Re: BORDEAUX 2010 - Aktuelles zur Primeurkampagne
Verfasst: Do 16. Jun 2011, 22:02
Naja, machen wir es doch mal ganz einfach! Die Jungs in Bordeaux sind keine Anfänger. Seit 200 Jahren diktieren sie die Preise und haben ein Vertriebsmonopol aufgebaut. Ich gehe mal davon aus, dass sie dieses Monopol nicht aufgeben werden und dazu noch versuchen, den höchstmöglichen Profit herauszuschlagen.
Vorweg ein paar Annahmen:
1. Ob man für eine Fl. Wein EUR 300,-- oder EUR 500,-- oder EUR 1.000 bezahlt, ist nur noch ein gradueller Unterschied. Die Menge an Irrsinn ist die gleiche.
2. Der bisherige Sinn der Sub bestand darin, dass, wer als Kunde subste, ein "Schnäppchen" machte, d.h. die Weine danach sehr viel teurer oder durch ihre Seltenheit und/oder Bewertung sogar zu Spekulationsobjekten wurden
3. Bordeauxweine sind, auch wenn in grosser Menge vorhanden, eben kein industriell unendlich reproduzierbares Produkt sondern begrenzt und werden immer Abnehmer finden. Wo und wann ist dabei volatil.
4. Das alles gilt nur für die Weine, die hier ständig genannt, beweint, gelobt, negiert etc. werden, also die chosen few, die Grand Vins, die Klassifizierten, kurzum die, an denen die grosse weite Welt Interesse hat. Die anderen fallen durch dieses Raster. Aber die anderen erhöhen ja auch die Preise nicht oder nur sehr moderat. Über die wird in diesem Thread aber auch nicht diskutiert.
5. Ich glaube nicht an den chinesischen Popanz. Das ist ein westlicher Arroganzreflex. Indien - mit 1.2 Milliarden Menschen nahezu genauso gross wie China, aber britisch geprägt, mit längerer "demokratischer" Struktur, hohem Reichtum etc. - wird hier nie genannt. Es geht IMHO auch nicht um einzelne Staaten, sondern um die ganze Welt. Denn heute ist China, was gestern Russland, vorgestern Japan und morgen Brasilien sein wird. Die Länder sind austauschbar. Popanze eben, an denen sich das heisse Mütchen kühlt.
So, alle diese Annahmen vorweg stellt sich doch folgende Überlegung ein: warum sollte ich als Chateau 75% meiner Ernte zu einem günstigen Preis verkaufen, wenn ich für das Dreifache des Preises nur 25% der Ernte auf den Markt bringen muss. Den Rest horte ich und verkaufe ihn nach der Allokation, vielleicht zum gleichen Preis, wahrscheinlich aber geringfügig höher. Nicht ganz unwahrscheinlich auch: sehr viel höher.
Warum sollte ich als Chateau das Spekulationspotential, mit dem sich BISHER ein Haufen europäischer und amerikanischer Privatleute die Taschen stopfte, an mir vorbei gehen lassen? Warum? Weil das immer schon so war? Finde ich das schlechteste aller Argumente.
Also ist das Ziel, die Subskription aufzuhebeln. Die Preise werden einfach so hoch gesetzt, dass zum einen nicht mehr der Grossteil der Ernte verkauft werden muss, sondern nur noch ein Bruchteil bei gleichen Einnahmen. Zum anderen ist bei so hohen Preisen einfach keine Musik mehr drin, d.h. nach der Allokation werden die Preise nicht mehr so hoch gehen, wie man es gewohnt war. Kurzum: die Subskription als Spekulationsspiel hat ausgedient.
Ist das jetzt schlimm?
Das Spekulationspotential heimsen sich die Chateaux im Verbund mit ihren Negos ein. Und da die letzten Jahre die Preise nach der Allokation fast immer (und sei es nach einigen Jahren) in schwindelnde Höhen stiegen, ist das ein sicheres Geschäft. Vorausgesetzt man hat neben den Lagermöglichkeiten das nötige Spielgeld, um ein wenig zu zocken. Denn niemand weiss, wann die Preise in die Höhe gehen. In 2 Jahren oder erst in 5 Jahren? Eine evt. Durststrecke müssen die genannten Chateaux überbrücken können. Das ist Voraussetzung. Zwei grosse Jahrgänge hintereinander erleichtern dabei natürlich den Spieleinsatz. Und ob die Weine dann nach China, Indien oder Afghanistan gehen ist egal, solange es IMMER ein paar aufstrebende Länder gibt. Und die wird es wohl geben. Denn genau das heisst ja GLOBALISIERUNG.
Die Leidtragenden sind zum einen die GenussSubser, die jetzt auf andere Weine umsteigen müssen. Aber eigentlich müssen sie einfach nur die Namen austauschen. Denn es ist wohl klar, dass es heute viele, viele no-name Weine gibt, die die gleiche Qualität wie früher die Grand Vins haben und dazu noch mit den früheren Preisen der Grand Vins an den Markt kommen.
Leidtragende sind aber auch die SpekulationsSubser, die einfach keine Musik mehr in der Sub sehen. Denen entgeht jetzt ein Geschäft. Und da die meisten GenussSubser, die ich kenne, immer auch SpekulationsSubser waren (vielleicht um ihren Genuss damit zu finanzieren) trifft es viele derjenigen, die hier im Forum aktiv sind.
Den IrrsinnsSubsern, die subsen egal wie hoch der Preis ist, Hauptsache sie besitzen ihren Weinnamen/Renomee/Prestige etc. sind auch die hohen Preise ziemlich egal. Denn ihr Irrsinn ist unabhängig von den Preisen.
Aber die wirklich Leidtragenden sind die Händler, die sich die letzten Jahre für Bordeaux ins Zeug gelegt haben. Denn mit einer Marge von unter 20% und einem derart hohen Aufwand hat sich die Sub eigentlich nie richtig gelohnt, weswegen ja auch die meisten kleineren Sub-Händler spätestens 2009 ausgestiegen sind, nicht ohne auf die unverschämten Preise zu schimpfen. Das ist zwar richtig, aber Fakt ist, dass diese Händler der Marktplatz Bordeaux einfach auch nicht mehr will. Bordeaux hat nicht mehr die Händler der einzelnen Länder als Kunden, sondern spätestens mit 2010 die ganze Welt. Zumindest ist das mein Eindruck. Händler für Bordeaux-Sub wollte ich mit 2010 nicht mehr sein. Die lassen doch die Händler am langen Arm verhungern.
Und das ist das einzige, was mich wirklich wundert: die Kaltschnäuzigkeit, mit der eine Region, die auf die Wahrung der Tradition wert legt, über Jahrzehnte gewachsene Beziehungen über den Jordan schickt. Das ist wohl auch eine Seite der Globalisierung.
Mein Fazit: es gibt keine Blase. Es gibt eine Revolution im Vertriebsweg der Bordeauxweine. Die Subskription ist tot, hoch lebe die Auktion einige Jahre später!
Vorweg ein paar Annahmen:
1. Ob man für eine Fl. Wein EUR 300,-- oder EUR 500,-- oder EUR 1.000 bezahlt, ist nur noch ein gradueller Unterschied. Die Menge an Irrsinn ist die gleiche.
2. Der bisherige Sinn der Sub bestand darin, dass, wer als Kunde subste, ein "Schnäppchen" machte, d.h. die Weine danach sehr viel teurer oder durch ihre Seltenheit und/oder Bewertung sogar zu Spekulationsobjekten wurden
3. Bordeauxweine sind, auch wenn in grosser Menge vorhanden, eben kein industriell unendlich reproduzierbares Produkt sondern begrenzt und werden immer Abnehmer finden. Wo und wann ist dabei volatil.
4. Das alles gilt nur für die Weine, die hier ständig genannt, beweint, gelobt, negiert etc. werden, also die chosen few, die Grand Vins, die Klassifizierten, kurzum die, an denen die grosse weite Welt Interesse hat. Die anderen fallen durch dieses Raster. Aber die anderen erhöhen ja auch die Preise nicht oder nur sehr moderat. Über die wird in diesem Thread aber auch nicht diskutiert.
5. Ich glaube nicht an den chinesischen Popanz. Das ist ein westlicher Arroganzreflex. Indien - mit 1.2 Milliarden Menschen nahezu genauso gross wie China, aber britisch geprägt, mit längerer "demokratischer" Struktur, hohem Reichtum etc. - wird hier nie genannt. Es geht IMHO auch nicht um einzelne Staaten, sondern um die ganze Welt. Denn heute ist China, was gestern Russland, vorgestern Japan und morgen Brasilien sein wird. Die Länder sind austauschbar. Popanze eben, an denen sich das heisse Mütchen kühlt.
So, alle diese Annahmen vorweg stellt sich doch folgende Überlegung ein: warum sollte ich als Chateau 75% meiner Ernte zu einem günstigen Preis verkaufen, wenn ich für das Dreifache des Preises nur 25% der Ernte auf den Markt bringen muss. Den Rest horte ich und verkaufe ihn nach der Allokation, vielleicht zum gleichen Preis, wahrscheinlich aber geringfügig höher. Nicht ganz unwahrscheinlich auch: sehr viel höher.
Warum sollte ich als Chateau das Spekulationspotential, mit dem sich BISHER ein Haufen europäischer und amerikanischer Privatleute die Taschen stopfte, an mir vorbei gehen lassen? Warum? Weil das immer schon so war? Finde ich das schlechteste aller Argumente.
Also ist das Ziel, die Subskription aufzuhebeln. Die Preise werden einfach so hoch gesetzt, dass zum einen nicht mehr der Grossteil der Ernte verkauft werden muss, sondern nur noch ein Bruchteil bei gleichen Einnahmen. Zum anderen ist bei so hohen Preisen einfach keine Musik mehr drin, d.h. nach der Allokation werden die Preise nicht mehr so hoch gehen, wie man es gewohnt war. Kurzum: die Subskription als Spekulationsspiel hat ausgedient.
Ist das jetzt schlimm?
Das Spekulationspotential heimsen sich die Chateaux im Verbund mit ihren Negos ein. Und da die letzten Jahre die Preise nach der Allokation fast immer (und sei es nach einigen Jahren) in schwindelnde Höhen stiegen, ist das ein sicheres Geschäft. Vorausgesetzt man hat neben den Lagermöglichkeiten das nötige Spielgeld, um ein wenig zu zocken. Denn niemand weiss, wann die Preise in die Höhe gehen. In 2 Jahren oder erst in 5 Jahren? Eine evt. Durststrecke müssen die genannten Chateaux überbrücken können. Das ist Voraussetzung. Zwei grosse Jahrgänge hintereinander erleichtern dabei natürlich den Spieleinsatz. Und ob die Weine dann nach China, Indien oder Afghanistan gehen ist egal, solange es IMMER ein paar aufstrebende Länder gibt. Und die wird es wohl geben. Denn genau das heisst ja GLOBALISIERUNG.
Die Leidtragenden sind zum einen die GenussSubser, die jetzt auf andere Weine umsteigen müssen. Aber eigentlich müssen sie einfach nur die Namen austauschen. Denn es ist wohl klar, dass es heute viele, viele no-name Weine gibt, die die gleiche Qualität wie früher die Grand Vins haben und dazu noch mit den früheren Preisen der Grand Vins an den Markt kommen.
Leidtragende sind aber auch die SpekulationsSubser, die einfach keine Musik mehr in der Sub sehen. Denen entgeht jetzt ein Geschäft. Und da die meisten GenussSubser, die ich kenne, immer auch SpekulationsSubser waren (vielleicht um ihren Genuss damit zu finanzieren) trifft es viele derjenigen, die hier im Forum aktiv sind.
Den IrrsinnsSubsern, die subsen egal wie hoch der Preis ist, Hauptsache sie besitzen ihren Weinnamen/Renomee/Prestige etc. sind auch die hohen Preise ziemlich egal. Denn ihr Irrsinn ist unabhängig von den Preisen.
Aber die wirklich Leidtragenden sind die Händler, die sich die letzten Jahre für Bordeaux ins Zeug gelegt haben. Denn mit einer Marge von unter 20% und einem derart hohen Aufwand hat sich die Sub eigentlich nie richtig gelohnt, weswegen ja auch die meisten kleineren Sub-Händler spätestens 2009 ausgestiegen sind, nicht ohne auf die unverschämten Preise zu schimpfen. Das ist zwar richtig, aber Fakt ist, dass diese Händler der Marktplatz Bordeaux einfach auch nicht mehr will. Bordeaux hat nicht mehr die Händler der einzelnen Länder als Kunden, sondern spätestens mit 2010 die ganze Welt. Zumindest ist das mein Eindruck. Händler für Bordeaux-Sub wollte ich mit 2010 nicht mehr sein. Die lassen doch die Händler am langen Arm verhungern.
Und das ist das einzige, was mich wirklich wundert: die Kaltschnäuzigkeit, mit der eine Region, die auf die Wahrung der Tradition wert legt, über Jahrzehnte gewachsene Beziehungen über den Jordan schickt. Das ist wohl auch eine Seite der Globalisierung.
Mein Fazit: es gibt keine Blase. Es gibt eine Revolution im Vertriebsweg der Bordeauxweine. Die Subskription ist tot, hoch lebe die Auktion einige Jahre später!
