Bordeaux 2016

Medoc und seine Appellationen, Bourg und Umgebung, Fronsac, Pomerol, Saint Emilion und Umgebung, Entre Deux Mers, Graves und Pessac-Leognan, Sauternes und Co.
Matthias Hilse
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Re: Bordeaux 2016

Beitrag von Matthias Hilse »

Was solche Umfragen evozieren, möchte ich an einem konkreten Beispiel erläutern. Clerc Milon ist ein Wein, für den es in Deutschland (nach eigener Erfahrung - etwas über 40 Jahrgänge) en primeur eine eher nicht sehr stark ausgeprägte Nachfrage gibt. Gleichwohl war die Nachfrage nach Clerc Milon 2016 in Bordeaux so groß, dass man selbst mit Allokationen von den Negociants zur Eile bei der Entscheidung gedrängt wurde, ob man die Zuteilung bestätigen möchte. Den Negociants wurde der Wein förmlich aus den Händen gerissen, was man nur im Lichte solcher "Insights" verstehen kann.

Bei gesundem Menschenverstand betrachtet, lädt die Erwartung, dass dies in 2016 anders sein könnte, dem Jahrgang selbst eine solche Bürde auf (etwa in der Art, dass man garnicht genug 2016 kaufen kann, weil alles wie warme Semmeln weg gehen wird), die dann aber in der gleichen Umfrage dann aber überhaupt nicht durchscheint. In sich halte ich daher die Ergebnisse für inkonsistent. Gleichwohl hechelt "der Markt" den Ergebnissen hinterher.

Was dabei gerne übersehen wird: die globale Verteilung durch die Negociants ist heute schon so gut, dass es keiner Intermediäre mehr bedarf, die den Wein von A nach B verschieben.

Herzliche Grüße,
Matthias Hilse
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UlliB
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Re: Bordeaux 2016

Beitrag von UlliB »

Matthias Hilse hat geschrieben: Was dabei gerne übersehen wird: die globale Verteilung durch die Negociants ist heute schon so gut, dass es keiner Intermediäre mehr bedarf, die den Wein von A nach B verschieben.
Dafür bräuchte man auch die Negociants nicht; das könnten global agierende Logistiker übernehmen, die von der Lagerhaltung bis zur Auslieferung an den Endkunden die gesamte Kette verantwortlich übernehmen. Das geschieht so bereits in vielen Branchen.

Im Prinzip wären die Negociants das überflüssigste Glied im gesamten System, wenn die Chateaux sie nicht regelmäßig als Finanzpuffer (miß-)brauchen würden und denen die Weine aufdrücken, ohne sich um deren Verbleib die geringsten Gedanken machen zu müssen.

Es wird aber wohl nicht mehr allzulange dauern, bis einige Erzeuger die gesamte vor dem Einzelhandel vorgelagerte Vertriebskette unter ihre eigene Kontrolle bringen und damit den Anfang vom Ende des momentanen "System Bordeaux" einläuten. Der letzte Schritt wäre dann der Direktvertrieb an den Endkunden.

Gruß
Ulli
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innauen
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Re: Bordeaux 2016

Beitrag von innauen »

UlliB hat geschrieben:
Dafür bräuchte man auch die Negociants nicht; das könnten global agierende Logistiker übernehmen, die von der Lagerhaltung bis zur Auslieferung an den Endkunden die gesamte Kette verantwortlich übernehmen. Das geschieht so bereits in vielen Branchen.

(...)

Es wird aber wohl nicht mehr allzulange dauern, bis einige Erzeuger die gesamte vor dem Einzelhandel vorgelagerte Vertriebskette unter ihre eigene Kontrolle bringen und damit den Anfang vom Ende des momentanen "System Bordeaux" einläuten. Der letzte Schritt wäre dann der Direktvertrieb an den Endkunden.

Gruß
Ulli
Hallo,

wohin der letzte Weg führt, hat Latour vorgemacht. So lange die Chateaus aber noch einen Rattenschwanz an "Petit Cru" mitschleppen (Montrose hat Phelan Segur; Leoville Poyferre hat Crock etc) braucht man die Negos noch wegen der schieren Menge an Wein.

Die offene Distribution (nicht die primäre durch die Negos, aber die sekundäre durch die Händler) versuchen einige Chateaus durch die Verwendung von RFID Etiketten zu unterbinden. Dann bekommt ein Händler, der seine unverkäuflichen Weine nach Fernost verklappt im Folgejahr einfach keine Zuteilung mehr, weil die ihm zugeteilten Weine auf einem für ihn nicht zugedachten Markt auftauchten.

Grüße,

Wolf
„Es war viel mehr.“

Johnny Depp dementiert, 30.000 Dollar im Monat für Alkohol ausgegeben zu haben. (Quelle: „B.Z.“)
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ledexter
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Re: Bordeaux 2016

Beitrag von ledexter »

Ich glaube ja wirklich, dass die Taktik von Cos'D Estournel aufgegangen ist. Das Chateau hat knappe 3 Wochen vor allen anderen released und war somit über einen sehr heissen Zeitraum als einziger Top 30 Bordeaux am Markt verfügbar.

Die Kampagne zieht sich schon wieder wie Kaugummi und wir werden in den nächsten Wochen überflutet mit Preisen und Releases.
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harti
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Re: Bordeaux 2016

Beitrag von harti »

Der Trend setzt sich fort:

Pape Clément 66 € + 12,2 %
Meyney 20,7 € + 11,3 %

Grüße

Hartmut
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ledexter
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Re: Bordeaux 2016

Beitrag von ledexter »

Pape Clement Ø 95,3 Pkt und Meyney Ø 92,9 Pkt beides sehr fair bepreist.
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medoc
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Re: Bordeaux 2016

Beitrag von medoc »

harti hat geschrieben:Der Trend setzt sich fort:

Pape Clément 66 € + 12,2 %
Meyney 20,7 € + 11,3 %

Grüße

Hartmut
Je länger ich auf die Preise schaue erwische ich mich dabei Pape Clement als günstig zu erachten. Das wird teuer wenn es so weiter geht. Sind die Aufschläge zu 2015 oder zu 2010?
Ich kenne Pape Clement nicht, ist er vergleichbar mit Haut Bailly?
Gruß Olli
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ledexter
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Re: Bordeaux 2016

Beitrag von ledexter »

medoc hat geschrieben: Pape Clément 66 € + 12,2 %
Meyney 20,7 € + 11,3 %

Je länger ich auf die Preise schaue erwische ich mich dabei Pape Clement als günstig zu erachten. Das wird teuer wenn es so weiter geht. Sind die Aufschläge zu 2015 oder zu 2010?
2010 Pape Clement 95 € ex nego
2010 Meyney 19 € ex nego
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medoc
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Re: Bordeaux 2016

Beitrag von medoc »

ledexter hat geschrieben:
medoc hat geschrieben: Pape Clément 66 € + 12,2 %
Meyney 20,7 € + 11,3 %

Je länger ich auf die Preise schaue erwische ich mich dabei Pape Clement als günstig zu erachten. Das wird teuer wenn es so weiter geht. Sind die Aufschläge zu 2015 oder zu 2010?
2010 Pape Clement 95 € ex nego
2010 Meyney 19 € ex nego
Danke, das macht Hoffnung. Ich warte auf die Leoville´s dieser Welt, das dauert aber auch....
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harti
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Re: Bordeaux 2016

Beitrag von harti »

Hallo Olli,

alle Angaben im Vergleich zu 2015. Mir hat der Pape Clement in 2015 sehr gut gefallen und ich fand den Preis mit knapp 59 € ex Negociant sehr fair - insbesondere im Kontext der Jahrgänge 05/09/10. Auf Pape hat augenscheinlich ein Stilwechsel stattgefunden. In der Nach-Parker-Ära setzt man wieder auf klassisch gebaute Weine. Da er mit seiner Herkunft (Pessac) wie die Haut Brions eine Sonderstellung einnimmt, ist er sicherlich besonders interessant für Leute, die das Tabakaroma schätzen, das Weine aus dieser Ecke in der Reife entwickeln, die dafür aber nicht gleich 500-1000 € je Flasche ausgeben wollen.

Grüße

Hartmut
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