pessac-léognan hat geschrieben: ↑Mo 18. Mai 2026, 13:01
Das ist wohl doch etwas arg germanozentrisch, Herr Hilse! Auch in der Schweiz, wo es trotz hohem Franken und Zollproblemen allerorten gerade sehr gut läuft - und dies entgegen Dauergejammer der Wirtschaftsbosse, die dadurch noch bessere sogenannte Rahmenbedingungungen durchsetzen wollen -, sind sämtliche bisher lancierten Weine inklusive Cheval Blanc noch zum Ursprungspreis erhältlich.
Helvetische Grüße
Jean
Lieber Jean,
bitte entschuldigen Sie, ich wollte um Himmels Willen nicht "germanozentrisch" sein. Es ging mir um diesen Punkt (der quasi implizit mitgedacht, aber nicht formuliert wurde):
Schaut man sich die Distribution während der Subskription an, dann hat ein Negociant eine bestimmte Allokation eines Weins. Wenn er an langfristigen Kundenbeziehungen interessiert ist, bietet er seinen letztjährigen Kunden die um das verfügbare Volumen adjustierte Menge in diesem Jahr wieder an. Wenn nun ein Kunde (und das ist in diesem Fall dann ein Händler) seine Allokation nicht haben will, bekommt sie sehr schnell jemand anderes angeboten. Denn die Situation in Bordeaux ist eben aktuell so, dass es überwiegend kein Interesse gibt, die Subskription nicht "durchzuhandeln". So kommt es, dass ein Wein an der Place de Bordeaux zunächst einmal ausverkauft sein kann, ohne dass dies irgendwo in den "Abnahmemärkten" offensichtlich werden würde.
Während aber der Negociant in aller Regel global arbeitet, arbeitet der Händler "nur" national. Wenn es also in einem Land eine etwas schleppende Nachfrage gibt, dann bleibt diese Menge gleichwohl in diesem Markt - und weil das Geschäft zwischen dem Händler und dem "finalen Kunden" ganz anders zeitlich getaktet ist. Es ist also zu diesem Zeitpunkt in einer Subskription, zu dem es zum Cheval Blanc bisher keinen vergleichbaren "Release" gegeben hat, wohl völlig normal, wenn der Wein im allgemeinen noch nicht ausverkauft ist. Denn das Budget eines "finalen Kunden" reicht eben ggf. nur für entweder eine Kiste Cheval Blanc oder Lafite (nur als Beispiel, die Weine werden ja relativ ähnlich teuer sein). Also stehen potentielle Entscheidungen zu Cheval Blanc so lange aus, wie die anderen Weine aus dessen "Peer-Preisgruppe" noch nicht mit den Preisen "raus" sind.
Ich hoffe, ich habe mich damit etwas weniger "provokativ" oder auch unglücklich ausgedrückt.
Herzliche Grüße,
Matthias Hilse