Egon Schäffer

Lars Dragl
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Re: Egon Schäffer

Beitrag von Lars Dragl »

Bernd Schulz hat geschrieben:
Der "Heugumber", den ich als Basiswein ebenfalls sehr zu schätzen weiß, hat - wenn ich mich richtig erinnere - einfach deutlich weniger Säure als Schäffers Müller "Alte Reben". Und damit wirkt er auf mich etwas eindimensionaler, was sich in einer um vielleicht zwei, drei Pünktchen niedrigeren Bewertung niederschlägt. Aber natürlich kann man das auch anders sehen....jedenfalls fehlt es dem "Heugumber" nicht an Substanz und Charakter....
Hallo Bernd!

Falls Flaschen zur Hand, bitte Aussage nochmal verifizieren :D. Der M-T ist m.E. einfach nur lautere, aber nicht zwingend besser. Mein Bruder sagte allerdings gerne: " Wer lauter schreit, hat mehr recht." Das gilt vielleicht auch zu oft beim Wein beurteilen :? (Hand an die eigene Nase).

Grüße

Lars
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OsCor
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Re: Egon Schäffer

Beitrag von OsCor »

Der M-T Alte Reben 2019 von Schäffer hat neben 6,6 g/L auch 4,3 g/L RZ - nicht wenig für einen Franken, oder?
Ich habe jetzt Familie Ziereisen interessehalber mal angemailt wegen der Säure des Heugumber. Ich nehme an, es handelt sich beim Vergleich weiter oben um den 2018-er Heugumber.

Gruß
Oswald
Bernd Schulz
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Re: Egon Schäffer

Beitrag von Bernd Schulz »

Lars Dragl hat geschrieben:Falls Flaschen zur Hand, bitte Aussage nochmal verifizieren....
Den Heugumber habe ich leider nicht mehr zur Verfügung.
OsCor hat geschrieben:Der M-T Alte Reben 2019 von Schäffer hat neben 6,6 g/L auch 4,3 g/L RZ - nicht wenig für einen Franken, oder?
4,3 Gramm Restzucker ist für einen Franken in der Tat nicht wenig. Früher hätte es das bei Schäffer auch eher nicht gegeben - ich vermute mal, dass der vergleichsweise hohe Restzucker auf die Spontanvergärung, mit der Peter Schäffer grundsätzlich arbeitet, zurückzuführen ist. Es handelt sich aber nur um eine Vermutung.... :oops:

Herzliche Grüße

Bernd
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UlliB
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Re: Egon Schäffer

Beitrag von UlliB »

Bernd Schulz hat geschrieben: 4,3 Gramm Restzucker ist für einen Franken in der Tat nicht wenig.
So pauschal gesagt stimmt das leider auch nicht mehr. Es gibt zwar in Franken immer noch viele Betriebe, die sich an der Grenze für "fränkisch trocken" orientieren (maximal 4 Gramm RZ / L), aber mittlerweile eben auch sehr viele Erzeuger, die bis an die legistische Obergrenze gehen. Die Doktrin RZ=Säuregehalt ist auch hier weit verbreitet, und mir scheint, dass sich mittlerweile die Mehrzahl der Erzeuger vom völlig trockenen Stil verabschiedet hat. Am ehesten noch gärt man den Silvaner völlig durch, bei den anderen weißen Sorten muss man immer mit spürbarer Süße rechnen und sollte sich besser die Werte ansehen.
- ich vermute mal, dass der vergleichsweise hohe Restzucker auf die Spontanvergärung, mit der Peter Schäffer grundsätzlich arbeitet, zurückzuführen ist.
Ich vermute das auch. Es macht wenig Sinn, einen Wein durch Gärungsabbruch oder Süßreserve haarscharf an die Grenze zu stellen, wo der Restzucker für geübte Verkoster schmeckbar wird. Ich habe hier auch keine Süße wahrgenommen, obwohl ich bei trockenen Weinen eher empfindlich auf Restzucker reagiere.

Gruß
Ulli
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EThC
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Re: Egon Schäffer

Beitrag von EThC »

UlliB hat geschrieben:Am ehesten noch gärt man den Silvaner völlig durch, bei den anderen weißen Sorten muss man immer mit spürbarer Süße rechnen und sollte sich besser die Werte ansehen.
...gerade Scheurebe kommt in Franken gefühlt in der Mehrheit mit deutlichem Restzucker daher, häufig auch im halbtrockenen bis sogar lieblichen Bereich. Die Mehrheit der Weinkonsumenten mag's halt nun mal etwas süßer, die Freaks bestimmen da zumindest in der < 10 Euronen-Klasse sicher nicht die Stilistik der meisten Weingüter...
Viele Grüße
Erich

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Bernd Schulz
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Re: Egon Schäffer

Beitrag von Bernd Schulz »

UlliB hat geschrieben:... Es gibt zwar in Franken immer noch viele Betriebe, die sich an der Grenze für "fränkisch trocken" orientieren (maximal 4 Gramm RZ / L), aber mittlerweile eben auch sehr viele Erzeuger, die bis an die legistische Obergrenze gehen. Die Doktrin RZ=Säuregehalt ist auch hier weit verbreitet, und mir scheint, dass sich mittlerweile die Mehrzahl der Erzeuger vom völlig trockenen Stil verabschiedet hat....
EThC hat geschrieben:Die Mehrheit der Weinkonsumenten mag's halt nun mal etwas süßer, die Freaks bestimmen da zumindest in der < 10 Euronen-Klasse sicher nicht die Stilistik der meisten Weingüter...
Ihr habt natürlich Recht, Ulli und Erich! Viele Winzer in Franken machen trockene Weine im "gefälligen" Stil mit einem Restzuckergehalt, der oft deutlich über der 4-Gramm-Grenze liegt. In meiner Zustimmung zu Oswalds Aussage habe ich mich eher auf die Weingüter bezogen, die mich besonders interessieren.... ;)

Herzliche Grüße

Bernd
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OsCor
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Re: Egon Schäffer

Beitrag von OsCor »

Ja, und ich habe dummerweise aus der Tatsache, dass Egon-Schäffer-Weine hier besondere Aufmerksamkeit genießen, automatisch geschlossen, dass das ein Weingut sein müsste, welches „altfränkisch”-trockene Weine verkauft. Dabei könnte man das Gegenteil schon aus der Tatsache schließen, dass es die „Trockenen Schmitts” gibt.

Der Heugumber 2018 hat übrigens 5,8g/ltr Säure, 0,4g/ltr RZ und 11,2% Alkohol - um nochmal zum Vergleich mit dem Müller-Thurgau von Schäffer zurückzukehren. Frau Ziereisen hat schnell geantwortet.

Gruß
Oswald
Bernd Schulz
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Re: Egon Schäffer

Beitrag von Bernd Schulz »

OsCor hat geschrieben:Ja, und ich habe dummerweise aus der Tatsache, dass Egon-Schäffer-Weine hier besondere Aufmerksamkeit genießen, automatisch geschlossen, dass das ein Weingut sein müsste, welches „altfränkisch”-trockene Weine verkauft.
Grundsätzlich wird eine "altfränkisch"-trockene Stilistik von den Schäffers angestrebt. Als ich das Weingut im Jahr 2009 besucht habe, war der Senior noch für die Kellerarbeit verantwortlich. Er hat - ich habe ihn danach gefragt - damals noch mit Reinzuchthefe gearbeitet, und es gab bei ihm, wenn ich mich richtig erinnere, keine oder kaum Weine mit mehr als 4 Gramm Restzucker. Ich zitiere mich dreisterweise :oops: mal selber (aus "Weinwanderungen in Franken"):

"In Escherndorf gibt es einige Winzer, die auf hohem Niveau arbeiten und das ihnen von der Natur gebotene Potential entsprechend ausnutzen. Unter ihnen ist Egon Schäffer vielleicht derjenige, der am "traditionellsten" arbeitet. In seinem kleinen, nur knapp dreieinhalb Hektar umfassenden Weingut bekommt man Silvaner und Rieslinge, welche in einer Stilistik gehalten sind, die man inzwischen in Franken nicht mehr häufig findet.
Schäffers Weine werden langsam ausgebaut und spät abgefüllt - im Juli 2009 lagen diverse 2008er noch friedlich in ihren Fässern. Die Vergärung erfolgt zunächst im Stahltank, aber vielfach gönnt der Winzer seinen Erzeugnissen anschließend noch etliche Monate Lagerzeit im Holzfuder........Auf diese Art entstehen durchgegorene, fränkisch trockene Produkte (unter 4, oft auch unter 2 Gramm Restzucker pro Liter sind die Regel), die sich durch eine vielschichtige Aromatik und darüber hinaus durch eine enorm hohe Reifefähigkeit auszeichnen...."

Nachdem Peter Schäffer die Regie im Betrieb übernommen hat, hat sich an der gewünschten Art der Weine nicht viel geändert, aber die Reintzuchthefen sind komplett oder weitgehend Geschichte. Bei Spontanvergärung kann es mal passieren, dass die Hefen früher als gewollt die Arbeit einstellen. Wir haben im letzten Sommer im Weingut einen Wein probiert, der deshalb deutlich mehr als 10 Gramm Restzucker hatte, aber dummerweise habe ich mir dazu keine Aufzeichnungen gemacht. War das ein Silvaner? Ralf, weißt du das noch?
OsCor hat geschrieben: Dabei könnte man das Gegenteil schon aus der Tatsache schließen, dass es die „Trockenen Schmitts” gibt.
Wenn sich bei den "Trockenen Schmitts" nichts geändert hat, vergären dieselbigen ihre (guten!) Weine immer noch ausschließlich mit Reinzuchthefen. Auch bei ihnen habe ich anno 2009 nämlich nachgefragt....

Das Ideal ist in beiden Betrieben ein ähnlicher, klassisch trockener, altfränkischer Stil.

Herzliche Grüße

Bernd
Zuletzt geändert von Bernd Schulz am So 24. Jan 2021, 15:37, insgesamt 1-mal geändert.
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EThC
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Re: Egon Schäffer

Beitrag von EThC »

Bernd Schulz hat geschrieben:Bei Spontanvergärung kann es mal passieren, dass die Hefen früher als gewollt die Arbeit einstellen.
...anscheinend gibt's ja auch die Praxis, daß man bei Abbruch der Spontangärung einfach ein bißchen Reinzuchthefe reinschmeißt...
Viele Grüße
Erich

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Bernd Schulz
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Re: Egon Schäffer

Beitrag von Bernd Schulz »

EThC hat geschrieben:...anscheinend gibt's ja auch die Praxis, daß man bei Abbruch der Spontangärung einfach ein bißchen Reinzuchthefe reinschmeißt...
Die Praxis scheint es zu geben, aber nicht jeder Winzer, der bewusst auf Spontangärung setzt, wird sie verfolgen wollen.....

Davon abgesehen ist Spontangärung natürlich nicht gleich Spontangärung. Darüber, dass unter diesem etwas schwammigen Begriff recht unterschiedliche Vorgehensweisen zusammengefasst werden, haben wir ja schon häufiger diskutiert. Und über die genaue Art der Spontangärung im Hause Schäffer weiß ich leider nichts :oops:. Wenn ich das Weingut noch einmal besuche, werde ich aber danach fragen!

Herzliche Grüße

Bernd
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