Hallo zusammen
find ich spannend, diese Diskussion über Michel Magnien, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob es mittlerweilen auch Sohn Frédéric ist, der dort vinifiziert und Papa Michel nur an den Messen vertreten ist. Ich persönlich habe die Magnien-Weine nach einigen Versuchen aus meinem Keller verbannt. Ich glaub ein Cazetiers 04 und ein Morey Tres Girard sind irgendwo noch am "warten"... Und das vor alle deshalb, weil ich für mich die Erfahrung gemacht habe, dass diese Weine das Holz oder was auch immer alles da drin sein mag nicht schlucken werden, oder ich einfach ein Problem mit dem Stil des Hauses habe. Dieser Eindruck hat sich bei mir jetzt weder bei den verkosteten 2010er noch bei den 2011er Magniens an der Trilogie dieses Jahr gelegt, sondern gefestigt.
Genau diese Aussage trifft es:
Ollie hat geschrieben:Creot,
zum Cazetiers habe ich keine laengeren Notizen gemacht, aber was ich mir notiert habe, war "Struktur!!" (mit zwei Ausrufezeichen). Das Ding ist ein momentan noch ein "untrinkbares Monster" mit sehr unterdrueckter Frucht.
Für mein persönliches Verständnis ist Struktur nicht das was ein Pinot Noir bieten muss. Es ist für mich und mein Verständnis des Burgunders eben ein fehlbares Charakteristikum, das einem Bordeaux zusteht. Aber ein Pinot, das ist Textur, Komplexität, Matiere, Spannung... Und eben diese Textur und Attribute vermisse ich bei den Magnien-Weinen, da dort die Hand aus Holz einfach zu sehr zupackt und Terroir und Frucht nicht respektiert. Wenn ich dann noch die Beschreibung von einem "untrinkbaren Monster" lese (ich habe wie gesagt nix mehr gekauft, geschweige denn Notizen aufgeschrieben, sondern rekonstruiere aus der Erinnerung) fühle ich mich an alles andere als an Pinot erinnert, sondern an andere Weinregionen und weiss, wieso ich diesen Wein nicht mehr kaufe.
Ich gebe zwar nicht viel auf Journibewertungen in Form von Punkten, aber gut geschriebene VKN's die den Wein wiedergeben, oder verstehen lassen, was der Verkoster genau gespürt und geschmeckt haben mag, find ich hilfreich ersetzen natürlich aber nicht die eigene Urteilsbildung - aber Stephen Tanzer find ich immer ein bisschen speziell (geht seit Jahren ins Burgund und kann bis heute kein Französisch und die Winzer müssen Englisch mit ihm reden), obwohl ich an dieser Stelle mit ihm einig bin, wo er an dem Wein Zweifel hegt (nochmals, ich finde ein Pinot sollte jung schon expressiv sein können und muss weder vom Holz maskiert noch sonstwie überlagert sein):
Ollie hat geschrieben:Dass Tanzer daran zweifelt, ob er sich faengt, ist durchaus nachzuvollziehen, und natuerlich habe ich auch keine Ahnung, wie sich der Wein entwickeln wird. Allerdings fand ich die Tannine sehr gut, nichts Hartes oder Gruenes darin zu finden; das Holz ist perfekt geschluckt, und der Wein ist sehr lang mit viel Modulation im Geschmack. Fuer mich alles Anzeichen einer positiven Zukunft. Aber, wie gesagt, die Zeit wird es weisen, ob ich Geld in den Orkus geblasen habe. Auf jeden Fall ist es ein sehr spektakulaerer Gevrey mit viel Bumms. (Der Chambolle war naturgemaess noch "schoener".)
...es gibt da einen Teil, der mich etwas verwirrt. Du sprichst von sehr guten Tanninen ohne Grünes oder Hartes und das Holz sei perfekt geschluckt. Würdest du jetzt sagen, dass das Holz präsenter war, oder der Wein selbst zum Ausdruck kam? Ich persönlich finde eben, dass das Holz zu dominant ist bei den Weinen Magniens und schliesse mich Tanzer da völlig an und die Weine mittlerweilen aus meinem Keller aus...

Was du mit der Modulation des Geschmacks meinst ist mir nicht ganz klar (Komplexität?), wenn du magst kannst du mir das ja noch näher erläutern?
Ollie hat geschrieben:Nochmal zur strengen Wertung von Meadows: Im Prinzip ist das ja gut; allerdings fand ich den Abstand zum Seuvrees so deutlich, dass ich drei 3 Punkte mehr in Ordnung gefunden haette, also 92-94. Ein bisschen wirkt das wie Kompression auf mich. Andererseits sind die Weine so jung, dass ich niemandes Wertungen auf die Goldwaage legen moechte - auch nicht meine, denn es war nur eine Momentaufnahme auf einer Messe. Statistisch sind Maedows und ich ja eh vertraeglich miteinander.
Cheers,
Ollie
Nun ja, Punkte sind Punkte... Aber das muss jeder für sich selber entscheiden. Ich kann in Bezug auf die Weine Magnien's nur sagen, dass ich andere Leute in seiner Gemeinde klar bevorzuge. Das wird auch Meadows machen (hab ihn nicht abonniert), denn so wie mir Virgile Lignier-Michelot an der Märzverkostung bei ihm in Morey mitteilte, wird Meadows ihn als den diesjährigen Vigneron vorstellen. Das scheint mir absolut nachvollziehbar, den seine Weine waren an der Verkostung der 2011er und 2012er wiederum einfach nur überzeugend und von grosser Klasse. Holz sucht man vergeben, aber alle schönen Attribute eines vom WInzer respektierten Pinot Noir sind auffindbar - Frische, Schwung, prononcierte Frucht.
Auf jeden Fall danke für dieses Diskussionsthema!
EDIT hat noch einen Nachtrag, da den Beitrag zu hurtig abgeschickt: Ich muss an dieser Stelle noch erwähnen, dass mir die Magnienweine zuerst auch gefallen haben und ich Sie anfangs 2010 gar nicht so schlecht sah, aber mittlerweilen hat sich das alles total entgegen meinem Geschmacksbild gewandelt, dass ich hier eine skeptischere Haltung einnehme...