Muskateller

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Moselglück
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Muskateller

Beitrag von Moselglück »

Hi,

ich finde Muskateller ist eine sehr interessante Rebsorte.
Was sagen die Profis, wo gibt es den besten Muskateller und wie muss er beschaffen sein?

Habe bisher nur badischen und pfälzischen getrunken, primär feingherb.

Gruß und dank vorab,

Daniel
Bild ...Medizin für Feinschmecker! :D
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UlliB
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Re: Muskateller

Beitrag von UlliB »

Die Rebsorte ist anspruchsvoll und reift nicht jedes Jahr vollständig aus, insbesondere in kühleren Gegenden - und dann schmeckt sie einfach nicht gut. 2014 war fast nirgendwo ein gutes Muskatellerjahr.

Ich bevorzuge bei Muskateller die trockene Version. Sehr gute trockene Exemplare gibt es in Österreich, und hier insbesondere in der Steiermark (Tschermonegg, Tement, Muster, Wohlmuth...) - super im sehr reifen Jahr 2015. Auch in Niederösterreich gibt es ein paar schöne Exemplare, hier fällt mir insbesondere der Vorspannhof Mayr ein.

In ähnlicher Stilistik - vielleicht ein wenig weicher und fülliger - gibt es Muskateller auch in Südtirol; der läuft hier unter der Bezeichnung "Goldmuskateller". Hat fast jede Genosenschaft dort.

Es gibt neben dem üblichen (Gelben) Muskateller auch noch Farbvarianten, z.B. Roten Muskateller. Mit denen habe ich aber keine Erfahrung.

Gruß
Ulli
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UlliB
Beiträge: 4610
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Re: Muskateller

Beitrag von UlliB »

Ach ja, ich habe eine ganz wichtige restsüße Variante vergessen - die piemontesische: Moscato. Insbesondere im Astigiano wird Muskateller auf riesigen Flächen angebaut. Der Most wird nur partiell fermentiert, d.h. der resultierende Wein ist alkoholarm und restsüß und wird frizzante oder spumante abgefüllt. Die qualitative Bandbreite ist enorm - von wirklich übel klebrigem Zeug bis hin zu superleckeren Sprudlern mit ungeheuer steilem Trinkfluss. Einen Versuch allemal wert.

Gruß
Ulli
mixalhs
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Re: Muskateller

Beitrag von mixalhs »

Auch in Griechenland wird viel Muskateller angebaut. Meine Lieblinge dort kommen von Samos, sowohl trocken als auch restsüß.

Ich muss aber gestehen, dass mir in der trockenen Kategorie die steirischen Muskateller generell am besten gefallen. Aber auch aus Deutschland, Niederösterreich und - wie gesagt - von Samos habe ich schon sehr Ansprechendes probiert.

Und prickelnde Moscati d'Asti von guten Erzeugern, z.B. Senza Nome von Braida, können mit 5% Alkohol und zartem Blütenduft besonders an heißen Sommertagen richtig Spaß machen und passen auch gut zu Desserts mit hohen Sahneanteil (Panna Cotta, Cassata Siciliana usw.).
amateur des vins
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Registriert: Sa 10. Mär 2012, 22:47
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Re: Muskateller

Beitrag von amateur des vins »

Meine Weinerfahrungen sind ja ziemlich frankreichlastig, und so kommt es, dass meine Begegnungen mit Muskateller sich weitgehend auf Clairette de Die beschränken. Auch wenn dort der Gelbe Muskateller a.k.a. Muscat blanc à petits grains mit bis zu 25% Clairette verschnitten wird, eine interessante Variante. Richtig begeistern kann ich mich dafür allerdings nicht.

edit:
Ich meine mich erinnern zu können, dass ein guter Freund mal einen stillen süßen Muscat aus der Gegend Maury/Banyuls mitbrachte. Ist eine Weile her, weckt aber vage angenehme Erinnerungen.
Besten Gruß, Karsten
Ollie
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Re: Muskateller

Beitrag von Ollie »

Uebrigens gibt es neben der Pfalz das Elsass und dort ebenfalls sehr gute Versionen von trocken bis edelsuess, still und schaeumend.

In den Mittelmeeranrainerstaaten ist Muskateller eine der haeufigsten weisse Sorte, weil sie als eine der wenigen Weintrauben auch als Tafeltraube hervorragend funktioniert. Man hat eigentlich nur die Qual der Wahl, denn es gibt wirklich keine Weinbereitungsmethode, die mit Muskateller nicht irgendwann einmal in den letzten 5000 Jahre ausprobiert wurde. Zur Frage also, wo es den besten gaebe und wie er beschaffen sein muesse: such's dir aus.

Neben den genannten Tafel- und Perl-/Schaumweinen gibt es noch die aufgespriteten Versionen; sehr bekannt der Muscat de Baumes de Venise, aber es gibt noch ganz viele andere und bessere Appellationen in Korsika, Spanien, Portugal, Griechendland usw. sowie als Unterklasse die wie Sherry oxidativ ausgebauten Weine (z.B. Teneriffa), die allemal einen Versuch wert sind.

Noch ein Tipp fuer Liebhaber piemontesischer Schaumweine: Colli Euganei Fior d'Arancio.

Cheers,
Ollie
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Gerald
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Re: Muskateller

Beitrag von Gerald »

Hallo Ollie,

Noch ein Tipp fuer Liebhaber piemontesischer Schaumweine: Colli Euganei Fior d'Arancio.


hmmm, sind die Colli Euganei nicht im Veneto?

Grüße,
Gerald
mixalhs
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Re: Muskateller

Beitrag von mixalhs »

Gerald hat geschrieben:Hallo Ollie,

Noch ein Tipp fuer Liebhaber piemontesischer Schaumweine: Colli Euganei Fior d'Arancio.


hmmm, sind die Colli Euganei nicht im Veneto?

Grüße,
Gerald


Hallo Gerald, ich sehe da keinen Widerspruch: Warum sollte man Liebhabern piemontesischer Schaumweine denn nicht den Tipp geben, mal was aus dem Veneto zu probieren? Variatio delectat. Herzliche Grüße, Michael
Ollie
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Re: Muskateller

Beitrag von Ollie »

Gerald hat geschrieben:hmmm, sind die Colli Euganei nicht im Veneto?


Haja, doch. War als Horizonterweiterungsvorschlagsrechtsinanspruchnahmengelegenheitsposting gedacht.

Und weil auf Facebook bereits gewitzelt wurde: Es wird Eh-uh-GAA-ne-ih ausgesprochen und nicht etwa Oiganai; VÄ-ne-to, nicht Ve-NEE-to. :lol:

Cheers,
Ollie
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EThC
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Re: Muskateller

Beitrag von EThC »

UlliB hat geschrieben:gibt es Muskateller auch in Südtirol; der läuft hier unter der Bezeichnung "Goldmuskateller"


Soweit ich weiß, ist der Goldmuskateller bzw. Moscato Giallo nicht genau das Gleiche wie der sonst übliche Gelbe Muskateller. Aus Südtirol hatte ich von dieser Sorte bis dato schöne Vertreter von Tiefenbrunner und Franz Haas im Glas.
Gelber Muskateller hat mir in letzter Zeit von Philipp Kuhn aus der Pfalz, Thiery-Weber aus dem Kremstal und Lackner-Tinnacher aus der Südsteiermark ganz gut gefallen.
Viele Grüße
Erich

Nicht was lebendig, kraftvoll, sich verkündigt, ist das gefährlich Furchtbare. Das ganz Gemeine ist's
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was immer war und immer wiederkehrt und morgen gilt, weil's heute hat gegolten.

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