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Ländervergleich Pinot Noir

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Ländervergleich Pinot Noir

BeitragDi 29. Aug 2017, 19:29

Vorletztes Wochenende habe ich 3 Pinots aus 3 Länder getrunken. Ab und an finde ich es spannend, sich die Unterschiede bei meiner "Lieblingsrebsorte" bewusst zu machen, um die eigenen (vermeintlichen) Präferenzen für bestimmte Regionen zu validieren.
In diesem Fall also Frankreich (Côte de Nuits) vs. USA (Sonoma Coast) vs. Schweiz (Graubünden) und damit ziemlich typische Regionen für den Pinot, die ich zudem alle sehr schätze.
Meine Probanden waren:
2012 Pinot Noir Sonoma Coast von Peay Vineyards
2011 Gevery-Chambertin 'Vielles Vignes' von Denis Mortet
2010 Fläscher Pinot Noir Reserve von Christian Hermann

Meine eher sehr allgemeinen (und eigentlich nicht unbedingt neuen) Erkenntnisse waren:
1. Pinot Noir ist je nach Land/Region extrem unterschiedlich
2. Keiner der drei Winzer scheint etwas "kopieren" zu wollen - okay im Fall von Mortet stellt sich die Frage auch gar nicht - was sollte die Bourgogne schon kopieren wollen ;) .
3. Der Zeitpunkt der optimalen Trinkreife ist ziemlich unterschiedlich - der Gevery von Mortet war eigentlich noch deutlich zu jung, der Pinot von Peay hat schon Spaß gemacht, wird sich aber sicher noch (positiv) entwickeln, der Pinot von Hermann war schon sehr weit, auch in der Farbe, da wird sich wohl nicht mehr viel positives tun.
4. Die Pinots von der Sonoma Coast und aus Graubünden müssten eigentlich vielen gut schmecken und sind in Sachen Pinot Noir gute Einstiegsweine. Burgund muss man sich bei Mortet "erarbeiten", ist dann aber auch der Wein mit dem meisten Tiefgang und damit langfristig der spannendste der Drei.
5. Ich mag alle Drei gerne, aber mein ohnehin etabliertes Ranking für Pinot bleibt auch nach diesem Feldversuch gleich: Burgund vor Kalifornien (teilweise sehr knapp) deutlich weiter hinten Schweiz auf Augenhöhe mit ein paar Spätburgundern aus Deutschland (das hier nicht vertreten waren)

Die Notizen im Detail:
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Hab noch ein paar Flaschen Pinot im Keller und mach das sicher noch öfter....
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Re: Ländervergleich Pinot Noir

BeitragDi 29. Aug 2017, 20:52

...die klingen eigentlich alle ganz nett, von der Beschreibung her wäre mir der Franzose möglicherweise der liebste, auch wenn er wohl eigentlich noch ein bißchen Zeit braucht...

VG Erich
Viele Grüße
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Re: Ländervergleich Pinot Noir

BeitragDi 29. Aug 2017, 21:56

Hi Erich,
schätze auch, dass Dir Burgund am nächsten liegen würde. Wobei ich mir vorstellen kann, dass US-Pinot in dieser speziellen Art wie ihn Peay oder andere gute Winzer von der Sonoma Coast machen, bei vielen (vielleicht auch bei Dir) ziemlich gut ankommen würde.... Hattest Du schon mal einen Pinot aus der Sonoma Coast im Glas?
VG Patrik
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Re: Ländervergleich Pinot Noir

BeitragMi 30. Aug 2017, 09:20

Hallo Patrik,
als ich vor ca. 9 Jahren zuletzt in Chicago / Southbend / Indianapolis / Virginia Beach war, hatte ich auch diverse Amis incl. PN im Glas, Sonoma war auch dabei, ich weiß aber nicht mehr welcher Winzer bzw. welche Rebsorte. Bezeichnend finde ich aus heutiger Sicht allerdings, daß die Weine, die mir bis heute (überhaupt) in Erinnerung geblieben sind, ein Pouilly-Fuissé und ein GT von Trimbach waren...
VG Erich
Viele Grüße
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Re: Ländervergleich Pinot Noir

BeitragMi 30. Aug 2017, 10:08

Dann waren die wohl eher nix oder nicht nach Deinem Geschmack....
Bei Gelegenheit können wir das ja noch einmal zusammen austesten, ob dich US-Pinot doch noch überzeugen kann ;)
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Re: Ländervergleich Pinot Noir

BeitragMi 30. Aug 2017, 15:00

Och, ich kann mir gut vorstellen, daß es da lecker Sachen gibt. Wir haben damals entweder Restaurantweine gehabt oder im gar nicht schlecht sortierten Fachhandel eingekauft. Ich muß aber auch gestehen, daß die Suche damals ohne jegliche Vorkenntnisse und wenig zielgerichtet erfolgte...
Viele Grüße
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Re: Ländervergleich Pinot Noir

BeitragDi 31. Okt 2017, 19:52

Gestern und heute habe ich mal wieder zwei Pinots parallel getrunken - jeweils auch zu einem schönen Essen.
Beide stammen aus dem Jahr 2013 (also jeweils deutlich zu jung - schon klar) und beide sind in einer vergleichbaren Preisklasse. Und beide haben in Summe nicht enttäuscht.
Genossen haben wir (meine bessere Hälfte und ich):
2013 Vougeot 1er Cru Les Petits Vougeot von Hudelot-Noellat (13,5 Volt)
und
2013 Pinot Noir Coastlands Vineyard von Cobb (13 Volt)

Les Petits Vougeot
Erster Tag
Nase: Nasser Kalkstein (dominant), Sauerkirsche, Schlehe, etwas Herbstlaub
Gaumen: Kraftvoll, elegant, gute Balance - ein klein wenig ruppig - relativ Lang am Gaumen aber unspektakulär.
Auch mit etwas Luft noch immer auf der kraftvollen Seite - der kalkige Duft in der Nase bleibt an erster Stelle, im Mund etwas runder aber ganz klar viel zu jung.
Zweiter Tag
Die Kalknote in der Nase noch immer sehr präsent, allerdings schieben sich reife Sauerkirschen deutlich weiter nach vorn. So duftet nur ein Pinot aus der Côte de Nuits.
Im Mund kühl und kraftvoll und (noch immer) viel zu jung - Babymord (war eigentlich klar). Schon trinkbar aber eigentlich mind. 5 Jahre zu früh.

Coastlands Vineyard
Erster Tag
Nase: Ganz leichter Stinker (der aber angenehm riecht), Himbeeren und Hagebutten, sehr dezent und eher hellfruchtig, eine leichte Meeresbrise hintenraus.
Gaumen: sehr elegant, fast schon leicht aber trotzdem mittellang am Gaumen - Die Säure ist mild, kleidet aber den gesamten Mundraum aus - Kalifornien ist nicht zu erkennen.
Etwas später auch etwas Orangenabrieb im Duft, das Mundgefühl geht immer mehr in Richtung Seide - noch immer ein ganz ruhiger, unspektakulärer Pinot aber wundervoll balanciert und wandelbar - erinnert mich immer mehr an Jean-Marie Fourrier.
Zweiter Tag
Auch am zweiten Tag ist der „schöne Stinker“ nicht ganz verschwunden. In Summe wirkt der Pinot würziger als am ersten Tag - hat sich also schon ein Stück weit entwickelt und das sogar in eine schöne Richtung. Das Mundgefühl ist hier ausgeprägter (für mich) als die einzelnen Geschmackskomponenten. Wie Seide und mit einem für das „leichte Grundgefühl“ ziemlich langen Abgang.
Ein Pinot der mich an Audrey Hepburn erinnert- filigran, elegant, unaufdringlich, weich und trotzdem mit einer warmen Ausstrahlung.

Ein absolutes Urteil über besser und schlechter fällt mir schwer - zu unterschiedlich sind beide Weine. Besser gefallen hat uns aktuell der Pinot von Cobb, der auch ohne direkten Vergleich ein sehr schöner Pinot ist, den man so in Kalifornien eigentlich kaum findet.
Meine bessere Hälfte hat blind sowohl gestern als auch heute beide Weine schon beim Reinriechen richtig zuordnen können. Trotzdem glaube ich, dass der Cobb solo kaum als Kalifornier identifizierbar ist (aber eben auch nicht unbedingt als Pinot aus der Bourgogne).
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Re: Ländervergleich Pinot Noir

BeitragDi 31. Okt 2017, 20:47

P-No hat geschrieben:Ein absolutes Urteil über besser und schlechter fällt mir schwer - zu unterschiedlich sind beide Weine.


Das kann ich "trocken" natürlich noch viel weniger als du / ihr. Aber so rein aus der Beschreibung heraus würde ich doch eher nach Frankreich schauen... :)
Viele Grüße
Erich


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Re: Ländervergleich Pinot Noir

BeitragDi 31. Okt 2017, 20:54

Wobei Ich mir (in diesem Fall) recht sicher bin, dass Dein Urteil im direkten Vergleich nicht unbedingt und eindeutig nach Frankreich tendieren würde. Gerade am ersten Tag war der Cobb viel eleganter und zurückhaltender - auf eine positiven Art - als der Petits Vougeot.
Ich hab von beidem noch was da. Also wenn Du mal in der Ecke bist, können wir das gerne ausprobieren ;)
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Re: Ländervergleich Pinot Noir

BeitragDi 31. Okt 2017, 21:35

Schauma mal, ist ja eh schon lange überfällig. Und ob aus dem 2. WV-Treffen jemals was wird, steht ja auch eher in den Sternen...
Viele Grüße
Erich


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