Médoc 2026
Re: Médoc 2026
Dieser Faden ist Stefans persönlicher Blog, sehr viele Mitglieder lesen es gerne und mit Interesse. Wie Harti schrub, es wäre schade wenn diese Beiträge im allgemeinen Rauschen untergehen würden.
- Schönibert
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Re: Médoc 2026
Ihr habt mich überzeugt und ich freue mich sehr auf Stefans Content hier!
Viele Grüße,
Euer Schöni
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Re: Médoc 2026
Nach den Unmengen an Regen (etwa zwei Drittel der Jahresmange) im Januar und Februar, wurden März und April sehr trocken und warm. In den oberen Bodenschichten gab es für die Pflanzen kein Wasser mehr und einiges an Unkraut hat sich von selbst erledigt. Zugleich kam so gut wie kein Pilzdruck auf – lediglich hier und da etwas Schwarzfäule, was ich beobachte. Das hat sich nun geändert. Donnerstagabend gab es mit einem Gewitter satte 25 mm in wenigen Minuten. Seither ist es wechselhaft und regnerisch.
Der Wein ist nun schon sehr weit gewachsen, bis zur Blüte wird es nicht mehr lange dauern.
Die letzten Wochen hatte ich extrem viel um die Ohren, Reben roden, Abfüllungen, Bodenbearbeitung für Neupflanzungen, ...
Nachdem ich den ganzen Tag im Chai rumgeräumt habe, bin ich mit Bobby nochmal raus. In den Reben gibt es immer was zu tun.
Dabei hat Bobby ein Rehkitz zwischen den Reben aufgespürt. Weil er es brav in Ruhe gelassen hat, bekam er natürlich eine Belohnung…
Beste Grüße aus Médoc
Stefan
Der Wein ist nun schon sehr weit gewachsen, bis zur Blüte wird es nicht mehr lange dauern.
Die letzten Wochen hatte ich extrem viel um die Ohren, Reben roden, Abfüllungen, Bodenbearbeitung für Neupflanzungen, ...
Nachdem ich den ganzen Tag im Chai rumgeräumt habe, bin ich mit Bobby nochmal raus. In den Reben gibt es immer was zu tun.
Dabei hat Bobby ein Rehkitz zwischen den Reben aufgespürt. Weil er es brav in Ruhe gelassen hat, bekam er natürlich eine Belohnung…
Beste Grüße aus Médoc
Stefan
Die Wahrheit liebt es, sich zu verstecken. (Heraklit - Interpretation)
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Re: Médoc 2026
Die ersten Blüten ließen nicht lange auf sich warten.
Mit einer frühen Blüte hatte ich schon gerechnet. Das hier ist nun sehr viel früher als im Durchschnitt der letzten Jahre. Rein rechnerisch ergibt sich daraus ein Lesebeginn um den neunten September.
Die Reben sind gesund, stellenweise ist nur erheblicher Schneckenbefall.
Beste Grüße aus Médoc
Stefan
Die Reben sind gesund, stellenweise ist nur erheblicher Schneckenbefall.
Beste Grüße aus Médoc
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Re: Médoc 2026
Mitte Mai hatten wir zunächst heftige Regenfälle dann für eine Woche trockene kühlere Witterung mit Temperaturen von maximal 16°C. Das hat die Blüte erst mal ausgebremst. Jetzt zeichnet sich an einigen Standorten bei den Merlots leichte Verrieselung ab. Das ist noch nicht dramatisch, denn der Fruchtansatz ist insgesamt sehr großzügig.
Direkt im Anschluss gab es eine zweite sehr heftige Hitzewelle. Die erste im April war im Vergleich dazu harmlos. Bei Temperaturen von über 35° C war nachmittags keine körperliche Tätigkeit möglich. Der Oberboden ist schnell ausgetrocknet.
In dieser Phase haben wir unsere ersten weißen Reben gepflanzt. Sauvignon blanc, Sauvignon gris und etwas Semillion. Ganz klassisch. Die machen sich sehr gut. Um eine Bewässerung der Jungpflanzen werde ich wohl kaum herumkommen. Die nächste Hitzewelle kommt bestimmt.
Beste Grüße aus Médoc
Stefan
Direkt im Anschluss gab es eine zweite sehr heftige Hitzewelle. Die erste im April war im Vergleich dazu harmlos. Bei Temperaturen von über 35° C war nachmittags keine körperliche Tätigkeit möglich. Der Oberboden ist schnell ausgetrocknet.
In dieser Phase haben wir unsere ersten weißen Reben gepflanzt. Sauvignon blanc, Sauvignon gris und etwas Semillion. Ganz klassisch. Die machen sich sehr gut. Um eine Bewässerung der Jungpflanzen werde ich wohl kaum herumkommen. Die nächste Hitzewelle kommt bestimmt.
Beste Grüße aus Médoc
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Re: Médoc 2026
Immer noch Krise…
Ja es gibt Schwierigkeiten und wenn ich mit älteren Kollegen spreche könne diese sich daran erinnern, dass ihre Eltern es mit dem Wein sehr schwierig hatten in den 70ern…
Es ist tatsächlich so, dass es im Bordelais zwar Schwächephasen gab aber eine echte Krise mittlerweile über 40 Jahre her ist; das ist mehr als eine Generation. Die Kollegen, die jetzt aktiv sind haben so eine Krise noch nicht erlebt. Das schafft vor allem Ratlosigkeit. Vieles funktioniert nicht mehr. Das betrifft den gesamten Weinsektor. Zulieferer schließen Standorte oder geben komplett auf – auch wegen zu hoher Außenstände. Einige Négoce und selbst Courtiers sind in Schieflage. Da werden auch Allokationsvorteile verloren gehen. Es ändert sich sehr viel auf einmal…
Was mich besonders ärgert ist, wenn Kollegen ihre Reben nicht mehr pflegen und auch nicht roden. Das hat überhaupt keinen Sinn, weil schlicht alles erodiert und die Nachbarn mit runtergezogen werden.
2024 hatte ich diese Situation und jetzt schon wieder. Zum Glück ist es diesmal nur eine Lage (6 ha) aber das ist schlimm genug. Was mich ärgert ist die unbeschreibliche Ignoranz dieser Kollegen; vielleicht ist auch Realitätsverlust, weil sie überhaupt nicht damit klar kommen und jede strukturelle Anpassung verweigern. Rechts im Bild sind unsere Reben. Die Parzelle links ist im Grunde schon verloren, wird auch nicht mehr zu retten sein… Der Mehltau ist da schon drin, wird mit jedem Zyklus stärker ‚ausblühen‘ und Unmengen an Sporen freisetzten. Da kann man zusehen wie es den ungepflegten Rebbestand zerfrist. Eine grausige Entwicklung.
Es bleibt nur zu hoffen, dass der Witterungsverlauf die nächsten Wochen günstig wird und der Krankheitsdruck nicht wie 2024 bei uns zu einem Totalausfall führt.
Da nun die nächste Hitzewelle kommen und es weiterhin trocken bleiben soll, könnte die letzte Pflanzenschutzmaßnahme mit 300 g Kupfer und 3 kg Schwefel erst mal ausreichen. Wegen der Rückstandsproblematik werde ich bei allen Schwierigkeiten auf die heftigen Pflanzenschutzmaßnahmen verzichten.
Beste Grüße aus Médoc
Stefan
Ja es gibt Schwierigkeiten und wenn ich mit älteren Kollegen spreche könne diese sich daran erinnern, dass ihre Eltern es mit dem Wein sehr schwierig hatten in den 70ern…
Es ist tatsächlich so, dass es im Bordelais zwar Schwächephasen gab aber eine echte Krise mittlerweile über 40 Jahre her ist; das ist mehr als eine Generation. Die Kollegen, die jetzt aktiv sind haben so eine Krise noch nicht erlebt. Das schafft vor allem Ratlosigkeit. Vieles funktioniert nicht mehr. Das betrifft den gesamten Weinsektor. Zulieferer schließen Standorte oder geben komplett auf – auch wegen zu hoher Außenstände. Einige Négoce und selbst Courtiers sind in Schieflage. Da werden auch Allokationsvorteile verloren gehen. Es ändert sich sehr viel auf einmal…
Was mich besonders ärgert ist, wenn Kollegen ihre Reben nicht mehr pflegen und auch nicht roden. Das hat überhaupt keinen Sinn, weil schlicht alles erodiert und die Nachbarn mit runtergezogen werden.
2024 hatte ich diese Situation und jetzt schon wieder. Zum Glück ist es diesmal nur eine Lage (6 ha) aber das ist schlimm genug. Was mich ärgert ist die unbeschreibliche Ignoranz dieser Kollegen; vielleicht ist auch Realitätsverlust, weil sie überhaupt nicht damit klar kommen und jede strukturelle Anpassung verweigern. Rechts im Bild sind unsere Reben. Die Parzelle links ist im Grunde schon verloren, wird auch nicht mehr zu retten sein… Der Mehltau ist da schon drin, wird mit jedem Zyklus stärker ‚ausblühen‘ und Unmengen an Sporen freisetzten. Da kann man zusehen wie es den ungepflegten Rebbestand zerfrist. Eine grausige Entwicklung.
Es bleibt nur zu hoffen, dass der Witterungsverlauf die nächsten Wochen günstig wird und der Krankheitsdruck nicht wie 2024 bei uns zu einem Totalausfall führt.
Da nun die nächste Hitzewelle kommen und es weiterhin trocken bleiben soll, könnte die letzte Pflanzenschutzmaßnahme mit 300 g Kupfer und 3 kg Schwefel erst mal ausreichen. Wegen der Rückstandsproblematik werde ich bei allen Schwierigkeiten auf die heftigen Pflanzenschutzmaßnahmen verzichten.
Beste Grüße aus Médoc
Stefan
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Re: Médoc 2026
An dieser Stelle noch einmal Vielen Dank für deine sehr interessanten Einblicke in die Praxis, Stefan!
Meine Wein-Notizen
Ihr findet mich außerdem in den wineBANKs, zumeist im Rheingau.
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Re: Médoc 2026
Auch von meiner Seite lieben Dank für die immer informativen Beiträge, Stefan.
Drieschen sind auch bei uns ein immer größer werdendes Thema. War bisher v.a. die Mosel betroffen mit Fokus auf die Schwarzfäule, wird es auch bei uns mehr und mehr, aus meiner Sicht primär, weil auch hier mehr Betriebe aufhören und nicht direkt gerodet wird. Das Problem ist zwar nicht neu, bekommt aber eben mehr Momentum. Daher sind die zuständigen Behörden auch alert, dieses Thema mit entsprechenden Maßnahmen anzugehen: https://mwtek.rlp.de/presse/detail/schm ... haedlingen
Gibt es vergleichbare Maßnahmen in Frankreich auch, um den Druck zu erhöhen, tätig zu werden?
Viele Grüße,
Björn
Drieschen sind auch bei uns ein immer größer werdendes Thema. War bisher v.a. die Mosel betroffen mit Fokus auf die Schwarzfäule, wird es auch bei uns mehr und mehr, aus meiner Sicht primär, weil auch hier mehr Betriebe aufhören und nicht direkt gerodet wird. Das Problem ist zwar nicht neu, bekommt aber eben mehr Momentum. Daher sind die zuständigen Behörden auch alert, dieses Thema mit entsprechenden Maßnahmen anzugehen: https://mwtek.rlp.de/presse/detail/schm ... haedlingen
Gibt es vergleichbare Maßnahmen in Frankreich auch, um den Druck zu erhöhen, tätig zu werden?
Viele Grüße,
Björn
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"Not that we needed all that for the trip, but once you get locked into a serious drug-collection, the tendency is to push it as far as you can." (Hunter S. Thompson, Fear and Loathing in Las Vegas)
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Re: Médoc 2026
...letztlich wird's vermutlich ums leidige Geld gehen. Was kostet denn die Roderei so? Bleibt da von allfälligen Stillegungsprämien was übrig?
Viele Grüße
Erich
Nicht was lebendig, kraftvoll, sich verkündigt, ist das gefährlich Furchtbare. Das ganz Gemeine ist's
DAS EWIG GESTRIGE
was immer war und immer wiederkehrt und morgen gilt, weil's heute hat gegolten.
https://ec1962.wordpress.com/
Erich
Nicht was lebendig, kraftvoll, sich verkündigt, ist das gefährlich Furchtbare. Das ganz Gemeine ist's
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Re: Médoc 2026
Bjön,
unser Verband entzieht den Betrieben evtl. die AOC Zugehörigkeit, ansonsten wird keiner wirklich tätig.
Die Zunahme an Schwarzfäule haben wir hier auch seit einigen Jahren. Da vermute ich eher die steigenden Temperaturen (Klimawandel) als Ursache.
Erich,
die Rodungsprämie beträgt 4.000 € je ha, bei Rodungskosten von 2.500 – 3.000 € je ha bleibt da noch was übrig. Aber was wird dann aus den Flächen? Mit der Prämie sind die Pflanzrechte weg und es bleiben kleinstrukturierte Acker- oder Weideflächen.
Anfangs hatte ich mit den verschiedenen Kollegen noch Mitleid aber mittlerweile ist mir klar, dass da eher so etwas wie eine Kombination aus Ignoranz, Unfähigkeit und fehlende Einsicht überwiegt.
Die Landschaft hier wird sich verändern.
Beste Grüße aus Médoc
Stefan
unser Verband entzieht den Betrieben evtl. die AOC Zugehörigkeit, ansonsten wird keiner wirklich tätig.
Die Zunahme an Schwarzfäule haben wir hier auch seit einigen Jahren. Da vermute ich eher die steigenden Temperaturen (Klimawandel) als Ursache.
Erich,
die Rodungsprämie beträgt 4.000 € je ha, bei Rodungskosten von 2.500 – 3.000 € je ha bleibt da noch was übrig. Aber was wird dann aus den Flächen? Mit der Prämie sind die Pflanzrechte weg und es bleiben kleinstrukturierte Acker- oder Weideflächen.
Anfangs hatte ich mit den verschiedenen Kollegen noch Mitleid aber mittlerweile ist mir klar, dass da eher so etwas wie eine Kombination aus Ignoranz, Unfähigkeit und fehlende Einsicht überwiegt.
Die Landschaft hier wird sich verändern.
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Stefan
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