Hallo zusammen,
anbei einige Notizen zu südafrikanischen Rotweinen:
2023er "Follow the line" Cinsault Darling W.o.O. (Savage Wines, Cape Town) -Darling-
13 Vol%---41 Jahre alte Buschreben---6 % Verschnittanteil Syrah---
Duncan Savage gehört zu den Spezialisten für den Ausbau dieser selten reinsortig ausgebauten Rhone-Rebsorte: durchscheinende Pinot-Farbe, auch in der Nase pinotähnlich, Sauerkirsche, Brombeere, Himbeere, Hauch Erdbeere, ätherische Noten, dezent kräutrig, kühler Naseneindruck, am Gaumen trocken, elegante für Frische sorgende Säure, feinkörniges Tannin, eher "heller" Fruchteindruck, sehr saftig und trinkig, elegant, nur mittelgewichtig, von Würze und dezenter Samtigkeit getragener Ausklang. Die Verwechslungsgefahr mit einem Pinot noir ist hier durchaus vorhanden. Gelungener Wein für Liebhaber finessenreicher Weine (ca. 29 EURO Handelspreis).
2021er Grenache noir Swartland W.o.O. (David + Nadia Sadie, Malmesbury) -Swartland-
Ausbau in Holz und Beton---teilweise Verwendung ganzer Beeren bei der Vergärung---13,5 Vol%---
Farblich nicht viel mehr als rosefarben, auch hier will man sofort Pinot schreien, Erdbeere, Himbeere, etwas Craneberry, grüne Ätherik, sehr pur und elegant, am Gaumen komplett trocken mit stimmiger Säure, hellrote Fruchtaromatik, feinkörniges, dezentes Tannin, unauffälliger Alkohol, ordentliche Länge mit angenehmer retronasaler Rückaromatik. In der Tat wieder ein Wein für Pinot-Trinker. Ca. 30 EURO im Handel.
2022er "Primo" Pinotage Paarl W.o.O. (Fairview, Charles Back, Paarl) -Paarl-
13,5 Vol%---20 Monate Barriqueausbau---
Keine Südafrika-Probe ohne diese 1925 in Südafrika gekreuzte Rebsorte (Pinot Noir x Cinsault), deren Eigenheiten man erst in den Griff bekommen musste. Dieser Sortenvertreter ist ein absolutes Musterbeispiel für den gelungenen Umgang mit dieser Rebsorte: relativ kräftiges aber leicht durchscheinendes Rubinrot, wunderbar klare und reine Dunkelfrucht (Brombeere, Herzkirsche, Hauch Himbeere) mit angenehmer Holztönung, keinerlei grüne oder medizinale Töne, die diese Rebsorte früher oft so unattraktiv gemacht haben, nasal erinnert mich das an einen Top-St.-Laurent aus der Thermenregion, am Gaumen trocken, feine Extraktsüsse, sehr dichte, aber nicht kitschige Frucht, integriertes Holz, feinkörniges Tannin, elegante Aromatik, Kraft ohne Gewicht, klarer, ebenmässiger und durchaus langer Abgang. Viel besser geht Pinotage wahrscheinlich nicht!.
Berechtigter Preis (Handelspreis ca. 33 EURO).
2023er Pinot noir (Hamilton Russell, Hermanus) -Hemel-en-Aarde-Valley-
Dieser Pinot noir gilt seit vielen Jahren als wohl bester Sortenvertreter des Landes... und das zu Recht.
"Ehrliche" Pinot-Farbe (durchscheinendes Rubinrot), in der Nase extrem sortentypisch und voll auf der eleganten und duftigen Seite, Herzkirsche, Himbeere, Veilchen, Hauch sous bois, sehr elegant und finessenreich,Holz ganz im Hintergrund, am Gaumen trocken mit feiner Sucrosite, passende Säure, hochwertiges Tannin, das in 3-5 Jahren noch einen Tick mehr Finesse zulässt, mittelgewichtig, feine Beerenaromatik gepaart mit etwas Ätherik und zartem Holztouch, sehr elegant, auch hier besticht Im Abgang wiederum die langanhaltende Rückaromatik. Vorbildlicher Pinot, der in keiner internationalen Pinot-Probe fehlen sollte. Dürfte in den nächsten 2-5 Jahren noch an Finesse gewinnen. Hat leider seinen Preis (ca. 47 EURO im Handel).
2021er "Hannibal" Cuvee (Bouchard Finlayson, Hermanus) -Hemel-en-Aarde-Valley-
"wilde" Cuvee aus 41% Sangiovese, 26% Nebbiolo, 14% Shiraz, 11% Pinot noir, 5% Barbera und 3% Mourvedre---13 Vol%---RZ:2,7---S: 6,0---
Mittelkräftiges Rubinrot, nasal dominiert etwas der Sangiovese mit seiner Sauerkirschfrucht, etwas Brombeere, Hauch Cassis, wirkt frisch und nicht überpowert, am Gaumen trocken mit durchaus wahrnehmbarer, aber noch integrierter Säure, leicht eckiges, charaktervolles Tannin, nur mittelgewichtig, angenehme, eher dunkel angehauchte Beerenfrucht, frisch, nicht extrem tief, aber stimmig, mittellanger Abgang.
Aufgrund der durchaus vorhandenen Qualität dieser Cuvee scheint es sich nicht um eine "Resteverwertung" gehandelt zu haben, aber was der Sinn dieser ungewöhnlichen Rebsortenzusammenstellung sein soll, erschließt sich mir nicht unbedingt. Für 32 EURO im Handel macht er mir jedoch nicht genügend Spass
2021er Porseleinberg Syrah Swartland W.o.O. (Porseleinberg, Ribeek Kasteel) -Swartland-
Wenn ihr von dem Vorderetikett ein Foto schiessen wollt... vergesst es ! Weisses Etikett mit weisser, erhabener Schrift, das ist das Markenzeichen dieses Weins, der einen wohl den Eindruck von Porzellan (daher der Name Porseleinberg) auf der Flasche vermitteln soll. Die notwendigen Angaben stehen dann glücklicherweise auf dem Rückenetikett. Wenn ihr einen südafrikanischen Sommelier nach den besten Weinen des Landes fragt, der Porseleinberg Syrah ist stets dabei. Und das auch völlig zu Recht, denn es handelt sich um einen Syrah, der auch international ganz vorne mitspielt und in keiner Rebsortenprobe fehlen sollte. Hier werkeln auch 2 der angesagtesten Kellermeister mit, nämlich Callie Louw und Marc Kent (kennt

man auch von Boekenhoutskloof), und zusammen mit perfekten Syrah-Trauben auf "Schiefergeläuf" entsteht tatsächlich Großes.
Optisch ein kräftiges, aber nicht ganz blickdichtes Purpur, in der tiefgehenden Nase hat man ein komplexes Gemisch aus Dunkelfrucht (Maulbeeren, Cassis, Kirsche, Brombeere) und würzigen Noten (Piment, weisser Pfeffer, Hauch Leder und heller Tabak), schon in der Nase großartig, am Gaumen trocken, aber deutlich extraktsüss, trotzdem keinerlei Alkoholschwere (13,5 Vol%), perfekte Säureausrichtung, sensationelle Tanninqualität, extrem feinkörnig, nur zart schmirgelnd am Gaumen, aber kräftig vorhanden, daher eine makellose Struktur, vielfältige Frucht und Würze, sehr dicht und komplex, der Wein trinkt sich schon sehr gut, steht aber noch ganz am Anfang und wird zumindest über die nächsten 5-10 Jahre noch deutlich zulegen.
Ein sehr langer Abgang rundet diese kleine Kunstwerk "in progress" ab. Für mich klar ein Herausforderer für so manch teuren Syrah der nördlichen Rhone. In Anbetracht dieser Qualität ist der Wein sehr fair bepreist (ca. 60-70 EURO im Handel). Ich konnte tatsächlich einige Flaschen zum sehr günstigen Preis von 58 EURO ergattern.
2011er "Paul Sauer" Cuvee Simonsberg-Stellenbosch W.o.O. (Kanonkop) -Stellenbosch-
Cuvee aus 70% Cabernet Sauvignon, 18% Cabernet franc und 12% Merlot---2 Jahre neues französisches Barrique---14,5 Vol%
Hier sind wir jetzt in Pauillac angekommen

Der Traditionsbetrieb (seit 1910) beweist Jahr für Jahr, dass ihre Spitzen-Cuvee im Bordeaustil auch genauso gut und lange reifen kann wie ihre Vorbilder: unheimlich jugendlich in der Nase, nicht die Spur einer Alterungsnote, bildhübsche, cabernetgeprägte Aromatik, Cassis, reife Kirsche Brombeere, heller Tabak, Graphit, im Mund wunderbar klare Fruchtausprägung mit perfekter, zarter Holzuntermalung, am Gaumen perfekt ausgewogen, passende Säure, dicht und extraktreich, aber weit entfernt von Dickschiff, die 14,5 Umdrehungen sind in keiner Weise spürbar, grüne Ätherik (Hauch Minze) sorgt für Frische und Trinkigkeit, noch nicht ganz abgeschmolzenes Tannin, langer, ebenmässiger Abgang. Der Wein wird in den nächsten 3-6 Jahren seinen Peak erreichen und dürfte ihn erfahrungsgemäss über viele weitere Jahre halten. Gereifte Kanonkop-Weine dieser Spitzen-Cuvee aus Top-Jahren (wie 2011) sind auch international gesucht, so dass man hier durchaus mal an die 100 Euronen loswerden kann. Ich habe den Wein glücklicherweise aus einer Kellerauflösung für überschaubare 36 EURO erworben und habe dies auch nur in Anrechnung für die Probe gestellt. Ein echtes Schnäppchen
Zum Abschluss der Probe musste noch eine Stilistik präsentiert werden, für die Südafrika in der Vergangenheit auch einen gewissen Ruf hatte, nämlich alkoholverstärkte Weine im Port-Stil:
2020er Cape Vintage Reserve Calitzdorp W.o.O. (de Krans, Calitzdorp) -Calitzdorp-
Cuvee aus 71% Touriga Nacional und 29% Tinta Roriz (=Tempranillo)--1 Jahr Fassausbau---19 Vol%--über 30 Jahre alte Reben---
erwartungsgemäß ein völlig blickdichtes Schwarzrot, intensive Süsskirschfrucht a la Mon-Cherie, Hauch Holz, etwas Kräuter, sehr klar und eingängig,keinerlei oxidative Noten, am Gaumen passende Restsüsse (geschätzt vielleicht 80 -90 Gramm RZ), konterkariert durch saftige Säure, kraftvoll, trotz 19 Umdrehungen nicht spritig, feinkörniges Tannin, saftige Kirschfrucht, etwas Pflaume, Hauch Kräuter, sehr direkt und leicht verständlich auf durchaus hohem Niveau, intensiver, langer Nachhall. Die perfekte Ergänzung zu einem Stück Stilton oder noch besser zu dunkler Schokolade.