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Weingart

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Bernd Schulz

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Re: Weingart

BeitragSo 3. Apr 2011, 00:11

Adolf Weingart war wohl weniger experimentierfreudig als sein Sohn,verstand aber zweifelsohne sehr viel von seinem Handwerk. Den Eindruck, den Ralf von der Feuerlay-Auslese 82 (und das war gewiss kein dolles Jahr!) hatte, bestätige ich gerne mit meiner Notiz:

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Beste Grüße

Bernd
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Ralf Gundlach

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Re: Weingart

BeitragFr 20. Mai 2011, 21:41

Ich habe heute die neue Weinliste von Weingart bekommen, ich freue mich schon sehr auf die 010er von Florian Weingart, aber was mir fast noch mehr imponiert als seine Rieslinge sind seine Stellungnahmen in dieser Liste und seine dortige Kritik an dem heutigen Weinbusiness: Ein Auszug: " Die extremen Mengeneinbußen des Jahrgangs 2010 haben eine breite Diskussion um die Weinpreise angefacht. Ein Kollege meine kürzlich, als hochbewertetes Weingut sei ich unangemessen billig und ich würde dem zu niedrigen Preisniveau im Gebiet Vorschuß leisten. Ich selbst hatte ein bezeichnendes Erlebnis bei dr Siegerpräsentation in Fulda, wo unsere Fürstenberg Spätlese zwischen dem 1. und 3. plazierten Wein zu je 34,50 Euro geradezu lächerlich billig war. Unser Wein wurde viel gelobt, aber war offenkundig zu diesem Preis eine Fälschung oder sonst irgendwie suspekt - er wurde schlicht nicht ernst genommen. Das war in etwas so, als wäre ein guter Handwerker der Provinz mit seiner fein gearbeiteten Ledertasche zwischen die Exponate von Hermes und Louis Vuitton geraten. Luxusunternehmung statt Landwirtschaft? Diese Weinwelt ist nicht die meine. dies wurde mir auch bei erneuten und sehr freundlichen Gesprächen mit dem VDP Mittelrhein bewusst. Weinbau oder Chateau? Winzer oder Eventmanager? Quo vadis?....Zweifellos, wir wollen und wir müssen für usnere Weine einen angemessenen Preis erzielen und wir müssen auch insgesamt wirtschaftlich arbeiten. Aber ich zweifle langsam daran, ob es in der Weinwirtschaft zwischen wachsenden Glas-Beton-Palästen und Großen Gewächsen die passende Nische für uns gibt." Mit diesen Aussagen macht sich Florian Weingart sicher nicht nur Freunde und ich bewundere den Mut dieses Winzers, einen anderen Weg zu gehen, denn er geht seinen Weg. Naxh dem Lesen seiner Kommentare hab ich noch viel mehr Lust verspürt, den Winzer und seine Weine life zu erleben.

Gruß

Ralf
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Bernd Schulz

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Re: Weingart

BeitragFr 20. Mai 2011, 22:24

Hallo Ralf,

in der Tat handelt es sich um ein mutiges und auch mir äußerst sympathisches Statement, das mich - im Gegensatz zum Rebenflüsterer-Marketinggedönse der üblichen Verdächtigen - stark zu einer sofortigen Bestellung bei Weingart animiert. Genau solche Winzer mit einem enormen Qualitätsbewusstsein UND mit klarer Bodenhaftung suche und liebe ich besonders; glücklicherweise findet man sie in Deutschland immer noch in hinreichender Zahl. Und entgegen allen Unkenrufen sind sie trotz ihrer Preispolitik nicht unbedingt der Pleite nahe oder vom ständigen Hungern schon ganz abgemagert.

Weingart hat übrigens auch sehr schöne, direkt am Rhein gelegene Ferienwohungen. Ich könnte mir durchaus vorstellen, demnächst mal ein verlängertes Wochenende in Spay zu verbringen - als Urlaubsgast bekommt man vermutlich einen etwas besseren Kontakt zum Weingut.

Herzliche Grüße

Bernd
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Oberpfälzer

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Re: Weingart

BeitragSa 21. Mai 2011, 00:23

Hallo zusammen,

das reizt auch mich wieder mal bei Weingart zu bestellen und auch einmal in die wunderschöne Region zu fahren.

Einen ähnlichen Eindruck hatte ich neulich bei Wagner-Stempel in Rheinhessen. Das gefällt mir.

Den anders denkenden Winzer würde ich zwar nicht fehlende Bodenhaftung unterstellen aber sie gehen halt teils anderen Zielen nach. Sind es nicht gerade diese Winzer, die den deutschen Wein in alle Welt bringen, auf ihn aufmerksam machen und damit insgesamt positiv für die gesamte deutsche Weinwirtschaft wirken? Ich glaube, beide Richtungen passen für die Sache des deutschen Wein gut zusammen, so unterschiedlich sie auch sind.


Rebenflüsterer-Marketinggedönse der üblichen Verdächtigen


@Bernd,
in diesem Fall möchte ich ergänzen, dass o.g. Marketinggedönse nicht vom Winzer kommt, sondern von einem Weinhändler, der für seine exzentrische Werbung bekannt ist.
Servus
Wolfgang
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octopussy

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Re: Weingart

BeitragSa 21. Mai 2011, 08:36

Hallo zusammen,

Ralf, genau das gleiche positive Gefühl hatte ich beim Lesen der neuen Preisliste auch. Es hilft nichts, trotz obervollen Kellers müssen auch aus 2010 wieder ein paar Weingart-Weine bestellt werden. Es imponiert mir übrigens auch, dass Weingart ehrlicherweise schreibt, dass die Säureregulierung durch biologischen Säureabbau bei ihm nur "teilweise und mit viel Geduld" funktioniert hat. Ich erwarte laut Preisliste ehrlich gesagt etwas wilde und damit vielleicht jahrgangstypische Weine.

Auch aus meiner Sicht haben sich die jährlich wiederkehrenden Elogen mancher Winzer und ihrer Händler so abgenutzt, dass man gar kein Gefühl mehr dafür bekommt, wie denn die Weine nun voraussichtlich schmecken.
Beste Grüße, Stephan
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Volker

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Re: Weingart

BeitragSa 21. Mai 2011, 12:25

die klaren Statements von Florian Weingart sowohl zum Weinbusiness wie auch zu den Jahrgängen haben mir in den letzten Jahren auch immer imponiert und machen mir diesen Winzer ungemein symphatisch. Beim Jahrgang 2008 war er einer der wenigen Winzer die z.B. ganz direkt schrieben, dass er um eine leichte Entsäuerung der Weine nicht herum gekommen war, was den Weinen aber auch nicht geschadet hat, wenn ich sehe wie der Schloß Fürstenberg Kabinett bei Bernd angekommen ist. Wer unten in der Region ist sollte auf jeden Fall dort einen kleinen Besuch einplanen, denn es lohnt sich immer.

Falls jemand dieses Wochenende auf der Jahrgangspräsentation ist, würde ich mich über ein kleines Feedback insbesondere zu den restsüßen Spätlesen freuen, denn die stehen definitiv auf der buy list für dieses Jahr nur stellt sich noch die Frage welche derer 5 Spätlesen es denn werden sollen und für mich ist der Weg einfach zu weit um mal eben vorbei zu schauen.

einen sonnigen Samstag wünscht

Volker
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Bernd Schulz

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Re: Weingart

BeitragSa 21. Mai 2011, 23:04

...Beim Jahrgang 2008 war er einer der wenigen Winzer die z.B. ganz direkt schrieben, dass er um eine leichte Entsäuerung der Weine nicht herum gekommen war, was den Weinen aber auch nicht geschadet hat, wenn ich sehe wie der Schloß Fürstenberg Kabinett bei Bernd angekommen ist....


Genau diesen Kabinett habe ich mir gerade wieder eingeschenkt - und meine Begeisterung ist ungebrochen gross. Hier stimmt alles, der Wein schmeckt *wie gewachsen* traubig, die Restsüße ist verhalten und pappt einem absolut nicht den Gaumen zu, trotz der prädikatstypischen Schlankheit fehlt es nicht an spontaner Mehrdimensionalität. Genialer Stoff!

Beste Grüße

Bernd
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Green

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Re: Weingart

BeitragDo 8. Sep 2011, 15:37

Vorgestern geöffnet: Riesling-Optima Auslese 1976 mit silberner Kammerpreismünze

Eher geringe Erwartungen…

Füllstand war schlecht, der Korken schon fast in die Flasche gerutscht, leckend und das Etikett ziemlich vergammelt – nicht wirklich „lecker“.

Aber der Wein: dunkles Gold, fast wie ein Sherry, intensive Nase nach Quitten und Caramel, leicht oxidativ, Geschmack Quittenbrot, Cramel, nussig, angenehme Bitterkeit, zurückhaltende Süße, gute Säure – wird mit Luft im Glas immer besser. – Ganz wunderbar!

Leider habe ich mit meiner Frau den Wein „so“ getrunken, - zu einem entsprechenden Essen wäre er sicher noch einmal besser gewesen.

Gruß, Green
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octopussy

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Re: Weingart

BeitragMi 14. Sep 2011, 22:08

Voll überzeugt bin ich vom 2009 Spay "Speie Superiorem" Riesling Kabinett Halbtrocken von Weingart. Was mich bei allen Weingart-Weinen begeistert, ist, dass die Einstufungen in "trocken", "halbtrocken", "feinherb" und restsüß bei ihm fast schon egal sind. Ob der "Speie Superiorem" nun gesetzlich trocken oder halbtrocken ist, spielt für mich mehr oder weniger keine Rolle. Er eignet sich sowohl als Essensbegleitung als auch als solo getrunkener Wein. Die Restsüße ist hier sehr dezent und wird durch die ebenfalls dezente, aber prägnante, Säure, die Mineralität und seine durchaus stattliche Struktur perfekt in Balance gebracht. Alles ist hier klar, präzise, frisch, direkt, ausgewogen, einfach nur großartig :D.

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Beste Grüße, Stephan
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octopussy

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Re: Weingart

BeitragSa 24. Dez 2011, 12:44

Auch die trockenen Weingarts aus 2009 lassen sich jetzt schon schön trinken, so z.B. der 2009 Bopparder Hamm Engelstein Riesling Spätlese Trocken, getrunken zu einem Steinbeißerfilet mit Wintergemüse. Er ist jetzt noch etwas "eng" und wird vielleicht noch etwas generöser in den nächsten Jahren. Die Mischung aus Schiefercharakter, für den Jahrgang sogar recht hoher Säure und wunderbarer Frucht überzeugt mich aber auch schon jetzt.

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Beste Grüße, Stephan
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