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nördliche Rhône (Côte Rôtie, Hermitage, Cornas und Co.) und südliche Rhône (Châteauneuf du Pape, Gigondas, Tavel und Co.), Ardeche, Vivarais, Vaucluse und Isere, Côstieres de Nîmes, Provence, Korsika
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Fondrèche blancs

Mi 9. Mär 2016, 11:28

Nachdem mein Erstkontakt mit Ferraton letztens wenig Begeisterung auslöste, war ich nun auf die weißen der Domaine de Fondrèche gespannt:
  • Fondrèche 2014
  • Fondrèche Persia 2014
Die Domaine gibt (allerdings für die 2015er) für den "einfachen" weißen 30% Grenache Blanc, 30% Roussanne, 30% Clairette, 10% Rolle (Vermentino) und für den Persia "Roussanne majoritaire" an. Mit freundlichen 9,- resp. 16,- € kosten sie weniger als ein Viertel der oben erwähnten, aber damit sollten die eh wenig zielführenden Vergleiche erstmal ein Ende haben. Beide beschränken sich auf 13% Alkohol, was dem Trinkfluss durchaus zuträglich ist.

Entgegen meiner üblichen Praxis, habe ich direkt nach dem Öffnen keine Notizen gemacht, sondern erst ca. 1h30' später. Die Weine haben sich in dieser Zeit aber kaum verändert.

Beide zeigen sich im Glas ziemlich blass, klar, brilliant, mit leichtem grünlichen Schimmer. Der Persia ist dabei etwas dichter/gelber.

Am Gaumen ist der Blanc einer der seltenen Fälle, in denen ich die Aromenbeschreibung der Händlerlyrik komplett nachvollziehen kann: Salbei, weiße Blüten, darunter dezente Frucht (reife Birne, Pfirsich, exotisch). Mich erinnert er erstaunlich stark an einen Sauvignon von der Loire, der nicht extra knackig gemacht wurde, sondern durch deutliche Malo cremig und abgemildert. Keineswegs jedoch mangelt es an Frische! Die Gesamterscheinung ist recht zart und leicht.

Der Persia schmeckt mir erstaunlich ähnlich, ist aber dichter und komplexer. Etwas Zitronenmelisse oder -gras und "Mineralik" kommt hinzu. Durch das mehr an Konzentration ist er kraftvoller und letztlich auch etwas harmonischer/balancierter. Eine feine Bitternote im Abgang verleiht Spannung.

Am Folgetag zeigte sich der Blanc wenig verändert und frisch, während der Persia doch ein wenig müde schien; vielleicht dürfte es hier doch ein bißchen mehr Säure oder weniger Malo sein.

Beide haben mir viel Spaß bereitet und bieten m.M.n. ein exzellentes PGV! Hier greife ich gerne wieder zu.

Re: Ventoux & Luberon

So 26. Jun 2016, 21:52

Vielleicht sollte ich doch mal wieder etwas tiefer in meine Tasche greifen und bei Torsten ein paar Prioratos bestellen, denn bei dem südfranzösischen Roten, den ich mir heute abend nach einem anstrengenden Konzert eingeschenkt habe, handelt es sich für meinen Geschmack um eine ziemliche Niete:

Bild

Tja, so etwas brauche ich gar nicht - da hilft mir auch der Preis von lediglich 6,50 Euro nichts!

Interessant ist übrigens der Werbetext des Händlers zu diesem Wein:

....Und was ist das für ein herrlicher Alltagswein des fabelhaften Jahrgangs 2015 an der südlichen Rhône vom Fuße des mythischen Bergriesen des Mont Ventoux, einer Appellation, die immer noch Geheimtipp-Status besitzt! Bereits die ausgezeichneten Jahrgangsvorgänger erfreuten sich bei Ihnen, unserer werten Kundschaft, großer Beliebtheit. Und im phantastischen Jahr 2015 ist diese faszinierend harmonische, elegante, traumhaft frische und ungemein trinkfreudige Cuvée aus Grenache, Syrah, Carignan und Cinsault in ihrer sympathischen Preisklasse wohl weltweit fast ohne Konkurrenz!

Dieser leckere Bio-Wein bietet ein tiefes dunkles Purpur in der Farbe, aber nur vom Extrakt der Trauben und nicht aus Frankensteins Chemielabor in der Nase! Ungemein verführerische Düfte nach schwarzen Kirschen, reifen Brom- und wilden Waldbeeren, Zedernholz, weißem Pfeffer und den unvergleichlich aromatischen Gewürzen der Provence sowie nach Myrrhe. Seine Komplexität in Duft und Geschmack, seine beeindruckende Konzentration und Dichte auf der Zunge (völlig ungewöhnlich in dieser so konsumfreundlichen Preisklasse), sein verführerischer Schmelz und die butterweichen, cremigen Tannine machen ihn im positiven Sinne zu „every- bodys darling“ und einem hedonistischen Trinkvergnügen. Werte Kunden, dieser Wein ist so dramatisch gut, dass er die Qualitätshierarchie in so mancher Blindprobe auf den Kopf stellen wird. Dieses Geschenk der Natur sollten Sie sich kistenweise in Ihren Keller legen. Solch eine Qualität zu solch unmöglichem Preis wächst alle 10 Jahre einmal, vielleicht! Große Qualität kann bisweilen so unfassbar preiswert sein!...


Wenn ich das lese und dann direkt danach einen Schluck von dem Wein nehme, weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll!

Ich gehe jetzt erst einmal einen Reparaturwein suchen....

Herzliche Grüße

Bernd

Re: Ventoux & Luberon

So 29. Apr 2018, 22:24

Am Wochenende hatte ich den Grand Marrenon 2015 im Glas, wer der Produzent ist, ist mir nicht ganz klar, wenn ich die Etikette richtig interpretiere, ist es einfach "Marrenon". Dieser Südfranzose hat 14,5 vol., eigentlich ist diese Gewichtsklasse so gar nicht mein Ding, aber in diesem Fall gibs nicht viel zu meckern, reife Frucht, meditarrane Kräuterwürze, gut eingebundenes Tannin, ziemlich kräftig und hedonistisch, muss ich nicht immer haben, aber zur provenzalischen Lammkeule sehr gut, 87 P. der Spaß kostet um die 12 Euro, gutes PGV.

Re: Ventoux & Luberon

Di 3. Sep 2019, 00:06

Im Glas befindet sich gerade ein ziemlich massiver, aber trotzdem erfreulicher Roter aus der AOP Ventoux:

Bild

Das ist kein Wein, den ich jeden (oder jeden zweiten :oops: ;)) Abend trinken möchte, aber manchmal habe ich durchaus Spaß an solchen Dickschiffen. Trotz der geschmacklichen Dichte und trotz des hohen Alkoholgehalts ist das überhaupt keine (eventuell sogar sprittig wirkende) Trinkmarmelade, sondern eine durchaus authentisch wirkende Angelegenheit.

Ich habe den Vindemio Regain über Lobenberg zum Kampfpreis erhalten. Auch zum regulären Kurs bei Vinocentral https://www.vinocentral.de/weine/rotwei ... 016/?c=283 ist er für meine Begriffe immer noch nicht überbezahlt - und ich entnehme dem Vinocentral-Text, dass sein Erzeuger Jean Marot inzwischen das Handtuch geworfen hat. Schade!

Herzliche Grüße

Bernd
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