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Koehler-Ruprecht

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kristof

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Re: Koehler-Ruprecht

BeitragSa 30. Mai 2015, 12:40

Kirchspiel Keller 2008 war letztens super!
Viele Grüße,

Christoph
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Michl

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Re: Koehler-Ruprecht

BeitragSa 4. Jul 2015, 20:29

Ich oute mich als großer K-R-Fan. Ich hatte noch keine schlechte Flasche, nur schlechte Trinkzeitpunkte. Die Rieslinge zählen für mich bis 2010 (Jüngeres habe noch nicht angerührt) zum Charaktervollsten und Faszinierendsten, was in Dtl. erzeugt wurde. Und jetzt darf ich meinen ersten Chardonnay trinken, und was passiert? Ich bin mindestens so beeindruckt wie von meinem ersten K-R-Riesling, ehrlich gesagt bin ich geflasht. Zunächst ist da diese Heilkräuter-Stilistik, die auch die Rieslinge kennzeichnet (v.a. Kamille), die mir ungemein gefällt. Fasziniert mich bei den Rieslingen manchmal die Nase mehr, so kommt hier aber die Geschmacksentwicklung hinzu: Der Wein ist im Mund ein Rätsel und will es scheinbar sein. Er wirkt aromatisch limitiert, ist es aber nicht, immer wieder tritt einem etwas Ungreifbares entgegen, um sich sofort wieder zu entziehen. Der Nachhall ist kaum spürbar, aber dennoch lang und voller Hintergründigkeit. Die Säure wirkt zunächst zu mild, muss aber genau so sein, nur so ist der Wein authentisch und stimmig. In ihm ist jede Komponente Teil einer größeren Persönlichkeit, der aber jedes Interesse an Aufmerksamkeit abzugehen scheint. Wer filigrane, schlanke, pointierte, fokussierte und säurebetonte Chardonnays schätzt (eigentlich ist das mein Stil) wird möglicherweise wenig Gefallen finden. Wer vom ersten Schluck an beeindruckt sein will, wird möglicherweise den Kopf schütteln. Wer aber eine weinintellektuelle Herausforderung sucht, der kann mit diesem Chardonnay glückliche Momente erleben.
Bei den meisten VKNs halte ich letztlich Punkte für gewinnbringend. Bei diesem Wein werden sie dem Vergnügen nicht gerecht:

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Ich bin schon sehr auf den 2007er Chardonnay R gespannt, der erst vor Kurzem zum Verkauf freigegeben wurde. Auch diese Verkaufspolitik zeigt, wie ernst der Wein genommen wird.
Viele Grüße

Michl
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Kle

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Re: Koehler-Ruprecht

BeitragSo 5. Jul 2015, 13:58

Hallo Michl,

Deine Beschreibung hat mich aufhorchen lassen – zum einen wegen der spannenden und gut nachvollziehbaren Schilderung von schwerer zu greifenden - für mich oft entscheidenden – Phänomenen beim Weinprobieren. Und, da Koehler-Ruprecht bei mir in letzter Zeit in den Vordergrund gerückt ist, mit hohen Bewertungen bei verdeckten Proben. Zu einem geschenkten Saumagen Spätlese 2012 schrieb ich kürzlich:
Noch genau weiß ich, wie ich die Saumagen-Spätlese von Koehler-Ruprecht vor vielen Jahren zum ersten Mal getrunken habe. Damals fand ich den Wein enttäuschend dünn. Ganz anders nun der 2012er. Gerade er hat mich an frühe Erfahrungen mit deutschen Rieslingen erinnert wie an ein Leibgericht aus der Kindheit. In letzter Zeit habe ich mich mehr mit anderen Anbaugebieten beschäftigt und der geschmackliche Abstand lässt die Reize ähnlich eindrucksvoll hervortreten wie beim ersten Mal. Der Saumagen erfüllt eigentlich alle Riesling-Klischees im besten Sinne. Herbwürzig, mit saftig angereiften Fruchtnoten, nicht zu sauer, nicht zu süß, tänzelnd, aber kräftig. Er sichert sich nach allen Seiten ab und will, dass man ihn mag. Was ihm gelingt! Ist man in der Stimmung, sich aus der Reserve locken zu wollen, trinkt man eben etwas anderes.

Gruß, Kle
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Michl

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Re: Koehler-Ruprecht

BeitragSo 5. Jul 2015, 14:33

Hallo Kle,

ich habe die 2012er noch nicht angerührt, kann also nicht konkret Stellung nehmen, aber deine Beschreibung klingt für mich etwas widersprüchlich. Einerseits erscheint dir der Riesling reizvoll, andererseits sichere er sich nach allen Seiten ab und wolle, dass man ihn mag. Ist das für dich positiv?
Ehrlich gesagt habe ich K.-R. so nie wahrgenommen. Für mich sind diese Weine in ihrer Art eher kompromisslos und polarisierend. In manchen Jahrgängen ist z.B. die Säure ja eher Riesling-untypisch mild (Bsp. 2009), was man als Absicherung verstehen könnte. Im Kontext des Gesamterscheinungsbildes (wenig Zug, fast schon stoisch anmutende Zurückgenommenheit (was auch in gewisser Weise für den Chardonnay zutrifft)) ist die Säure aber eher ziemlich unkonventionell und völlig gegen die Mainstream-Erwartung an einen Riesling gebürstet. Mich fasziniert, dass dabei Weine entstehen, die man zwar für einzelne Komponenten kritisieren könnte, die aber im Gesamtergebnis eine höhere Qualität gewinnen, welche eben nicht auf die Summe der Einzelteile zurückführbar ist. K-R gelingt damit für mich etwas, das zumindest, was die Wahrnehmungsqualität angeht, ästhetischen, letztlich Kunstcharakter hat (obwohl mir die Gleichsetzung von Wein und Kunst sonst etwas bemüht erscheint).
Viele Grüße

Michl
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Jürgen

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Re: Koehler-Ruprecht

BeitragSo 5. Jul 2015, 14:54

Ab Weingut war - zumindest bis vor kurzem - noch der 2003er Chardonnay erhältlich. Aus diesem Jahr ein ganz vorzüglicher Wein. Der 1999er Chardonnay R ist übrigens sensationell gut.

Gruß von der Terrasse mit 42 Grad Celsius im Schatten :shock:
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Kle

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Re: Koehler-Ruprecht

BeitragSo 5. Jul 2015, 15:58

Hallo Michl,

nein, das ist für mich kein Widerspruch. Viele reizvolle Dinge legen es zum Teil darauf an, dass man sie mag. Ich empfand eine gewisse Gefälligkeit. Sie wirkte nicht übertrieben, limitierte den Wein jedoch im Vergleich zu kompromissloseren Sachen.
Als polarisierend oder unkonventionell empfand ich den Wein jedenfalls überhaupt nicht.

Gruß, Kle
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Kle

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Re: Koehler-Ruprecht

BeitragSo 5. Jul 2015, 18:30

Michl hat geschrieben:In manchen Jahrgängen ist z.B. die Säure ja eher Riesling-untypisch mild (Bsp. 2009), was man als Absicherung verstehen könnte. Im Kontext des Gesamterscheinungsbildes (wenig Zug, fast schon stoisch anmutende Zurückgenommenheit (was auch in gewisser Weise für den Chardonnay zutrifft)) ist die Säure aber eher ziemlich unkonventionell und völlig gegen die Mainstream-Erwartung an einen Riesling gebürstet. Mich fasziniert, dass dabei Weine entstehen, die man zwar für einzelne Komponenten kritisieren könnte, die aber im Gesamtergebnis eine höhere Qualität gewinnen, welche eben nicht auf die Summe der Einzelteile zurückführbar ist. K-R gelingt damit für mich etwas, das zumindest, was die Wahrnehmungsqualität angeht, ästhetischen, letztlich Kunstcharakter hat (obwohl mir die Gleichsetzung von Wein und Kunst sonst etwas bemüht erscheint).


… im Kontext vieler kritischen Diskussionen um Saumagen Auslese trocken, bzw. Saumagen Auslese R (meine Ausführungen betreffen ja Saumagen Spätlese trocken) bei Verkostungen ist dies auf alle Fälle eine buchstäblich weiterführende Interpretation. Denn die vermeintliche Schwäche von Einzelkomponenten fällt beim naturgemäß raschen Reihenverkosten stark ins Gewicht, während es kaum möglich ist, den Wein in seiner körperzeitlichen Gesamtheit zu würdigen. Ich denke auch, dass Einzelkomponenten nicht unabhängig betrachtet werden sollten, und dass ihre Bewertung je nach Zusammenhang relativ sein kann. Für großartige Weine muss z.B. Länge nicht zwingend sein… Falls es keine Kunst ist, ist diese mögliche Umwertung der Werte in einem Wein zumindest sehr künstlerisch – kreativ und intelligent.

Gruß, Kle
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Michl

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Re: Koehler-Ruprecht

BeitragMo 6. Jul 2015, 08:28

Kle, das freut mich sehr, dass wir das gleich sehen. Schade, dass man nicht virtuell eine Flasche gemeinsam leeren kann, das würde mir große Freude machen...
Viele Grüße

Michl
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weingollum33

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Re: Koehler-Ruprecht

BeitragMo 6. Jul 2015, 08:59

Kle hat geschrieben:
Der Saumagen erfüllt eigentlich alle Riesling-Klischees im besten Sinne. Herbwürzig, mit saftig angereiften Fruchtnoten, nicht zu sauer, nicht zu süß, tänzelnd, aber kräftig. Er sichert sich nach allen Seiten ab und will, dass man ihn mag. Was ihm gelingt! Ist man in der Stimmung, sich aus der Reserve locken zu wollen, trinkt man eben etwas anderes.

Für mich fallen die Weine von K-R im Vergleich zu den sonstigen namhaften Pfälzer Erzeugern aus dem Rahmen. Ich würde sie deshalb auch eher als Charakterweine bezeichnen. Sie sind eben genau nicht in einem Stil vinifiziert, der jedem gefallen möchte.

Was die normale Spätlese vom Saumagen (die Trockene) angeht, hatte ich auch schon einige Flaschen, die mich enttäuscht haben. Ich bin mir allerdings nicht ganz sicher, ob ich sie nicht manchmal auf dem falschen Fuß erwischt und teilweise zu früh konsumiert habe. Die 2004er erschienen mir früh ziemlich müde und ich habe sie etwas enttäuscht dann zeitnah geköpft.

Davon mal abgsehen handelt es sich für meinen Geschmack ganz einfach um interessante, tolle Weine (auch jenseits der Spät- und Auslesen R/ RR). Ich hatte beispielsweise einen 2001er Riesling aus dem Barrique vor ein paar Jahren. Selbst nach zehn Jahren, war der Wein unglaublich jung ...

Seit der Übernahme des Weinguts durch einen Investor habe ich allerdings keine Flaschen mehr erworben. Insofern liegen mir keine aktuellen Erfahrungen vor.

Gruß Tobias
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weingollum33

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Re: Koehler-Ruprecht

BeitragMo 6. Jul 2015, 09:06

Kle hat ferner geschrieben:
Ich denke auch, dass Einzelkomponenten nicht unabhängig betrachtet werden sollten, und dass ihre Bewertung je nach Zusammenhang relativ sein kann. Für großartige Weine muss z.B. Länge nicht zwingend sein…

Volle Zustimmung!!
Gruß Tobias
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