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Koehler-Ruprecht

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octopussy

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Re: Koehler-Ruprecht

BeitragMo 6. Jul 2015, 13:45

Ich persönlich habe mich immer darüber gewundert, dass Koehler-Ruprecht Rieslinge als kontrovers bezeichnet werden. Ich empfinde sie in gut 95% der Fälle, in denen ich sie trinke, als sehr harmonisch und klassisch, aber vielleicht gilt ein spontan vergorener, im alten Stückfass oder Doppelstückfass ausgebauter, recht bis sehr trockener Riesling ja heute schon als kontrovers. Sicher steht die Frucht selten im Vordergrund, aber sie ist für mich schon meist zu erkennen. Kräutrige und erdig-würzige Noten sind häufig da, dominieren die Rieslinge für mich aber letztlich nie. Als kontrovers würde ich z.B. die Rieslinge von Peter-Jakob Kühn bezeichnen oder die von Clemens Busch.

Neulich hatten wir übrigens den 1998 Kallstadter Saumagen Riesling Auslese trocken "R", der vielleicht der beste trockene Riesling war, den ich bislang trinken durfte, dicht gefolgt vom 1997er und 2004er R.

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Beste Grüße, Stephan
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Kle

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Re: Koehler-Ruprecht

BeitragMo 6. Jul 2015, 21:21

octopussy hat geschrieben:aber vielleicht gilt ein spontan vergorener, im alten Stückfass oder Doppelstückfass ausgebauter, recht bis sehr trockener Riesling ja heute schon als kontrovers. Sicher steht die Frucht selten im Vordergrund, aber sie ist für mich schon meist zu erkennen. Kräutrige und erdig-würzige Noten sind häufig da, dominieren die Rieslinge für mich aber letztlich nie. Als kontrovers würde ich z.B. die Rieslinge von Peter-Jakob Kühn bezeichnen oder die von Clemens Busch.


Hallo Stephan,

so wie ich Michl verstanden habe – und vielleicht lässt sich mal, zB. in HH, die eine oder andere reale Flasche probieren – ging es nicht um ungewöhnliche oder extreme Aromen – sondern um Zurückhaltung. Teilweise oder temporäre Ausdruckskargheit bzw. Schweigen zuzulassen, auf dem Weg zu einem anderen Ziel, ist wahrscheinlich gewagter, als den Kunden mit Sponti-Aromen zu malträtieren.
Ich finde den Gedanken für viele Weine interessant und auch, weil mir mein erster KR (siehe oben) zu dünn erschien.

Gruß, Kle
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Michl

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Re: Koehler-Ruprecht

BeitragSa 18. Jul 2015, 20:16

Lieber Kle,

ich bemerke gerade erst, dass du noch einmal geschrieben hast :oops: sorry.
Ja, genau darum ging es mir! Du verstehst genau, was ich meine und warum einzelne Weine für mich alles andere als konventionell sind.
Heute habe ich die R-Version aus 2007 geöffnet. Und die schmeckt genau so, wie ich mir die "einfache" Version in geöffneter Weise vorgestellt habe.

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Erstaunlicherweise scheint die R-Version momentan also offener zu sein. Die Länge ist wirklich eindrucksvoll. Ich habe bisher keinen besseren Chardonnay aus Dtl. getrunken zu haben. Dabei ist auch dieser Wein pures Understatement: Da glänzt nichts, nichts will wirken, aber alles wirkt so nachhaltig, so ernsthaft.
Überwäligt war ich aber durch einen Zufall. Ich habe den Wein zunächst zum Seeteufel getrunken (meine Frau trinkt selten Wein, meine Kinder dürfen noch nicht :D ), was sehr gut passte. Der Hammer war jedoch die Kombination mit wirklich warmem (aber ich Kern noch festen) Epoisses. Normalerweise ist das für mich ein Käse, der nach rotem Burgunder schreit. Diese Kombination war jedoch kongenial. Die Chardonnay zeigte plötzlich exotische Töne (Mango), Pistazie, tänzelte ganz leicht und die Säure wurde plötzlich ganz fokussiert. Großartig! Eines meiner kulinarischen Highlights dieses Jahr.
Viele Grüße

Michl
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Michl

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Re: Koehler-Ruprecht

BeitragMi 22. Jul 2015, 07:19

Habe gestern schon 'mal den 13er Saumagen Kabinett geköpft, um zu sehen, ob sich eine Nachbestellung lohnt.
Direkt nach dem Öffnen eine kalte Dusche: Die Säure war derart stark und schräg, der Körper so weich weich und schwach, dass ich das nicht mehr als guten Wein bezeichnen konnte. Da stand alles nebeneinander, der Wein wirkte wie einfachster selbstvergorener Landwein. Punktemäßig hätte ich das nicht mehr im 80er-Bereich verorten können, ich war geschockt. Viele kritisieren K-R ja v.a. bezogen auf die Nach-Philippi-Ära, hier schien mir alle Kritik berechtigt. Ich wollte kein weiteres Glas trinken.
Dann aber passierte etwas, was ich in dieser Form nur von roten Burgundern, aber in diesem Ausmaß noch nicht erlebte: Der Wein harmonisierte sich zunehmend über 3 Stunden und wandelte sich zu einem Weincharakter, den ich am Schluss mit 86-87+ P deutlich im sehr guten Bereich sah. Die Säure fügte sich einem mittleren, aber dennoch kabinettigen Körper, die typischen Heilkräuter kamen zum Vorschein. Ich frage mich nur: Hat sich der Wein so stark gewandelt oder hat sich mein Geschmackssinn einfach dem Wein angepasst. Kommt man aus einem heißen Urlaubsland zurück, mögen einem 20 Grad kalt erscheinen, an einem Frühlingstag jedoch als warm... Ich weiß auch nicht. Eine erste VKN wollte ich vor diesem Hintergrund nicht schreiben. Aber ich werde mir noch ein paar Flaschen in den Keller legen, um in ein paar Jahren selbst zu sehen...
Viele Grüße

Michl
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Jürgen

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Re: Koehler-Ruprecht

BeitragMo 24. Aug 2015, 15:48

Wasserstandsmeldung zum Philippi - Chardonnay R 1999.
Immer noch ein toller Wein aber nicht mehr so stoffig wie vor etwa drei Jahren. Sollte so langsam getrunken werden. Blind getrunken vermutet man den Wein niemals in Deutschland ansässig, sondern steckt ihn eher nach Südfrankreich.
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Jürgen

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Re: Koehler-Ruprecht

BeitragDo 24. Sep 2015, 14:47

Wasserstandsmeldung zum Philippi - Pinot Noir R 2004.
Jetzt kommt/ist er in seiner Genussreife angekommen. Ein exzellenter Vertreter seiner Gattung. Macht schon Spaß ihn zu riechen und erst recht am Gaumen zu schmecken. Unsere Flasche hat ausgezeichnet über zwei Tage gehalten. Zirka 88-90 Punkte von mir.
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Jürgen

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Re: Koehler-Ruprecht

BeitragMi 21. Okt 2015, 10:54

Wasserstandsmeldung zur Auslese Trocken 2010 von Koehler-Ruprecht.
Am ersten Tag machte er - weil so sehr verschlossen - nicht wirklich Spaß. Am zweiten und dritten Tag blieb die Flasche unangetastet. Am vierten Tag war der Wein wesentlich offener als am ersten und mir durchaus 89-90 Punkte wert. Mein Tipp ist noch mindestens fünf Jahre zu warten. Ab 2020 ist der richtig schön.
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octopussy

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Re: Koehler-Ruprecht

BeitragMi 21. Okt 2015, 14:09

Jürgen hat geschrieben:Wasserstandsmeldung zur Auslese Trocken 2010 von Koehler-Ruprecht.
Am ersten Tag machte er - weil so sehr verschlossen - nicht wirklich Spaß. Am zweiten und dritten Tag blieb die Flasche unangetastet. Am vierten Tag war der Wein wesentlich offener als am ersten und mir durchaus 89-90 Punkte wert. Mein Tipp ist noch mindestens fünf Jahre zu warten. Ab 2020 ist der richtig schön.

Hallo Jürgen,

welche trockenen Auslesen ohne "R" sind denn deiner Ansicht nach aktuell gut zu trinken? Die Weine reifen so langsam, ich bin aktuell noch bei 2007 und 2008 Kabi trocken, die sind jetzt gerade aber recht schön.

On another note: bei der 2005er Auslese Trocken R scheint es ganz erhebliche Flaschenvarianzen zu geben. Über den 2005er habe ich bislang fast nur negatives gelesen. Nach einer korkigen (oder muffigen?) Flasche war eine zweite allerdings durchaus überzeugend, wenn auch nicht auf dem Level anderer Jahrgänge wie 2004.

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Beste Grüße, Stephan
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Jürgen

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Re: Koehler-Ruprecht

BeitragMi 21. Okt 2015, 14:56

Hallo Stephan,

wir trinken den 2007er Kabinett auch gerade mit Genuss. Der ist erstaunlich gut für einen Kabinett!
An die 2005er R Auslese bin ich noch gar nicht drangegangen. Ich würde sagen, alles älter als 2006 kann man jetzt wahrscheinlich gut trinken. 2006 und 2007 Auslese trocken haben mir nie so wirklich dolle gefallen. Ich habe aber auch nicht in jedem Jahr die "normale" Auslese trocken gekauft. Meist habe ich mir die R-Variante zugelegt ;) 2000 Auslese trocken war mal super.
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Michl

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Re: Koehler-Ruprecht

BeitragFr 18. Dez 2015, 20:23

Heute wieder ein Weinerlebnis, wie es in dieser Form immer wieder Koehler-Ruprecht-Weine schaffen. Ein Wein, den ich ehrlich gesagt nur aus Geiz und aufgrund der starken Aromen des Essens nicht in den Ausguss schüttete, wandelte sich binnen 2 Stunden an der Luft derart drastisch, dass es mir kaum nachvollziehbar scheint. Zu frittiertem Gemüse und Fisch (indisch, viel Curry) mit Limetten-Knoblauch-Chili-Joghurt harmonierte der Wein wunderbar. Später ein weinintellektueller Genuss für Altweinliebhaber, der nicht in den Punkten zum Ausdruck kommt:

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Viele Grüße

Michl
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