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Südtirol - die Rotweine

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olifant

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Re: Südtirol - die Rotweine

BeitragDi 16. Jan 2018, 10:58

olifant hat geschrieben:Antheos St. Magdalener Classico 2010, Ansitz Waldgries (Chr. Plattner) - St. Justina (Bozen), echter gemischter Satz von alten Reben und neu gepflanzten Reben: Grauvernatsch, Mittervernatsch, Tschaggelevernatsch, Edelvernatsch, Edelschwarzer, Geschlafener, Lagrein und Teroldego.

ungewöhnlich dunkel, Kirschrot; Him-, rote und schwarze Johannis-, dunkle Waldbeeren, würzig vegetal-krautige Nuancen, tief und sehr intensiv; am Gaumen gute mittlere Konzentration mit herb-intensiver Frucht korrespondierend zur Nase, mit Anklängen an dunkle Waldbeeren, dazu als Hintergrund würzig vegetal-krautig-stielige Aromen, (für Vernatsch) angenehm ausgeprägtes Tannin gepaart mit perfekter frischer Säure, sehr schöne Balance; langer bis sehr langer Abgang auf intensive leicht würzig herbe Frucht mit animierender Säure - 16,5-17/20 op...

Notiz Januar 2013

... und so zeigte sich der Wein vergangenes WE ...

Antheos St. Magdalener Classico 2010, Ansitz Waldgries (Chr. Plattner) - St. Justina (Bozen)

dunkles transparentes Kirsch- / Mittelrotrot; zunächst würzige rote und schwarze Beeren, vegetal-krautige Anklänge, nasser Stein; am Gaumen zunächst rotfruchtig-säuerlich und etwas flach, also erst mal gut Luft ziehen lassen - dann dreht der Wein richtig auf, aromatisch dicht mit würziger, herb-intensiver rot-/schwarzer Beerenfrucht korrespondierend zur Nase, dazu als Hintergrund würzig angenehme vegetal-schalige Aromen, spürbares feinsandiges Tannin, noch immer frische Säure, überraschend feste Struktur und schöne Balance; langer bis sehr langer Abgang auf intensive würzig dichte Frucht mit animierender Säure - 17-(17,5)/20 op

Für mich überraschend, dass der Wein anfangs so gar nicht bei sich war und erst mal ordentlich Luft benötigte, danach ein Wein im Glas, der nur entfernt an Vernatsch erinnert, aber dennoch Regionstypisch wirkt.
Grüsse

Ralf
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Weinbertl

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Re: Südtirol - die Rotweine

BeitragSo 18. Feb 2018, 13:19

olifant hat geschrieben:... vor kurzem im Glas ...

Fass No.9 Vernatsch 2016, KG Girlan - Girlan

transparentes Mittelrot; duftige würzige Rotfrucht (Erdbeere, Kirsche, Himbeere), dazu duftige florale Noten (Veilchen) mit leichtem Mandelton; mittlere Dichte, beschwingter geschmeidiger Ansatz, würzige rotfruchtige Aromen halten sich die Waage mit verspielten Blüten-, Würz- und Mandelnote, sanftes geschmeidiges Tannin, sehr schön eingepasste Säure, sehr harmonisch und sehr süffig; langer Abgang auf fruchtige leicht würzige und florale Noten, sehr animierend - 17-17,5/20 op

Jetzt schon optimal zu trinken - einer der schönsten klassischen Vernatsch die ich aus diesem Jahrgang bisher im Glas hatte, sowie m.M. der beste Fass No. 9 der letzten paar Jahre - beschwingt, unbeschwert, vergnüglich.

Und was noch Erwähnung finden sollte: Vernatsch passt sehr gut zu würziger chinesisch - asiatischer Küche, kommt auch mit Schärfe und extremeren Aromen gut zurecht. Einfach mal ausprobieren.


den 2016er hatte ich jetzt auch im Glas. Das Jahrgangspotenial wurde sicherlich sehr gut ausgeschöpft und dennoch bleibt er für mich ein typischer Fass No. 9. Leicht, beschwingt und von zarter hellroter Frucht. Er besitzt aber nicht die Intensität, Tiefe oder gar Komplexität eines Weins, dem ich 17-17,5 P. zusprechen würde. Bei mir landet er irgendwo bei 15-15,5 P. und ist damit sein Geld voll wert (bei unseren EDEKA´s z.Zt. im Angebot für 6,99 EUR). Im übrigen fand ich den 2015er auch nicht schlechter.
Grüße
Robert
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olifant

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Re: Südtirol - die Rotweine

BeitragMo 19. Feb 2018, 10:27

Hallo Robert,

ich hatte den 16er Fass Nr. 9 inzwischen auch schon mehrmalig im Glas. So gut wie beim erstenmal, siehe meine VKN, hat er mir danach nicht immer geschmeckt. Es gibt wohl mehrere Abfüllungen, die nicht gleich daherkommen. Aber auch jetzt sehe ich den Wein zumeist bei 16,5-17/20 op, zwar nicht so topp wie anfangs, aber doch noch immer ein sehr guter Vernatsch.
Ich muss aber auch gestehen, dass ich die Werte "Intensität,Tiefe, Komplexität" für Vernatsch ggf. anders interpretiere als für "schwere" Rotweine. "Beschwingtheit", um mit deinem Vokabular zu sprechen, ist für einen konventionell ausgebauten Vernatsch, für mich auch ein Kriterium, dass ich bspw. hoch ansetze.
Insofern habe ich auch kein Problem damit, dass wir in der Sicht des Weins durchaus auseinander liegen. Für mich sind bei Vernatsch dessen typische Eigenschaften und eben kein "ernster" und "wichtiger" Wein sein zu wollen, bzw. zu müssen, durchaus positiv belegt.
Einen Wein wie Südtiroler Vernatsch findet man nur in Südtirol und dessen Charakteristik finde ich auch kaum mit anderen Roten direkt zu vergleichen - die autochtone Herkunft geniesst bei dieser Sorte für mich einen nicht zu vernachlässigenden Stellenwert.
(... natürlich ist der Vernatsch als Trollinger auch bei uns verbreitet und genau so als autochton zu erachten, weist aber m.E. einen anderen Charakter auf und wird auch seitens der hiesigen Winzerschaft eher anders interpretiert.)
Grüsse

Ralf
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olifant

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Re: Südtirol - die Rotweine

BeitragMi 21. Feb 2018, 10:22

... noch ein kurzer Nachtrag zum 2016 Vernatsch Fass Nr. 9: gestern abend mal wieder im Glas und zum ersten mal meinerseits eher das Urteil "na passt schon" (ca. 15,5-16/20 op) und nicht "sehr gut" (um die 17/20 op).
Entweder deutlich unterschiedliche Abfüllungen oder die anfangs sehr schöne und prägende Frucht ist deutlich auf dem Rückzug. In jedem Falle bleibt noch immer ein guter Vernatsch.
Grüsse

Ralf
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Gaston

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Re: Südtirol - die Rotweine

BeitragDo 22. Feb 2018, 20:52

Lagrein hatte ich glaube ich noch nie als ganze Flasche, sondern hin und wieder nur als Probeschluck auf irgendwelchen (lange vergangenen) Veranstaltungen. In Erinnerung blieb mir ein sehr kräftiger, tanninbetonter Rotwein. Hierbei handelt es sich um den Basis-Lagrein der wohl recht bekannten Kellerei Terlan. Preis im deutschen Handel um die 11 Euro.

Bild

Von der Rebsortenstilistik assoziierte ich sofort Zweigelt - Frucht-Kraft-Tannin – und den mag ich ja ganz gern. Auch dieser Wein gefiel mir ziemlich gut, passte wunderbar zum Entrecote. Ich kann mir gut vorstellen, dass ein gereifter Lagrein der höheren Klasse ziemlich guter Stoff sein kann...
Beste Grüße
Gaston
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olifant

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Re: Südtirol - die Rotweine

BeitragMi 18. Apr 2018, 08:34

... gestern im Glas ...

Elda 2010 Vino Rosso, Nusserhof (Heinrich Mayr) - Bozen (St. Magdalena), NK, Bio, 12% Alc., im Eigentlichen mit 85% Vernatsch und 15% anderer Sorten ein St. Magdalener, der jedoch aufgrund Verletzung irgendwelcher Disziplinarien nur als Vino Rosso, also Wein der untersten Kategorie, firmiert.

transparentes, glänzendes sehr dunkles Mittelrot, für die Sorte erstaunliche 'Kirchenfenster', minimaler Wasserrand; in der Nase reife Wildkirsche, Erdbeere, Maulbeere, Veilchen, dazu ein gewisser erdig-vegetaler (Kartoffelschalen?) Anklang und Mandelnoten; am Gaumen mittlere Konzentration, jedoch aromatisch dicht, reife unaufdringliche würzig, minimal erdiger, Fruchtcocktail des Naseneindrucks, dazu wieder Veilchen und Mandelnoten, noch spürbares, feines Tannin, sehr schön ausbalanzierte Säure, Extraktsüsse, trocken, sehr trinkanimierend, schwer zu fassen, neugierig machend, verspielte Komplexität; langer Abgang mit Aromen des Gaumens, mit schönem Spiel aus Extraktsüsse und gewissem Tannin - 17,5/20 op

Bio heisst hier nicht Naturwein, sondern Perfektion ;) im Einklang mit der Natur.
Ein Wein, der eher an einen warmen fruchtigen Chianti oder einen aufgeräumten beschwingt fruchtgetragenen angereiften Pinot Nero denken lässt, denn an Vernatsch.
Ein erstaunliches Gewächs, der für mich neben Pranzegg's Campill, Donà's Rouge und Plattner's Antheos ganz sicher zu den andersartigen Ausnahmeweinen dieser Sorte zählt.
Der Wein animiert mich sich auch mit anderen Weinen des Hofs zu beschäftigen - günstig wird das nicht.
Grüsse

Ralf
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Re: Südtirol - die Rotweine

BeitragSo 6. Mai 2018, 19:36

Hier noch ein paar rote Südtiroler der letzten Zeit:

Bild

und noch eine Kurzbeschreibung, da im Restaurant genossen:
Bild
Viele Grüße
Erich


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olifant

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Re: Südtirol - die Rotweine

BeitragDi 8. Mai 2018, 08:40

Hallo Erich,

Hofstätters Mazon Riserva ist wohl einer der verlässlichsten Südtiroler PN. Was die wirkliche Qualität der PN ausmacht zeigt sich für mich aber oft erst nach 8-10 Jahre: entwickeln sich betörende Tertiärnoten, oder bleibt es einfach nur ein sehr guter Wein. Das ist selbst beim Mazon Riserva so.
Ebenso durfte ich schon die Erfahrung machen, dass PN, die in ihrer Jugend mit eher plakativer Frucht gesegnet waren, in der Reife noch recht betörend geworden sind, wie bspw. Carlotto-Ferruccio.

Auch wenn ich schon recht lange in Südtiroler Gefilden unterwegs bin, habe ich für mich kein verlässlichen Indikator bei noch jungen PN ausmachen können, wohin die Entwicklung des Weins denn gehen wird.
Verlässlich sind für mich eher allgemeine Aussagen zur Qualität des Jahrgangs oder eines möglichen Potentials, denn zu einzelnen Weinen möglich.

Letzlich bin ich dann, bei PN einerseits oftmals zurückhaltend und andererseits wenig experimentierfreudig, sodass meinerseits meist nur sehr selektiv gekauft wird.
Wenn sich dann ein Wein mal als wirklich besonders erweist, dann bereue ich dafür, nicht mehr Flaschen mitgenommen zu haben.
Grüsse

Ralf
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Invest

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Re: Südtirol - die Rotweine

BeitragDi 8. Mai 2018, 11:48

Guten Tag zusammen,

war am Wochenende im Vinschgau und natürlich durfte zu der sehr guten Südtiroler Küche auch ein dem Essen entsprechender Wein nicht fehlen:

Porphyr 2009 Riserva
Kellerei Terlan
100% Lagrein, 14% Alk.

Satte rubinrote Farbe. Geschmeidiger und saftiger Antrunk, sehr harmonisch, sehr gute Struktur, kühle volle beerige Frucht ohne jegliche Marmeladigkeit oder Überreife. Erinnert an einen Klasse St. Emilion. 92-93 Pkte. Zu Gross fehlt ihm die dafür nötige Komplexität und Tiefe. Hierbei muss jedoch gesagt werden, dass die Flasche gleich nach Öffnen ohne Dekantierzeit konsumiert wurde. Sehr gute Qualität, kann man sich sicherlich ein paar Flasche aus nachfolgenden Jahrgängen in den Keller legen:

Barleith 2015
Tröpfltalhof
Cabernet Sauvignon, 13% Alk.
Amphorenwein

Noch nie gehört, auf Empfehlung des Sommeliers eine Flasche öffnen lassen. In der Nase vielschichtige Beerenaromatik, Anklänge von orientalischen Gewürzen, feine Komplexität, gut und vielversprechend. Feine kühle Beeren im Antrunk, wieder unterschiedlichste vielschichtige tiefgründige Geschmackserlebnisse, weich, harmonisch, er singt, verlangend, in die vielfältigen feinen Nuancen und leisen Töne hineinzuhören und wahrzunehmen. Ein etwas anderer CS, sehr elegant und edel, vielschichtig, spannend und mit guter Länge! 93 Pkte.

Gruss
Christian
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Re: Südtirol - die Rotweine

BeitragDi 8. Mai 2018, 15:02

olifant hat geschrieben:Auch wenn ich schon recht lange in Südtiroler Gefilden unterwegs bin, habe ich für mich kein verlässlichen Indikator bei noch jungen PN ausmachen können, wohin die Entwicklung des Weins denn gehen wird.


Das ist bei mir auch eher Gefühlssache. Gute Gefühle hatte ich z.B. in letzter Zeit auch bei Verkostungen beim Stroblhof (Riserva), bei Tiefenbrunner (Turmhof und Linticlarus) sowie Manincor (Mason). Andere Blauburgunder waren mir da häufig zu kitschig / plakativ oder sonstwie "komisch". Ich konnte mich deshalb bisher auch noch nicht durchringen, mal einen PN von Franz Haas zu kaufen, der (bzw. die) ja an anderen Stellen gerne mal hoch gelobt wird...
Viele Grüße
Erich


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