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Re: Winzer und ihre Preislisten im Netz

Verfasst: So 2. Jul 2017, 17:00
von weingeist
OsCor hat geschrieben:Ich habe ihm schon mal gesagt: „Wenn dein Wein so gut wäre wie dein Marketing, würde ich einen Kredit aufnehmen, um dich leerzukaufen!”
....und der redet noch immer mit Dir? :lol:
OsCor hat geschrieben:Dem muss ich auch noch stecken, dass in eine gute Preisliste - meiner Meinung nach - auch Angaben zu Alkoholgehalt, Restzucker und Säure gehören.
Da fällt mir ein: Kann es sein, dass solche Angaben auch deshalb nicht in eine Preisliste aufgenommen werden, weil sie zu Fehlinterpretationen führen können? Gruß Oswald
Welche Fehlinterpretationen? Glaube ich nicht. Der Aufwand wird für den Winzer mit jeder zusätzlichen Info halt einfach immer höher. Zuerst die Preise ;) und jetzt willst Du auch noch die analytischen Werte. D. h. aber auch, dass der Winzer wirklich jedes Jahr (und auch unter dem Jahr, wenn ein Wein später auf den Markt kommt) in die Homepage eingreifen musst.

Re: Winzer und ihre Preislisten im Netz

Verfasst: So 2. Jul 2017, 17:50
von Bernd Schulz
weingeist hat geschrieben:Manche Weinbauern dürften trotzdem aber noch immer mehr Weinbauern (nicht abwertend gemeint!) als Marketingspezialisten sein.
Lieber Weingeist, das Thema dieses Threads hat meines Erachtens überhaupt nichts mit Fähigkeiten in Sachen "Marketing" zu tun! Dass es für die meisten Kunden eine überaus wichtige Information ist, was die angebotenen Produkte kosten, dürfte auch für jeden Bauern direkt auf der Hand liegen. Um das zu wissen, muss man beileibe kein Marketingspezialist sein.

Herzliche Grüße

Bernd

Re: Winzer und ihre Preislisten im Netz

Verfasst: So 2. Jul 2017, 17:52
von OsCor
weingeist hat geschrieben:....und der redet noch immer mit Dir? :lol:
Naja, ich trinke ja auch seinen Wein… :D
und jetzt willst Du auch noch die analytischen Werte.
Eine meiner Kusinen hat in ein Weingut eingeheiratet, das auch meine paar kleinen Rebstücke bewirtschaftet. Für den Besitzer sind das seit langem selbstverständliche Angaben - und der bietet fast nur Qualitätsweine an.
Kann sein, dass ich da völlig falsch liege in euren Augen, aber für mich sind solche Angaben absolut wünschenswert - erst recht bei Weingütern mit (sehr) hohem Anspruch. Dass solche Angaben nicht absolut zu nehmen sind, weiß ich inzwischen auch.

Edit wegen Bernds zwischenzeitlichem Posting: Ich würde als Erweiterung des Fadenthemas inzwischen die Frage stellen, ob nach eurem Dafürhalten analytische Angaben zu den Weinen in einer Preisliste relevant wären.

Gruß
Oswald

Re: Winzer und ihre Preislisten im Netz

Verfasst: So 2. Jul 2017, 18:41
von Bernd Schulz
OsCor hat geschrieben:Ich würde als Erweiterung des Fadenthemas inzwischen die Frage stellen, ob nach eurem Dafürhalten analytische Angaben zu den Weinen in einer Preisliste relevant wären.
Ehrlich gesagt ist mir die Erfahrbarkeit der Preise deutlich wichtiger, aber trotzdem würde ich deine Frage mit einem "Ja" beantworten, wenn es um Alkohol, Restzucker und Säure geht. Jedenfalls wäre die Angabe dieser Werte für mich deutlich relevanter als das Erscheinen einer Unzahl von Fotos in Kombination mit dem üblichen nichtssagenden Geschwafel über die Betriebsphilosophie (wobei ich es durchaus nicht falsch finde, wenn der Winzer etwas über sich und seine eigene Perspektive auf die Weinbergsarbeit und Weinbereitung erzählt, sobald dies über die leider in den meisten Fällen vozufindenden Phrasendrescherei hinausgeht).

Eine Website muss, wenn man sie denn überhaupt betreibt, für meine Begriffe möglichst viele vernünftige Informationen enthalten. Zu deren Gunsten kann man sich dann diversen Schmonzes schenken.

Herzliche Grüße

Bernd

Re: Winzer und ihre Preislisten im Netz

Verfasst: So 2. Jul 2017, 19:11
von EThC
OsCor hat geschrieben:Da fällt mir ein: Kann es sein, dass solche Angaben auch deshalb nicht in eine Preisliste aufgenommen werden, weil sie zu Fehlinterpretationen führen können?
Ob ein Winzer soweit denkt, daß er deswegen die Analysen nicht veröffentlicht, weiß ich nicht, aber ich denke, man sollte sich davor hüten, den Daten zu viel Aussagekraft zuzuschreiben; zumindest sollte man nicht davon ausgehen, daß diese exakt einen Geschmackstypus abbilden können. Gerade was das Süße-Säure-Spiel angeht, laufen z.B. das isolierte Angeben von RZ und Säure nach meiner Erfahrung total ins Leere, denn z.B. der Extrakt spielt da auch eine ganz entscheidende Rolle mit. Und damit wären wir dann schon bei der Frage, wo man dann sinnvollerweise aufhört mit der Datenflut.
Wenn ich zwei Weine geschmacklich gegeneinander verglichen habe, DANN ist es manchmal ganz interessant, wieviel von was in den Weinen drin ist bzw. war. Aber eine pro und contra Kaufentscheidung würde ich rein aus den abgedruckten Analysewerten wohl kaum treffen wollen.
weingeist hat geschrieben:D. h. aber auch, dass der Winzer wirklich jedes Jahr (und auch unter dem Jahr, wenn ein Wein später auf den Markt kommt) in die Homepage eingreifen musst.
Wenn die das alle gemeinsam erst mal geübt haben, dann könnten sie ja auch in letzter Konsequenz -wie unsere deutschen Tankstellenbetreiber auch- irgendwann mal aktuelle Tages- oder gar Stundenpreise im Netz generieren. Damit dann die Konsumentenseite durch aufwendige Beobachtungen herausfinden kann, daß die Weine Donnerstags abends meist am günstigsten sind. Gilt natürlich nur für Rheinhessen und Franken, an der Ahr dagegen kauft man am besten am Dienstag nachmittags... :D

Re: Winzer und ihre Preislisten im Netz

Verfasst: So 2. Jul 2017, 19:31
von Bernd Schulz
EThC hat geschrieben:aber ich denke, man sollte sich davor hüten, den Daten zu viel Aussagekraft zuzuschreiben; zumindest sollte man nicht davon ausgehen, daß diese exakt einen Geschmackstypus abbilden können.
Natürlich bilden die reinen Daten einen Geschmackstypus nicht exakt ab. Aber in diversen Fällen bieten sie mir trotzdem eine erste grobe Orientierung. Wenn ich z.b. auf einen trockenen Riesling mit 13,5% Alkohol, 8 Gramm Restzucker und 5,5 Gramm Säure stoße, kann ich vorläufig davon ausgehen, dass dieser Wein nicht so mein Fall ist.
EThC hat geschrieben:Aber eine pro und contra Kaufentscheidung würde ich rein aus den abgedruckten Analysewerten wohl kaum treffen wollen.
Das kommt ganz auf die Analysedaten und die Situation an. Manchmal bestelle ich aus Neugier Weine von Winzern, die mir bislang nicht bekannt waren - und da kann ich anhand der Analysewerte schon besser als anhand blumiger Beschreibungen entscheiden, welche Weine ich odere und welche Weine ich auslasse.

Wenn ich beim Winzer sitze und probiere, brauche ich auch keine RZ- und Säurewerte (Alkoholangaben aber schon!). Da verlasse ich mich so wie du lieber auf meine Zunge als auf nackten Zahlen. Aber bei Online-Bestellungen.....

Herzliche Grüße

Bernd

Re: Winzer und ihre Preislisten im Netz

Verfasst: Mo 3. Jul 2017, 07:22
von Gerald
Hallo,

da muss ich mich natürlich auch noch zu Wort melden. ;) Meiner Meinung nach gibt es zwei Hauptgründe für die Eingangsfrage:

a) wie schon oft erwähnt, ist das Aktualisieren der Website für viele Winzer einfach zu kompliziert und/oder zeitaufwändig. Oft wurde die Website von der Agentur einmalig eingerichtet (im Burgenland teilweise sogar seinerzeit mit EU-Förderung), das laufende Update wird dann aber vom Kunden (= Weingut) erledigt und oft vernachlässigt. Das sieht man nicht nur bei den fehlenden Preislisten, sondern auch daran, dass häufig ältere, schon lange nicht mehr verfügbare Weine angezeigt werden. Wobei mich das gerade bei jüngeren Winzern schon wundert, denn für sie sollte die Aktualisierung einer Website ja wirklich kein Buch mit sieben Siegeln sein (was bei dem 75-jährigen Nebenerwerbswinzer vielleicht noch als Argument durchgeht).

b) die Angst, mit Angabe der Preise öffentlich im Netz eventuell die Vertriebspartner zu verärgern, die den Wein möglicherweise einen Euro teurer oder so anbieten. Oder umgekehrt diesen derartige Rabatte gewähren zu müssen, damit sie auch zum Ab-Hof-Preis verkaufen können.

Grüße,
Gerald

Re: Winzer und ihre Preislisten im Netz

Verfasst: Mo 3. Jul 2017, 09:08
von EThC
Bernd Schulz hat geschrieben:Das kommt ganz auf die Analysedaten und die Situation an. Manchmal bestelle ich aus Neugier Weine von Winzern, die mir bislang nicht bekannt waren - und da kann ich anhand der Analysewerte schon besser als anhand blumiger Beschreibungen entscheiden, welche Weine ich odere und welche Weine ich auslasse.
Das ist für mich durchaus nachvollziehbar und wenn mir eine Analyse wie
Bernd Schulz hat geschrieben:13,5% Alkohol, 8 Gramm Restzucker und 5,5 Gramm Säure
unterkäme, wäre das für mich auch schon eher ein Ausschlußkriterium, wenn ich sonst nichts von dem Wein oder dem Weingut weiß.

Ich kann mich allerdings nicht erinnern, selbst schon jemals bei einer Online-Bestellung die Analysewerte positiv oder negativ berücksichtigt zu haben. Allerdings bestelle ich auch praktisch nie, ohne daß ich ein paar andere Informationen über den Wein und / oder das Gut habe. Entweder kenne ich den Wein oder das Gut schon selbst oder ich habe was darüber von Leuten gelesen, von denen ich weiß oder zumindest stark vermute, daß sie geschmackstechnisch ähnlich ticken wie ich.

Re: Winzer und ihre Preislisten im Netz

Verfasst: Mo 3. Jul 2017, 10:00
von OsCor
Gerald hat geschrieben:b) die Angst, mit Angabe der Preise öffentlich im Netz eventuell die Vertriebspartner zu verärgern, die den Wein möglicherweise einen Euro teurer oder so anbieten. Oder umgekehrt diesen derartige Rabatte gewähren zu müssen, damit sie auch zum Ab-Hof-Preis verkaufen können.
Das klingt für mich stichhaltig. Allerdings habe ich keinen blassen Schimmer, was das Kaufverhalten von Privatkunden angeht.

Es sind einige wirklich nachvollziehbare Argumente dargestellt worden, warum der eine oder andere keine Preisliste online stellt. In Zeiten der weltweiten Verfügbarkeit von allem und jedem (ja, außer Bordeaux halt :lol: ) erscheint mir das Nichtvorhandensein einer Preisliste im Netz ein Anachronismus zu sein.

Gruß
Oswald

Re: Winzer und ihre Preislisten im Netz

Verfasst: Mo 3. Jul 2017, 10:02
von Bernd Schulz
EThC hat geschrieben: Allerdings bestelle ich auch praktisch nie, ohne daß ich ein paar andere Informationen über den Wein und / oder das Gut habe. Entweder kenne ich den Wein oder das Gut schon selbst oder ich habe was darüber von Leuten gelesen, von denen ich weiß oder zumindest stark vermute, daß sie geschmackstechnisch ähnlich ticken wie ich.
Wenn ich ehrlich bin, verhält sich das bei mir nicht anders. So wichtig sind mir - wie oben bereits gesagt - die Analysedaten zu den einzelnen Weinen auch nicht. Aber ich finde sie im Zweifelsfall immer noch interessanter als die Tatsache, dass der Winzer gerne in den Himmel schaut oder dass sein Urgroßvater den Vornamen Hugo hatte....

Ein wunderbares Beispiel dafür, wie eine Winzerhomepage auf keinen Fall aussehen sollte, ist für mich die Seite von Battenfeld-Spanier (wobei ich die Weine von Hans Oliver Spanier zum Großteil für hervorragend halte): http://www.battenfeld-spanier.de/battenfeld/

Die Seite ist prall mit irgendwelchem Edelquatsch gefüllt, aber fast alle wirklich relevanten Informationen fehlen. So bitte nicht! :x

Beste Grüße

Bernd