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Koehler-Ruprecht

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Weinschlumpf

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Koehler-Ruprecht Auslese RR 2007

BeitragFr 9. Sep 2016, 22:35

Guten Abend,

gerade habe ich die traurige Nachricht von Susa`s Tod gelesen und überlegt, mit welchem Wein ich heute Abend auf sie trinken soll. Einen Figeac habe ich leider nicht, aber dann ist mir eingefallen, dass Susa auch ein Faible für Koehler-Ruprechts Weine aus dem Saumagen hatte. Das Beste ist für einen Menschen wie Susa gerade gut genug und so habe ich spontan eine Flasche 2007er Auslese (die mit den zwei R) geöffnet und mir direkt einen guten Schluck eingeschenkt. Das Zalto Universalglas war für diesen Giganten noch zu klein, erst das Goldfischglas von Riedel wird ihm gerecht. Viel werde ich über den Wein aber nicht schreiben, da meine Aufmerksamkeit heute nicht dem Wein gilt, sondern der lieben Susa. Ich habe sie einmal persönlich ganz zu Beginn meiner Weinleidenschaft getroffen und sie hat mich in einer derart offenen und herzlichen Art und Weise in der Weincommunity begrüßt und ist mir trotz ihrer Seniorität den ganzen Abend über auf Augenhöhe begegnet, dass mir die Begegnung mit ihr bis heute in aller bester Erinnerung geblieben ist.

Jetzt ganz kurz zum Wein:

In der Nase zunächst sehr verschlossen aber bereits nach wenigen Minuten beginnt er sich zu öffnen. Am Gaumen frisst sich die Säure in alle Geschmacksknospen. Ich bin völlig erschlagen. Vielleicht hätte ich doch besser eine oder zwei Klassen tiefer greifen sollen...ACH WAS..

Für Susa möchte ich keinen anderen Saumagen trinken!

Traurige Grüße

Nikolai
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Michl

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Re: Koehler-Ruprecht

BeitragSa 17. Sep 2016, 19:41

K-R-Weine sind immer wieder ein Rätsel. Gestern hatte ich den 07er Chardonnay geöffnet und dachte sofort, jetzt baut er ab. Irgendwie gezehrt wirkte er, auch der Alkohol stach etwas hervor. Und heute mit viel Luft ist ein ganz und gar reiner, definierter Wein im Glas, den ich nach wie vor mit mindestens 90 P bewerten würde. Ich meine, kein Weingut zu kennen, dessen Weine sich so stark mit Luft verändern und finden können. Großartig!
Viele Grüße

Michl
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Bradetti

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Re: Koehler-Ruprecht

BeitragDi 20. Sep 2016, 09:35

Auf die Gefahr hin, dass ich mich hier bei den K-R-"Jüngern" unbeliebt mache, aber mal eine ketzerische Frage:

Habe ich nicht das gleiche qualitative, eigenständige, unikathafte Erlebnis im Glas wenn ich anstatt der zum Kult avancierten "R" und "RR"-Weine von K-R mir die weitaus günstigeren J.B.Becker-Weine in den Keller lege?

Oder ist es doch die einmalige Stilistik des Saumagens, die den Unterschied macht?

Muss dazu sagen, die "R"-Qualität (oder höher) von K-R hab ich noch nicht im Glas gehabt, die Becker-Weine schon zu Hauf....
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octopussy

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Re: Koehler-Ruprecht

BeitragDi 20. Sep 2016, 09:47

Bradetti hat geschrieben:Habe ich nicht das gleiche qualitative, eigenständige, unikathafte Erlebnis im Glas wenn ich anstatt der zum Kult avancierten "R" und "RR"-Weine von K-R mir die weitaus günstigeren J.B.Becker-Weine in den Keller lege?

Zwei völlig unterschiedliche Typen von Wein, beide Unikate und beide nicht miteinander zu vergleichen. Kalkmergelböden im Saumagen, Lösslehm im Walkenberg. Pfalz vs. Rheingau. Man muss sich von Koehler Ruprecht ja die "R" Weine auch nicht in den Keller legen, obwohl es sich lohnt. Denn nach ausreichend Flaschenreife (hier eher 15-20 als 10 Jahre) können das in guten Jahrgängen die besten Rieslinge sein, die in Deutschland produziert werden. Das Niveau erreichen die J.B. Becker Weine nicht, sie sind zwar langlebig, bleiben aber immer etwas rustikal und kernig. Ich würde sagen: am besten die Rieslinge beider Erzeuger kaufen, bei Koehler-Ruprecht ist auch der Kabinett trocken so gut wie immer schon ein Erlebnis.
Beste Grüße, Stephan
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Bradetti

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Re: Koehler-Ruprecht

BeitragDi 20. Sep 2016, 11:32

Danke dir. Also nicht zu vergleichen! Das wollte ich hören.

Kannst du mir einen bestimmten (noch im Handel erhältlichen) Kabinett-Jahrgang empfehlen?
Wenn ich verfügbare Bewertungen im Netz heranziehe, dann scheint der 14er besser zu sein als 11 und 12. Über 2013 hab ich so richtig nichts gefunden.
Danke nochmal.
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Trinkfreude

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Re: Koehler-Ruprecht

BeitragFr 21. Okt 2016, 21:40

Servus.

Lange, lange habe ich mich selbst diszipliniert, aber heute war es dann soweit: ich habe meine älteste Flasche Riesling aufgemacht: Köhler-Ruprecht, Kallstadter Saumagen Riesling Auslese "R" 2001.

Dem Wein eilt ja ein Ruf voraus, und ich hatte natürlich schon darauf gehofft, einen tollen Stoff im Glas zu haben. Allerdings war ich - unbewußt - eher darauf eingestellt, mich diesem Wein intellektuell zu nähern. Im Gegensatz zum spontanen, "triebgesteuerten", nicht zwingend reflektierten Genuss eines jungen Weins liegt der Reiz gereifter Weine ja oft eher in einem leicht kopflastigen Bewundern der Komplexität, die sie im Lauf der Jahre entwickelt haben, dem bewußten (auch gedanklichen) Eintauchen in ihre verschiedenen Schichten.

Für all das bietet dieser Saumagen mehr als genug Stoff. Was mich jedoch vom ersten Riechen, vom ersten Schluck an schlichtweg umgehauen hat, ist die einzigartige Art, in der dieser Wein beides vereint: den Reiz der aromatischen und geschmacklichen Vielschichtigkeit des reifen Weines und zugleich die schiere ungebremste Lust auf den nächsten Schluck. So etwas habe ich noch bei keinem anderen Weißwein erlebt - dahinter sind alle bisher getrunkenen Morsteine, Kirchenstücke, G-Maxe, aber auch meine bisherigen großen weißen Burgunder samt und sonders zurückgeblieben (manche nur knapp, aber eben doch). Nur ganz wenige Rote (überwiegend 90er Bordeaux) haben mir bisher vergleichbare Erlebnisse beschert.

Die Nase changiert zwischen reifer gelber Steinfrucht (Mirabellen, gelbe Pflaumen), reifem Granny Smith, Akazienblüten, Melisse, warmem Buttergebäck und vielem mehr. Im Mund genau das perfekte Maß an frischer, animierender, aber reif wirkender Säure, in Verbindung mit einer herrlichen Cremigkeit und Fülle, die nahtlos vom ersten Gaumeneindruck bis in den langen Abgang anhält. Trotz seiner 15 Jahre strotzt der Wein nur so vor Saft und Kraft und nochmal Saft. Er ist dicht, konzentriert, schmelzig - doch zugleich leichtfüßig, trinkanimierend, fröhlich. Das pure Glück im Glas...

Der Wein ist einfach nur groß, groß, groß. Für mich ist er makellos, ich habe auch nach langem Nachdenken nicht die geringste Idee, wie er - oder Weißwein überhaupt - noch besser sein könnte. 100 Punkte, ohne wenn und aber. Hätte ich doch nur noch mehr davon...

Viele Grüße
Jürgen
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Weinschlumpf

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Re: Koehler-Ruprecht

BeitragFr 21. Okt 2016, 23:58

Hallo Jürgen,

vielen Dank für diese sensationelle Verkostungsnotiz :D :D :D ! Habe den Wein schon mindestens ein dutzend Mal im Glas gehabt und kann alle deine Eindrücke nur unterstreichen! Im Moment präsentiert er sich echt in einer tollen Verfassung. Mir läuft immer noch das Wasser im Mund zusammen :ugeek:

Viele Grüße
Nikolai
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Trinkfreude

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Re: Koehler-Ruprecht

BeitragDi 25. Okt 2016, 14:46

Hallo Nikolai,

da Du ja offenbar mehr K-R im Keller hast: hast Du zufällig auch eine Wasserstandsmeldung, wie 04, 05 und 07 derzeit in Form sind? Normalerweise würde ich bei K-R ja noch lange die Hände weglassen, aber vor allem bei den wärmeren Jahren 05/07 stelle ich mir die Frage, ob da die Entwicklungskurve nicht etwas schneller verläuft und man doch schon mal reinleuchten sollte. Hattest Du einen davon in letzter Zeit mal?

VG Jürgen
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Michl

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Re: Koehler-Ruprecht

BeitragDo 22. Dez 2016, 20:28

Und heute wieder den Nicht-R-Chardonnay aus 2007 im Glas. Kann das, was ich weiter oben einmal ausführlich geschrieben habe, nur bestätigen. Wenn der häufig benutzte Begriff "subtil" seine Berechtigung hat, dann bei diesem Wein. Vordergründig beeindruckt er wenig, hört man hin, findet man immer neue Facetten. Großartig.
Viele Grüße

Michl
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SaschaT

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Re: Koehler-Ruprecht

BeitragSo 5. Feb 2017, 23:58

Hallo,

Heute war es so weit mein erster Saumagen

Kabinett trocken 2014, geöffnet sehr verschlossen , doppelt dekantiert und wow

Er unterscheidet sich wirklich stark von den gängigen Rieslingen . Moderate Säure bei anderen Rieslingen würde ich das bemängeln aber hier ist es stimmig. In der Nase und am Gaumen Gewürze , jede Menge Obst lacht nicht aber ich finde Melone, Zitrone, Orange , Pfirsiche bei jedem schnuppern kommen andere Eindrücke Zwetschge es hört einfach nicht auf super. Auf der Zunge auch Mineralität und ein langer Abgang . Ich habe jetzt 2x nachgeschaut ob ich nicht doch einen von den R oder RR geöffnet habe zum Glück nicht, die werden noch lange schlummern. 91-92 Punkte habe wirklich lange überlegt und alte Notizen geschaut , aber von der Komplexität ist das mit Abstand der beste Kabinett den ich getrunken habe. Ein neuer Fan ist dem Gut sicher

Tschau

Sascha

Edit: Am besten kommt das Aroma in einem großen Glas, Bordeaux oder Burgunder, und lasst ihn im Glas warm werden
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