Vor wenigen Tagen in allen Medien in AT zu lesen: Roland Velichs (Weingut Moric) Blaufränkisch Alte Reben Lutzmannsburg 2023 - von Weinkritikern sehr hoch bewertet - hat keine staatliche Prüfnummer bekommen und muss also als "Wein aus Österreich" etikettiert werden.
https://www.falstaff.com/at/news/brauch ... weingesetz
Ist ja seit langem kein Einzelfall und auch in anderen Ländern (Stichwort Supertoskaner als "IGT") ein altbekanntes Ärgernis.
Aber vielleicht ergibt sich ja doch die Gelegenheit, die ganze - auch für mich ziemlich merkwürdige - Einstufungslogik ein bisschen zu überarbeiten, denn so bringt es ja nicht wirklich viel. Verschlimmert wurde die Situation ja nicht zuletzt durch die ganze DAC-Geschichte, wodurch ein Topwein, der halt aus einer in der DAC-Verordnung nicht genannten Rebsorte hergestellt wurde, bezeichnungsrechtlich auch komplett heruntergestuft werden muss.
Grüße
Gerald
Weingesetz in Österreich in der Kritik
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Re: Weingesetz in Österreich in der Kritik
...es ist ja nun schon Jahre her, seit es nicht nur Diskussionen, sondern sogar Ankündigungen gab, daß es hierzu eine entsprechende Neu- / Zusatzregelung geben soll, laut Chris Yorke, ÖWM-Chef, möglicherweise schon in 2022. Jetzt ist's -wenn ich mich nicht irre- 4 Jahre weiter und es ist nur passiert, daß es permanent schlimmer wird mit der Degradierung österreichischer Spitzenweine. Würde mich nicht wundern, wenn's da auch in 2032 noch keinen Fortschritt gäbe. Höchstens vielleicht, wenn sich die österreichischen Spitzenwinzer zusammentun und kollektiv gar nicht mehr zur Prüfung anstellen? Wird aber eh nicht passieren...
Viele Grüße
Erich
Nicht was lebendig, kraftvoll, sich verkündigt, ist das gefährlich Furchtbare. Das ganz Gemeine ist's
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Erich
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Re: Weingesetz in Österreich in der Kritik
Es ist ja unklar, woran der Wein von Moric/Velich nun genau gescheitert ist. Eine nicht DAC-fähige Rebsorte war es in diesem Fall ja nicht, auch die Weinbereitung dürfte grundsätzlich konform gewesen sein. Insofern hinkt der Vergleich mit italienischen IGT/IGP-Weinen und Weinen aus nicht zugelassenen DAC-Rebsorten hier. Der Wein ist bei der sensorischen Prüfung durchgefallen, und das gleich zwei mal. Da kann man jetzt spekulieren, was der Grund war, Möglichkeiten gibt es dafür einige. Aber zu den genauen Gründen schreibt der Falstaff nichts - wie bei dieser Publikation üblich: schlechter Journalismus.
Ohne genaue Kenntnis des Sachverhalts lässt sich daraus jedenfalls keine Fundamentalkritik am Weingesetz herleiten.
Gruß
Ulli
Ohne genaue Kenntnis des Sachverhalts lässt sich daraus jedenfalls keine Fundamentalkritik am Weingesetz herleiten.
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Ulli
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Re: Weingesetz in Österreich in der Kritik
...das ist ja kein Einzelfall, daß in A mehr und mehr Weine als pauschal "fehlerhaft / untypisch" abgewiesen werden, wobei wohl meist die "untypisch"-Karte gezogen wird, aber auch vermehrt alles, was vom "Reinen, Klartönigen" abweicht, der "Fehlerhaftigkeit" bezichtigt wird. So jedenfalls der Tenor der Aussagen von mittlerweile einer ganzen Reihe von Winzern, mit denen ich in den letzten Jahren sprechen / schreiben konnte. Der Fall Velich zeigt da nur die Spitze des Eisbergs auf, wurde halt jetzt medienwirksam, nachdem sein 23er Lutzmannsburg als 100-Punkte-Wein jetzt ebenfalls in die unterste weinrechtliche Schublade verbannt wurde...
https://kalkundkegel.com/velich-wir-mac ... echerlich/
https://wineparty.wine/der-fall-lutzman ... und-heute/
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Viele Grüße
Erich
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Re: Weingesetz in Österreich in der Kritik
Du spekulierst. Ob der Wein von Velic nun wegen irgendeiner Nichtigkeit abgelehnt wurde (in Deutschland reicht eine minimale Trübung, um bei der AP-Prüfung durchzufallen), oder wegen fehlender Typizität, oder aber die Prüfkommission einen manifesten Weinfehler festgestellt hat, wird aus der Berichterstattung nicht klar. Das könnte die Presse aber durchaus wissen, wenn sie es denn wollte.EThC hat geschrieben: ↑Sa 16. Mai 2026, 17:07 ...das ist ja kein Einzelfall, daß in A mehr und mehr Weine als pauschal "fehlerhaft / untypisch" abgewiesen werden, wobei wohl meist die "untypisch"-Karte gezogen wird, aber auch vermehrt alles, was vom "Reinen, Klartönigen" abweicht, der "Fehlerhaftigkeit" bezichtigt wird. url]
Im Übrigen gibt es im Falstaff auch schon inhaltliche Fehler. Der Wein ist keineswegs der einzige österreichische Wein, der von Suckling (oder wer immer unter diesem Namen verkostet hat) die 100 Punkte bekommen hat. Über einen 100-Punkter von Huber / Traisental haben wir hier im Forum schon diskutiert, und ich meine, dass Hirsch / Kamptal auch einen hat.
Und der wirtschaftliche Schaden dürfte für Velich minimal sein, wenn es denn überhaupt einen gibt. Der Lutzmannsburg VV ist ein Kultwein, da macht man jetzt halt einen "Lutz VV" draus, und hebt den Preis gleich nochmal um 10 Euro an, weil man jetzt ja Widerständler ist. Andere Winzer mag so etwas schon mehr treffen, wobei die Bindungsfähigkeit und damit auch die Bedeutung staatlich lizensierter Herkunftsbezeichnungen und Klassifikationen europaweit ohnehin abnimmt.
Gruß
Ulli
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Re: Weingesetz in Österreich in der Kritik
...ich halte ja nicht viel vom Falstaff, aber auch da wurde vom ersten roten 100-Punkter geschrieben...UlliB hat geschrieben: ↑Sa 16. Mai 2026, 17:48 Im Übrigen gibt es im Falstaff auch schon inhaltliche Fehler. Der Wein ist keineswegs der einzige österreichische Wein, der von Suckling (oder wer immer unter diesem Namen verkostet hat) die 100 Punkte bekommen hat. Über einen 100-Punkter von Huber / Traisental haben wir hier im Forum schon diskutiert, und ich meine, dass Hirsch / Kamptal auch einen hat.
Viele Grüße
Erich
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Re: Weingesetz in Österreich in der Kritik
Ja, stimmt. Oder vielmehr - stimmt vielleicht, denn beim Ultrahochpunkter Suckling und den ihm zuarbeitenden Verkostern weiß man nie so genau, was da irgendwann mal passiert ist.
Für mich bleibt in diesem Fall: hier wird mit unklarer Argumentation und vor allem am falschen Objekt ein Popanz aufgebaut. Clickbait.
Gruß
Ulli
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Re: Weingesetz in Österreich in der Kritik
...für mich völlig egal, wie realistisch die 100 Suckling- oder 99 Falstaff-Punkte sind, ich find's gut, daß das Thema dadurch etwas breiter aufgestellt wird und vielleicht vielleicht vielleicht etwas Bewegung in dieses Thema kommt, denn dieses weinrechtliche Downsizing ist in A deutliche wie zunehmende Realität. Wenn die besten Weine des Landes dadurch ihre Herkunft mehr und mehr verleugnen müssen und sich zunehmend nur noch die Mainstream-Ware damit schmücken darf, dann läuft da m.E. was grundsätzlich schief...
Viele Grüße
Erich
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Re: Weingesetz in Österreich in der Kritik
Was ist denn hier das Thema? Dass eine Kostkommission entscheidet, was korrekt und herkunftstypisch ist und was nicht? Da wüsste ich denn doch gerne mehr darüber, welche Aspekte in diesem spezifischen Fall zur Ablehnung geführt haben. Aber hier: Fehlanzeige, denn das sagt niemand der Kritiker.
Oder ist es die Zulässigkeit und Nichtzulässigkeit von Rebsorten oder Vinifikationsverfahren im Rahmen einer Hekunftsbezeichnung, wie Geralds Beitrag nahelegt? Nicht in diesem Fall.
Oder sind es die wirtschaftlichen Auswirkungen, die eine Verweigerung der Herkunftsbezeichnung hat, die hier mit Sicherheit nicht gegeben sind?
Inwieweit spielen heute Herkunftsbezeichnungen überhaupt noch eine Rolle, wenn jeder - eine gepflegte Homepage des Erzeugers vorausgesetzt - mit ein paar Klicks feststellen kann, wo der Wein erzeugt wurde, aus welchen Trauben, mit welchen Methoden?
Gruß
Ulli
- Gerald
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Re: Weingesetz in Österreich in der Kritik
Ja, Ulli hat natürlich Recht, dass einerseits nirgends (zumindest in den leicht zugänglichen Quellen) zu finden ist, warum der Wein konkret abgelehnt wurde. Und andererseits, dass Roland Velich deshalb wohl nicht weniger davon verkaufen wird.
Mir gefällt nur eben nicht, dass die Einstufung als "regionstypisch" oder was auch immer durch die Kommission über das Bezeichnungsrecht und die in allen Köpfen verankerte Logik "je kleiner die Herkunftsbezeichnung, desto hochwertiger der Wein" quasi darüber entscheiden kann, ob der Wein jetzt hochwertig ist oder nicht - statt einfach, ob er typisch für die Region, die Rebsorte oder was auch immer ist. Und das ist genau die gleiche Thematik wie der Pinot noir aus dem Kamptal, der nur die Herkunftsbezeichnung Niederösterreich tragen darf, weder Kamptal und schon gar nicht die Einzellage.
Grüße
Gerald
Mir gefällt nur eben nicht, dass die Einstufung als "regionstypisch" oder was auch immer durch die Kommission über das Bezeichnungsrecht und die in allen Köpfen verankerte Logik "je kleiner die Herkunftsbezeichnung, desto hochwertiger der Wein" quasi darüber entscheiden kann, ob der Wein jetzt hochwertig ist oder nicht - statt einfach, ob er typisch für die Region, die Rebsorte oder was auch immer ist. Und das ist genau die gleiche Thematik wie der Pinot noir aus dem Kamptal, der nur die Herkunftsbezeichnung Niederösterreich tragen darf, weder Kamptal und schon gar nicht die Einzellage.
Grüße
Gerald