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Re: Merkwürdige Herkunftsangaben

Verfasst: So 28. Jul 2013, 19:05
von UlliB
Alas hat geschrieben: Die Zahlen über die Anbauflächen, die du verwendest stimmen nicht.
Hallo Alas,

wie ich schon in meinem Mailing schrieb: Falsch sind mit Sicherheit beide Angaben, da es in Italien keinen Rebbaukataster gibt.

Nur wirst Du keinerlei Angaben finden, die in irgendeiner Weise belastbar sind. Klar ist nur, dass in Italien in vielen Anbaugebieten mehr Fläche ausgewiesen wird, als tatsächlich vorhanden ist, anderswo dafür weniger; und beides aus durchsichtigen Gründen.

Die Angabe von 280 (bis 300) Millionen Flaschen Prosecco-Gesamterzeugung pro Jahr findest Du übrigens beim Surfen immer wieder, und die passen auch sehr gut zum deutschen Konsum. Gleichzeitig weisen die meisten Berichte über die tatsächlich mit Glera bestockte Fläche (das ist nicht die, die bestockt werden darf) wesentlich mehr in Richtung von dem, was wein+ ausweist, und die Fläche passt eben nicht zu den Produktionszahlen. Die Angaben eines italienischen Regierungspräsidenten einer wirtschaftlich betroffenen Region halte ich - mit Verlaub - für komplett unglaubwürdig.

Bezüglich Weinbauflächen und Weinerzeugung ist einiges faul im Staate Italien, und zwar so faul, dass es sogar den sonst eher trägen EU-Bürokraten aufgefallen ist. Italien ist schon mehrfach aufgefordert worden, der seit 1963 (!!) bestehenden Verpflichtung zur Erstellung eines Weinbaukatasters nachzukommen, und mittlerweile auch schon ein paar mal wegen Nichterfüllung vom Europäischen Gerichtshof verurteilt worden. Interessiert hat das dort bislang niemanden wirklich.

Interessant ist allerdings Dein Link zum Decanter: früherer Ertrag 250hl/ha, nunmehr "nur" noch 180hl/ha Höchstmenge. Das erklärt allerdings einiges von dem absolut grottigen Zeug, was ich schon ein paar Mal (unfreiwillig!) ins Glas bekommen habe.

Gruß
Ulli

Re: Merkwürdige Herkunftsangaben

Verfasst: Mo 29. Jul 2013, 01:08
von Alas
Hallo Ulli!
UlliB hat geschrieben:Gleichzeitig weisen die meisten Berichte über die tatsächlich mit Glera bestockte Fläche
Wo sind diese Berichte zu finden?

Gruß

Alas

Re: Merkwürdige Herkunftsangaben

Verfasst: Mo 29. Jul 2013, 08:10
von UlliB
Alas hat geschrieben:Hallo Ulli!
UlliB hat geschrieben:Gleichzeitig weisen die meisten Berichte über die tatsächlich mit Glera bestockte Fläche
Wo sind diese Berichte zu finden?
Gib in Google "Glera" und "statistica" ein, dann findest Du eine ganze Reihe italienischer Seiten. Die Bandbreite für 2011 liegt zwischen 21.000 Hektar alleine im Veneto (Statistikbehörde des Veneto) und anderen Seiten, die zwischen 7.000 und 8.000 Hektar in Italien angeben. Da kann jetzt jeder sich das raussuchen, was ihm passt.

Gruß
Ulli

Re: Merkwürdige Herkunftsangaben

Verfasst: Mo 29. Jul 2013, 18:04
von Alas
Hallo!

Auf dieser Seite:

http://www.inumeridelvino.it/

habe ich gefunden, dass die Rebfläche von Glera in der Prosecco-Region (Venetien und Friaul) in den Jahren 2000 bis 2010 von 8000 Hektar auf 19000 gestiegen ist
...dass aktuelle Hektarertrag mit 172 hL angeben wird
und dass der Exportanteil nach Deutschland bei etwas mehr als 35 % liegt.

Das scheint mir stimmig mit dem, was ich gestern hier einstellte.

Interessant fand ich noch dieses:

Das Ende des "Deutschen Prosecco"

Hintergrund dieser Neuordnung des Prosecco-Marktes ist die bisherige preisgünstige Erzeugung von Prosecco z.B. von Kellereien in Deutschland. Diese hatten mit der Rebsorte Prosecco billige Perlweine auf den Markt gebracht und sich das Recht erstritten auch in Deutschland zu versekten.

Verboten: Verduzzo-Prosecco

Das DOC-Produktionsreglement schreibt vor, dass DOC-Prosecco zu mindestens 85% aus der Sorte Glera gekeltert werden muss. Nicht länger erlaubt sind die beliebten, auf dem Etikett ausgewiesenen Sortenverschnitte, beispielsweise Verduzzo-Prosecco. Nichts hindert Kellereien jedoch daran, einen Verduzzo-Glera IGT anzubieten.
Aus: http://www.dcalimentari.com/news-archiv ... evolution/


Italienischer Prosecco aus Deutschland IGT


Nach übereinstimmenden Berichten der Nachrichtenagenturen dpa, ddp und ap darf italienischer Prosecco aus Deutschland kommen. Dies entschied heute das Verwaltungsgericht in Trier in zwei Urteilen. Deutsche Kellereien hatten dagegen geklagt, dass sie italienischen Perlwein aus der Rebsorte Prosecco, der in deutschen Kellern produziert wurde, nicht unter den Bezeichnungen “Vino frizzante” und “Indicazione Geografica Tipica” (IGT) vermarkten durften. Dies hatten im Herbst des vergangenen Jahres rheinland-pfälzische Weinkontrolle beanstandet.
Nach Ansicht der Richter in Trier sei es aber bei dem Perlwein nicht entscheidend, wo der Grundwein zum Perlwein verarbeitet wird, sondern wo dieser her stammt. Somit könne italienischer Prosecco auch in Deutschland verarbeitet werden und weiterhin die Ursprungsbezeichnung “Indicazione Geografica Tipica” (IGT) tragen. (Az.: 5 K 826/08.TR und 5 K 49/09.TR)

Aus: http://weinverkostungen.de/italienische ... hland-igt/

(Das war noch vor der Neuregelung in Italien)

So long

Alas