Wein aus "Geiz-Trieben"

Was Sie schon immer über Wein wissen wollten, aber nie zu fragen wagten
C9dP
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Re: Wein aus "Geiz-Trieben"

Beitrag von C9dP »

Wenn ich es richtig verstanden habe, hat Armin ja auch nie behauptet, dass Ziereisen in jedem Jahr die Triebe hängen lässt sondern das es sich um einen Versuch handelte, der eben nicht gescheitert ist. Und wenn Sabine der Wein geschmeckt hat, dann ist es doch erstmal interessant. Scheinbar vor allem nicht ausgeschlossen und "absoluter Mist".
Viele Grüße

Aloys
MichaelWagner
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Re: Wein aus "Geiz-Trieben"

Beitrag von MichaelWagner »

ich halte mich ab jetzt bedeckt - mit der gewissheit schon mehr Geiztrauben gesehen zu haben als mir lieb ist und in der Freude keinen Wein daraus gemacht zu haben. Und vielleicht will Bernhard sich nochmal dazu äußern oder auch nicht.
wenns läuft, dann läufts. Aber bis es läuft, dauerts...
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susa
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Re: Wein aus "Geiz-Trieben"

Beitrag von susa »

Nur der Vollständigkeit halber, lieber Bernhard, ich meinte den ersten Artikel. Dein Ärger war so bildhaft, das ist mir in Erinnerung geblieben. Das mit der Zeitungsente ist damals an mir vorbeigegangen, köstlich ;).

Aber, wieso in Jahren früher Reife bei entsprechendem Wetterverlauf nicht auch mal durchaus brauchbares Material entstehen kann, versteh ich als Laiin natürlich nicht. ;)

lg
s
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Alas
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Re: Wein aus "Geiz-Trieben"

Beitrag von Alas »

Hallo!

Warum heißt das eigentlich Geiz-Triebe, bzw. Geiz-Trauben?

Fragender

Alas
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Blaufränkisch
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Re: Wein aus "Geiz-Trieben"

Beitrag von Blaufränkisch »

Warum die Seitentriebe der Hauptreben Geiztriebe heißen, weiß ich leider auch nicht.

Was Michaels Aussage betrifft, die Geiztrauben würden (fast) immer vollständig entfernt, so würde ich aus meiner Erfahrung heraus dezent widersprechen wollen. Dort wo vergleichsweise viele "richtige" Trauben an den Stöcken hängen und in Relation ziemlich wenige Geiztrauben werden sie wohl sehr oft (auch bei uns) nicht entfernt sondern einfach bei der Ernte nicht beachtet. Schließlich ist das Entfernen auch ein ziemlicher Arbeitsaufwand, der sich gerade in Weingärten mit höherem Ertrag (=Weine der unteren Preisklassen) nicht wirklich lohnt. In sehr frühreifen Jahren (die meist etwas überreif und säurearm sind) gibt es bei uns sogar beim Weißwein (und nur dort) die Order an die Lesehelfer, die Geiztrauben zu den "richtigen" Trauben dazuzuernten (wobei das wohl eher einen psychologischen als einen wirklichen Effekt auf den Weinstil hat).

Bei höheren Qualitäten und vor allem beim Rotwein versuchen wir die Geiztrauben aber jetzt um diese Jahreszeit möglichst zu entfernen. Es ist nämlich wenig sinnvoll, dem Weinstock beim Ausdünnen nur fünf oder sechs "richtige" Trauben zu belassen, damit er seine ganze Kraft da hineinsteckt und gleichzeitig hängen oben drüber aber viele kleine Geiztrauben, die völlig unnütz auch davon profitieren bzw. erst wieder einen Teil der Kraft von den "richtigen" Trauben abziehen.

Wie bereits geschrieben läßt sich aus Geiztrauben in frühreifen Jahren durchaus brauchbarer (manchmal vielleicht sogar richtig guter) Wein machen. Das Problem ist aber weniger die Qualität, als der dafür in keiner Relation stehende notwendige Aufwand. Die "richtigen" Trauben sind vergleichsweise groß und hängen dank Rebschnitt und Erziehungssystem in einem ziemlich genau definierten Bereich des Weinstockes, der Traubenzone. Die Geiztriebtrauben hingegen sind ziemlich klein, dazu auch noch kleinbeerig mit geringem Saftanteil und sie sind fast über die ganze Laubwand verstreut sowie hinter den großen Blättern der Haupttriebe versteckt. Anders als die "richtigen" Trauben muß man sie bei der (Hand-)Ernte richtiggehend suchen, was einen großen Zeitaufwand bei kleiner Saftausbeute bedeutet.

Dazu kommt noch, dass die Geiztrauben völlig unterschiedliche Reifestadien haben. Die "richtigen" Trauben wachsen mehr oder weniger gleichzeitig, blühen gleichzeitig und reifen auch relativ einheitlich. Die Geiztrauben blühen und reifen hingegen in der Reihenfolge, in der sie erscheinen. D.h. die Geiztrauben an den unteren Geiztrieben wachsen, bühen und reifen früher als jene an den oberen Geiztrieben (die ja erst wachsen können, wenn der Haupttrieb überhaupt so weit nach oben reicht). Zur Erntezeit finden sich deshalb an ein und dem selben Weinstock reife und beinahe reife Geiztrauben, solche, die noch hart und grün sind und solche, die gerade erst in der Blüte stehen...

Herzliche Grüße

Bernhard
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Sabine
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Re: Wein aus "Geiz-Trieben"

Beitrag von Sabine »

Hallo zusammen,

vielen Dank für eure Kommentare und Informationen.

Nur noch mal zur Klarstellung von meiner Seite: der von mir bevorzugte Wein ist und bleibt der Riesling :-) Ich war einfach total überrascht über diesen "Geiz-Wein" und hatte noch nie zuvor gehört, dass sich ein Winzer diese Mühe macht und auch noch ein ordentliches Ergebnis dabei herausbringt.

@Michael: Nein, der Wein aus Geiztrauben hat eben nicht wie Wein aus unreifen Trauben geschmeckt, obwohl ich das zunächst auch vermutet hatte.

Viele Grüße
Sabine
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susa
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Re: Wein aus "Geiz-Trieben"

Beitrag von susa »

Ich versuch mal eine Wortdeutung, ohne Gewähr.
Früher wurde das Wort Geiz auch in der Bedeutung von Gier, Habgier verwendet; also etwas zu nehmen oder zu brauchen ohne eine (angemessene) Gegenleistung/Bezahlung, also im Sinne von etwas/jemanden ausnutzen. So macht das Sinn, weil der Geiztrieb von der Pflanze ernährt wird, sie also ausnutzt.

lg
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Gerald
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Re: Wein aus "Geiz-Trieben"

Beitrag von Gerald »

In Österreich werden die Geiztriebe manchmal auch "Irxen" genannt. Interessanterweise gab/gibt es in Niederösterreich (zumindest dort, wo ich aufgewachsen bin) auch den mundartlichen Begriff "Irxen" für ein untrinkbares Gebräu ;)

Übrigens wird / wurde beim Weingut Leberl aus solchen Trauben ein Frizzante hergestellt (aber vermutlich nicht direkt geplant, sondern da die Haupternte einem Hagelunwetter zum Opfer gefallen ist):

http://www.leberl.at/index.php/frizzant ... -2011.html

Grüße,
Gerald
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Markus Vahlefeld
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Re: Wein aus "Geiz-Trieben"

Beitrag von Markus Vahlefeld »

Vielleicht bin ich jetzt völlig auf dem Holzweg, aber 2011 und vor allem in der Pfalz gab es doch diese harten Nachtfröste Anfang Mai, nachdem die Triebe bereits ausgetrieben hatten. Nun war es aber so, dass sich danach noch an den Stöcken Triebe entwickelten - die streng genommen Geiztriebe waren -, die es vielen Winzern noch erlaubten von den betroffenen Anlagen trotzdem Weintrauben zu ernten. Es könnte durchaus sein, dass eine Vegetationsperiode von Mai bis November noch reife Trauben hervorbringt (und bei Burgundersorten besonders). Ein schlauer Winzer, der gut versichert ist und die Ausfall-Versicherungssumme bereits kassiert hat (bitte, das soll keine böse Unterstellung sein, geht natürlich auch ohne Versicherung), erntet dann trotzdem Wein und nennt ihn Geiz-Wein. Soooooo aussergwöhnlich dürfte das nicht sein.

Oder irre ich da?
Blaufränkisch
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Re: Wein aus "Geiz-Trieben"

Beitrag von Blaufränkisch »

Gutes Argument, Markus.

Bei Extremereignissen wie Spätfrost oder Hagel (oder knapp über der Austriebsstelle von Rehen abgebissenen oder vom Wind abgebrochenen Haupttrieben) können Geiztriebe die Funktion des Haupttriebes übernehmen. meist treibt dann ein Geiztrieb kräftig durch und ist vom Haupttrieb kaum noch zu unterscheiden. Das gilt etwas abgeschwächt auch für seine Trauben, die deshalb nur bedingt etwas mit den bisher geschilderten Geiztrauben zu tun haben (was ein wenig auch für Leberls Frizzante gelten dürfte).

@Susa: Es könnte natürlich auch mit dem Geiz und der Gier jener Winzer zu tun haben, die auch aus diesen Trauben noch Wein machen wollen :mrgreen: Allerdings spricht dagegen, dass ja auch die Trieb Geiztriebe heißen und nicht nur die Trauben. Vielleicht hat der Name auch mit der Stellung in der Blattachsel irgendwas zu tun?
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