Pigott und Theise zu trockenem Riesling

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MichaelWagner
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Re: Pigott und Theise zu trockenem Riesling

Beitrag von MichaelWagner »

Mensch Marko, da haben wir aber das mittlere Preissegment gleich mal aussen vor gelassen :D

Ridge ist auf dem Weg, melde mich nächste Woche.

Gruß, Michael
wenns läuft, dann läufts. Aber bis es läuft, dauerts...
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sorgenbrecher
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Re: Pigott und Theise zu trockenem Riesling

Beitrag von sorgenbrecher »

MichaelWagner hat geschrieben:Mensch Marko, da haben wir aber das mittlere Preissegment gleich mal aussen vor gelassen :D
:mrgreen: , verglichen mit meinen burgundern ist das ja eher noch unteres preissegment.... :? :cry:

ich finde übrigens auch die gereiften oakville cs von mondavi nicht schlecht, an 1995/1996 habe ich in guter erinnerung und vermutlich sind die sogar noch erhältlich.
Gruß, Marko.
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harti
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Re: Pigott und Theise zu trockenem Riesling

Beitrag von harti »

MichaelWagner hat geschrieben:Marko,

da ich für die Analyse nur einen Schluck brauche und den Rest gerne geniessen würde, bitte nix Gallo, Mondavi-Supermarktgedöne :lol:

welcher ist Dein Lieblingschardonnay/Cabernet? Und wo bekomme ich den?

gruß, Michael
Hallo Michael,

habe jetzt noch einmal die (besseren) Mondavi-Weine durchgeklickt. Dort habe ich keinen Cabernet über 1 g Z. gefunden, die Chardonnays lagen unter 2 g Z.

Bin gespannt, ob Du fündig wirst.

Grüße

Hartmut
BuschWein
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Re: Pigott und Theise zu trockenem Riesling

Beitrag von BuschWein »

Ich lebe in einer Stadt mit 240000 Einwohnern und der entsprechenden Anzahl von Weinhandlungen (7-8 sind es bestimmt, eher noch mehr). Komm mal hierher und versuche, einen guten restsüßen Riesling Kabinett zu erstehen! Einen findest du vielleicht, vielleicht in einem weiteren Laden noch einen zweiten, aber dann wird es schon arg eng! Die Sachen werden nicht angeboten, weil sie nicht gekauft werden!
Ja diese Weine werden eher nicht gekauft, diese Weine werden aber auch nach Proben eher nicht gekauft, vielleicht 1-5 Kunden von 100 sind nach einer Probe begeistert von einem restsüßen Wein, der Rest schlicht nicht. Vielleicht sollte sich mancher hier auch von der gern kolportierten Mär verabschieden, dass die Leute aus ideologischen Gründen unbedingt trocken trinken wollen, ich denke es liegt an etwas anderem.

Weißwein wird heute sehr oft zum Essen getrunken, da hat es einen kompletten kulturellen Wandel in Deutschland gegeben. Wo früher in der Breite zum Essen Wasser, Bier oder Most getrunken wurde und dann später in der "guten Stube" der gute Wein aufgemacht wurde, da gibt es vielfach die gute Stube gar nicht mehr, heute trifft man sich mit Freunden in der Wohnküche, am Esstisch und es gibt Essen und DAZU Wein, aber auch zu zweit zuhause wird Wein viel mehr zum Essen getrunken. Eine der wichtigsten Fragen im Weinhandel ist:

Ich koche folgendes Gericht, welchen Wein würden Sie dazu empfehlen?

Und zu den allermeisten Gerichten passt einfach ein trockener Wein schlicht besser als ein restsüßer Wein.

Auch Rotweine werden natürlich gern zum Essen getrunken, aber wenn man dann nach dem Essen noch einen Wein trinken will, oder wenn es mal etwas besonderes sein soll, oder ein Kaminwein, ein Wein zum Buch, ein Meditationswein, dann ist das heute viel häufiger ein Rotwein als ein restsüßer Riesling. Vielleicht weil Rotwein allgemein als hochwertiger empfunden wird (zumindest sind die allermeisten Weinkäufer beim Rotwein bereit mehr Geld auszugeben als beim Weißwein).

Dazu kommt, dass eine ganze Generation an Weintrinkern in Deutschland mit italienischen und französischen Weinen sozialisiert wurde und da eben eher nicht mit den wenigen süßen Exemplaren, schaut mal die ersten Programme von heute so beliebten Weinhandlungen wie Pinard de Picard, K&U, Lobenberg aber auch Jaques Weindepot an.

Diese Generation hat zwar heute den Deutschen Wein und die Winzer wiederentdeckt, aber eher nicht die restsüßen deutschen Rieslinge, diese Weintrinker suchen, wollen eher trockene Weine. Dass da einer beim Riesling auch mal einen halbtrockenen mag, oder Weine die knapp an der Grenze zu halbtrocken sind, ag sein, die Säure des Riesling macht halt manchem zu schaffen. Aber ich kann einfach nicht feststellen, dass das Gros Weine mit Restsüße geschmacklich bevorzugen würde und nur aus ideologischen Gründen trocken verlangen würde.

Wie gesagt ich stehe seit ungefähr 20 Jahren hinter dem Verkostungstisch.

Insofern sehe ich den kulturellen Wandel in Deutschland Wein heute eher zum Essen, der Wein nach dem Essen eher Rotwein und die Weinsozialisation mit Weinen aus Italien oder Frankreich.

Mein Weg war ja auch ein ähnlicher, wobei bei mir noch die Frankenweine dazukamen, die damals auch wirklich noch fränkisch trocken waren, zumindest bei den von mir bevorzugten Erzeugern. Ich konnte auch lange wenig mit süßlichen Weinen anfangen, außer dann die ganz süßen Dessertweine, aber auch die trank ich so gut wie nie.

Heute gefallen mir manche restsüße Rieslinge durchaus, dafür musste ich aber erst mal eine ganze Menge probieren und auch mal trinken, warum sollten das Herr und Frau Mustermann machen?

Im Prinzip hat Therry Theise schon recht, es gab einen echten Kulturumschwung in Deutschland und für einen wie ihn ist das schon verwunderlich, dann sein Leitbild des Deutschen Weins war halt der restsüße Wein.

Würde uns nicht viel anders gehen, wenn wir feststellen würden , dass im Burgund immer mehr Winzer auf halbtrockene und richtig restsüße Chardonnays stehen und diese erzeugen würden.

Das ist für mich der Hauptgrund
Armin
www.gutsweine.com

Dumme Menschen machen immer den gleichen Fehler, intelligente immer Neue ;)
Ollie
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Re: Pigott und Theise zu trockenem Riesling

Beitrag von Ollie »

Armin,

vielleicht koenntest du dich ja von der gerne kolportieren Maer verabschieden, dass "zu den allermeisten Gerichten (...) ein trockener Wein schlicht besser als ein restsüßer Wein" einfach besser passe. :mrgreen:

Die allgemeine kulturelle Bedeutung fermentierter oder vergorener Getraenke muss ich hier nicht erlaeutern. Es ist technologisch aber sehr schwer, stabilen, suessen Wein zu machen. Das gilt auch fuer Obstweine (z.B. cidre) und Biere. Daher gibt es einen kulturellen "bias", eine Voreingenommenheit, die zu einer Bevorzugung trockener (i.S.v. restzuckerfreier) Getraenke (nicht nur) fuer kulinarische Zwecke fuehrt. Folglich wird diese Bevorzugung tradiert, aber sie ist wirklich rein kulturell. (Daneben gibt es noch den Umstand, dass alle Genussmittel einen "acquired taste" erfordern; die Hemmschwelle kann durch Zucker gesenkt werden, wie z.B. bei Schokolade oder Kaffee). Andreas Haeger (AH) machte ja immer diesen Punkt.

Haetten schon die Roemer die Moeglichkeit der Sterilfiltration von Wein gekannt, es ist nicht sicher dass sich im Imperium und seinen Nachfolgekulturen der trockene Wein durchgesetzt haette; immerhin haben die Roemer - und vor ihnen andere Hochkulturen - ihren Wein aufgesuesst, teilweise mit fragwuerdigen Mitteln wie Bleiacetat usw. (das hat auch etwas mit der Qualitaet der meisten Weine damals zu tun, cf. Prozesssicherheit). Dann wuerden heute an den Haengen Burgunds vielleicht wirklich restsuesse Chardonnays wachsen, kultisch verehrt - und auch zu Dorade mit Ratatouille gereicht, wer weiss?

Dass also ausgerechnet diese Trinkgewohnheiten tradiert sind und von jedem neuen Weintrinker erlernt werden, ist ein historischer Zufall, aber nicht Ausdruck eine universellen Wahrheit, trockener Wein wuerde zum Essen besser passen als restsuesser.

Cheers,
Ollie
Zuletzt geändert von Ollie am Di 24. Sep 2013, 21:01, insgesamt 1-mal geändert.
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C9dP
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Re: Pigott und Theise zu trockenem Riesling

Beitrag von C9dP »

Dass also ausgerechnet diese Trinkgewohnheiten tradiert sind und von jedem neuen Weintrinker erlernt werden, ist ein historischer Zufall, aber nicht Ausdruck eine universellen Wahrheit, trockener Wein wuerde zum Essen passen als restsuesser.
Stimmt vollkommen. Restsüßer Wein hat eher das Problem, dass er teurer ist als Sprite und daher weniger zum Essen getrunken wird. :lol:
Viele Grüße

Aloys
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Gerald
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Re: Pigott und Theise zu trockenem Riesling

Beitrag von Gerald »

Also ich kann mich - rein persönlich gesehen - dieser Meinung nicht ganz anschließen. Auch bei Getränken, die man schon seit der Kindheit als Essensbegleiter gewohnt ist (Softdrinks, Apfelsaft etc.) finde ich die Kombination mit den meisten Speisen für unpassend und ziehe ein Mineralwasser vor.

Vielleicht gibt es eher einen Zusammenhang damit, was man innerhalb eines Gerichtes für passend empfindet. Da steht ja die - sagen wir - nordeuropäische Küchenkunst, wo salzige Speisen sehr oft mit Süße "abgerundet" werden (z.B. Salat oder auch Fisch) der mediterranen deutlich entgegen, wo solche Kombinationen doch eher die Ausnahme sind, oder?

Anders gesagt: wer gerne seine Salatmarinade mit Zucker "verbessert", der wird vielleicht auch eher restsüße Weine zum Essen trinken als jemand, der eine klarere Trennung zwischen salzigen und süßen Speisen bevorzugt.

Grüße,
Gerald
Bernd Schulz
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Re: Pigott und Theise zu trockenem Riesling

Beitrag von Bernd Schulz »

Und ich glaube nach wie vor nicht, dass in Deutschland so viel Wein zum Essen und so wenig Wein solo getrunken wird.

Im Alltag trinkt niemand aus meinem Bekanntenkreis Wein zum Essen. Aber etliche gönnen sich nach des Tages Müh und Last einen Feierabendschluck (oder auch mehrere :mrgreen: ).
Anders gesagt: wer gerne seine Salatmarinade mit Zucker "verbessert", der wird vielleicht auch eher restsüße Weine zum Essen trinken als jemand, der eine klarere Trennung zwischen salzigen und süßen Speisen bevorzugt.
Am Ende bleibt das alles sehr indiviudell. Ich mag keinen Zucker an der Salatsauce, trinke aber öfter mal in der Kombination mit Speisen etwas Restsüßes, wobei restsüß dann auch nicht gleich restsüß ist. Hier gibt es ja die verschiedensten Grade von Süße und vor allem auch Reife. Eine Rheingauer Spätlese aus den 70ern mutet oft kaum noch süß an, und auch ein 15 Jahre alter Kabi von J.J. Prüm oder Grünhaus zeigt unter Umständen keinen wirklich süßen Charakter.

Viele Grüße

Bernd
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Gaston
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Re: Pigott und Theise zu trockenem Riesling

Beitrag von Gaston »

Bernd Schulz hat geschrieben:, wobei restsüß dann auch nicht gleich restsüß ist. Hier gibt es ja die verschiedensten Grade von Süße und vor allem auch Reife.
Genau. Ich denke, man sollte bei restsüß differenzieren. Meiner rein subjektiven Beobachtung nach kommen bei den "Normalo-Gaumen" halbtrockene und feinherbe Weine (ich rede vor allem von Riesling) besonders gut an, so im RZ-Bereich zwischen ca. 10-20g. "Richtig" trockene Exemplare sind vielen zu "sauer" oder zu anstrengend, und wenn trocken, dann aber mit 8 oder 9g RZ und richtig opuleneter, reifer Frucht. Die "echten" restsüßen Weine mit sagen wir >30g RZ empfinden viele wiederum als zu süß. Von daher tendiert man zur "goldenen Mitte".

Ich kann das in gewisser Weise nachvollziehen. Gute halbtrockene Weine wirken mit ihrer Süße-Säure-Balance auf viele Leute besonders harmonisch und geschmeidig. Und die meisten Menschen wollen über Weine nicht diskutieren, nachdenken, meditieren, er soll nur Begleiter eines angenehmen Abends sein, nicht dessen Hauptdarsteller.

Aber wie gesagt, nur eine rein subjektive und nicht repräsentative Beobachtung aus meinem Bekanntenkreis.
Beste Grüße
Gaston
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Gerald
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Re: Pigott und Theise zu trockenem Riesling

Beitrag von Gerald »

Gute halbtrockene Weine wirken mit ihrer Süße-Säure-Balance auf viele Leute besonders harmonisch und geschmeidig.
mit dieser Erklärung kann ich mich eigentlich nicht ganz anfreunden. Denn sonst würden ja die Leute in Italien, Frankreich, Spanien etc. an der Bar (also nicht zu einem Essen) einen halbtrockenen Wein bestellen. Ist aber meines Wissens völlig ungebräuchlich.

Ich denke, dass halbtrockene Weine (also weder "richtige" Dessertweine noch trocken) ein relativ isoliertes deutsches Phänomen sind. Denn auch in allen anderen Weinbaugebieten hat man inzwischen die technischen Möglichkeiten, mikrobiologisch stabile restsüße Weine zu produzieren. Trotzdem ist es im Großen und Ganzen unüblich ...

Grüße,
Gerald
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