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Alte weiße Burgunder

Chablis, Auxerre und Umgebung, Côte de Nuits, Côte de Beaune, Châlonnais, Maconnais, Beaujolais und Lyonnais
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Dionisos

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Alte weiße Burgunder

BeitragSo 13. Feb 2011, 15:40

Hallo Burgunder-Freunde,

im Keller habe ich noch ne Flasche Corton-Charlemagne Grand Cru Dom. Jacob Robert & Raymond 1991 gefunden. Jetzt überlege ich, ob ich die Bouteille heut abend zum Perlhuhn köpfe oder mir das Risiko einer Enttäuschung erspare. Rein optisch macht die Bouteille einen sehr guten Eindruck: soviel ich durch die Flasche sehen kann klare Farbe ohne oxydative Tönung, Füllstand wie frisch abgefüllt.

Kann mir jemand was dazu sagen?
Das Leben ist zu kurz um schlechten Wein zu trinken.
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thvins

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Re: Alte weiße Burgunder

BeitragSo 13. Feb 2011, 15:51

Hallo Tom,

wenn du damit heute kein Glück hast, wann dann? Aufreißen und berichten und dem Perlhuhn etwas abgeben, wenn er schon einige Reifenoten hat - das Bratenfett mit einem guten Schuck Wein und Creme Fraiche zur Soße verarbeiten, bin mir sicher, dass das Huhn sich drüber freut.

Ich könnte mir einen schön gereiften, sehr komplexen Wein vorstellen, der begeistert, so er denn noch am Leben ist. Aber warum sollte er das nicht mehr sein?

Bin auf deinen Bericht gespannt...
Beste Grüße

Torsten

http://www.torsten-hammer-priorat-guide.com
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Grenache

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Re: Alte weiße Burgunder

BeitragSo 13. Feb 2011, 16:26

Nun, ein 1991 Corton-Charlemagne zählt ja noch nicht unbedingt zu alten Burgundern, das ist einer der langlebigsten weißen Burgunder überhaupt.
Eine Enttäuschung wird das ganz sicher nicht werden, die Domaine Robert et Raymond Jacob in Ladoix-Serrigny macht immer ordentliche Weine und das PLV stimmt auch. An Corton-Charlemagne besitzen sie 1,07ha und das ist hier eine ganze Menge.
1991 war bei weißen Burgundern kein Spitzenjahrgang, schlecht war er aber auch nicht.
Gruß, Grenache
There are 2 reasons for drinking: one is when you are thirsty to cure it, the other, when you are not thirsty to prevent it...prevention is better than cure.
Thomas Love Peacock
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Dionisos

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Re: Alte weiße Burgunder

BeitragDi 15. Feb 2011, 21:33

Hier mein Bericht zum Corton-Charlemagne Grand Cru Dom. Jacob 1991 :

Im Glas goldfarben kristallglänzender Tropfen. In der Nase leichte, flüchtige Noten von Marzipan und überreifen gelben Stachelbeeren. Naja... nen Corton-Charlemagne stellt man sich doch oppulenter vor. Und jetzt kommt der Moment der Wahrheit: Am Gaumen habe ich keinen Corton Charlemagne, sondern einen Fino Sherry. Zwar nicht den schlechtesten... Zu den oxydativen Sherryaromen gesellen sich noch Marzipan und dezente Noten von Zitrusfrüchten, Orangen- und Zitronenschale sowie Raucharomen. Im Abgang alkoholisch und Bittertonic-Aromen.

In der Schule würde man sagen: Thema verfehlt (statt weißen Burgunder gab's nen Sherry), 6!". Wenn ich Milde walten lasse, sind es 75-79 Punkte. Die 79 Punkte-Tendenz gibt es, weil der Räucheraal, den ich als ersten Gang hatte, recht gut paßte. Zum Hauptgericht, dem Perlhuhn machte er sich nur in der Soße ziemlich gut, nicht schlecht wiederum zum Schlußgang - gereifter Brillat Savarin.

Leider wieder eine ziemlich enttäuschende Erfahrung mit nem alten weißen Burgunder, die sich einreiht in die Erfahrungen mit über 10 Jahre alten Beaune 1er Cru, sowie Chablis 1er Cru und Grand Cru.

Und die Moral von der Geschicht:
Trau altem Chardonnay gar nicht!

Werd mir jetzt zur eiseren Regel machen niemals einen mehr als 10 Jahre alten Chardonnay ins Glas zu lassen.

Corton Charlemagne 1991(2).jpg
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octopussy

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Re: Alte weiße Burgunder

BeitragMi 16. Feb 2011, 12:26

Dionisos hat geschrieben:Werd mir jetzt zur eiseren Regel machen niemals einen mehr als 10 Jahre alten Chardonnay ins Glas zu lassen.

Selbst schuld, wenn du was verpasst :lol:.

Mal im Ernst, ich habe noch nicht wahnsinnig viele weiße Burgunder getrunken, die älter als 10 Jahre sind, ein paar waren aber schon dabei und vor allem auch viele, die hervorragend gealtert sind. Eine so pauschale Aussage von Dir halte ich daher für kurzsichtig. Aber du kannst ja selbst entscheiden, was du in dein Glas lässt ;).
Beste Grüße, Stephan
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Weinzelmännchen

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Re: Alte weiße Burgunder

BeitragMi 16. Feb 2011, 14:30

Dionisos hat geschrieben:Werd mir jetzt zur eiseren Regel machen niemals einen mehr als 10 Jahre alten Chardonnay ins Glas zu lassen.


Ich hatte unlängst einen Chardonnay 2000 von Edi Kante (Prepotto, nahe Triest) im Glas. Kurzgefasstes Ergebnis: keine Spur von Alterung; schier unglaublich. Dionisos, gib also nicht auf! Verlege vielleicht deinen Interessensschwerpunkt ;) !
MvG
(Mit vinophilen Grüssen)

Daniel
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Trapattoni

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Re: Alte weiße Burgunder

BeitragFr 3. Mai 2019, 14:42

Eigentlich passt 2003 für mich nicht zum Thema, aber da hier die Rede von "älteren" Chardonnays war, poste ich mal eine positive Überraschung, weil ich mir von diesem Jahrgang nicht viel versprochen hatte:

2003 Chassagne-Montrachet "Les Encégnières" von der Domaine Marc Colin

Diesen Wein habe ich gestern offenbar auf dem Punkt "erwischt". Direkt nach dem Öffnen das volle Potpouri an tropischen Früchten, reife gelbe Früchte, ein Hauch Haselnuss - so muss es sein. Handwerklich, wie von Marc Colin gewohnt, perfekt gearbeitet. Eine tolle runde Geschichte mit ordentlicher Länge und sogar noch Potenzial. :D
Hierfür würde ich 94+ Punkte zücken.

Viele Grüße und ein schönes Wochenende
Dieter
"Das Trinkgeschirr, sobald es leer, macht keine rechte Freude mehr."
Wilhelm Busch
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Der Wein-Schwede

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Re: Alte weiße Burgunder

BeitragFr 19. Jul 2019, 20:19

Jean Thevenet - Domaine de la Bongran (Macon Clessé) 1999

Gerade eine alte Chardonnay "Rarität" aus Burgund aufgemacht.

Der Winzer Jean Thevenet ist immer ein eigenwilliger Person gewesen. Er hat mit den "Wein-Behörden" für das AOC System Konflikte gehabt. In der Mitte der 90-er Jahren wurde er verboten die AOC Bezeichnung "Macon-Clessé" zu verwenden. Man meinte dass seine Weine "atypisch" waren - das heisst die haben damals die übrigen Maconnais Winzer (OBS! Maconnais, nicht Poully-Fuissé welche eine andere Appelation ist) so überschattet das es peinlich war.
Eine Tiefe und Konzentration hatte immer seine Weine, wo die herkömlichen Maconnais-Weissen nur "wässrig" waren. So er wurde von den Behörden zu AOC "Macon-Villages" degradiert.

War ihm egal, har hatte seine Kunden, wurde jährlich bei Parker selbst im Wine Advocate hoch gelobt. In der Weinfilosophie war er auch anders, er sagte: "Je n'aime pas le goûte de Bois", und er machte Seine Weine in grossen alten Holzfässern. Seine Weine haben auch öfters eine sehr kleine Restsüsse dabei. Diese wird nach 20 Jahren natürlich nicht mehr spührbar sein.
Kann man den Wein noch trinken? Ich bin ja wie bekannt kein Freund von gereiften Weinen!
Schauen wir mal.....

Die Farbe ist Tief-Gold mit Andeutungen von Bernstein.
Im Glas ist der Wein fast wie Öl wenn man das Glas herumschwängt. Sieht sehr dicht aus, "Fenster" wie ein Trockenbeerenauslese.
Nase: Honig, Vanille, Bienenwachs, leicht weisse Rosinen, ein Hauch Blutorange, minzige Kräuter, auch leicht vegetabilsche Töne (aber süsslich, nicht herb wie in einem jungen Chardonnay).
Gaumen: Extrem dicht/ölig, wie Flüssig-Honig, milde Säure, Creme Brulée-Pudding. Viel Toffee im Abgang. Der Wein ist noch frisch und nicht "vorbei"!

Die letzte Flasche, die anderen sind seit Ewigkeiten ausgetrunken. Man muss wirklich diesen alten "Macon-Villages" bewundern.
Sehr schwierige Bewertung (ich fehle das nötige Referenzspektrum) aber:
92 W-S Punkte.
(könnte auch 88 oder 95 sein, abhängig von wer der Verkoster ist. :geek: )

Viele Grüsse
Rolf
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