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Korsika

nördliche Rhône (Côte Rôtie, Hermitage, Cornas und Co.) und südliche Rhône (Châteauneuf du Pape, Gigondas, Tavel und Co.), Ardeche, Vivarais, Vaucluse und Isere, Côstieres de Nîmes, Provence, Korsika
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Ralf Gundlach

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Re: Korsika

BeitragDi 24. Sep 2019, 21:50

stollinger hat geschrieben:
Ralf Gundlach hat geschrieben:Hallo Josef,

kennst du die Domaine de la Sorba aus Ajaccio? Die sind nämlich auf der Messe in Malmedy im Oktober, zu der Markus und ich hinfahren.

Gruß

Ralf


Hallo Ralf,

ich habe mir jetzt noch eine Flasche besorgen können und verkostet. Es handelt sich um diesen Roten, wohl die Einstiegs-Cuvée der Domaine:

WP_20190916_11_19_12_Rich.jpg

Auf der Facebook-Seite der Domaine de la Sorba steht dazu:

Nous sommes heureux de vous présenter le nouveau look de la gamme sœur en Aop Ajaccio « Louis Musso et Fils ».
Elle remplace celle en Aop vin de corse sorba présente en grandes surfaces.


Es scheint mir, als wird der Wein bewusst von den Weinen der Domaine de la Sorba abgegrenzt. Auf der Flasche findet sich als Abfüller: Mis en bouteille à MEZZAVIA par EARL SAN BIAGGIO.

Eine Cuvée aus Sciaccarellu und Niellucciu. Louis Musso et Fils - AOP Ajaccio rouge 2018:

Bild

Anfangs habe ich den Wein als ziemlich unangenehm empfunden. Als ich am nächsten Tag die Flasche nachverkostet habe, hat sich das zum Besseren gewendet. Da war wohl zu wenig Zeit nach der Füllung vergangen, alles noch recht unsortiert. Die Gerbstoffe treten mit Luft mehr in Erscheinung und geben dem Wein mehr Stuktur, die Frucht wird klarer und nicht mehr so übertrieben.

Jetzt ist der Wein ein fruchtbetonter, saftiger Wein mit Frische und Rustikalität im Mund. Die typischen Erdbeer-Noten vom Sciaccarellu und die Kirsche von Niellucciu sind einfach zu finden. Auch eine gewisse Typizität für korsische Weine vom Granit meine ich zu schmecken.

Auf der Flasche sind 16°C als Trinktemperatur angegeben, die betrachte ich schon als grenzwertig hoch, denn dann verändert sich die Saftigkeit hin zur Kompottigkeit. Auch eine gewisse Inhomogenität des Leseguts kann dann nicht verleugnet werden, von grünen Aromen bis überreif ist alles dabei.

Ich mag diesen frischen, fruchtbetonten Typus von korsischen Weinen nicht besonders, deshalb mein eher negativer Unterton. Ebenso kommt das schwierige Jahr 2018 wohl zum Tragen. Ihr solltet euch da nicht zu sehr von mir beeinflussen lassen.

Es würde mich jedenfalls sehr interessieren, was eure Meinung zu dem Wein ist und was der Winzer zu dem Wein zu erzählen hat. Ebenso interessiert mich, was es mit der Vermarktung und Stilistik von Louis Musso Weinen und Weinen die unter der Domaine de la Sorba laufen, auf sich hat. Vielleicht könnt ihr ja etwas in Erfahrung bringen.

Grüße, Josef


Hallo Josef,

ich werde leider nichts in Erfahrung bringen können weil ich nur wenig französisch sprechen kann und verstehen noch weniger. Aber das kann umso mehr Markus. Aber schonmal vielen Dank für deine "Vorarbeit" ;) . Deine VKN hört sich allerdings in der Tat nicht so an, als müsste ich mir den Keller vollmachen :D . Aber zum Testen werden wir sicher mal am Stand vorbeischaun, wenn Markus auch interessiert ist.

Gruß

Ralf
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stollinger

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Re: Korsika

BeitragMi 25. Sep 2019, 18:46

Bernd Schulz hat geschrieben:Vielleicht kann ja Josef noch etwas zu diesem "Blanc de Blancs" sagen....


Hi Bernd,

ich habe den Wein im Sommer auf der Insel getrunken. Gerade mal die VKN aus meine Notizbüchlein digitalisiert.

Domaine de Gioielli - Coteaux de Cap Corse blanc de blanc sec 2018:

Bild

Ich muss zugeben, den hatte ich mit besseren Eindrücken in Erinnerung, als es mir jetzt meine Notizen vor Augen führen. Positiv fand ich an dem Wein, dass er nicht diese sehr reife Frucht hat, wie sonst leider sehr häufig in 2018 in Korsika. Kontrastierend ist er mir dann wohl positiv im Gedächtnis geblieben. Notiert hatte ich mir noch, dass es insgesamt ein arg einfacher Wein ist, dessen (zu) zart dosierte Aromen nicht durch erwähnenswerte Qualität oder Klarheit auffallen. Bei milder Säure und Abwesenheit von Gerbstoffen zu kontur- bzw. strukturlos.

So richtig viel kann ich leider nicht erzählen. Die Reben stehen auf auf schieferhaltigen Böden (schistes lustrés). Cap Corse ist bekannt für seine Süßweine bzw. gespriteten Weine (Rappu, Muscat du Cap Corse und auch rote Cap Corse im Glasballon, oxidativ gemacht). Es gibt aber auch einen tollen blanc de blancs sec vom Clos Nicrosi. Da wird durchaus kräftiger extrahiert, der kommt erst nach einigen Jahren im Keller voll zur Geltung. Da ist der Weiße von der Domaine de Gioielli anscheinend ein anderer Stil und kann m.M. leider nicht mithalten.

Grüße, Josef
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stollinger

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Re: Korsika

BeitragSo 29. Sep 2019, 16:18

Hallo,

gestern habe ich mich mit ein paar Freunden getroffen und einige korsische Rotweine verkostet. Unter anderem drei Weine aus der Region Bonifacio.

Bonifacio liegt an der Südspitze von Korsika. Die Gegend von Porto Vecchio und Bonifacio ist gesäumt von sehr schönen Stränden mit weißem, feinem Sand und türkisem Wasser (z.B.Palombaggia, Santa Gulia, Rondinara), die sich auf zahlreichen Postkarten und noch zahlreicheren Instagramm-Posts finden. Deshalb, und wegen einigen Luxushotels und Restaurants ist die Gegend beliebt beim Jet-Set. Das schlägt sich dann in den Immobilienpreisen der vielen vorhandenen Luxusvillen nieder, die Preis sind hier die teuersten auf der Insel.

Bonifacio stellt wegen dem Ausblick auf und von den berühmten Steilklippen ein beliebtes Ausflugsziel dar. Es wird durch eine 12km breite Meerenge (Straße von Bonifacio) von Sardinien getrennt, das in der Regel von der Stadt aus auch gesehen werden kann.

IMG_2679.JPG
Bonifacio

WP_20180528_12_17_07_Rich.jpg
Stadtmauer Bonifacio

Die bis zu 70 Meter hohen Kalkklippen haben sich im Mittelmiozän vor ca. 15 Mio Jahren gebildet. Wenn ich es richtig verstehe, geht man davon aus, dass es damals noch eine Landverbindung zwischen dem korsischen Norden und der Toskana gab. An Stelle des heute bestehenden thyrrhenischen Ozeans gab es östlich von Korsika und nordöstlich von Sardinien ein halbgeschlossenes Nebenmeer (Korsika-Becken), welches durch die damals ebenfalls etwa 12km breite Straße von Bonifacio mit dem restlichen Mittelmeer verbunden war. Dieses sorgte für den enormen Tidenhub, der zur Bildung der mächstigen Kalksteinklippen nötig war.[1]

Seit einigen Jahren ist die Region um Bonifacio auch als Weinbauregion in Erscheinung getreten. Bonifacio stellt trotz des einzigartigen Terroirs keine eigene Appellation dar, die Weine kommen als Vin de France oder als IGP Île de Beaute in den Handel. Angefangen in der Region Bonifacio hat wohl Yves Canarelli (neben seinen Weinen in der Appellation Figari), der aus wurzelechte Reben aus der Zeit vor der Reblaus die Cuvée Tarra d'Orasi macht.

Derzeit sind es meines Wissens nach drei Winzer in der Region: Yves Canarelli, Domaine Zuria und Vincent & Thierry Buzzo, die Wein machen, und von diesen drei Winzern haben wir gestern die Rotweine aus 2016 blind verkostet.

Neben der Cuvée Tarra d'Orasi hat Yves Canarelli 2010 weitere Reben in der Region gepflanzt und bereitet auch die Cuvée Tarra di Sognu (Land der Träume). Die Revue Vin France schreibt die Geschichte um den Wein so: "Ce projet fascinant est né à l'initiatice d'Yves Canarelli et de Patrick Fioramonti, sommelier du Grand Hôtel de Cala Rossa a Porto-Vecchio. De quis s'agit-il? Trois hectars de maquis défriches et plantés à la barre à mine sur une dalle calcaire trés dure et deux hectars à planter...."

Also, ein Projekt vom Sommelier Patrick Fioramonti vom Hotel Cala Rossa und Yves Canarelli, die einige Hektar Maccia gerodet haben und Weinreben auf harten Kalksteinboden geplanzt haben. So sieht das ganze dann aus und liegt hier:

Tarra di Sognu.JPG
Tarra di Sognu

Wenn man der Strasse (rechts im Bild) in Richtung Küste (entgegen der Blickrichtung) weiter folgt, gibt es in der nächsten Kehre einen geologischen Aufschluss, bei dem man gut das beeindruckende Terrior sehen kann.

Aufschluss.JPG

Von diesem Punkt aus in Richtung Meer blickend sieht es so aus:

WP_20190827_17_52_17_Pro.jpg

Seit 2015 gibt es die weiße Cuvée und 2016 erstmals die rote Cuvée aus Sciaccarellu, Carcaghjolu Neru und Minustellu.

Yves Canarelli - Tarra di Sognu rouge- Vin de France 2016:

Bild

Das ist wirklich ein ausgesprochen gelungener und spannender Wein. Ein leichter Wein mit Finesse. Absolut ein cool-climate Wein. Schwer mit anderen Regionen zu vergleichen, wohl am nächsten an einem Burgunder oder einem leichten Loire-Wein. Der Preis ist angebracht, im Vergleich zu Regionen mit ähnlichen Weintypen wahrscheinlich in der Qualitätsstufe ein Schnäppchen. Muss ich so sagen, obwohl ich mich ja ganz gerne an der Preispolitik und dem Marketinggebaren von Canarelli etwas reibe.

Ich finde zur Geschichte um den Wein gehört neben der Info der RVF auch noch ein paar weitere Informationen. Das Grand Hôtel Cala Rossa (fünf Sterne mit Spa) in Porto-Vecchio ist im Familienbesitz der Familie Canarelli, seit einigen Jahren wird es von Paul Canarelli (ein Cousin von Yves) geleitet. Besagtem Paul Canarelli gehört auch das fünf Sterne Golf-Resort Domaine Murtoli im Süden Korsikas.
Vor einiger Zeit hatte ich ja mal eine Arte-Reportage verlinkt, in dem das Bemühen von korsischen Winzern (mit reger Beteiligung von Jean-Baptiste Arena), Landwirten, Nationalisten etc. gezeigt wurde, die 469ha Rebfläche des insolventen Weinguts Domaine de Casabianca als Agrigultur-Landschaft zu erhalten und zu verhindern, dass die Flächen für Immobilienprojekte und Spekulationen benutzt werden (hier der aktuelle Stand, sieht so aus als würde es gelingen). Ich kann nicht leugnen, dass ein Luxus-Hotel mit einem eigenen 12-Loch Golfplatz für mich recht antithetisch hierzu erscheint.

Neben dem Wein von Canarelli wurde noch ein Rotwein der Domaine Zuria getrunken. Die Domaine Zuria hat ihre Reben laut RVF 2013 und 2019 gepflanzt, mittlerweile 11ha, von denen 2.5 ha schon Trauben für Wein liefern. 2016 wurde der erste Wein gemacht. Die Reben auf meinem Bild stehen hier:

Zuria.JPG

Etwas weiter in Richtung Küste ist dieses Bild entstanden:

Maori Plage.JPG
Blick in Richtung Maora Plage

Es zeigt Maora Plage, der bei Wind-Surfern sehr beliebt ist. Die Region um Bonifacio ist sehr windig. Pilzkrankheiten sind deshalb wohl ein kleineres Problem für die Reben. Eher Wildschweine (deshalb wahrscheinlich die hohen Trockenmauern um die Weingärten) und Vögel (bei Yves Canarelli vertreiben Jäger die Vögel).

Weitere Reben der Domaine Zuria stehen hier (Luftlinie weniger als 1 km von denen von Canarelli entfernt).

Christian & Nadine Zuria - IGP Île de Beaute rouge 2016:

Bild

Das ist schon jetzt ein ganz toller Wein, aber hat auch noch Entwicklungspotential. Beeindruckend filigran, fast zerbrechlich. Dabei diese Balance zu schaffen, zeugt für mich von hoher Weinbaukunst. Wo die 14% Alkohol sein sollen ist mir auch ein Rätsel, schmeckt eher nach 12.5%.

Vor einiger Zeit habe ich auch schon den Rosé aus 2017 getrunken, Domaine Zuria Rosé - IGP Île de Beaute 2017

Bild

Von dem Rosé weiß ich nicht so recht, was ich davon halten soll. Schon interessant, ansprechend trinkbar und auch anregend, aber irgendwie auch indifferent und am 1. Tag noch untrinkbar.

Im Vergleich von Canarelli und Zuria sehe ich aktuell den Wein von Zuria etwas vorne, auch wenn beide Weine beeindruckend gut sind. Die Nase gefällt mir beim Tarra di Sognu besser. Die kühle Frucht ist toll. Insgesamt ist der Tarra di Sognu noch nicht besonders weit entwickelt. Vielleicht erreicht er, wenn die Gerbstoffe etwas abschmelzen, auch das Filigrane und die Balance vom Zuria.

Die dritte Domaine ist Vincent & Thierry Buzzo, die ist hier zu finden. Wo die Weingärten sind, weiß ich leider nicht.

Leider hatte der Rote einen massiven Schwefelfehler. Buzzo Bunifazziu rouge - Île de Beauté IGP 2016:

Bild

Der Rosé wirkt ebenfalls recht kräftig geschwefelt. Buzzo Bunifazziu rose - Île de Beauté IGP 2017:

Bild

Für einen Rosé recht substanzreich. Ich finde aber, das Vollmundige passt nicht zu reduziertem, mineralischem Charakter.

Grüße, Josef

[1] J. Kuhlemann, W. Frisch, M. Meschede, Sammlung Geologischer Führer, Band 99 Korsika, Gebr. Bornträger Berlin 2009.
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Michl

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Re: Korsika

BeitragSo 29. Sep 2019, 20:07

Vielen Dank, Josef, für deine immer wieder substanzreichen Beiträge. Obwohl Korsika so gar nicht in meinem Weinhorizont stattfindet, lese ich sie immer ausgesprochen gerne!
Viele Grüße

Michl
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Bernd Schulz

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Re: Korsika

BeitragDi 1. Okt 2019, 20:36

Im Glas befindet sich der nächste Korse (puh, die haben ja Namen, die Korsen!):

Bild

Für einen ernsthaften Roten finde ich den Wein (den ich blind eher in Italien als in Frankreich verorten würde) nach fünf Jahren schon sehr weit entwickelt. Zusätzliche fünf Jahre sollte dieses Getränk meines Erachtens nicht mehr im Keller verbringen. Ansonsten kann ich weder von großer Begeisterung noch großer Enttäuschung berichten - so etwas kann ich mit einigem Genuss trinken, ohne dass sich ein direkter Nachkaufreflex einstellt.

Herzliche Grüße

Bernd
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stollinger

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Re: Korsika

BeitragDi 1. Okt 2019, 20:46

Hi Bernd,

Wir haben den auch am Samstag getrunken. Ich fand den ganz gut, die Meinung am Tisch war aber recht geteilt.

Er war definitiv schon recht fortgeschritten in der Reife. Beim Probieren ab Hof bin ich davon ausgegangen, dass die Flasche schon zu lange offen war.

Ich schreib die Tage mal mehr dazu.

Grüße, Josef
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stollinger

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Re: Korsika

BeitragMi 2. Okt 2019, 17:26

Hallo,

die Domaine Boccheciampe liegt Oletta in der Appellation Patrimonio, im Norden Korsikas. Der Boden besteht hier aus Ton-Kalkstein. In der Nähe haben z.B. auch Yves Leccia, Muriel Guidicelli und die Domaine Leccia ihre Rebflächen. Früher gehörte sie wohl mal zu den Weingütern, die am meisten Rebfläche in Patrimonio bewirtschaftet haben, aber mittlerweile haben sie viel an Fläche an andere Winzer abgegeben und bewirtschaften nur noch ca. 5ha. Wenn ich das richtig verstanden habe, Niellucciu und Grenache, keinen Weißwein mehr.

WP_20190831_14_57_37_Pro.jpg
Domaine Boccheciampe

Ich habe leider nur ein unscharfes Foto von drinnen, im Hintergrund die Stahltanks für den Ausbau. Vorne in den roten Beton-Fässern wird der Wein anschließend zwei Jahre gereift.

Es ist wohl alles im Weinberg Handarbeit, Maschinen zur Bearbeitung haben sie nicht (mehr). Auf chemische Herbizide und Dünger wird verzichtet.
Direkt neben der Domaine wächste der Grenache:

Grenache Boccheciampe.JPG


Sieht für mich nach einem recht niedrigen Ertrag aus:

Grenache.JPG
Grenache - Sep. 2019

Am Weingut war Jean-Dominique Boccheciampe zu gegen. Er hat mich rumgeführt und man merkte ihm schon seinen Stolz an. M.M. nach merkt man dem Weingut jedoch an, dass es in der Vergangenheit bessere Zeiten erlebt hat. Es wirkt etwas, als gehen da langsam die Lichter aus. Es gab die Cuvée Aurélie und noch einen gespriteten Cap Corse (unter Luft im Glasballon gereift). Die Weine werden nicht mehr merklich vermarktet, sind nur noch ab Hof zu bekommen und im lokalen Supermarkt Oletta. Anderswo sind sie mir in den letzten Jahren nicht begegnet.

Den Wein fand ich aber trotzdem nicht schlecht, ungefähr 50/50 Niellucciu - Grenache.

Domaine Boccheciampe - Cuvée Aurélie 2014:

Bild

Das ist m.M. nach ein ganz klassischer korsischer Wein. Geradlinig und ein gewisser rustikaler Charme. Das absolute Gegenteil von geschminkt, opulent, technisch und zugänglich. Es macht nicht den Eindruck, dass der Winzer sich über die Jahre mit einer Verbesserung des Weins durch eine andere Zubereitung auseinandergesetzt hat. Mit einer Preiserhöhung aber wohl dafür auch nicht. Der Wein wird so gemacht, wie er immer gemacht wurde.
Ich stehe solchen Weinen und Winzern mit meiner verklärten Romantik in der Regel recht positiv gegenüber, auch wenn sie objektiv gesehen geschmacklich nicht so viel zu bieten haben. Und ja, wenn es nur solche Weine gäbe, wäre Weintrinken eine recht öde Angelegenheit. Und zum Glück ist die korsische Winzer-Szene ziemlich progressiv veranlagt. Aber, wenn es Winzer und Weine wie Boccheciampe nicht mehr gibt, werde ich sie vermissen.

Wie von Bernd erwähnt, schon sehr fortgeschritten in der Reife. Das ist ungewöhnlich für einen 5 Jahre alten Wein aus Patrimonio.

Grüße, Josef
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Bernd Schulz

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Re: Korsika

BeitragMi 2. Okt 2019, 19:52

Hallo Josef,

vielen Dank für deine detaillierte Beschreibung der Domaine Boccheciampe, die ich sehr gerne gelesen habe!

stollinger hat geschrieben:Das ist m.M. nach ein ganz klassischer korsischer Wein. Geradlinig und ein gewisser rustikaler Charme.


Mangels hinreichender Erfahrungen mit korsischen Weinen weiß ich zwar nicht, wie ein ganz klassischer korsischer Wein schmecken muss, aber ich kann mir gut vorstellen, dass deine Aussage zutrifft. Und den "gewissen rustikalen Charme" kann ich bestens nachvollziehen.

Was die VKNs angeht, sind wir uns ja in etlichen Punkten recht einig. Nur in puncto Säure weichen unsere Wahrnehmungen ziemlich voneinander ab....was mal wieder zeigt, wie unterschiedlich die sensorischen Eindrücke manchmal sein können.....

Ich bin schon gespannt auf den nächsten Korsen - ein Exemplar aus der Appellation Patrimonio habe ich jetzt noch!

Herzliche Grüße

Bernd
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stollinger

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Re: Korsika

BeitragMi 2. Okt 2019, 20:05

stollinger hat geschrieben:Das ist m.M. nach ein ganz klassischer korsischer Wein. Geradlinig und ein gewisser rustikaler Charme.

Ok, das ist schon ein ziemlicher Allgemeinplatz von mir. Formulieren wir es besser so: Entspricht meiner Vorstellung von einem klassischen korsischen Rotwein.

Bernd Schulz hat geschrieben:Was die VKNs angeht, sind wir uns ja in etlichen Punkten recht einig. Nur in puncto Säure weichen unsere Wahrnehmungen ziemlich voneinander ab....was mal wieder zeigt, wie unterschiedlich die sensorischen Eindrücke manchmal sein können.....

Da bin ich mir nicht sicher, ob es die Sensorik ist. Das Rosinige bei dir, war bei mir auch nicht zu finden, eher (frische) Kirsche. Vielleicht war die Säure bei meiner Flasche noch besser in Schuss.

Grüße, Josef
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Bernd Schulz

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Re: Korsika

BeitragMi 2. Okt 2019, 20:22

stollinger hat geschrieben:Ok, das ist schon ein ziemlicher Allgemeinplatz von mir....


Meine Bemerkung war überhaupt nicht kritisch gemeint! Auf jeden Fall handelt es sich um einen ungeschminkten, in keinster Weise aufgedonnert wirkenden Roten. Grundsätzlich trinke ich so etwas gerne - sonst hätte ich auch keine 86 Punkte vergeben.....

stollinger hat geschrieben:Da bin ich mir nicht sicher, ob es die Sensorik ist. Das Rosinige bei dir, war bei mir auch nicht zu finden, eher (frische) Kirsche. Vielleicht war die Säure bei meiner Flasche noch besser in Schuss.


Gut, am jeweiligen Erhaltungszustand können die Unterschiede in der Wahrnehmung natürlich auch gelegen haben!

Herzliche Grüße

Bernd
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