Hallo Ulli und Bernd,
ich habe sowohl die 2017er Si(y)lvaner von den Trockenen Schmitts als auch die von Schäffers probiert. Aber alle nur ab-Hof und bei den Trockenen Schmitts habe ich mir auch nichts notiert. Gefallen haben sie mir alle.
Meine Erinnerung kann mich da massiv täuschen, in meiner Wahrnehmung unterscheiden sich die Weine aber schon merklich in ihrer Stilistik.
Ich habe gerade nachgesehen, die 1. Lage (Schäffer) und Sylvaner Alte Reben (Trockene Schmitts) aus 2017 haben nahezu identische Restzucker- und Säurewerte (Schäffer: RZ 0,6 g/l, Säure 6,7 g/; TS: RZ: 0,8 g/l, Säure: 6,7 g/l). Trotzdem habe ich den Wein von den Schäffers als reifer in der Frucht und merklich extraktreicher in Erinnerung. Ich denke, dass hat seine Ursache u.A. in der doch unterschiedlichen Gärführung der Weingüter. Die Trockenen Schmitts legen viel Wert auf ihre namensgebende Gärführung, zügig und vollständig. Bei Schäffers wird spontan vergoren. Das kann zu mehr Polyalkoholen führen. In meiner Erinnerung und Wahrnehmung haben die Weine der Schäffers (trotz des niedrigeren Alkohols in diesem Fall; 13% vs. 13.5%) einen merklich höheren Extrakt. In diesem Fall hat der Wein der Schäffers auch eine längere Hefestandzeit (18 Monate vs. 10 Monate) und ich würde auch von einer längere Maischestandzeit ausgehen.
In dem Zusammenhang ist mein Eindruck, bezogen auf die Silvaner der Trockenen Schmitts ein mehr säuregetragener, sehr trockener Typ mit etwas Schmelz von der Zeit auf der Hefe. Bei den Schäffers, wie auf der ersten Seite des Fadens geschrieben:
stollinger hat geschrieben:Insgesamt fand ich den Besuch sehr lohnenswert. Ich habe die Stilistik als recht reif empfunden, die Fruchtreife ist wohl einfach nötig, um auch eine entsprechende phenolische Reife zu erzielen. Der Ausbau stellt die Frucht dann aber auch nicht in den Vordergrund, ich habe bei eigentlich allen Weinen die Würze als stilbildend empfunden.
Diese schöne phenolische Reife ermöglicht die gute Struktur bei hohem Extrakt, unterstützt einen Frischeeindruck, lässt die Weine teilweise straff erscheinen und ermöglicht Eleganz. Durch den Ausbau im großen Holzfass wird diese strukturelle Eigenschaft noch weiter hervorgearbeitet, Holzaromen kommen hingegen nicht vor. Die Weine sind balanciert und rein.
Die Frische kommt hier stärker von der (griffigen) Phenolik. Ich beschreibe so was auch gerne als
straff und empfinde es auch als
spannungsvoll im Sinne einer taktilen Wahrnehmung.
stollinger hat geschrieben:Das ist nicht unbedingt meine absolute Lieblingsstilistik, aber es sind Weine die ich gerne im Keller habe, weil ich doch von Zeit zu Zeit Lust auf solche Weine verspüre. Manchmal ist mir das dann aber etwas zu viel des Guten, das ist aber wirklich eine Geschmacksfrage. Das Preisniveau finde ich fair.
Man kann geteilter Meinung sein, ob eine Stildiskussion bei diesen Weinen angebracht ist, es sind natürlich keine hochkomplexen Weine und man muss einen Vergleich nicht überstrapzieren. Ich muss aber auch sagen, dass ich einen Vergleich über den Preis hier weniger zielführend finde.
Ich mag reife Phenolik im Wein im allgemeinen sehr, ich glaube,die Gerbstoffe und die sich daraus ergebende Struktur sind für mich einer der wichtigsten Parameter, ob mir ein Wein gefällt oder nicht. Die Säure ist mir in der Regel weniger wichtig, so lang sie mir nicht zu aggressiv ist, ebenso ist mir die Aromatik meist nicht so wichtig. Es gibt einige, wenige, Aromen, die für mich ein rotes Tuch sind (Banane!), aber abseits davon passt mir eigentlich alles. Mit einem hohen Extrakt habe ich aber häufig Probleme, vielleicht ist da bei mir auch eine eher schlechte Verträglichkeit mit die Ursache. Bei dem Schäffer'schen Silvaner 1. Lage kann ich mich jedenfalls noch erinnern, dass bei meiner ab-Hof Verkostung ein gewisser Aha-Moment da war. Ich fande die Phenolik wirklich klasse!
Ich weiß nicht, wie lange der Wein offen war, als ich ihn ab Hof verkostet habe, er war aber schon offen. Gerbstoffe verändern sich mit Luftkontakt und Reife, vielleicht hast du (Ulli) ihn an einem schlechten Tag oder in einer schwierigen Phase erwischt. Der Reflex, wenn sich Verkoster nicht einig sind, die Ursache in der Probe zu suchen, ist nicht hilfreich. Ich möchte hier deinem Urteil vetrauen, da bist du erfahren genug.
Ich habe jedenfalls aus 2017 noch die Silvaner von den
Schäffers(Escherndorf und Escherndorfer Lump), die von den
Trockenen Schmitts (Randersacker Sonnenstuhl - Silvaner Spätlese und Randersacker Sonnenstuhl - Sylvaner Alte Reben) von den
Luckerts (Sulzfelder Silvaner Alte Reben und Sulzfelder Sonnenberg Silvaner trocken - Gelbkalk) und werde (falls ich es nicht vergesse) die mal zu gegebener Zeit blind gegeneinander verkosten. Falls es euch mal nach Regensburg verschlägt, auch gerne gemeinsam.
Grüße, Josef