Bordeaux 2016

Medoc und seine Appellationen, Bourg und Umgebung, Fronsac, Pomerol, Saint Emilion und Umgebung, Entre Deux Mers, Graves und Pessac-Leognan, Sauternes und Co.
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ledexter
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Re: Bordeaux 2016

Beitrag von ledexter »

harti hat geschrieben: [...] Mir hat der Pape Clement in 2015 sehr gut gefallen und ich fand den Preis mit knapp 59 € ex Negociant sehr fair - insbesondere im Kontext der Jahrgänge 05/09/10. Auf Pape hat augenscheinlich ein Stilwechsel stattgefunden. In der Nach-Parker-Ära setzt man wieder auf klassisch gebaute Weine. Da er mit seiner Herkunft (Pessac) wie die Haut Brions eine Sonderstellung einnimmt, ist er sicherlich besonders interessant für Leute, die das Tabakaroma schätzen, das Weine aus dieser Ecke in der Reife entwickeln, die dafür aber nicht gleich 500-1000 € je Flasche ausgeben wollen.
Erstaunlicherweise haben die Verkoster, welche den schon sehr gut bewerteten 2015er letztes Jahr am schlechtesten von allen bewerteten, anscheinend am 2016er Pape Clement trotzdem gefallen gefunden. Die Bewertungen für den 2016er sind sehr homogen und die niedrigsten Werte die ich finden konnte waren 93 Pkt (unsere revolutionäre Rebecca Gibb mal ausgenommen).

Tim Atkin
2015 Pape Clement 88 Pts
2016 Pape Clement 93 Pts

Jeannie Cho Lee
2015 Pape Clement 89 Pts
2016 Pape Clement 93 Pts
toska
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Re: Bordeaux 2016

Beitrag von toska »

...dann schubladisier ich die 2 Verkoster mal als "Konzentrationsbewerter", welche erst heuer verstanden haben, dass ein weniger konzentrierter PC nicht unbedingt abgewertet werden muss, wenn dafür andere Tugenden auftreten.

GT
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harti
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Re: Bordeaux 2016

Beitrag von harti »

Vielleicht helfen die Bewertungen von Neal Martin zur Einordnung (beide Jg. je 95-97 P.):

The 2016 Pape Clement is a blend of 50% Merlot and 50% Cabernet Sauvignon this year, picked from 30 September until 19 October at 48 hectoliters per hectare. The first bottle that I tasted with Bernard Magrez and his team felt a little overdone, but I had a strong suspicion that it was not a representative bottle. A second bottle was more restrained on the nose with blackberries, red plum, a touch of cloves and a light iodine influence. I love the delineation and detail here. The palate is medium-bodied with a graphite-infused entry, plenty of black fruit, saline in the mouth with great depth and cohesion on the long and tender finish. It continues Pape-Clement/Bernard Magrez' move towards a more classic style compared to the previous decade. Tasted four times, once as I mentioned, unnecessarily richer in style, but the other three consistent.

The 2015 Pape Clement is a blend of 56% Cabernet Sauvignon, 40% Merlot and 4% Cabernet Franc. It was cropped at 40 hl/ha between 25 September and 15 October with berry by berry destemming. It has a drop-dead gorgeous bouquet that continues the ever greater finesse that has been imparted into this Pape-Clément in recent years. It is extremely precise, almost crystalline. The palate is underpinned by fine tannin, pitch-perfect acidity, a sense of cohesion and harmony that is outstanding. There is not a hair out of place on this barrel sample and it will doubtless evolve into one of the best wines this state has produced since the 14th century, when Bertrand de Goth was planting its first vines. This comes highly recommended - a Pape-Clément that will reward those who can resist temptation and cellar this wine for 10+ years. Tasted on four separate occasions.


Grüße

Hartmut
Ollie
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Re: Bordeaux 2016

Beitrag von Ollie »

toska hat geschrieben:...dann schubladisier ich die 2 Verkoster mal als "Konzentrationsbewerter", welche erst heuer verstanden haben, dass ein weniger konzentrierter PC nicht unbedingt abgewertet werden muss, wenn dafür andere Tugenden auftreten.
Kannste machen, aber ich denke, damit laegest du gerade bei diesen beiden ziemlich falsch. Der 2016er wurde naemlich durchaus noch von anderen Verkostern als dem 2015er ueberlegen wahrgenommen (Hervorhebungen von mir):

Bettane & Dessauve
Moitié cabernet, moitié merlot comme ses voisins de Pessac, et une merveilleuse texture au service d’une expression de terroir marquante, elle aussi, par la précocité des notes fumées (créosote) liées au merlot sur les terres de cette commune. Grand vin plus harmonieux que le 2015 à sa naissance.

Justerini & Brooks
Bernard Magrez's flagship estate is often a huge disappointment. It's wonderfully situated in the suburbs of Pessac, but it is regularly a victim of its own ambition. The 2016 was a pleasant surprise. It still boasts a deep, inky colour, a slightly ponderous nose of gravel, brooding minerals, flowers and crème de cassis. The palate is taut and focussed with waves of Morello cherry fruit; pure, serious and long with a fine gravelly minerality. The tannins are really impressive, laced with detailed red berry fruit and graphite. This ranks amongst the best young Pape Clements we have tasted. Bravo!

Jane Anson (Decanter)
Pape Clément retains its customary oak and black fruit impact on the nose in 2016, but without doubt they have sculpted the body. This has thrillingly bright dark berry fruits and a sharp shot of vitality that takes you through from beginning to end. Beautiful touches of minerality on the powerful palate, wrought into an elegant style without losing its texture and sense of depth. This is a step-change in many ways from the vintages where Pape Clément went all-out for power.

Es scheint, der Abgang von Parker wuerde nun einige Winzer zum Umdenken bewegen, oder wie erklaert sich die Stilaenderung besonders (aber eben nicht nur) bei einigen Bordeaux?

Cheers,
Ollie
Yeah, well, you know, that’s just like, uh, your opinion, man.

Parfois, quand c'est trop minéral, on s'emmerde.

"Souvent, l'élégance, c'est le refuge des faibles." (Florence Cathiard)
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harti
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Re: Bordeaux 2016

Beitrag von harti »

Ollie hat geschrieben:
toska hat geschrieben:...dann schubladisier ich die 2 Verkoster mal als "Konzentrationsbewerter", welche erst heuer verstanden haben, dass ein weniger konzentrierter PC nicht unbedingt abgewertet werden muss, wenn dafür andere Tugenden auftreten.
Kannste machen, aber ich denke, damit laegest du gerade bei diesen beiden ziemlich falsch. Der 2016er wurde naemlich durchaus noch von anderen Verkostern als dem 2015er ueberlegen wahrgenommen (Hervorhebungen von mir):

Cheers,
Ollie
Hallo Ollie,

Deine Schlussfolgerungen sind zumindest in Bezug auf Jane Anson nicht korrekt. Sie bewertet den 15er mit 95 P. höher als den 16er (94 P.). Sie schreibt zum 15er: Clear reductive environment, saving the best nose for the consumer and not for en primeur. A lovely richly textured wine –really velvety with gorgeous purity to the damson and black cherry fruits.

Grüße

Hartmut
Olaf Nikolai
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Re: Bordeaux 2016

Beitrag von Olaf Nikolai »

Die Jahrgänge 15 und 16 scheinen mir bei Pape Clement stilistisch vergleichbar. Da ich beim 15er im Boot sitze ergibt sich für mich keine Kaufanreiz bei rund 20€ höherem EVP.......
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ledexter
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Re: Bordeaux 2016

Beitrag von ledexter »

Olaf Nikolai hat geschrieben:Die Jahrgänge 15 und 16 scheinen mir bei Pape Clement stilistisch vergleichbar. Da ich beim 15er im Boot sitze ergibt sich für mich keine Kaufanreiz bei rund 20€ höherem EVP.......
Bei mir genau die selbe Situation, nur bin ich mir noch unsicher. Bei den Händlern steht der 2016er Pape Clement für 90 Eur, was schon ein ordentliches Pfund ist und der 2015er ist immer noch für 85 Eur zu haben.
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octopussy
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Re: Bordeaux 2016

Beitrag von octopussy »

Was ich ja interessant finde, ist, dass manche erst jetzt bei Pape Clement von einem Stilwechsel sprechen (Weingüter mit häufigen Stilwechseln sortiere ich übrigens kategorisch aus). Hieß es nicht letztes Jahr schon, dass der 2015er viel smoother sein soll als die Weine von vorher?
Beste Grüße, Stephan
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vanvelsen
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Re: Bordeaux 2016

Beitrag von vanvelsen »

Pape Clement hat zwischen 2003 und 2010 sehr stark mit Neuholz experimentiert. Seit ca. 2011 das Neuhholz deutlich zurückgefahren worden, da sie bemerkt haben, dass Holz/Fruchtbomben langfristig nicht auf viel Gegenliebe stossen. Der 2015 war bisher die Krönung, 2016 habe ich letzten Donnerstag noch etwas höher bewertet als 2015. Hier der Sneak Preview zu Pape (die ganzen VKNs von rund 60 Weinen folgen am Donnerstag auf www.vvWine.ch)

===
2016, Château Pape Clément, Péssac-Léognan (Bordeaux Blend): sehr rauchige, noble und tiefe Nase, Tabak, dunkle Beeren, schwarze Kirschen, Brombeeren, Heidelbeeren, Leder, grossartiges aromatisches Potential. Im Auftakt fast harmlos, dann packt der Wein zu, feinste Gerbstoffe, sehr satte Frucht, einiges an Schmelz, dabei nicht plump, keinerlei Holzdominanz, sehr saftig und gradlinig, straff, klar und präzis, im Abgang würzig und temperamentvoll. Bestätigt die Klasse der Vorjahre, Bravo. 2025-2050+. 19 vvPunkte (96/100)
===

Hier geht's zur VKN des 2015er: http://www.vvwine.ch/2016/04/verkostung ... 15-em.html

Aus meiner Sicht ist Pape Clement auf einem sehr, sehr guten Weg.

Gruss,

Adrian
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harti
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Re: Bordeaux 2016

Beitrag von harti »

octopussy hat geschrieben:Was ich ja interessant finde, ist, dass manche erst jetzt bei Pape Clement von einem Stilwechsel sprechen (Weingüter mit häufigen Stilwechseln sortiere ich übrigens kategorisch aus). Hieß es nicht letztes Jahr schon, dass der 2015er viel smoother sein soll als die Weine von vorher?
Hallo Stephan,

vielleicht haben es nicht alle (Weinjournalisten) im letzten Jahr mitbekommen ;) .

Und: Sei bitte nicht so streng; man muss den Weingütern auch mal Irrwege zugestehen :lol: .

Grüße

Hartmut
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