Burgund 2010

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Créot
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Re: Burgund 2010

Beitrag von Créot »

Ollie, hast du zum Cazetiers etwas notiert? Wäre interessant. Freue mich aber auf jeden Fall, du den Wein so gut gesehen hast, da ich auch noch 2 Flaschen im Keller habe. Tanzer scheint den Wein bei der Flaschenverkostung in einer schlechten Phase erwischt zu haben:

http://www.wineaccess.com/wine/product/ ... -Cazetiers

Und, wie gesagt, was den Gevrey Seuvrees betrifft, ich fand ihn nicht überholzt oder überextrahiert, aber auf jeden Fall auf der holz- und extraktbetonten Seite (der Eindruck hat sich vielleicht auch deshalb noch verstärkt, weil ich den Wein nach 2 kleinen, eher eleganten und leisen 2011ern probiert habe - das war schon ein gewaltiger Unterschied)

Habe gerade auch noch mal nachgeschaut. Den Michel Magnien Morey St. Denis 1er Cru Chaffots hatte ich vor einiger Zeit auch im Glas. Was ich mir notiert habe deckt sich, wenn ich mich recht erinnere, mit Stephans Notiz: Zunächst deutliche Reduktionsnoten, dann eine eher reduzierte Nase mit Himm- und Erbeernoten. Ein ausgesprochen mineralischer Wein mit schöner Frucht, hedonistischen Anlagen und nicht zuletzt einiger Eleganz.

Thorsten, freue mich 2015 etwas über den 2005er Seuvrees von dir zu hören. Sollte dann eigentlich trinkreif sein und ansonsten kann man sich ja warnen. Ich habe leider auch nur eine Flasche.

Grüße
Stefan
Ollie
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Re: Burgund 2010

Beitrag von Ollie »

Creot,

zum Cazetiers habe ich keine laengeren Notizen gemacht, aber was ich mir notiert habe, war "Struktur!!" (mit zwei Ausrufezeichen). Das Ding ist ein momentan noch ein "untrinkbares Monster" mit sehr unterdrueckter Frucht.

Dass Tanzer daran zweifelt, ob er sich faengt, ist durchaus nachzuvollziehen, und natuerlich habe ich auch keine Ahnung, wie sich der Wein entwickeln wird. Allerdings fand ich die Tannine sehr gut, nichts Hartes oder Gruenes darin zu finden; das Holz ist perfekt geschluckt, und der Wein ist sehr lang mit viel Modulation im Geschmack. Fuer mich alles Anzeichen einer positiven Zukunft. Aber, wie gesagt, die Zeit wird es weisen, ob ich Geld in den Orkus geblasen habe. Auf jeden Fall ist es ein sehr spektakulaerer Gevrey mit viel Bumms. (Der Chambolle war naturgemaess noch "schoener".)

Nochmal zur strengen Wertung von Meadows: Im Prinzip ist das ja gut; allerdings fand ich den Abstand zum Seuvrees so deutlich, dass ich drei 3 Punkte mehr in Ordnung gefunden haette, also 92-94. Ein bisschen wirkt das wie Kompression auf mich. Andererseits sind die Weine so jung, dass ich niemandes Wertungen auf die Goldwaage legen moechte - auch nicht meine, denn es war nur eine Momentaufnahme auf einer Messe. Statistisch sind Maedows und ich ja eh vertraeglich miteinander.

Cheers,
Ollie
Zuletzt geändert von Ollie am Fr 12. Apr 2013, 17:03, insgesamt 2-mal geändert.
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octopussy
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Re: Burgund 2010

Beitrag von octopussy »

Hallo zusammen,

außer dem Morey St. Denis 1er Cru Chaffots habe ich keinen Michel Magnien 2010er probiert. "Struktur!! (mit zwei Ausrufezeichen)" könnte ich für den Wein wohl auch unterschreiben. Ebenfalls "das Holz ist perfekt geschluckt, und der Wein ist sehr lang mit viel Modulation im Geschmack." Da ich mit älteren Michel Magnien Weinen (älter als 2009) leider keine Erfahrung habe und sich die Qualität laut Auskunft meines Händlers in letzter Zeit auch eher verbessert als verschlechtert hat, würde ich im Zweifel darauf bauen, dass der Wein und auch andere Magnien 2010 Weine mal richtig gut bis groß werden. Aber selten fand ich es so schwer, einzuschätzen, wie sich ein Wein wohl mal entwickeln wird.

Zu den Meadows Punkten: Meadows wird häufiger dafür kritisiert, dass er sich innerhalb einer eher kleinen Spanne bewegt (oder - was auch häufig vorkommt - eher wenig Punkte vergibt, aber Dinge schreibt wie "A classic Vosne" oder "A Village to look out for"). Gleichwohl finde ich seine Notizen zur Orientierung und vor allem auch seine detailierten Reports darüber, wann gelesen wurde, ob chaptalisiert wurde und wie der Winzer den Jahrgang selbst sah, sehr wertvoll.
Beste Grüße, Stephan
argentum
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Re: Burgund 2010

Beitrag von argentum »

Hallo zusammen

find ich spannend, diese Diskussion über Michel Magnien, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob es mittlerweilen auch Sohn Frédéric ist, der dort vinifiziert und Papa Michel nur an den Messen vertreten ist. Ich persönlich habe die Magnien-Weine nach einigen Versuchen aus meinem Keller verbannt. Ich glaub ein Cazetiers 04 und ein Morey Tres Girard sind irgendwo noch am "warten"... Und das vor alle deshalb, weil ich für mich die Erfahrung gemacht habe, dass diese Weine das Holz oder was auch immer alles da drin sein mag nicht schlucken werden, oder ich einfach ein Problem mit dem Stil des Hauses habe. Dieser Eindruck hat sich bei mir jetzt weder bei den verkosteten 2010er noch bei den 2011er Magniens an der Trilogie dieses Jahr gelegt, sondern gefestigt.

Genau diese Aussage trifft es:
Ollie hat geschrieben:Creot,

zum Cazetiers habe ich keine laengeren Notizen gemacht, aber was ich mir notiert habe, war "Struktur!!" (mit zwei Ausrufezeichen). Das Ding ist ein momentan noch ein "untrinkbares Monster" mit sehr unterdrueckter Frucht.
Für mein persönliches Verständnis ist Struktur nicht das was ein Pinot Noir bieten muss. Es ist für mich und mein Verständnis des Burgunders eben ein fehlbares Charakteristikum, das einem Bordeaux zusteht. Aber ein Pinot, das ist Textur, Komplexität, Matiere, Spannung... Und eben diese Textur und Attribute vermisse ich bei den Magnien-Weinen, da dort die Hand aus Holz einfach zu sehr zupackt und Terroir und Frucht nicht respektiert. Wenn ich dann noch die Beschreibung von einem "untrinkbaren Monster" lese (ich habe wie gesagt nix mehr gekauft, geschweige denn Notizen aufgeschrieben, sondern rekonstruiere aus der Erinnerung) fühle ich mich an alles andere als an Pinot erinnert, sondern an andere Weinregionen und weiss, wieso ich diesen Wein nicht mehr kaufe.

Ich gebe zwar nicht viel auf Journibewertungen in Form von Punkten, aber gut geschriebene VKN's die den Wein wiedergeben, oder verstehen lassen, was der Verkoster genau gespürt und geschmeckt haben mag, find ich hilfreich ersetzen natürlich aber nicht die eigene Urteilsbildung - aber Stephen Tanzer find ich immer ein bisschen speziell (geht seit Jahren ins Burgund und kann bis heute kein Französisch und die Winzer müssen Englisch mit ihm reden), obwohl ich an dieser Stelle mit ihm einig bin, wo er an dem Wein Zweifel hegt (nochmals, ich finde ein Pinot sollte jung schon expressiv sein können und muss weder vom Holz maskiert noch sonstwie überlagert sein):
Ollie hat geschrieben:Dass Tanzer daran zweifelt, ob er sich faengt, ist durchaus nachzuvollziehen, und natuerlich habe ich auch keine Ahnung, wie sich der Wein entwickeln wird. Allerdings fand ich die Tannine sehr gut, nichts Hartes oder Gruenes darin zu finden; das Holz ist perfekt geschluckt, und der Wein ist sehr lang mit viel Modulation im Geschmack. Fuer mich alles Anzeichen einer positiven Zukunft. Aber, wie gesagt, die Zeit wird es weisen, ob ich Geld in den Orkus geblasen habe. Auf jeden Fall ist es ein sehr spektakulaerer Gevrey mit viel Bumms. (Der Chambolle war naturgemaess noch "schoener".)
...es gibt da einen Teil, der mich etwas verwirrt. Du sprichst von sehr guten Tanninen ohne Grünes oder Hartes und das Holz sei perfekt geschluckt. Würdest du jetzt sagen, dass das Holz präsenter war, oder der Wein selbst zum Ausdruck kam? Ich persönlich finde eben, dass das Holz zu dominant ist bei den Weinen Magniens und schliesse mich Tanzer da völlig an und die Weine mittlerweilen aus meinem Keller aus... :mrgreen: Was du mit der Modulation des Geschmacks meinst ist mir nicht ganz klar (Komplexität?), wenn du magst kannst du mir das ja noch näher erläutern?
Ollie hat geschrieben:Nochmal zur strengen Wertung von Meadows: Im Prinzip ist das ja gut; allerdings fand ich den Abstand zum Seuvrees so deutlich, dass ich drei 3 Punkte mehr in Ordnung gefunden haette, also 92-94. Ein bisschen wirkt das wie Kompression auf mich. Andererseits sind die Weine so jung, dass ich niemandes Wertungen auf die Goldwaage legen moechte - auch nicht meine, denn es war nur eine Momentaufnahme auf einer Messe. Statistisch sind Maedows und ich ja eh vertraeglich miteinander.

Cheers,
Ollie
Nun ja, Punkte sind Punkte... Aber das muss jeder für sich selber entscheiden. Ich kann in Bezug auf die Weine Magnien's nur sagen, dass ich andere Leute in seiner Gemeinde klar bevorzuge. Das wird auch Meadows machen (hab ihn nicht abonniert), denn so wie mir Virgile Lignier-Michelot an der Märzverkostung bei ihm in Morey mitteilte, wird Meadows ihn als den diesjährigen Vigneron vorstellen. Das scheint mir absolut nachvollziehbar, den seine Weine waren an der Verkostung der 2011er und 2012er wiederum einfach nur überzeugend und von grosser Klasse. Holz sucht man vergeben, aber alle schönen Attribute eines vom WInzer respektierten Pinot Noir sind auffindbar - Frische, Schwung, prononcierte Frucht.

Auf jeden Fall danke für dieses Diskussionsthema! :D

EDIT hat noch einen Nachtrag, da den Beitrag zu hurtig abgeschickt: Ich muss an dieser Stelle noch erwähnen, dass mir die Magnienweine zuerst auch gefallen haben und ich Sie anfangs 2010 gar nicht so schlecht sah, aber mittlerweilen hat sich das alles total entgegen meinem Geschmacksbild gewandelt, dass ich hier eine skeptischere Haltung einnehme...
Gruss
Philipp

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Ollie
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Re: Burgund 2010

Beitrag von Ollie »

argentum,

ich denke mal, wir liegen nicht sehr weit auseinander in unseren Meinungen, sondern es sind lediglich (leicht) unterschiedliche Akzente, die wir jeweils setzen. Irgendwas muss dem Wein ja Struktur haben; die Frage ist nur, welches das strukturierende Element ist: Saeure oder Tannin? (Holz kann meiner Meinung nach nie strukturgebend sein. Von den oenologischen Feinheiten, dass holzbuertige Stoffe und Traubentannine lustige Sachen miteinander machen, sehe ich hier mal ab.)

In meiner Vorstellung ist die Struktur trinkreifer Burgunder hauptsaechlich von Saeure gegeben; die Tannine sind soweit abgeschmolzen, dass nur ein seidiger Schleier uebriggeblieben ist. Hauptsaechlich bedeutet aber nicht ausschliesslich; und natuerlich gibt es ein Kontinuum davon, wie sehr die Tannine noch beitragen, und auch davon, wie sehr sie noch beitragen sollen. Das hat was mit der (angelernten) Vorstellung davon zu tun, wie die Weine aus den unterschiedlichen Gegenden so "sind" (und mit der persoenlichen Wahrnehmung von Tannin/Saeure).

Fuer mich sollten Chambertins und Pommards durchaus robuster sein als Vosnes (und erst recht als Chambolles) und dafuer notfalls auch Finesse opfern (letzteres ist zugegebenermassen ein preisliches Argument), denn ich erwarte maskuline, koerperreiche, feste und durchaus kernige Weine, wenn ich Chambertins und Pommards kaufe. Ich moechte jetzt nicht von "Terroir" sprechen, aber wenn ein Winzer aus seinen Weinbergen Weine holt, die meinen Vorstellungen davon, wie Weine aus diesen Weinbergen sei sollten, entgegenkommen, bin ich's zufrieden.

Und unter dieser "Massgabe" wurde ich mit den 2010er Seuvrees von Magnien bestens bedient. Ich fand nicht, dass der Wein sehr holzgepraegt war; ich schmeckte das Holz nicht deutlich, sondern nur, dass welches da ist, und ich fand es eben sehr gut eingebaut und ueberhaupt nicht den Wein oder die Frucht dominierend. Der Wein zeigte natuerlich schon Pinotfrucht, aber halt noch nicht so expressiv, wie er es spaeter dann erwartetermassen tun wird (wobei ich eher einen erdigen, maskulinen und nicht so sehr einen floralen, femininen Wein erwarte). Und, ja, mit Modulation meine ich aromatische und texturelle (sagt man so? - gemeint ist "mouthfeel") Komplexitaet. Fuer mich war alles an jenem Platz, an dem es in einem so jungen Wein sein soll.

Vielleicht hilft dir das alles ein bisschen weiter, auch wenn klar ist, dass alles rein subjektiv ist, also nur fuer mich so stimmt, und dass alles davon abhaengt, wie man sozialisiert wurde. Ich wurde halt auf diese Bild von Burgund gepraegt (das Bild kann beliebig falsch sein, es wuerde nichts aendern!).

Cheers,
Ollie
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octopussy
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Re: Burgund 2010

Beitrag von octopussy »

argentum hat geschrieben:Für mein persönliches Verständnis ist Struktur nicht das was ein Pinot Noir bieten muss. Es ist für mich und mein Verständnis des Burgunders eben ein fehlbares Charakteristikum, das einem Bordeaux zusteht. Aber ein Pinot, das ist Textur, Komplexität, Matiere, Spannung...
Was ist denn der Unterschied zwischen "Struktur" und "Textur" und "Matière" (oder Materie)?
Eine Struktur muss ja nicht immer muskulös, wuchtig oder dicht sein. Sie kann auch seidig oder fein sein. Ich habe übrigens gerade meine andere kürzliche Notiz zu einem Michel Magnien Wein noch einmal angeschaut (Bourgogne Rouge 2009) und gesehen, dass ich auch "sehr gut strukturiert" geschrieben hatte, aber auch "fein und elegant", "dezente Holznote" und "eher kräftige Säure".
argentum hat geschrieben:Und eben diese Textur und Attribute vermisse ich bei den Magnien-Weinen, da dort die Hand aus Holz einfach zu sehr zupackt und Terroir und Frucht nicht respektiert.
Ich habe zu wenig Michel Magnien getrunken, um wirklich beurteilen zu können, ob seine Weine in der Breite sehr holzbetont sind. Die beiden letzten Weine fand ich nicht zu holzwürzig. Philipp, wenn du Lignier-Michelot als dein Idealbild für Weine aus Morey St. Denis bezeichnest, kann ich das gut nachvollziehen, aber es scheint natürlich auch eine andere, ja fast schon diametral gegensätzliche, Stilistik als die von Michel Magnien zu sein. Zu behaupten, dass Magnien "Terroir ... nicht respektiert" finde ich nicht nur mutig, sondern auch recht harsch. Wichtig ist doch, dass innerhalb einer Domaine die Weine unterschiedlich schmecken, der 1er Cru besser als der Village und der Grand Cru besser als der 1er Cru und der Chambolle-Musigny anders als der Morey St. Denis. Dem Bericht von Ollie konnte ich entnehmen, dass das aus seiner Sicht bei Michel Magnien der Fall war (Zitat: (Der Chambolle war naturgemaess noch "schoener".). Ob tatsächlich bei Michel Magnien die Lagen- bzw. Dorfunterschiede gut rauskommen, kann ich - wie gesagt - nicht beurteilen. Aber ganz allgemein bin ich der Meinung, dass es zu eng ist, wenn man einen festgemeißelten Stil für eine bestimmte Lage oder ein bestimmtes Dorf definiert und daran alle anderen misst. Die stilistische Vielfalt der einzelnen Winzer neben der geschmacklichen Vielfalt verschiedener Lagen bzw. Dörfer macht für mich den Reiz am Burgund aus. Der Rest ist Geschmackssache.
Beste Grüße, Stephan
argentum
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Re: Burgund 2010

Beitrag von argentum »

Hey Stefan

Also, ich versuche kompakt darauf einzugehen (was auch gewisse Lücken zulassen muss), zur detaillierteren Vertiefung empfehle ich diverse Literatur von Jacky Rigaux die man im Athenaeum Beaune kriegt http://www.athenaeum.com . Struktur und Textur unterscheiden sich für mein Verständnis insofern, dass Struktur, wie es der Name schon sagt Rückgrat und Aufbau, also im einfachsten Sinne Tannine bedeutet – ja sie sind auch unweigerlich Bestandteil eines Weines und nicht bei den einen Weinen vorhanden und anderen nicht. Die Textur ist die Stoffigkeit, das streichelnde, seidene Moment, das sich im Mundgefühl ausbreitet und insbesondere für Pinot Noir so typisch ist.

Bei der Struktur können wir eine geschmackliche und eine analytische Ebene unterschieden. Wobei ich mit Jacky Rigaux einig bin, wenn man analytisch gesehen sagt, dass Struktur von Nöten ist, ein guter Burgunder (und dazu zähle ich diejenige, die mich emotional anzusprechen vermögen) diese geschmacklich nicht auf den Punkt bringt respektive unter der Textur verdeckt ist resp. eingehüllt/umhüllt ist. Und hierbei meine ich mit der Textur die Stoffigkeit, welche dem Pinot Noir Burgunds immanent ist, die ebendiese bereits erwähnte Struktur umhüllt und einfasst.

Guter Pinot, so mein Verständnis hat eine grosse Struktur, die aber unter der Textur nicht spürbar, sondern allerhöchstens erahnbar/Raum schaffend ist. Das hängt damit zusammen, dass sich ebendieses streichelnde, samtene Gefühl ausbreitet. Und da möchte ich eingehen auf das was du anführst, dass die Struktur nicht muskulös, wuchtig oder dicht ist... Ok, Dichte geht am ehesten noch, da ich dies nicht mit Konzentration gleich setze. Aber die ersten beiden sind genau dann der Fall, wenn dem Wein die Textur abhanden kommt, dieses wohlige Gefühl, das die Pinots eben vermitteln können, wenn... Ich nehme an, du kannst meinem Gedanken von dieser Stelle an weiter folgen (Andernfalls treffen wir uns lieber auf ein Glas Wein, wenn du mal wieder in Baden unterwegs bist und gehen dann nochmals tiefer ins Detail – was viel gemütlicher wäre ;-) ).

Die liebe Matière... Da subsummiere ich Konsistenz des Saftes, dessen was aus der Traube gezogen wird. Das was du bei der Struktur als Dichte bezeichnet hast kommt hier für mich dem in deutsch am nächsten, ist aber für mich von der Struktur losgelöst zu betrachten – der Saft, weitgehend natürlicher Extrakt.

Nun zum zweiten Teil den du erwähnst, der mir aber an diesem Beitrag von ollie ja so gefällt (Der kontroverse Teil und die Sicht dessen wie man Magniens Weine einstuft): Ja, jetzt geht’s natürlich auch um den persönlichen Geschmack, wie man selbst einen Wein sieht und ihn wahrnimmt und mit seinem Geschmack vereinbart. Spätestens an diesem Punkt werden wir uns scheiden, oder gar ob der Sicht der Dinge was genau Terroirweine sind. Als erstes muss ich auf eine Ungenaugkeit meinerseits eingehen: die Aussage wonach Magnien seine Weine seine Weine zu sehr im Holz „untergehen“ lässt ist so nicht ganz haltbar. Es gibt GC’s die zu 100% neue Eiche sehen sonst geht’s auch runter auf 40%. Insofern mein Fehler... Ich weiss jetzt aber was mich gestört hat und mir das Bild des Übertriebenen vermittelte: die Konzentration, die mir persönlich zuviel war und ein Bild des Weins vermittelt hat, wonach ich zur Meinung gelangte, dass das sichnciht mehr finden wird. Die Struktur wie eingangs erwähnt eben nie mehr von der Textur umhüllt und eingepackt wird.

Die magischsten Momente vermittelt mir der Wein, bei welchem der Winzer seine Arbeit im Weinberg mit höchster Sorgfalt macht und weiss, was Ausgeglichenheit im Wein bedeutet und so zur Essenz resp. auf den Punkt des Terroirs gelangt. Und das ist es, was mir bei Magnien fehlt (Konzentration, nicht Holz!) – obschon jung verkostet und für gut befunden. Dass du das als harsch sehen magst, kann ich zum Teil gut verstehen, für mich ist es der Anspruch, den ich an einen Burgunder habe. Und da arbeitet ein Virgile Lignier Michelot (als Beispiel aus Morey, wir können gerne auch Clos de Tart mit Sylvain Pitiot auch beiziehen) für mich, meinen Gaumen und meinen Anspruch besser als Magnien und kommt somit dem Ideal des Terroirweines zwingend näher. Eben einem Wein der berührt und Emotionen weckt, der mich bewegt. Und klar: in Burgund gibt es immer einen besseren Wein ;-)

Und Edit hat wieder was zu melden: ollie, ich werde gerne auch noch auf deine Meldung eingehen, aber bei nächster Zeit, ok? aber ich meld mich, versprochen, das Thema ist spannend ;-)
Gruss
Philipp

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Re: Burgund 2010

Beitrag von vanvelsen »

Ich poste meine Eindrücke von meiner kleinen Burgundreise mal hier, da wir mehrheitlich 10er im Glas hatten.

Falls die Admins einen besseren Ort dafür finden... feel free!

http://www.vvwine.blogspot.ch/2013/04/b ... nerot.html 

http://www.vvwine.blogspot.ch/2013/04/b ... on-de.html

http://www.vvwine.blogspot.ch/2013/04/b ... neret.html

http://www.vvwine.blogspot.ch/2013/04/b ... ic-de.html  

Gruss

Adrian
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Re: Burgund 2010

Beitrag von argentum »

Zum Abschluss des weinigen Wochenendes, das zum grössten Teil im Zeichen des Pinots stand möchte ich noch diese Notiz nachlegen. Für mich ein Wein, der sich wirklich durch seine bestechende Art bei mir ins Gedächtnis eingebrannt hat...

Am Sonntag kam mein lieber Freund Dominik zum MIttagessen vorbei und im Gepäck hatte er einen Marquis d'Angerville Volnay Fremiet 2010 als Probier- und Essensbegleitflasche nebst einer Flasche Anne Gros Bourgogne Rouge 2009...

Ja diese Volnays von d'Angerville habe ich erst durch Dominik kennen gelernt und ich bereue es definitiv nicht. Taillepied, Clos des Ducs aber auch die einfach Villagequalität, sie sind mir bis jetzt alle in bester Erinnerung geblieben. Doch dieser Fremiet scheint mir derart memorabel, dass ich ein paar Worte über ihn verlieren möchte.

Im Glas ein kräftiges, klares Rubin. An der Nase ist der Fremiet zu Beginn verschlossen und lässt die rotfruchtige Seele, die ihm innewohnt nur erahnen. Griotte, Griotte, Griotte... Doch da ist auch eine Floralität die sich durch Veilchennoten akzentuiert. Am Gaumen bekomme ich Gänsehaut - wer erwartet schon von einem Fremiet, dass Samt und Seide luftig leicht durch den Gaumen schweben? Das sich diese Süsse durch prononcierte Frucht ausbreitet - unter wunderbarem Geschmacksdruck?

Und zum Ende am letzten Drittel ist hier dieses spezielle Gefühl, das sich breit macht: Die Textur wird vom Gerüst/der Struktur durchstossen, was mich erstaunt aber nicht stört. Der Wein entwickelt einen leichten, aber wie gesagt nicht störenden, sondern spannenden Grip.

Zu Beginn denke ich, das hat mit der Nähe zu Pommard zu tun, bewegen wir uns doch hier im Grenzgebiet, wo Volnay affirmativer und Pommard (Fremiers) geschmeidiger und luftiger im Ausdruck werden - wenn man sie dazu mit dem vielbeschriebenen Archetypus der jeweiligen Gemeinde in Kontrast setzen möchte. Aber über all dem trohnt das Gefühl dieser unbeschwerten Leichtigkeit und dennoch dieses Geschmacksdrucks, der eben am Schluss noch etwas anhaftend bleibt - jenes Paradox von Kraft und Elegenaz, das eben gelungene Burgunder bieten können. Übergehend in wunderbare Souplesse!

Nach guten zwei Stunden gibt der Fremiet im Zusammenspiel mit der Luft seine Zurückhaltung auf und in Verbindung mit dem Schweinekotelett mit Pilzsauce wird der Wein immer schöner und legt den Grip ab. Die Nase legt an Intensität zu und wird immer vielschichtiger. Der Gaumen gewinnt an Noblesse und das Fleisch lässt erahnen wie sich die perfekte Verbindung von Struktur und Textur in 5-6 Jahren wohl anfühlen wird. Wunderbar geschliffen! Der Wein legt nochmals an Länge zu und bleibt ungemein lange am Gaumen haften - ja, genau so wünsche ich mir Volnay in der Nähe zu Pommard :D

Ein Angervolle, der sich definitiv zu probieren lohnt - jung mit viel Luft oder gereift.
Gruss
Philipp

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dazino
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Re: Burgund 2010

Beitrag von dazino »

Hoi Philipp

Schöne Beschreibung die meine Erinnerung an den genialen Volnay Taillepied 2010 von Angerville wieder ins Gedächtnis rufen den wir zusammen mit Dominik und einigen anderen Pinot-Süchtigen vor wenigen Monaten in einer grossen Pinotrunde probierten. Dies war eines meiner eindrücklichsten Pinot-Erlebnisse und ich hoffe, dass ich die Möglichkeit bekomme die Volnays aus 2010 von Marquis d'Angerville in 10 und mehr Jahren wieder einmal zu probieren oder noch besser, mit guten Freunden zu trinken. :)

Gruss
David
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