OsCor hat geschrieben:Ja, und ich habe dummerweise aus der Tatsache, dass Egon-Schäffer-Weine hier besondere Aufmerksamkeit genießen, automatisch geschlossen, dass das ein Weingut sein müsste, welches „altfränkisch”-trockene Weine verkauft.
Grundsätzlich wird eine "altfränkisch"-trockene Stilistik von den Schäffers angestrebt. Als ich das Weingut im Jahr 2009 besucht habe, war der Senior noch für die Kellerarbeit verantwortlich. Er hat - ich habe ihn danach gefragt - damals noch mit Reinzuchthefe gearbeitet, und es gab bei ihm, wenn ich mich richtig erinnere, keine oder kaum Weine mit mehr als 4 Gramm Restzucker. Ich zitiere mich dreisterweise

mal selber (aus "Weinwanderungen in Franken"):
"In Escherndorf gibt es einige Winzer, die auf hohem Niveau arbeiten und das ihnen von der Natur gebotene Potential entsprechend ausnutzen. Unter ihnen ist Egon Schäffer vielleicht derjenige, der am "traditionellsten" arbeitet. In seinem kleinen, nur knapp dreieinhalb Hektar umfassenden Weingut bekommt man Silvaner und Rieslinge, welche in einer Stilistik gehalten sind, die man inzwischen in Franken nicht mehr häufig findet.
Schäffers Weine werden langsam ausgebaut und spät abgefüllt - im Juli 2009 lagen diverse 2008er noch friedlich in ihren Fässern. Die Vergärung erfolgt zunächst im Stahltank, aber vielfach gönnt der Winzer seinen Erzeugnissen anschließend noch etliche Monate Lagerzeit im Holzfuder........Auf diese Art entstehen durchgegorene, fränkisch trockene Produkte (unter 4, oft auch unter 2 Gramm Restzucker pro Liter sind die Regel), die sich durch eine vielschichtige Aromatik und darüber hinaus durch eine enorm hohe Reifefähigkeit auszeichnen...."
Nachdem Peter Schäffer die Regie im Betrieb übernommen hat, hat sich an der gewünschten Art der Weine nicht viel geändert, aber die Reintzuchthefen sind komplett oder weitgehend Geschichte. Bei Spontanvergärung kann es mal passieren, dass die Hefen früher als gewollt die Arbeit einstellen. Wir haben im letzten Sommer im Weingut einen Wein probiert, der deshalb deutlich mehr als 10 Gramm Restzucker hatte, aber dummerweise habe ich mir dazu keine Aufzeichnungen gemacht. War das ein Silvaner? Ralf, weißt du das noch?
OsCor hat geschrieben: Dabei könnte man das Gegenteil schon aus der Tatsache schließen, dass es die „Trockenen Schmitts” gibt.
Wenn sich bei den "Trockenen Schmitts" nichts geändert hat, vergären dieselbigen ihre (guten!) Weine immer noch ausschließlich mit Reinzuchthefen. Auch bei ihnen habe ich anno 2009 nämlich nachgefragt....
Das Ideal ist in
beiden Betrieben ein ähnlicher, klassisch trockener, altfränkischer Stil.
Herzliche Grüße
Bernd