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Re: Egon Schäffer

Verfasst: Do 7. Jan 2021, 19:04
von Lars Dragl
Hallo!
amateur des vins hat geschrieben:
Der Müller-Thurgau hellgold, ganz ähnlich dem 18er. erheblich dichter. Keine SB-Assoziation; erinnert eher an Chardonnay. Wenig Frucht, andeutungsweise dunkelgelb/orange (Mango, eine Spur Orange). Etwas zugänglicher als der Rivaner, weil praktisch garnicht herb. Geringügig deutlichere Adstringenz. Auch hier ganz leichte Kohlensäure, die der ausreichenden Säure unter die Arme greift. (4,3 RZ, 6,6 S)
Bei mir kam der Wein ja vorher in die Karaffe, was ihm stets gut getan hat. Auch war er am 2. und 3. Tag oft noch besser und hat mehr gezeigt. Assoziationen Richtung Chardonnay kamen mir garnicht in den Sinn. Ist aber auch eine Baustelle, auf der ich selten zu Besuch bin.

Bin mir ja nicht ganz sicher, was ich selbst davon halten soll, aber heute zeigt der Gartenkalender mal wieder eine "Wurzeltag" an :lol: (Tatsächlich schmeckt mir Wein heute nicht und dann greife ich zum Kalender).

Grüße

Lars

Re: Egon Schäffer

Verfasst: Do 7. Jan 2021, 19:52
von amateur des vins
Naja, Chardonnay an sich ist ja ziemlich neutral. Hängt also davon ab, was für, und was mit ihm angestellt wurde.

Re: Egon Schäffer

Verfasst: Sa 9. Jan 2021, 20:36
von amateur des vins
amateur des vins hat geschrieben:Egon Schäffer, Rivaner 2019
Egon Schäffer, Müller-Thurgau 2019
Nachtrag:
Heute, zwei Tage später, präsentieren sich beide Weine stabil: nicht besser, aber auch nicht schlechter, und wenig verändert. Die Kohlensäure ist natürlich geringer, aber am Säureeindruck ändert das nicht so viel. Allenfalls ist die Schere zwischen beiden ganz leicht aufgegangen: Der Rivaner wirkt deutlich frischer, geradezu knackig, zeigt aber im Abgang eine herb-bittere, etwas metallisch und leicht anstrengend wirkende Note, was gerade solo nicht ganz so toll kommt. Der Müller-Thurgau ist solo deutlich ziviler, sicherlich auch durch den RZ und vmtl. etwas mehr Extrakt, und interessanterweise dennoch heute zum Essen (Kartoffel-Blumenkohl-Püree, Zucchini und Räuchertofu gebraten) ansprechender.

Für mich keine dringenden Nachkaufkandidaten, aber sicherlich deutlich besser als nur unfallfrei zu trinken. Wer vorwiegend in dieser Preisregion kauft, bekommt mit diesen beiden überdurchschnittliche Weine.

Re: Egon Schäffer

Verfasst: So 10. Jan 2021, 10:35
von UlliB
Silvaner Escherndorfer Lump 2017 (Schäffer) 13,0%Vol. VDP.Erste Lage. Das ist quasi eine Kopie vom weiter oben erwähnten Ortswein - die Aromatik ist die selbe, nur ist die Intensität etwas höher. Mehr Konzentration, ja, aber mehr Vielschichtigkeit, Tiefgang und Länge? Fehlanzeige.

Das haut mich jetzt überhaupt nicht vom Hocker. Und hier stimmt jetzt auch das PGV nicht mehr: der Wein kostet 14,50 €. Bei den Trockenen Schmitts zahlt man für die mindestens gleichwertige Sonnenstuhl Spätlese nur 9,50 €, und die deutlich überlegene "Alte Reben"-Spätlese aus gleicher Lage kostet 11,90€. Und wenn's denn unbedingt VDP und "Erste Lage" sein muss, gehe ich zu Luckerts und nehme den "Gelbkalk". Der kostet dann zwar noch einmal 2,50 € mehr, spielt aber in einer anderen Liga.

Gruß
Ulli

Re: Egon Schäffer

Verfasst: So 10. Jan 2021, 12:12
von Bernd Schulz
UlliB hat geschrieben:Bei den Trockenen Schmitts zahlt man für die mindestens gleichwertige Sonnenstuhl Spätlese nur 9,50 €, und die deutlich überlegene "Alte Reben"-Spätlese aus gleicher Lage kostet 11,90€.
Hallo Ulli,

ich habe ja durchaus auch ein größeres Faible für die Trockenen Schmitts und ihre Weine, die häufig ein sehr gutes PLV bieten, aber generell empfinde ich die Schäffersche Stilistik zwar als leiser, aber eben auch als feiner, differenzierter und spannungsreicher.

Bei den konkreten Weinen kann ich leider schon wieder nicht mitreden, denn im Gegensatz zu der 2016er und der 2018er Silvaner- Spätlese "Alte Reben" von den Trockenen Schmitts habe ich die 2017er nicht getrunken, und auch den Lump-Silvaner 2017 finde ich nicht in meinen VKNs.

Vielleicht verhält es sich so, dass wir in puncto Franken eine etwas unterschiedliche Wahrnehmung haben. Ich war ja vor gut 10 Jahren auch bei den Luckerts - deren Weine haben mir seinerzeit nicht schlecht gefallen, aber einen wirklichen Nachkaufreflex haben sie in mir nicht auslösen können. Die Sachen aus der Preisklasse, in der ich mich normalerweise bewege, haben mich am Ende nicht so überzeugt wie preislich vergleichbare Produkte anderer fränkischer Winzer.

Josef hat den 2017er Lump auf der 1. Seite dieses Threads anders als du beschrieben:

"Richtig toll fand ich den Weingut Egon Schäffer - Escherndorfer Lump - Silvaner trocken 2017:

In der Nase würzig und etwas mineralisch, wenig Frucht.

Frische Säure, kräftiger Körper, intensiv. Schöne Phenolik: griffig und pikant. Gute Struktur, straff trotz des kräftigen Körpers. Herb-würzig mit wenig Frucht (Zitrus?). Spannungsvoll.

Der war dicht, intensiv, griffig und ziemlich vollständig. Für eine erste Lage wohl wirklich weit vorn."

Wenn ich besser bei Kasse wäre, würde ich den Lump glatt bestellen, um ein eigenes Urteil fällen zu können - und für mich wäre es jetzt auch sehr interessant, ihn mit dem Gelbkalk vom Zehnthof zu vergleichen. Aber ich verkneife mir das lieber :( .

Herzliche Grüße

Bernd

Re: Egon Schäffer

Verfasst: So 10. Jan 2021, 13:22
von UlliB
Bernd Schulz hat geschrieben: Vielleicht verhält es sich so, dass wir in puncto Franken eine etwas unterschiedliche Wahrnehmung haben.
Ja, das kann natürlich so sein.

Das Wort, was mir zu dem Wein nun wirklich am wenigsten eingefallen wäre, ist "spannungsreich". Nein, das nun ganz und gar nicht, eher das glatte Gegenteil.

Aber was weiß ich: Flaschenform, Tagesform, Wurzeltag, Kontext, oder tatsächlich persönliche Präferenzen - auf Basis von zwei Einzelbeobachtungen fälle ich kein generelles Urteil über einen Winzer. Aber was ich sicher weiß: da werde ich nichts mehr auf Verdacht bestellen. Vielleicht besuche ich den Betrieb mal, wenn es die Rahmenbedingungen wieder erlauben, und verkoste etwas breiter. Mainfranken ist von hier aus ein bequemer Tagesausflug, den ich schon oft gemacht habe.

Gruß
Ulli

Re: Egon Schäffer

Verfasst: So 10. Jan 2021, 16:00
von stollinger
Hallo Ulli und Bernd,

ich habe sowohl die 2017er Si(y)lvaner von den Trockenen Schmitts als auch die von Schäffers probiert. Aber alle nur ab-Hof und bei den Trockenen Schmitts habe ich mir auch nichts notiert. Gefallen haben sie mir alle.

Meine Erinnerung kann mich da massiv täuschen, in meiner Wahrnehmung unterscheiden sich die Weine aber schon merklich in ihrer Stilistik.

Ich habe gerade nachgesehen, die 1. Lage (Schäffer) und Sylvaner Alte Reben (Trockene Schmitts) aus 2017 haben nahezu identische Restzucker- und Säurewerte (Schäffer: RZ 0,6 g/l, Säure 6,7 g/; TS: RZ: 0,8 g/l, Säure: 6,7 g/l). Trotzdem habe ich den Wein von den Schäffers als reifer in der Frucht und merklich extraktreicher in Erinnerung. Ich denke, dass hat seine Ursache u.A. in der doch unterschiedlichen Gärführung der Weingüter. Die Trockenen Schmitts legen viel Wert auf ihre namensgebende Gärführung, zügig und vollständig. Bei Schäffers wird spontan vergoren. Das kann zu mehr Polyalkoholen führen. In meiner Erinnerung und Wahrnehmung haben die Weine der Schäffers (trotz des niedrigeren Alkohols in diesem Fall; 13% vs. 13.5%) einen merklich höheren Extrakt. In diesem Fall hat der Wein der Schäffers auch eine längere Hefestandzeit (18 Monate vs. 10 Monate) und ich würde auch von einer längere Maischestandzeit ausgehen.

In dem Zusammenhang ist mein Eindruck, bezogen auf die Silvaner der Trockenen Schmitts ein mehr säuregetragener, sehr trockener Typ mit etwas Schmelz von der Zeit auf der Hefe. Bei den Schäffers, wie auf der ersten Seite des Fadens geschrieben:
stollinger hat geschrieben:Insgesamt fand ich den Besuch sehr lohnenswert. Ich habe die Stilistik als recht reif empfunden, die Fruchtreife ist wohl einfach nötig, um auch eine entsprechende phenolische Reife zu erzielen. Der Ausbau stellt die Frucht dann aber auch nicht in den Vordergrund, ich habe bei eigentlich allen Weinen die Würze als stilbildend empfunden.
Diese schöne phenolische Reife ermöglicht die gute Struktur bei hohem Extrakt, unterstützt einen Frischeeindruck, lässt die Weine teilweise straff erscheinen und ermöglicht Eleganz. Durch den Ausbau im großen Holzfass wird diese strukturelle Eigenschaft noch weiter hervorgearbeitet, Holzaromen kommen hingegen nicht vor. Die Weine sind balanciert und rein.
Die Frische kommt hier stärker von der (griffigen) Phenolik. Ich beschreibe so was auch gerne als straff und empfinde es auch als spannungsvoll im Sinne einer taktilen Wahrnehmung.
stollinger hat geschrieben:Das ist nicht unbedingt meine absolute Lieblingsstilistik, aber es sind Weine die ich gerne im Keller habe, weil ich doch von Zeit zu Zeit Lust auf solche Weine verspüre. Manchmal ist mir das dann aber etwas zu viel des Guten, das ist aber wirklich eine Geschmacksfrage. Das Preisniveau finde ich fair.
Man kann geteilter Meinung sein, ob eine Stildiskussion bei diesen Weinen angebracht ist, es sind natürlich keine hochkomplexen Weine und man muss einen Vergleich nicht überstrapzieren. Ich muss aber auch sagen, dass ich einen Vergleich über den Preis hier weniger zielführend finde.

Ich mag reife Phenolik im Wein im allgemeinen sehr, ich glaube,die Gerbstoffe und die sich daraus ergebende Struktur sind für mich einer der wichtigsten Parameter, ob mir ein Wein gefällt oder nicht. Die Säure ist mir in der Regel weniger wichtig, so lang sie mir nicht zu aggressiv ist, ebenso ist mir die Aromatik meist nicht so wichtig. Es gibt einige, wenige, Aromen, die für mich ein rotes Tuch sind (Banane!), aber abseits davon passt mir eigentlich alles. Mit einem hohen Extrakt habe ich aber häufig Probleme, vielleicht ist da bei mir auch eine eher schlechte Verträglichkeit mit die Ursache. Bei dem Schäffer'schen Silvaner 1. Lage kann ich mich jedenfalls noch erinnern, dass bei meiner ab-Hof Verkostung ein gewisser Aha-Moment da war. Ich fande die Phenolik wirklich klasse!

Ich weiß nicht, wie lange der Wein offen war, als ich ihn ab Hof verkostet habe, er war aber schon offen. Gerbstoffe verändern sich mit Luftkontakt und Reife, vielleicht hast du (Ulli) ihn an einem schlechten Tag oder in einer schwierigen Phase erwischt. Der Reflex, wenn sich Verkoster nicht einig sind, die Ursache in der Probe zu suchen, ist nicht hilfreich. Ich möchte hier deinem Urteil vetrauen, da bist du erfahren genug.

Ich habe jedenfalls aus 2017 noch die Silvaner von den Schäffers(Escherndorf und Escherndorfer Lump), die von den Trockenen Schmitts (Randersacker Sonnenstuhl - Silvaner Spätlese und Randersacker Sonnenstuhl - Sylvaner Alte Reben) von den Luckerts (Sulzfelder Silvaner Alte Reben und Sulzfelder Sonnenberg Silvaner trocken - Gelbkalk) und werde (falls ich es nicht vergesse) die mal zu gegebener Zeit blind gegeneinander verkosten. Falls es euch mal nach Regensburg verschlägt, auch gerne gemeinsam.

Grüße, Josef

Re: Egon Schäffer

Verfasst: Mo 11. Jan 2021, 19:43
von amateur des vins
Weiter geht's mit der Schäffer-Probenkiste:

Egon Schäffer, Escherndorfer Lump VDP.ERSTE LAGE 2018 "Stairway to Heaven"
          Silvaner


Erstaunlich satt gülden.
Komplett im Stahl ausgebaut, so liest man. Ich vermeinte, Holz wahrzunehmen. Da hat mich wohl einmal mehr die Hefe auf's sensorische Glatteis geführt.
Gelbfruchtig (Pfirsich, Mango) und etwas frische Brotkruste. Opulent. Alkohol unauffällig.
[+15'] Am Gaumen erstaunlich frisch. Wieder warm gelbfruchtig. Aber jetzt auch kräuterig. Leicht buttrig.
Im Abgang zunächst ein Hauch Pfeffer, dannleicht metallisch-bitter: So völlig versteckt sind die 14,5 Umdrehungen dann doch nicht. Mit Verzögerung leichte Adstringenz. Btw: RZ 2,1 / S 5,8.

Untypisch opulent, und obgleich die Säure für schöne Frische sorgt: So ganz paßt sie nicht zum sonstigen Eindruck, und etwas nebendran steht sie auch. Ganz zu schweigen davon, daß Silvaner ja eigentlich kein Säuremonster ist. Wenn ich raten müßte, würde ich sagen: aufgesäuert. Weiß da jemand mehr? Die absoluten Zahlen sind ja erstmal nicht auffällig. Umso überraschender, daß sie so pikant daherkommt.

Mächtiger, aber nicht breiter Wein. Wer mit der Stilistik etwas anfangen kann, könnte Spaß haben. Ich mag das grundsätzlich, aber etwas unstimmig is' scho'. Gefällt mir dennoch nicht schlecht.

Re: Egon Schäffer

Verfasst: Mo 11. Jan 2021, 20:47
von Lars Dragl
amateur des vins hat geschrieben: Erstaunlich satt gülden.
Komplett im Stahl ausgebaut, so liest man. Ich vermeinte, Holz wahrzunehmen. Da hat mich wohl einmal mehr die Hefe auf's sensorische Glatteis geführt.
Gelbfruchtig (Pfirsich, Mango) und etwas frische Brotkruste. Opulent. Alkohol unauffällig.
[+15'] Am Gaumen erstaunlich frisch. Wieder warm gelbfruchtig. Aber jetzt auch kräuterig. Leicht buttrig.
Im Abgang zunächst ein Hauch Pfeffer, dannleicht metallisch-bitter: So völlig versteckt sind die 14,5 Umdrehungen dann doch nicht. Mit Verzögerung leichte Adstringenz. Btw: RZ 2,1 / S 5,8.

Untypisch opulent, und obgleich die Säure für schöne Frische sorgt: So ganz paßt sie nicht zum sonstigen Eindruck, und etwas nebendran steht sie auch. Ganz zu schweigen davon, daß Silvaner ja eigentlich kein Säuremonster ist. Wenn ich raten müßte, würde ich sagen: aufgesäuert. Weiß da jemand mehr? Die absoluten Zahlen sind ja erstmal nicht auffällig. Umso überraschender, daß sie so pikant daherkommt.

Mächtiger, aber nicht breiter Wein. Wer mit der Stilistik etwas anfangen kann, könnte Spaß haben. Ich mag das grundsätzlich, aber etwas unstimmig is' scho'. Gefällt mir dennoch nicht schlecht.
Phuuuh! Gott sei Dank keine Phenole! :lol:

Re: Egon Schäffer

Verfasst: Mo 11. Jan 2021, 20:50
von amateur des vins
Lars Dragl hat geschrieben:Phuuuh! Gott sei Dank keine Phenole! :lol:
Aber Salz auch nicht.
Ist das jetzt gut oder schlecht? :?