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Re: Koehler-Ruprecht

BeitragVerfasst: Sa 11. Mär 2017, 16:55
von BerlinKitchen
Nun, er ist zudem ein großer Verfechter von Kabinett trocken.

P.S. ich bekomme heute/morgen die Analysedaten vom Kabi.

Re: Koehler-Ruprecht

BeitragVerfasst: Sa 11. Mär 2017, 17:08
von UlliB
Weinschlumpf hat geschrieben: Hast Du noch eine zweite Flasche zur Hand?

Ja, die werde ich bei Gelegenheit aufmachen. Und definitiv nicht zu einem kräftigen Essen, sondern solo. Das dürfte dem Wein deutlich besser bekommen.

Gruß
Ulli

Re: Koehler-Ruprecht

BeitragVerfasst: Sa 11. Mär 2017, 19:18
von Michl
Ausgegebenem Anlass habe ich heute auch eine Flasche 14er Kabinett trocken aufgemacht. Nach dem ersten Schluck hätte ich Ulli sofort zugestimmt, die Säure schien sehr mild. Mir drängte sich sofort der Vergleich zu 09 auf. Mit etwas Luft entwickelte aber auch die Säure ihren Fokus und nach einer Stunde rückte sie sich sogar immer mehr in den Mittelpunkt (ohne aber ihren mild-schlanken Charakter zu verlieren).
Grundsätzlich habe ich kaum Erfahrung mit jungen K-R Ich kaufe die Weine schon seit Jahren blind und trinke sie in der Regel nicht vor dem 7. Jahr. So ist auch die Nase ganz anders, als ich sie mit K-R verbinde. Blind hätte ich den Wein nicht erkannt.
Aber vielleicht bist du, Ulli, letztlich von falschen Erwartungen ausgegangen. Etwas "Knackiges", also eventuell straffer Zug, Grip, mundwässernde Säure gibt es meines Erachtens bei K.-R. nicht. Deine Assoziation von „Labberigkeit“ kann ich durchaus nachvollziehen. Sie ist für mich auch ein Grund, weshalb K-R polarisiert (was manche bestreiten, was wiederum polarisiert :lol: ), diese weiche Textur ist aber für mich keine Schwäche, sondern stilprägend und mit Reife treten Aromen auf, die genau diese weiche Bühne brauchen, um ihr Spiel aufführen und uns mit immer neuen Variationen überraschen zu können. Restsüße spüre ich keine, der Wein ist für mich sensorisch trocken.
Der Wein ist aber letztlich für mich vor allem eines: erstaunlich. Meines Erachtens könnte das der bisher beste Kabinett unter Dominik Sona sein, vielleicht einer der besten Kabinette seit längerer Zeit. Ich vermute eine weitere Entwicklung hin zu Hintergründigkeit, Facettenreichtum und Wandlungsfähigkeit.

Bild

Re: Koehler-Ruprecht

BeitragVerfasst: Sa 11. Mär 2017, 19:41
von BerlinKitchen
I told you!

Weiter ging es mit den 2014er. Fazit, die bisher beste Kollektion von Dominik Sona, der seit 2008 auf dem Weingut tätig ist. Der Saumagen Kabinett trocken war beeindruckend gut. Was für eine Tiefe&Komplexität für einen Kabinett. Unbedingt kaufen! Die Spätlese war noch ein bißchen verhalten, aber die 2014 Saumagen Auslese trocken war der Hammer. Der erste WOW Moment des Tages.


Grüße aus Berlin,
Martin Zwick

Re: Koehler-Ruprecht

BeitragVerfasst: Sa 11. Mär 2017, 19:55
von UlliB
Michl hat geschrieben:Aber vielleicht bist du, Ulli, letztlich von falschen Erwartungen ausgegangen. Etwas "Knackiges", also eventuell straffer Zug, Grip, mundwässernde Säure gibt es meines Erachtens bei K.-R. nicht. Deine Assoziation von „Labberigkeit“ kann ich durchaus nachvollziehen. Sie ist für mich auch ein Grund, weshalb K-R polarisiert (was manche bestreiten, was wiederum polarisiert :lol: ), [...]

Hallo Michl,

danke für Deine Anmerkungen. Ganz genau das dürfte es sein: falsche Erwartungen. Ich wollte genau das, was Du schreibst - straffer Zug, Grip, mundwässernde Säure (und das Essen zum Wein hätte alles das gebraucht). Normalerweise bekommt man alles das mit einem Pfälzer Riesling aus den unteren Registern eines guten Erzeugers auch, hier aber nicht. Als polarisierend empfand ich den Wein übrigens nicht, sondern als gefällig gemacht und langweilig.

Meine Erfahrungen mit Koehler-Ruprecht sind übrigens begrenzt, insofern kenne ich die Stilistik hier nicht wirklich, allerdings verdanke ich dem Gut das bislang größte Erlebnis mit trockenem Riesling überhaupt (1998er Saumagen Auslese R).

Ich werde wie gesagt den Wein irgendwann noch einmal in Ruhe nachverkosten, und das ohne ein Essen dazu. Vielleicht gefällt er mir dann besser.

Gruß
Ulli

Re: Koehler-Ruprecht

BeitragVerfasst: So 12. Mär 2017, 19:45
von Michl
Und jetzt am 2. Tag blüht der Wein auf! Strukturell ist dieser Wein jetzt eher ein Burgunder als Riesling. Viel feinster Schmelz, nuancenreiches und dynamisches Aromenspiel. Man muss aber hinhören und sich dem Wein aussetzen. Trinkt man ihn nebenbei, entzieht er sich einem. Und genau diesen Charakter zeigen die besten K-R-Weine. Sie sprechen, wenn man sie sprechen lässt, und erhellen und bereichern dann mit dem, was sie sagen. Aber sie haben überhaupt kein Geltungsbedürfnis. Gibt es sympathischere Persönlichkeiten?

Re: Koehler-Ruprecht

BeitragVerfasst: Di 14. Mär 2017, 18:57
von Michl
Liebe K-R-Jüngerinnen und-Jünger, heute habe ich einmal wieder beim Weingut bestellt und nach gereiften Chardonnays gefragt. Eigentlich machte ich mir keine Hoffnungen, da ich bereits vor geraumer Zeit verschiedene Jahrgänge zu unglaublichem Tarif angeboten bekommen hatte und es sich für mich damals nach absoluten Restmengen anhörte. Jetzt durfte ich jedoch erfahren, dass es noch immer 2002, 2003, 2004 und den von mir sehr geschätzten Jahrgang 2007 gibt. Und jetzt der Hammer: Zum Abverkaufspreis von 7,50 € ! Ich behaupte einfach einmal, dass dieses PGV nicht nur sensationell, sondern vielleicht das beste ist, das mir je untergekommen ist. Wer mit gereiften Chardonnays und der speziellen K-R-Stilistik etwas anfangen kann, dem sei v.a. 2007 absolut empfohlen. Ich stelle hier noch einmal meine VKN ein:

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In der Datenbank finden sich auch VKNs zu den anderen Jahrgängen, die ich aber nur Altweinliebhabern empfehlen würde. Jürgen hat aber vor kurzem 2003 getrunken - einen Jahrgang, den ich bisher gemieden habe und nicht kenne - und war ebenfalls sehr angetan. Ich erlaube mir, auch seine VKN zu zitieren

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Re: Koehler-Ruprecht

BeitragVerfasst: Di 14. Mär 2017, 19:30
von OsCor
Hallo Michl,

da wird einem der Mund wässerig, auch wenn man gerade vor (oder hinter ) einem Bier sitzt :D
Was würdest du denn essen zu diesem Chardonnay (ich trinke Wein nur extrem selten solo)?

Gruß
Oswald

Re: Koehler-Ruprecht

BeitragVerfasst: Di 14. Mär 2017, 20:00
von Michl
Puuh, das ist wirklich eine schwierige Frage, wenn man vom Wein ausgehend die passende Speise sucht. Meine spontanen Assoziationen sind: Wald, Boden, Herbstsonne (bisschen exaltiert, ich weiß :lol: ) Könnte mir ein Pilzrisotto vorstellen oder Wildgeflügel...

Re: Koehler-Ruprecht

BeitragVerfasst: Di 14. Mär 2017, 21:15
von OsCor
Wald, Boden, Herbstsonne… ja doch, Pilzrisotto klingt schon adäquat. Wenn ich den Wald wegließe, käme noch die Assoziation Kartoffeln mit einer Gemüsepfanne. Ich kriege Hunger. Lassen wir das…

Gruß
Oswald