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Re: Südafrika WEISS

BeitragVerfasst: Mo 23. Jan 2017, 08:52
von Panamera
Hallo zusammen

Ich hatte neulich den Chenin Blanc "Quartz" 2013 von Mullineux im Glas. Für die Rebsorte ist die Säure erstraunlich tief, dafür die aromatische komplexität umso beeindruckender!

Mehr dazu hier: http://www.vvwine.ch/2017/01/terroirwei ... blanc.html

Viele Grüsse
Marcio

Re: Südafrika WEISS

BeitragVerfasst: Mo 16. Apr 2018, 18:45
von weinaffe
Hallo zusammen,

passend zum Thema hier die Weissweine unserer kürzlich durchgeführten Südafrika-Probe:

------ Cap Classique Chardonnay Brut (Colmant Family, Franschhoek)
zartes strohgelb, feine Perlage dank ca. 4 Jahre Hefelager, sehr sortentypische und frische Nase, Brioche, reifer Apfel, zart mineralisch, straffe, champagnerähnliche Säure, nur dezente Dosage (6,5 Gr.), dadurch betont herb, kristalliner Abgang. Durchaus auf Champagnerniveau, könnte auch mit einem solchen durchaus verwechselt werden, überzeugende Qualität. Mit knapp 27 EURO im hiesigen Handel allerdings auch preislich auf Champagnerniveau.

2016er Riesling W. O. Elgin (Spioenkop Wines, Elgin)
stammt aus einer der kühlsten Ecken des Ursprungsgebiets, Lage vergleichbar mit einer Mosel-Steillage, hier ist Handarbeit gefragt. Ungemein typische Riesling-Nase, "kühler" Eindruck, absolut keine Fruchtbombe, sondern ein introvertierter "Steinlutscher-Typ", der auch etwas Luft benötigt, Hauch Petrol in der Nase, auf der Zunge absolut trocken schmeckend, knackige, aber nicht unreif wirkende Säure, nur mittelgewichtig (12,5 Vol%), auf der Zunge Aprikose, knackiger Apfel, Zitrus, viel Grip, aber mit viel Trinkfluss ausgestattet, mittlere Länge. Würde auch einem deutschen Riesling durchaus zur Ehre gereichen. Erstaunliche Qualität für diese Rebsorte in Südafrika, viel besser wird wohl Riesling hier nicht gehen. Preislich allerdings kein Schnäppchen (ca. 25 EURO im Handel).

2016er Sauvignon blanc W. O. Constantia (Groot Constantia, Constantia)
sehr sortentypisch, hält gut die Mitte zwischen den vegetabilen, gemüsigen Noten (grüne Paprika, Fenchel) und den Fruchtnoten (Stachelbeere, Maracuja, Cassis), absolut nicht plakativ, frischer Gaumeneindruck mit etwas Schmelz (vielleicht dank des 14%igen Semillon-Anteils), der Naseneindruck wiederholt sich am Gaumen eins zu eins, nicht sehr komplex, aber absolut stimmig, Alkohol (13,5 Vol%) ist gut verpackt, fruchtig-vegetabiler Abgang mittlerer Länge. Die Qualität stimmt, allerdings auch mit seinen knapp 18 EURO im hiesigen Handel nicht besonders preiswert.

2016er Chardonnay W. O: Hemel-en-Aarde Ridge (Ataraxia, Kevin Grant) -Walker Bay-
strohgelb mit grünlichen Reflexen, sehr feine, "burgundische" Nase, zart-röstiges Holz, etwas Ananas, schlanker, durchaus kühler Eindruck. Am Gaumen absolut trocken, Straffe Säure, die diesen extraktreichen Wein richtig trinkig macht, nur mittelgewichtig im Alkohol (13 Vol%), am Gaumen aber stoffig, ohne ins Fette oder Schwülstige abzugleiten, sehr klar, stimmiger, nur unterstützender Holzeinsatz, sehr stimmiger hochwertiger Chardonnay, der in Richtung "Original" geht. Vielleicht fehlt etwas die straffe Struktur eines Chardonnays aus der Bourgogne, was aber die Qualität dieses gelungenen Weins in keiner Weise schmälert.

2015er "Albertus Viljoen" Chenin blanc W. O. Worcester (Alvis Drift, Worcester)
der Ozean-Einfluss lässt in Worcester deutlich nach, so dass hier im Gegensatz zu beispielsweise der deutlich kühleren Walker Bay stoffigere und fülligere Weine entstehen, so wie dieser: elegante, tropische Fruchtnoten (Mango, Maracuja, reifer Weinbergspfirsich, Ananas), die aber nicht zu penetrant ausfallen, am Gaumen satte Fruchtdichte, sehr tief, gerade noch strukturierende Säure, dadurch sehr schmelziger Typ, Alkohol (13,5 Vol%) gut integriert, ausladender, aber nicht zu fetter Wein, sehr gelungener Chenin, leider auch nicht ganz billig (ca. 26 EURO im Handel).

Re: Südafrika WEISS

BeitragVerfasst: Fr 15. Jun 2018, 07:28
von Panamera
Hallo zusammen

Letzte Woche hatte ich zwei spannende Sémillon-Weine von Thorne & Daughters im Glas. Zwar haben mir die Weine stilistisch etwas weniger zugesagt als die Varianten von Sadie und Alheit, aber dennoch steckt hier viel Qualität und Charakter drin. Besonders der Sémillon aus dem über 85 Jahre alten Rebberg aus dem Franschhoek-Valley hat eine tolle Balance aus Dichte und Eleganz!

Mehr dazu hier: https://vvwine.ch/2018/06/thorne-daught ... e-vom-kap/

Viele Grüsse
Marcio

Re: Südafrika WEISS

BeitragVerfasst: So 27. Jan 2019, 19:20
von AmonA
Gestern angekommen und heute schon im Glas:
Le Riche, Chardonnay 2016, Stellenbosch
Hellgelb, würzig und zitronig, am Gaumen zunächt cremig, dann starke Mineralität und feine Säure, Melone, mundwässernd, wieder Zitrone und lang am Gaumen.
Wow, das hatte ich in dieser Preisklasse nicht erwartet. In ca. zwei Wochen probiere ich den Wein nochmal. Vielleicht gibt er dann noch mehr preis, wenn der "Transportstress" überwunden ist.

Re: Südafrika WEISS

BeitragVerfasst: Mo 18. Nov 2019, 17:14
von weinaffe
Hallo zusammen,

das Preis-Leistungs- Verhältnis des folgenden Weines dürfte weltweit kaum zu schlagen sein:

2014er Landau du Val Semillon (Basil Landau, Franschhoek)

Wein aus 109 Jahre alten, ungepropften Buschreben, Ganztraubenpressung, Ausbau im Tonneau und gebrauchten, grossen Holzfässern, langer Hefekontakt.
Unglaublich frischer und komplexer Wein, der die goldene Mitte zwischen fruchtiger Cremigkeit und frischer Mineralität findet. Keine Wuchtbrumme (13 Vol%), sehr langer Abgang.
Erinnert stark an den Weisswein der Domaine de Chevalier, durchaus qualitativ auf Augenhöhe.
Gekauft habe ich den Wein vor wenigen Tagen im genialsten Wine-shop von Franschhoeck für beschämend niedrige 9 EURO in der ganzen Flasche.
Mehr Wein für dieses Geld geht wirklich nicht.

LG aus der sonnigen Kap-provinz, in der der Cape-Doctor wieder einmal kräftig bläst.
Bodo

Re: Südafrika WEISS

BeitragVerfasst: Mo 8. Jun 2020, 18:55
von Moselaner
Hallo,
zuletzt im Glas:

Alheit Vineyards 2017 Chenin Blanc Flotsam & Jetsam
12 Monate im Holz, weitere 6 Monate im Beton, wenig Schwefel. Sehr alte Reben aus unbewässerten „Buschvines“. Mit 13,5% sicher kein Leichtgewicht, dafür aber sehr komplex, lang und geschmacklich anders. Der Alkohol ist gut eingebaut und sticht nicht hervor.
Feuerstein, Birne, Pfirsisch und Mandelaromen, Leichtes Bitterchen.
Nach anfänglicher Skepsis und Schwerfälligkeit entwickelte sich mit Luft ein nicht erwarteter Trinkfluss der eher von den opulenten Aromen als von der Struktur des Weines getragen wurde. Macht durchaus Spaß, vielleicht sollte ich noch den ein oder anderen Chenin Blanc probieren. Mir war nicht bewusst, dass Südafrika eine der Hauptproduzenten der Sorte ist.

Viele Grüße
Patrick

Re: Südafrika WEISS

BeitragVerfasst: Mo 22. Jun 2020, 19:36
von Trapattoni
Sicher kein schlechter Wein, aber mir allein schon mit 14,5% Alc. viel zu fett:
2011 Chenin Blanc von De Trafford
Kochapfel, wenig helle, frische Früchte, man muss es mögen, mein Fall ist dieser Wein nicht. :?
Grüße
Dieter

Re: Südafrika WEISS

BeitragVerfasst: Di 23. Jun 2020, 08:23
von austria_traveller
Die letzten Wochen immer wieder mal im Glas: Oldenburg Chenin blanc 2015
In der Jugend quasi untrinkbar mit vielen Bitterstoffen und einem schalen Geschmack, aber jetzt vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan mutiert. Cremig und saftig ist er, bissl Birne, sehr schöne stabilisierende Säure, Alkohol sehr gut eingebunden, ein in sich sehr stimmiger Wein - guter Essensbegleiter