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Re: Dr. Bürklin-Wolf
Verfasst: Mi 1. Jul 2026, 19:14
von EThC
final_scream hat geschrieben: ↑Mi 1. Jul 2026, 18:20
Dein Blog und deine Verkostungsnotizen sind auf jeden Fall seit Jahren für mich ganz oft Inspiration und manchmal Rückversicherung. Ganz herzlichen Dank dafür, dass du seit so langer Zeit so viel Zeit und Aufwand darauf verwendest.
...biddeschööön! Wobei ich das Ganze tatsächlich in erster Linie für mich selbst mache, aber wenn's anderen behilflich ist, freut mich das natürlich auch
final_scream hat geschrieben: ↑Mi 1. Jul 2026, 18:20
Ob Reife hier die Lösung ist, kann ich für mich noch nicht beantworten.
...für mich gibt's ja mehrere Stadien, mindestens embryonal, jugendlich, erwachsen, reif, ältlich und tot. Ab jugendlich mach ich gerne mit, das findet halt gemäß meinen Vorlieben in der Mehrzahl der Fälle erst ab 3-4, selten schon nach 2 Jahren statt. Bei "reif" kommt's drauf an, bei Riesling bin ich da häufig je nach Tankstellenaromatik schon raus, ältlich funktioniert nur seltenst bei mir...
Re: Dr. Bürklin-Wolf
Verfasst: Mi 1. Jul 2026, 20:48
von Jochen R.
Jochen R. hat geschrieben: ↑Mi 1. Jul 2026, 06:11
... Dort steht jetzt (immer noch) 2022 im Regal, den ich jetzt nicht so überzeugend finde und Folgejahrgänge leider gar nichts - der B-W-Stil scheint nicht gerade mehrheitsfähig zu sein und das Weingut verschwindet hier langsam aber sicher aus dem Sortiment. Schade!
Viele Grüße,
Jochen
Da habe ich heute am frühen Morgen wohl Blödsinn verzapft, denn inzwischen steht auch was aus 2024 im Regal, zumindest der
Gutsriesling 2024.
In der Nase erst mal ein frisch abgebranntes Streichholz, rauchig/würzig/tabakig, dann kommt auch Pfirsichfrucht zum Vorschein.
Schlank bis mittelgewichtig, ein angenehm herb/würziges Bitterl und neben Pfirsich auch Zitrone, trinkanimierende (fast knackige) Säure. Der Abgang kommt mir anfangs mittellang vor, mit der Zeit kürzer werdend – für einen Gutswein ist das aber einwandfrei.
Einladend erfrischendes Getränk mit viel zu kleiner Halbwertszeit und einer für meinen Geschmack wunderbaren Nase. Da werde ich mal schnell nachkaufen.
Viele Grüße,
Jochen
Re: Dr. Bürklin-Wolf
Verfasst: Mi 1. Jul 2026, 20:54
von UlliB
final_scream hat geschrieben: ↑Mi 1. Jul 2026, 18:20
Vielleicht bin ich auch nur zu ungeübt oder geschmacklich unsensibel, um die tatsächlich von Beginn an vorhandenen mineralischen und phenolischen Noten (ich nannte sie oben Reduktion, was vielleicht nicht richtig widergegeben ist) schon von Beginn an hinter der Frucht zu entdecken.
Kurz dazu: Phenolik und Reduktion haben nichts miteinander zu tun und sollten nicht miteinander vermengt werden. Die Phenolik (ich hasse diesen pseudowissenschaftlichen Begriff, aber er ist ja nunmal gebräuchlich) beeinflusst die Haptik des Weins, d.h. das Mundgefühl - der schöne deutsche Begriff
Gerbstoff beschreibt sehr schön, was da passiert. Die Phenole, um die es hierbei geht, sind nicht flüchtig und demzufolge nicht zu riechen.
Reduktive Noten hingegen beeinflussen die Aromatik, d.h. den Geruch des Weins und die Retroolfaktion in vielfacher Weise. Typisch sind Noten von Rauch, von abgebranntem Streicholz oder Schießpulver, gelegentlich auch als "Mineralik" empfundene Noten nach feuchter Erde oder nassen Steinen.
Phenolik beruht auf Traubeninhaltsstoffen (vorwiegend aus der Traubenschale und den Kernen und, soweit bei der Vinifikation mitverwendet, auch den Rappen) und in geringerem Umfang bei der Verwendung von Gebinden aus neuem Holz auch aus dem Fass. Reduktionstöne sind das Ergebnis des Ausbaus unter im chemischen Sinne reduktiven Bedingungen.
Gruß
Ulli
Re: Dr. Bürklin-Wolf
Verfasst: Mi 1. Jul 2026, 23:08
von final_scream
Hallo Ulli, dann habe ich in meinem Eingangsposting den Begriff der Reduktion durchaus richtig verwendet und bin in meiner späteren Relativierung ungenau geworden.
Jetzt noch ein drittes B-W Erlebnis, das meine vorigen Beobachtungen bestätigt: gestern öffnete ich den Dr. Bürklin-Wolf, Riesling, Hommage à Luise, 2024, geschmacklich wohl ein Kabinett, auch wenn es nicht auf dem Etikett steht. Gestern eine gewisse Dropsig- oder Limonadenhaftigkeit Zitrusfrucht, Süße und Säure eigentlich ganz schön vorhanden aber eher nebeneinanderstehend als miteinander harmonierend. Heute hingegen Süße und Säure in einem sehr harmonischen Pegel umeinandertanzend. Die gestrige Fruchtigkeit ist eher gemüsigen Tönen gewichen. Auch hier wieder nach meinem Empfinden ein recht großer Schritt vorwärts in der geschmacklichen Entwicklung.
Der Jahrgang 2024 erscheint mir aber tatsächlich noch nicht im Trinkfenster angekommen. Weitere Flaschen würde ich nicht vor 2028 öffnen.
Das letzte Glas der Dr. B-W, Cuvee Blanc hatte heute übrigens seine reduktiven Töne und fast alles, was ihm gestern Spannung gegeben hatte verloren. Als kleiner trockener Speisebegleiter zu Garnelen aus der Pfanne noch sehr gut. Als Solowein für den abendlichen Ausklang auf der Terrasse war die Hommage à Luise heute der schönere Wein. Gestern war es noch andersrum.