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Re: Pigott und Theise zu trockenem Riesling
Verfasst: Do 19. Sep 2013, 13:34
von MichaelWagner
naja, wenn ein Großteil der deutschen Weinwirtschaft (Winzer, Weintrinker und Medien) etwas mehr "**** in der Hose hätte" und sich weniger dem sogenannetn Trend als Ihrer eigenen Meinung verpflichten würden, dann hätten sie sowohl eine gestiegene Nachfrage, als auch ein konsequent folgendes größeres Angebot...denn die Qualität - besonders restsüßer Rieslinge - steht außer Frage. Aber auf der anderen Seite ist es natürlich auch viel einfacher einen trockenen Wein zu produzieren (Süßreserve lassen wir jetzt mal aussen vor...). Und man müsste diese Weine dann auch nicht heimlich im stillen Kämmerlein trinken
In meinem Bekanntenkreis sagt das, wenn ich die hier im Forum ebenfalls anwesenden Weinverrückten abziehe, überhaupt niemand. Alle trinken auschließlich "trrrrocken" (bzw. glauben, sie täten das ) , weil restsüßer Wein nach wie vor als Unding gilt.
tja Bernd. Wie Du sagst "zumindest glauben sie das". Ich habe die letzten Jahre einiges an trockenen Weinen getrunken (trocken laut Etikett) die dieses Kriterium von der Restsüße her garantiert nicht erfüllen...nicht falsch verstehen, mich stört das nicht einmal, weil vielen Weinen auch einfach über 10 g RZ besser stehen und mir Etiketten relativ egal sind. Aber das heisst ja heute auch "modern trocken" und nicht "trocken"
@Harti: der Großteil der Cabernets und Chardonnays sind - wenn man das deutsche Weingesetz als Messlatte anlegt - weit davon entfernt trocken zu sein.
Re: Pigott und Theise zu trockenem Riesling
Verfasst: Do 19. Sep 2013, 13:42
von sorgenbrecher
MichaelWagner hat geschrieben:
@Harti: der Großteil der Cabernets und Chardonnays sind - wenn man das deutsche Weingesetz als Messlatte anlegt - weit davon entfernt trocken zu sein.
michael, auch wenn ich in vielen punkten deinen anderen in diesem thread vertretenen thesen zustimme, aber das ist dann doch unsinn. unter berücksichtigung des deutschen weingesetzes sind aber ganz sicher fast alle der cabernets und chardonnays trocken.
Re: Pigott und Theise zu trockenem Riesling
Verfasst: Do 19. Sep 2013, 13:45
von MichaelWagner
Marko, gib mir 2 konkrete Beispiele, ich bestells und brings ins Labor, kein Scherz!
Re: Pigott und Theise zu trockenem Riesling
Verfasst: Do 19. Sep 2013, 13:56
von sorgenbrecher
im mittelklassebereich: heitz cabernet sauvignon und chardonnay oder einen beliebigen reinsortigen cabernet oder chardonnay von mondavi (da darf es ruhig auch die billigklasse 'woodbridge by robert mondavi' sein, die dürfte es so um die € 5,- im supermarkt geben)
Re: Pigott und Theise zu trockenem Riesling
Verfasst: Do 19. Sep 2013, 13:56
von harti
Glauben wir mal, was Gallo, einer der großen Massenhersteller, über die analytischen Werte seiner aktuellen Weine schreibt:
http://www.gallo.de/index.php
Chardonnay: 4,4 g S, 6,5 g Z (also 0,1 g Z über trocken)
Cabernet: 4,7 g S., 5,3 g Z (= trocken)
Sauvignon Blanc: 6,7/1,5 (= trocken)
Merlot: 4,5/4,8 (= trocken)
Zinfandel: 5,2/5,2 (= trocken)
Pinot Grigio: 5,9/7,9 (= trocken)
Grüße
Hartmut
Re: Pigott und Theise zu trockenem Riesling
Verfasst: Do 19. Sep 2013, 14:04
von octopussy
Bernd Schulz hat geschrieben:In meinem Bekanntenkreis sagt das, wenn ich die hier im Forum ebenfalls anwesenden Weinverrückten abziehe,
überhaupt niemand. Alle trinken auschließlich "trrrrocken" (bzw. glauben, sie täten das

) , weil restsüßer Wein nach wie vor als Unding gilt.
In meinem (leider) auch. Auf der anderen Seite habe ich gelernt (ja, das musste ich lernen), dass ich die Trockentrinker mit dem richtigen Essen jedenfalls für feinherbe Rieslinge, aber auch für restsüße oder edelsüße Rieslinge ködern kann. Meine eigene bessere Hälfte ist ein Beispiel. Am vergangenen Sonntag habe ich eine halbe Flasche Grünhäuser Herrenberg Auslese auf den Tisch gestellt. Zuerst wurde sich über das Etikett mokiert (was ist DAS denn?), dann über die Farbe im Glas. Aber als ich meinte: "probier den mal mit dem Träubleskuchen", durfte ich ihr anschließend gleich ein Glas einschenken. Wenn ich Freunde zum Essen einlade, gibt es gerne einen halbtrockenen oder feinherben Riesling zum Essen. Aber dann bemühe ich mich, etwas zuzubereiten, zu dem die Restsüße nicht weiter auffällt (z.B. leicht scharfes Essen, eher salzige Käse wie z.B. ältere Schweizer Bergkäse oder Parmesan, Meeresfrüchte, Pacific-Rim-Küche, usw.). Da beschwert sich nie jemand, im Gegenteil.
Mir fällt auch auf, dass in Restaurants immer häufiger feinherbe Rieslinge ausgeschenkt werden. Nur, und das konzediere ich, haben die restsüßen Kabinette, Spätlesen und Auslesen einen schweren Stand. Das kann ich aber wiederum verstehen. Spätlesen und Auslesen sind für mich eher Dessertweine, Kabinett der klassische Apéritif. Und als Apéritif ist heute m.E. häufig eher Sekt/Cava/Champagner/Cremant gefragt. Außer in diesen Einsatzbereichen finde ich die wirklich restsüßen (also süßer als halbtrocken/feinherb) Rieslinge nicht so leicht zum Essen einsetzbar. Und zum einfach so trinken ist dann doch meist ein trockener Wein gefragt (oder ein Rotwein).
Re: Pigott und Theise zu trockenem Riesling
Verfasst: Do 19. Sep 2013, 14:34
von MichaelWagner
Marko,
da ich für die Analyse nur einen Schluck brauche und den Rest gerne geniessen würde, bitte nix Gallo, Mondavi-Supermarktgedöne
welcher ist Dein Lieblingschardonnay/Cabernet? Und wo bekomme ich den?
gruß, Michael
Re: Pigott und Theise zu trockenem Riesling
Verfasst: Do 19. Sep 2013, 14:55
von octopussy
harti hat geschrieben:Chardonnay: 4,4 g S, 6,5 g Z (also 0,1 g Z über trocken)
Cabernet: 4,7 g S., 5,3 g Z (= trocken)
Sauvignon Blanc: 6,7/1,5 (= trocken)
Merlot: 4,5/4,8 (= trocken)
Zinfandel: 5,2/5,2 (= trocken)
Pinot Grigio: 5,9/7,9 (= trocken)
Hallo Hartmut,
was man bei diesen Analysewerten nicht außer acht lassen darf, ist, dass die angegeben Rz-Werte für die entsprechenden Rebsortenweine schon recht hoch sind. Ich meine, dass man z.B. im Burgund gar nicht den AOC Statuten entspricht, wenn der Rz über 4 g/l liegt. Und Chardonnay mit Restzucker schmeckt für meinen Gaumen viel süßer als Riesling mit Restzucker (wegen der niedrigeren Säure). Dasselbe gilt für die Rotweine. Insofern sind diese Zahlen zwar Belege dafür, dass alle Weine nach deutschem Weinrecht trocken wären. Sie dürften aber nicht sonderlich trocken schmecken (habe schon lange keinen Gallo Wein mehr getrunken

).
Re: Pigott und Theise zu trockenem Riesling
Verfasst: Do 19. Sep 2013, 15:20
von Bernd Schulz
Hallo Stephan,
Auf der anderen Seite habe ich gelernt (ja, das musste ich lernen), dass ich die Trockentrinker mit dem richtigen Essen jedenfalls für feinherbe Rieslinge, aber auch für restsüße oder edelsüße Rieslinge ködern kann.
Ja, ich hatte auch schon einige missionarische Augenblickserfolge. Nachhaltig waren sie aber nicht: Die Leute finden den betreffenden restsüßen Wein sehr lecker und wundern sich, wie gut er zu einem bestimmten Essen passt, aber beim ihrem nächsten eigenen Einkauf muss unbedingt wieder "trocken" auf dem Etikett stehen. Die Neurose sitzt einfach schon zu tief!
Ich lebe in einer Stadt mit 240000 Einwohnern und der entsprechenden Anzahl von Weinhandlungen (7-8 sind es bestimmt, eher noch mehr). Komm mal hierher und versuche, einen guten restsüßen Riesling Kabinett zu erstehen! Einen findest du vielleicht, vielleicht in einem weiteren Laden noch einen zweiten, aber dann wird es schon arg eng! Die Sachen werden nicht angeboten, weil sie nicht gekauft werden!
Herzliche Grüße
Bernd
Re: Pigott und Theise zu trockenem Riesling
Verfasst: Do 19. Sep 2013, 16:21
von harti
Hallo Stephan,
klar, ein Chardonnay mit über 6 g Zucker ist sensorisch möglicherweise nicht mehr als trocken zu bezeichnen. Es ging mir eigentlich nur um die Behauptung von Michael, die US-Cabernets und Chardonnays seien generell weinrechtlich nicht als trocken zu bezeichnen. Die Gallo-Weine sind hierfür m.E. ein guter Gegenbeweis, weil die höherwertigeren Weine für eine andere Zielgruppe bestimmt sind und wohl kaum mit Zucker auf vollmundig getrimmt werden.
Aber vielleicht findet Michael ja Weine, die seine Hypothese stützen. Ich schlage für den Test einen Wein vor, den ich kürzlich gekauft habe, von dem ich aber noch keine analytischen Werte kenne:
Ridge Estate Cabernet Sauvignon 2008
Grüße
Hartmut