+ 1.000Ollie hat geschrieben:...denn Frucht ist fuer Anfaenger. Entsprechend werden Weine, die diesem Geschmacksbild nicht entsprechen, gerne als "Fruchtkorb", "fuer Anfaenger" usw. denunziert, waehrend "Steinweine" mit "fuer fortgeschrittene Kenner" tituliert (und auch so wahrgenommen) werden.
Im Ernst: Da waechst eine Winzergeneration heran, die alles tut, um die "Mineraelitaet" im Wein zu forcieren (faktisch also die Frucht zu unterdruecken, soweit die Kellerwirtschaft nur eben traegt). Dass ich selber gerne wirklich trockene Weine trinke, haelt mich nicht davon ab, diese Mode - und den ganzen "Kalkkult", von dem dieser Drang zur Unfrucht ruehrt - unglaublich laecherlich zu finden.
Bei Rotweinen ist es uebrigens auch so, dass neuerdings kein Wein "karg" und "mineralisch" genug sein kann, wenn man die Beschreibungen liest und in die Jubelarien reinhoert. Boooooring.
Diese Überhöhung des eigenen Geschmacks als "für Fortgeschrittene", "intellektuell", "nichts für Gelbfruchttrinker", etc. geht mir auch sowas von auf den Sack. Und Säure als Qualitätsmerkmal per se halte ich für vollständig verfehlt. In letzter Zeit ist es häufiger vorgekommen, dass in größerer Runde einzelne Leute (vor allem Hardcore-Rieslingtrinker) sagten, ihnen fehle die Säure und deshalb sei der Wein nix. Und das bei Weinen, die sich gar nicht durch eine hohe Säure auszeichnen sollen (z.B. Pinot Gris, Gewürztraminer). Boshaft könnte man sagen, dass Säure genauso ein "Tick the Box" Faktor für bestimmte Weintrinker ist wie gelbe Frucht im "Riesling für Anfänger". Ich bin echt froh, wenn diese "Battery Acid / Brut Nature / Weißwein-Austeritätspolitik" bald wieder abebbt.