Bernd Schulz hat geschrieben:
Dass der zugebenermaßen gegen den Zeitstrom schwimmende Stil des Hauses dermaßen polarisieren könnte, hätte ich im Vorfeld nicht gedacht!
Also zumindest meine Wahrnehmungen will ich nicht als polaritätsstiftend oder -verstärkend verstanden wissen. Gehe ich meine VKN noch einmal durch, haben mir alle Weine gefallen, das PGV sogar richtig gut. Dass mir der 17er Eschendorfer Silvaner tatsächlich an jenem Abend nicht reichte und in den Topf wanderte, hatte möglicherweise - wie ich oben schon schrieb - etwas mit meiner Tagesform zu tun. Aber ja, an diesem Abend hat er mir nicht gereicht und passenderweise eine andere Bestimmung gefunden. Dennoch ist schon auffällig, dass mir die Weine zum Trinkzeitpunkt gefallen haben, im Rückblick aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassen konnten.
Ulis Fazit von "Weinen, die die Welt nicht braucht" sollte bitte nicht persönlich genommen werden. Ich glaube nicht, dass Uli das so verstanden wissen will. In der Sache und auf mich persönlich gewendet komme ich jedoch trotz aller Sympathie für Winzer und grundsätzlicher Stilistik ("grundehrlich, unverstellt, etc.") zum selben Urteil.
Nimm es mir bitte nicht böse, Gaston, aber folgende Aussage führt für mich dabei in die Irre.
Gaston hat geschrieben:und ich halte z.B. Bernd und Ralf für ziemlich erfahrene Weinkenner, deren Urteil Ernst zu nehmen ist
Es geht hier nicht darum, dass jemand (zumindest ich nicht) Bernd und Ralfs Urteil nicht ernst nimmt. Die Tatsache, dass es beiden - und ich würde Josef, dessen Meinung ich auch sehr schätze, noch hinzunehmen wollen - gelungen ist, mehrere schreibende Foristen zeitgleich zu triggern, Weine dieses Weinguts zu kaufen, spricht vielmehr eindeutig dafür, wie sehr wir ihr Urteil schätzen.
Ganz grundsätzlich kann ich mit Aussagen wie "erfahrene Weinkenner" so gar nichts anfangen. Das geht für mich in diese narzistische Richtung a la "mein Haus, mein Auto, meine Jacht" der Weine, die man schon alles getrunken hat, weshalb man dann ein viel kompetenteres Urteil fällen könne. Diese Haltung, die erfreulicherweise hier im Forum nur selten und eher in Beiträgen zu einer ganz bestimmten Region durchschimmert, geht mir schon seit jeher auf den Sack. Als ob Trinkerfahrung zu einem "besseren" Geschmacksurteil führe.
Was wir hier machen, hat für mich sowieso nichts mit Kompetenz zu tun. Wir schmecken halt und finden seltsamerweise Gefallen daran, über unserer Geschmackseindrücke zu schreiben und die anderer zu lesen und darüber uns auszutauschen.
Aber es gibt kein verallgemeinerbares Kriterium für eine "bessere" Nase und einen "besseren" Gaumen. Das ist in der Sache und v.a. kommunikativ Unsinn. Oder sollte mir etwas schmecken, weil einem "erfahrenen Weinkenner" etwas schmeckt?
Natürlich freut man sich, wenn das eigene Geschmacksurteil geteilt wird und man bspw. Dank für eine Empfehlung erfährt, aber gegenteilige Aussagen sollte man doch besser nie persönlich nehmen (aber vielleicht fällt uns das gerade deshalb schwer, weil wir so vermessen sind, unseren Geschamackseindrücken in unserem Leben eine so große Bedeutung beizumessen

) Ich empfinde Ulis Äußerung eher als erfrischend kontrovers. Das belebt das Forum und den Austausch!