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Re: Künstler
Verfasst: So 19. Okt 2025, 19:18
von Schönibert
Künstler Flörsheimer Herrnberg 2023
Das ist hier auch grundsolide durch und durch, für ein paar Euro bekommt man sehr gutes Rheingau Riesling Feeling, auch wenn der Wein natürlich vom Main kommt.
Re: Künstler
Verfasst: Mi 22. Okt 2025, 11:38
von joern_ribu
Ich konnte am Freitag auf einer sehr guten Veranstaltung des Weinguts Dr. Heger einige Weine des Weinguts Künstler verkosten, die bei dieser Veranstaltung als Gast-Weingut dabei waren. Insgesamt war ich von der Künstler-Kollektion sehr positiv beeindruckt. Ein Grund mehr für mich, nicht nur westlich in die Pflaz zu schauen sondern auch mal etwas weiter nördlich in den Rheingau.
Wir begannen mit dem 2022 Assmannshäuser Rosé Sekt Brut Nature. Bis dahin wusste ich gar nicht, dass Künstlers auch Parzellen in Assmannshausen haben, die Dame des Hauses meinte auch, dass sei immer ein ganz schöner Weg bis dahin. Der Sekt jedenfalls war mehr als ordentlich, guter Einstieg in die Kollektion - und später sollte sich noch zeigen, wie gut es ist, dass der Winzer den Weg durch den Rheingau nach Assmannshausen auf sich nimmt. Der 2024 Sauvignon Blanc "Kalkstein" trocken setzte mir dann zu sehr auf die Stachelbeere, das mag ich persönlich einfach nicht. Für andere mag genau das der Grund sein, diesen Wein gut zu finden. Ganz genau mein Ding war dann aber der 2023 Chardonnay "Im Falkenberg" trocken, meine Frau kommentierte nur "saulecker". Der beste Chardonnay des Nachmittags. Gehaltvoll, kreidig, mit ganz viel Schmelz, feine Säure, das Holz vom jungen Barrique gut eingebunden, die Gerbstoffe geben Griff und Struktur, der Wein hat ordentlich Länge. Wein-plus hat ihn bei 89 Punkten, ich würde ihn deutlich höher ansiedeln (93+), aber Hofschuster ist ja generell nicht so freigiebig mit seinen Punkten.
Dann ging's zu den Rieslingen. Schon der einfache 2024 Riesling trocken ließ erkennen, dass ein Rheingauer-Riesling einfach was anderes ist als die vorher verkosteten vom Kaiserstuhl. Absolute Sortentypiztät, frische Säure, guter Körper, frische Säure, aber nicht zu spitz, sondern trinkig, sehr guter Basis-Riesling. Danach dann für mich der Preis-Leistungs-Sieger des Nachmittags: 2024 Flörsheimer Herrnberg Erste Lage Riesling trocken. Für nur 15,00 € bekommt man hier alles, was für mich einen gelungenen Riesling ausmacht. Gelbe Früchte in der Nase (Pfirsich, Aprikose) ausgewogenes Frucht-Säure-Spiel am Gaumen (mehr Apfel als in der Nase), schöne Mineralität. Alles passt zusammen, verspielt, lebendig, animierend.
Fast gleichauf der 2024 Hochheimer Hölle "Im Neuenberg" Riesling tocken. Kostet 16,50€ und bietet genauso hochwertigen Trinkspaß wie der Flörsheimer Herrnberg. Insgesamt ist er etwas leiser, feiner. Wahrscheinlich eher etwas für die längere Strecke, im Moment hat für mich der Herrnberg ganz knapp die Nase vorn. Wenn mein Keller nicht gerade sehr voll wäre, würde ich je 6 Flaschen von beiden nehmen.
Dann zum Abschluß noch das absolute Aushängeschild des Weinguts probiert, den 2021 Hochheimer Kirchenstück Riesling GG. Wow. Großartiger Riesling. Da war Power, Intensität, Länge, Fülle - das ganze Paket. Strohgelb im Glas, in der Nase komplexes Potpurri aus Pfirsich, Birne, Kräuter, etwas Tee(?). Im Mund dann wieder lebendige Säure, von Reife noch keine Spur, ich schmecke Ananas, Aprikose, Zirtusfrüchte und viel Mineralik, nasser Stein, Salz. Langer Abgang.
Künstler hatte auch drei Rotweine im Gepäck, mit denen er durchaus zeigen konnte, dass man auch nördlich Badens damit umzugehen versteht. Der Gutswein 2023 Spätburgunder Tradition trocken ist ein guter Basiswein für den Alltag, den kann man sich sogar leicht gekühlt (ca. 14 Grad) sehr gut vorstellen, (nicht nur) im Sommer zu leichter Küche. Der 2023 Hochheimer Stein Spätburgunder Erste Lage trocken war dann aus meiner Sicht nicht Fisch noch Fleisch. Für den Alltag für mich zu teuer (30,50 €), für richtig anspruchsvoll dann nicht dicht und komplex genug, so irgendwie in der Mitte halt.
Richtig groß dagegen dann der 2020 Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder GG. Nicht von ungefähr eine der Renommier-Lagen deutschen Spätburgunders, und Künstler zeigt was man daraus machen kann. Tief und komplex in der Nase, würzig und fleischig, mit dominanten Aromen von schwarzen Beeren und Cassis. Samtige Tannine, kraftvoll und seidige Textur, Kräuterwürze, enorme Konzentration, mineralisch mit einem sehr langen Abgang. Löst klaren "Haben wollen"-Reflex aus.
Re: Künstler
Verfasst: So 16. Nov 2025, 21:49
von Nora
Hölle GG 2019
Reife, volle Nase, ganz leicht ins Exotische gehend, dann kalkig, mineralisch, rauchig mit dunkler Würze und Kräutern (Rosmarin, Minze).
Am reichhaltigen Gaumen ein energiegeladener und kräftiger Antrunk; reife, aber nicht überreife gelbe Frucht; schöne Cremigkeit, die aber sofort von einer kräftigen, dabei runden Säure unterlegt wird. Der Mund wird komplett ausgefüllt, die Aromen explodieren geradezu. Dann wieder etwas Dunkelwürziges und eine subtile Kräuterbitternote im anhaltenden Abgang.
So stelle ich mir einen Rheingauer Riesling vor. Sehr gut gelungen!
VG Nora
Re: Künstler
Verfasst: Sa 6. Dez 2025, 14:42
von Schönibert
2024 Künstler Flörsheimer Herrenberg Erste Lage
Wirklich auffällig schön im Sinne von aufwändig und haptisch gut gemachtes Etikett, hochwertiges Papier und spürbare/fühlbare Schrift und Wappen.
In der Nase pur, steinig, Antritt mit guter Säure, Zitrusfrüchte, Clementinenschale, wirklich ordentlich auf der Säure aber der Wein gleicht das aus durch eine orangene Fruchtsüße. Etwas eindimensional süß-sauer das ganze ohne viel dazwischen zum jetzigen Zeitpunkt.
Nach ner Zeit und mit etwas Luft baut sich dann doch auch Körper auf.
Erstmal weglegen mindestens ein Jahr.
Re: Künstler
Verfasst: Mi 24. Dez 2025, 12:52
von Schönibert
2022 Künstler Flörsheimer Herrnberg Erste Lage
Der ist weiterhin frisch am Start, Zitronenschale und mit leicht salzigem Antritt, kommen dann aus der Tiefe des Raumes erste Anklänge von Reife, die aber wirklich gut im Zaum gehalten werden durch frische Säure. Alt ist hier gar nichts. Aber der Wein passt jetzt besser auch mal in den Winter als noch vor zwei Jahren. In der Länge latent adstringierend.
Re: Künstler
Verfasst: So 18. Jan 2026, 16:56
von Schönibert
2022 Künstler Hochheimer Hölle im Neuenberg
Der ist jetzt genau richtig. Schöne, ins Messing gehende Farbe. Von Beginn an voll da und richtig rund. In der Nase wird das langsam reif im Sinne von erhaben oder angekommen und auch ansonsten ist der Wein jetzt total ausgewogen. Da passt alles zusammen, insbesondere die weiterhin erfrischende, aber nicht stressende Säure leistet hier einen guten Beitrag. Vielleicht nicht mehr so scharf wie die letzten Flaschen, wobei mir dies ganz gut gefiel. Dazu Weinbergpfirsich und körperreicher werdend, sowie mit einer nicht übertriebenen aber guten Länge.
Re: Künstler
Verfasst: Mi 25. Feb 2026, 22:29
von joern_ribu
Macht heute Abend richtig Spaß:
2020 Künstler Hochheimer Stielweg Riesling Alte Reben trocken
intensives goldgelb im Glas, in der Nase dann reife gelbe Früchte, dazu kommen exotische Aromen (Ananas?) und viel zitrische Eindrücke. Macht Lust auf den ersten Schluck. Am Gaumen manifestiert sich ein gut entwickelter, momentan in einem tollen Reifestadium befindlicher Riesling (keine Alterstöne, einfach momentan "on point", wird sich aber noch über etliche Jahre entwickeln). Viel Zug und gut ausbalancierte Säure, die im Gleichgewicht gehalten wird durch würzige Noten und die schon in der Nase deutlich definierten Fruchtaromen (Aprikose, Pfirsich, Zitrusfrüchte). Vielschichtiger Körper, Mineralik und Frucht dicht verwoben, man spürt Kraft, Spannung, Finesse, alles zugleich. Sehr langer Nachhall, bleibt dabei animierend und frisch. Für mich ein Parade-Riesling, ausgewiesenen "Steinlutschern" mag er zu opulent sein, aber mich begeistert die Fülle und Kraft, die Künstler meisterhaft gebändigt auf die Flasche bekommt. Lasse mich zu 94 P. hinreissen, gefällt mir einfach richtig, richtig gut.
Der Riesling aus der "Ersten Lage" Stielweg stammt von über 50-jährigen Reben. Sie stehen auf lehmig-tonigen Böden, die dem Wein die typische Kraft und Fülle verleihen. Der geringe Kalkgehalt des Bodens, verbunden mit einem erhöhten Sandanteil des angeschwemmten Lößlehms, verleiht dem Wein laut Künstler die feine Lebendigkeit gepaart mit einer angenehm frischen Säure. Den 2024er gibt es für 21,00 € ab Weingut, das halte ich für ein sehr faires PGV.