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Re: Später-Veit
Verfasst: Di 9. Mär 2021, 00:06
von Kle
Ralf Gundlach hat geschrieben:Sollte dann keine Besserung eintreten....dann wäre das der schlechteste trockene Riesling, den ich in den letzten Jahren getrunken habe
Exakt der Satz, den ich über den Domherr 2016 gedacht hatte. Ich kann hier sowieso viele Eindrücke sehr gut nachvollziehen. Der 17er nun „zurückgekommen“ hinter einen Säurevorhang. Dahinter hat aber jemand noch nicht das Lämpchen ausgemacht.
Gruß, Kle
Re: Später-Veit
Verfasst: Di 9. Mär 2021, 18:22
von Michl
Ralf Gundlach hat geschrieben:79 Punkte.
Ich werde den jetzt mal für 2 Tage wegstellen. Sollte dann keine Besserung eintreten....dann wäre das der schlechteste trockene Riesling, den ich in den letzten Jahren getrunken habe
Ralf, tatsächlich kann ich mich nicht erinnern, dass du jemals so tief gepunktet hast. Ich fand den Wein im Verhältnis zu typischen Gutsrieslingen am ersten Tag etwas schwächer, am 2. Tag jedoch absolut auf Augenhöhe (bei mir sind das immer ca. 85 P ). BIn gespannt, ob sich zu heute etwas getan hat und du den Wein jetzt auch anders wahrnimmst. Ich hatte getsern zum Vergleich noch den Deidesheimer von von Buhl geöffnet (nicht, um stilistisch zu vergleichen

, sondern nur um die Qualität besser verorten zu können. Diesen Ortswein sah ich nur 1-2 P über dem Blauschiefer.
Aber mir scheint, dass einzelne Weine/Sekte des Weingutes einzelne Weinfreunde hier zu extremen Bepunktungen verleiten, woran auch immer das liegen mag...
Re: Später-Veit
Verfasst: Di 9. Mär 2021, 20:49
von EThC
...so, jetzt hab ich auch den ersten "SV" geöffnet! Weiß jemand, wie ein typischer "Domherr" schmeckt?

Re: Später-Veit
Verfasst: Di 9. Mär 2021, 21:23
von amateur des vins
EThC hat geschrieben:...so, jetzt hab ich auch den ersten "SV" geöffnet!
Ach, witzig - den habe ich auch gerade im Glas (als letzten weißen; nur die 12er PN Reserve verbleibt für Freitag):
Später-Veit, Piesporter Domherr Riesling Spätlese Reserve trocken 2016
Goldgelb. Nase mittelintensiv, dicht, reif - etwas weißer Pfirsich und gelber Apfel (wenig); ein Hauch Stein.
Am Gaumen frische, eher milde Säure (aber reichlich davon, wie mein leerer Magen protestierend meldet). Schmeckt irgendwie voll/dicht und doch ein wenig wässrig: Ich glaub ja fast, diese Struktur ist typisch Mosel und der Grund dafür, warum ich mit der Region nicht warm werde.
Abgang garnicht ganz kurz, Tendenz stählern. (Erichs Assoziation "Moos auf Schiefer", erst nach dem Schreiben dieser Zeilen gelesen, paßt besser.)
Ganz ok, aber so garnicht mein Beuteschema. Trotz Säure fehlt hier die aromatische Spannung, wirkt er fast etwas adipös unter dem Säurekleid.
Re: Später-Veit
Verfasst: Di 9. Mär 2021, 21:40
von EThC
amateur des vins hat geschrieben:Ganz ok, aber so garnicht mein Beuteschema. Trotz Säure fehlt hier die aromatische Spannung, wirkt er fast etwas adipös unter dem Säurekleid.
...wir haben irgendwie schon unterschiedliche Wahrnehmungen im Detail (oder beschreiben sie anders), in der Schlußfolgerung sind wir uns aber dann doch recht einig...

Re: Später-Veit
Verfasst: Di 9. Mär 2021, 21:47
von amateur des vins
EThC hat geschrieben:...wir haben irgendwie schon unterschiedliche Wahrnehmungen im Detail (oder beschreiben sie anders), in der Schlußfolgerung sind wir uns aber dann doch recht einig...

Naja, mein aktives Weinvokabular ist schon arg beschränkt. Auf Mirabellen z.B. wäre ich selber nicht gekommen, aber wenn ich es von Dir lese, denke ich: joa, paßt scho. Aber ja, diese Beschränktheit beiseite: Kommt schon gut hin. (Mit Naturweinen tu' ich mich allerdings weiterhin schwer, sobald das über eine Andeutung hinausgeht.)
Mandeln allerdings waren in meinem keine, Zitrone auch nicht.

Re: Später-Veit
Verfasst: Di 9. Mär 2021, 22:04
von EThC
amateur des vins hat geschrieben:Mandeln allerdings waren in meinem keine, Zitrone auch nicht.
...die Mandeln waren auch eher so ein gehauchter Ausdruck der Cremigkeit für mich, Zitrone halt nicht "satt", sondern am ersten Tag eher als japanisches Zitronenkonfekt, am zweiten Tag schon etwas zitrischer, aber mehr von der Aromatik her...
Re: Später-Veit
Verfasst: Di 9. Mär 2021, 22:36
von Moselaner
amateur des vins hat geschrieben:
...Später-Veit, Piesporter Domherr Riesling Spätlese Reserve trocken 2016
Schmeckt irgendwie voll/dicht und doch ein wenig wässrig: Ich glaub ja fast, diese Struktur ist typisch Mosel und der Grund dafür, warum ich mit der Region nicht warm werde.
Hallo Karsten,
unabhängig davon das ich nachvollziehen kann, was du meinst, aber Pauschalaussagen über eine Ganze Weinregion natürlich schwierig sind:
Bezogen auf das ganze Anbaugebiet gibt es dann doch auch Vertreter die üppigere, breitere, etwas barockere Weine produzieren.
Mitte der 2000er waren mit dieser Stilistik Van Volxem bis circa 2009 und Heymann-Löwenstein bis circa 2012 sogar die Advantgarde und es wurde viel darüber gesprochen und die Weine galten als modern und State of the Art. Der Trend änderte sich und somit auch die Stilistik der Weingüter.
Aber auch heute wird man noch fündig:
Markus Molitor ist immer sehr hoch bewertet und macht im Moselkontext ganz schön breite Geschosse.
Direkt in der Nachbarschaft ist Selbach Oster ähnlich unterwegs.
Und selbst an der Saar findest du mit dem Weinhof Herrenberg noch ein Weingut, dass eher barocke Rieslinge erzeugt.
Wenn das deine bevorzugte Stilistik ist, solltest du da vielleicht mal probieren, falls es nochmal Mosel sein soll.
Aber wirklich moseltypisch im klassischem Sinne ist das für mich nur bedingt. Wobei gut ist, was einem schmeckt!
Viele Grüße
Patrick
Re: Später-Veit
Verfasst: Di 9. Mär 2021, 23:01
von Kle
Moselaner hat geschrieben:
Bezogen auf das ganze Anbaugebiet gibt es dann doch auch Vertreter die üppigere, breitere, etwas barockere Weine produzieren.
Mitte der 2000er waren mit dieser Stilistik Van Volxem bis circa 2009 und Heymann-Löwenstein bis circa 2012 sogar die Advantgarde und es wurde viel darüber gesprochen und die Weine galten als modern und State of the Art. Der Trend änderte sich und somit auch die Stilistik der Weingüter.
Allerdings musste ich an das alte Stereotyp denken, dass die Mosel für trockene Weine nicht ideal sei - und auch Heymann-Löwensteins neigte zur Restsüße. Der Domherr 2016 jetzt erinnerte mich an die früher oft etwas versteckt auf Winzerkarten auftauchenden harschen Trockenweine bei deren Genuss ich dachte „Selbst schuld, dass Du die Warnungen ignoriert hast.“ Wobei der Wein hier ja auch deutlich positiver gesehen wird.
Gruß, Kle
Re: Später-Veit
Verfasst: Di 9. Mär 2021, 23:16
von jessesmaria
Moselaner hat geschrieben:
Bezogen auf das ganze Anbaugebiet gibt es dann doch auch Vertreter die üppigere, breitere, etwas barockere Weine produzieren.
Beim Stichwort barock musste ich jetzt auch an Fritz Haag denken, dessen 19er "J" ich neulich geöffnet hatte und mir doch sehr anders vorkam als die trockenen Moselrieslinge, die ich sonst so trinke – eher dicht als zart und mit hintergründiger Frucht.