja ein bißchen weiter.