Inhaltsangaben für Wein werden ab Ende 2023 obligatorisch

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amateur des vins
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Re: Inhaltsangaben für Wein werden ab Ende 2023 obligatorisch

Beitrag von amateur des vins »

Bernd Schulz hat geschrieben: Di 21. Jul 2026, 23:25 Doch, dass trockene Weine fortan eine Sonderbehandlung erfuhren, lässt sich schon nahezu ausschließlich mit Marketing erklären.

...hat sich außerhalb Deutschlands damals kaum ein Schwein für die besseren bis besten trockenen Sachen interessiert. Das wollte man seinerzeit ändern.
Ich denke nicht, daß Du damit sagen möchtest, daß die Weinerzeugung völlig unverändert weiterlaufen sollte, daß die Regularien dazu keine Relevanz hatten, und daß das Interesse ausschließlich über bunte Prospekte und Präsentationen geweckt werden sollte?

Wozu wurden die Erzeugungskriterien denn eingeführt, wenn nicht, um eine Veränderung herbeizuführen?
Besten Gruß, Karsten
Bernd Schulz
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Re: Inhaltsangaben für Wein werden ab Ende 2023 obligatorisch

Beitrag von Bernd Schulz »

amateur des vins hat geschrieben: Mi 22. Jul 2026, 00:04
Bernd Schulz hat geschrieben: Di 21. Jul 2026, 23:25 Doch, dass trockene Weine fortan eine Sonderbehandlung erfuhren, lässt sich schon nahezu ausschließlich mit Marketing erklären.

...hat sich außerhalb Deutschlands damals kaum ein Schwein für die besseren bis besten trockenen Sachen interessiert. Das wollte man seinerzeit ändern.
Ich denke nicht, daß Du damit sagen möchtest, daß die Weinerzeugung völlig unverändert weiterlaufen sollte, daß die Regularien dazu keine Relevanz hatten.....
Doch, genau das wollte ich sagen. Die Grundintention bei der Einführung der Großen Gewächse war eine Veränderung auf der Preisebene (und in deren Gefolge eventuell eine Erweiterung des Spielraums bei Maßnahmen zur Qualitätssteigerung), aber um eine generelle Veränderung der Stilistik (nach dem Motto "weg vom *altdeutschen* Wein") ging es nach meiner damaligen Wahrnehmung nicht. Eine solche Veränderung hat bei den VDP-Winzern, die ihre(weißen) GGs nicht chaptalisieren oder anderweitig groß im Keller designen, übrigens auch gar nicht stattgefunden. Das, was diese Winzer als GG produzieren, ist im Prinzip immer noch die hochwertige Spätlese (oder je nach Mostgewicht Auslese) trocken, wie sie auch schon vor der Einführung der GGs auf die Flasche gebracht wurde.
amateur des vins hat geschrieben: Mi 22. Jul 2026, 00:04 Wozu wurden die Erzeugungskriterien denn eingeführt, wenn nicht, um eine Veränderung herbeizuführen?
Die Kritierien wurden einführt, um die angestrebte Veränderung der Preise für trockene Weine rechtfertigen zu können.

Herzliche Grüße

Bernd
Ollie
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Re: Inhaltsangaben für Wein werden ab Ende 2023 obligatorisch

Beitrag von Ollie »

Bernd Schulz hat geschrieben: Mi 22. Jul 2026, 07:30 um eine generelle Veränderung der Stilistik (nach dem Motto "weg vom *altdeutschen* Wein") ging es nach meiner damaligen Wahrnehmung nicht. Eine solche Veränderung hat bei den VDP-Winzern, die ihre(weißen) GGs nicht chaptalisieren oder anderweitig groß im Keller designen, übrigens auch gar nicht stattgefunden. Das, was diese Winzer als GG produzieren, ist im Prinzip immer noch die hochwertige Spätlese (oder je nach Mostgewicht Auslese) trocken, wie sie auch schon vor der Einführung der GGs auf die Flasche gebracht wurde.
Ich glaube, wir reden hier von zwei unterschiedlichen Dingen, nämlich: 1. Was nicht-chaptalisierende Weißweinwinzer tun und 2. was die VDP-Vordenker intendierten, als sie auch beim weißen GG die Anreicherung zuließen.

Nur weil manche GGs initial noch Prädikatsweine waren (oder sogar sind), heißt das nicht, daß die Fortführung des Prädikatsgedankens erklärte oder auch nur inkaufgenommene Absicht des GG-Konzepts war. Ganz im Gegenteil ist der Schwenk auf Qualitätswein und Lagenverbrauch genau der Idee geschuldet, daß ein trockener Wein aus eine Spitzenlage genau nur eine, notwendigerweise optimale Inkarnation haben kann. Nicht drei (AL, SL, Kabinett). Deswegen nur ein trockenes GG pro Lage, nur ein trockener Wein mit Lagenbezeichung (eben das GG). Natürlich hätte in einer Lage das Optimum eine SL und in einer anderen eine AL sein können, aber weil AL höher angesehen war als SL, hätten Winzer mit einem SL-GG das Nachsehen gehabt, und am Ende wäre es zwangsläufig wieder zu einem Rennen um das Prädikat geworden: also doch alles "AL trocken". Das konnte nur durch Glattstellen des Prädikats verhindert werden: alles Qualitätswein trocken. Naja, was heißt hier trocken: Es stand nur "trocken" auf dem Etikett, aber das war bzw. ist nicht Schuld des VDP. RZ-Grenzwerte waren schon vorher eine heiße Kartoffel (s.a. "fränkisch-trocken", Rheingauer Charta, Rheingauer EG usw. usf., Breuers Austritt) und seit der 71er Revolution Gegenstand vieler lokaler und regionaler Initiativen.

Daß die Idee nicht gut abgesprochen oder umgesetzt war, in Deutschland vielleicht auch gar nicht gut funktioniert, noch nicht mal nur für VDP-Mitglieder, wenn man nur eine klassifizierte Große Lage hat (Koehler-Ruprecht: VDP-Austritt 2014) oder wenn man mehrere Lagen verschneidet (von Schubert, "Aus Großen Lagen" oder so, neulich) oder mehrere restsüße (und nicht nur edelsüße, wie oben zitiert) Weine aus der Lage machen möchte (Mosel, Nahe), jeweils gestaffelt nach Prädikat, mag ja sein, ändert aber nichts an ihrer sehr frühen Existenz: Das (chaptalisierende!) Burgund war hier immer das Vorbild, und es gibt nur einen Montrachet aus dem Montrachet, oder so ähnlich, ihr wisst, was ich meine. Die Durchsetzung der Idee fand zwar nicht von Anfang an statt, aber die Idee gab es von Anfang an. (Tatsächlich erscheint mit die ganze Chose zunehmend als eine windschiefe Superposition aus der Bordelaiser Erzeuger- und der Burgunder Lagenklassifikation. Die Idee selbst ist muss aus den 70ern sein, vielleicht als Reaktion auf den 1971er Sündenfall, vielleicht sogar in Antizipation der Novellierung, und dann mahlen die Mühlen halt sehr langsam.)

Nochmal: Man kann nicht behaupten, die besten (= historisch wärmesten) Lagen zu haben, für den besten Wein daraus aber anreichern können zu müssen, um den optimalen Wein zu machen. Das geht nur, wenn man den bisherigen, prädikatsgeprägten Weinstil ändert, sonst hat das alles keinen Sinn, und jeder wird eine trockene Auslese machen. Dazu kam die Holzfassdiskussion, die per rotem GG auch final rettungsgeschusst wurde. Und damit war das GG von den stilistischen (und Wahrnehmung-)Fesseln des Alten Reiches befreit. Besonders deutlich sieht man das bei Rotwein und weißen Burgundersorten, besonders undeutlich bei Riesling. Aber beim GG-Konzept geht es halt auch nicht hauptächlich um trockenen Riesling.

Zu behaupten, es sei damals gewollt worden, aus dieser hochkomplexen Gemengelage ein von Tag Eins an funktionierendes System zu formen, halte ich für grob ahistorisch - da will man den VDP für dööfer halten, als er ist. Aber es gab bei den Vordenkern durchaus relative fixe Zielbilder, auf die mittel- und langfristig hingearbeitet wurde. Und ich glaube nicht, daß es nur oder auch nur hauptsächlich um die Preiserhöhung ging, ebensowenig, daß nur eine solche dabei herumgekommen ist. Was ich hingegen sofort glauben kann, ist, daß nicht jeder VDP-Winzer mit den erklärten Zielen des GG-Konzepts übereinstimmt und deshalb immer noch Auslese trocken macht. Was dann die Weiterentwicklung des Konzepts seit 2001 entsprechend schlammig gestaltet hat. Aber das ist vielleicht eine dritte Sache.

Cheers,
Ollie
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UlliB
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Re: Inhaltsangaben für Wein werden ab Ende 2023 obligatorisch

Beitrag von UlliB »

Ollie hat geschrieben: Mi 22. Jul 2026, 08:32 Was ich hingegen sofort glauben kann, ist, daß nicht jeder VDP-Winzer mit den erklärten Zielen des GG-Konzepts übereinstimmt und deshalb immer noch Auslese trocken macht.
Das glaube ich allerdings nicht - mir wäre jedenfalls kein einziger Fall bekannt. Irgendwann nach 2010 hat der VDP das Prädikatsverbot bei trockenen Weinen doch rigoros durchgesetzt, was zu einigen Austritten geführt hat - am prominentsten der von dir erwähnte Koehler-Ruprecht, der bis dahin das Prädikatsverbot völlig ignoriert und auch kein GG erzeugt hatte, sondern trockene Kabinette, Spät- und Auslesen.

Es mag durchaus sein, dass die Väter des Klassifikationssystems, die mWn in der Mittelhaardt ihre Betriebe hatten, ein klares stilistisches Konzept im Kopf hatten, und sich dieses an Burgund orientiert hat (ein solches Konzept passt gerade auch zu den VDP-Betrieben der Mittelhaardt gut). Dass das Klassifizierungssystem burgundisch ist, wird spätestens nach dem Einschieben der Erste Lagen-Weine wohl niemand bezweifeln. Was allerdings ebenfalls Tatsache ist: das Konzept wurde verbandsintern im Vorfeld des Rollout nicht umfangreich abgestimmt (sonst wäre das folgende Chaos mit permanent neuen Zusatz- und Ausnahmegeln und der Kapitulation auf der restsüßen Seite weitgehend ausgeblieben) und auch nachfolgend im Hinblick auf eine (möglicherweise) beabsichtigte Stilistik gegenüber den Mitgliedern nicht hinreichend kommuniziert. Ich hatte in den Jahren nach 2001 über das Thema mit knapp zwei Dutzend VDP-Winzern geredet. Da gab es viel Verunsicherung und Verwirrung, zum Teil auch ernsthafte Verärgerung über ein Konzept, dass zur eigenen Betriebsstruktur nicht passte, und vereinzelt sogar die Auffassung, dass es sich lediglich um eine Empfehlung handelt, um die man sich nicht zu kümmern braucht. Kein einziger Winzer hat mir damals berichtet, dass er vom VDP bzw. dessen Regionalverbänden Empfehlungen oder Hinweise bekommen hat, wie die GGs beschaffen sein sollen. Hochwertiger trockener Wein war klar, auch das Mindestmostgewicht und der Hektarhöchstertrag sowie Handlese wurde vorgegeben, sonst nichts. Was nun unter "hochwertig" zu verstehen war, blieb jedem Winzer selber überlassen. Und bezüglich der Chaptalisation war die Meinung vieler Winzer, dass diese für GGs nicht erlaubt ist (ich hatte dazu weiter oben schon etwas geschrieben).

Gruß
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Re: Inhaltsangaben für Wein werden ab Ende 2023 obligatorisch

Beitrag von Ollie »

UlliB hat geschrieben: Mi 22. Jul 2026, 09:55 Das glaube ich allerdings nicht - mir wäre jedenfalls kein einziger Fall bekannt. Irgendwann nach 2010 hat der VDP das Prädikatsverbot bei trockenen Weinen doch rigoros durchgesetzt,
Ah, sorry, da war ich unklar: Ich meinte nicht "etikettiert als AL trocken", sondern "in der Flasche ein unchaptalisierter Wein in Auslesequalität, auch wenn nur Qualitätswein draufsteht". So hatte ich jedenfalls Bernds Einwurf verstanden.

Ansonsten: Da scheinen die VDP-Oberen dasselbe Problem zu haben wie ich: "Wir müssen uns nur besser erklären, dann erkennt jeder unseren Genius." :mrgreen:

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Re: Inhaltsangaben für Wein werden ab Ende 2023 obligatorisch

Beitrag von jxs »

Ollie hat geschrieben: Mi 22. Jul 2026, 08:32 Ich glaube, wir reden hier von zwei unterschiedlichen Dingen, nämlich: 1. Was nicht-chaptalisierende Weißweinwinzer tun und 2. was die VDP-Vordenker intendierten, als sie auch beim weißen GG die Anreicherung zuließen.
Bei der Intention alle GG als QbA zu vermarkten würde ich jetzt einfach mal unterstellen, dass man nicht zwischen weiß und rot unterscheiden wollte. Beim Super-Premium-Rotwein war es zuvor schon nicht unüblich aufzuzuckern. Bei weißen Spitzenweinen war es hingegen üblich sie als trockene Prädikatsweine zu verkaufen. Wenn man jetzt also in die Regularien fest rein schreibt beim Pinot ist Zucker OK und beim Riesling nicht, wird‘s nur wieder komplizierter., erklärungsbedürftiger.
Je einfacher das Modell und je weniger Ausnahmen, desto einfacher ist es zu kommunizieren. Daher vermutlich auch das „G edelsüße G“ in der ersten Variante. Wie möchte man sonst kommunizieren, dass die „Wunderbare Lage Riesling GG SL trocken“ vom VDP-Winzer X besser ist als die „Nordhang Solaris AL trocken“ von der WG um die Ecke? Also reduziert man radikal Lagen, Rebsorten und verzichtet auf die Prädikate. Aus Marketingsicht alles logisch.
Beim Süßwein ist man mit dem Ansatz offensichtlich gescheitert. Sowohl bei den Winzern, als auch bei den Konsumenten. Zwischen Kabinett und Beerenauslese liegt halt ein deutlich größerer Unterschied als denn zwischen QbA/SL/AL im trockenen Bereich.

Zur Änderung der Stilistik. Mehr trockene Weine, Einsatz, kleiner getoasteter Holzfässer, etc. All das setzte schon vorher ein. Zumindest bei einigen bis vielen „Vorreitern“. Die VDP-Klassifikation half natürlich dabei, dass sich diese Profile mehr durchsetzten. Zum einen „zwang“ sie VDP-Mitglieder, die noch andere Weine produzierten entweder mitzuziehen oder eben auszusteigen. Zum anderen zeigte sich schnell, dass das Modell im trockenen Bereich finanziell erfolgreich war. Da nahmen das neue Modell dann sicher auch mehr Winzer freiwillig an.
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Re: Inhaltsangaben für Wein werden ab Ende 2023 obligatorisch

Beitrag von EThC »

jxs hat geschrieben: Mi 22. Jul 2026, 15:52QbA
...gibt's offiziell schon seit längerem (2012?) nur noch bei den Schaum- und Likörweinen. Bei Stillweinen gibt's nur noch "Qw", auch wenn's manche Winzer immer noch begeistert anders aufs Etikett schreiben....
Viele Grüße
Erich

Nicht was lebendig, kraftvoll, sich verkündigt, ist das gefährlich Furchtbare. Das ganz Gemeine ist's
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was immer war und immer wiederkehrt und morgen gilt, weil's heute hat gegolten.

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Re: Inhaltsangaben für Wein werden ab Ende 2023 obligatorisch

Beitrag von amateur des vins »

Tja, vielleicht mag ich ja trotz allen Chaos unterbewußt romantisierend an die Grande Vision glauben... :|
UlliB hat geschrieben: Mi 22. Jul 2026, 09:55 Kein einziger Winzer hat mir damals berichtet, dass er vom VDP bzw. dessen Regionalverbänden Empfehlungen oder Hinweise bekommen hat, wie die GGs beschaffen sein sollen. Hochwertiger trockener Wein war klar, auch das Mindestmostgewicht und der Hektarhöchstertrag sowie Handlese wurde vorgegeben, sonst nichts. Was nun unter "hochwertig" zu verstehen war, blieb jedem Winzer selber überlassen. Und bezüglich der Chaptalisation war die Meinung vieler Winzer, dass diese für GGs nicht erlaubt ist (ich hatte dazu weiter oben schon etwas geschrieben).
Das ist das über Marketingbroschüren hinausgehende "Insiderwissen", auf das ich oben abzielte; Danke dafür! In der Tat: Wenn jemand eine klare Vorstellung von inhaltlicher Neuausrichtung hatte, hätte sie unabhängig von der Durchsetzbarkeit klar kommuniziert werden sollen. Aber letztlich war und ist das natürlich alles ein großes Politikum.
Besten Gruß, Karsten
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